Matthew Lombardi

29. Dezember 2013 19:18; Akt: 29.12.2013 22:14 Print

Die Multikulti-Attraktion von Servette

von Marcel Allemann - In der NHL fiel Matthew Lombardi (31) durch den Raster. Frustrieren kann ihn dies nicht – er geniesst sein aktuelles Leben in Genf und den Spengler Cup mit Servette.

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Grossel Jubel im Servette-Lager: Völlig unerwartet gewinnt das Team von Chris McSorley den 87. Spengler Cup. Im Final besiegen die Grenats ZSKA Moskau mit 5:3. 4 Siege in 4 Spielen innert 5 Tagen. Die Genfer gewinnen den ersten Titel ihrer 108-jährigen Vereinsgeschichte. Die Genfer verblüffen nach dem gestrigen Sieg gegen das Team Kanada auch heute und lassen die Superstars um Frolov, Radulov und Filppula wie Schulbuben aussehen. Obwohl die Genfer 4:0 führen, kommen die Russen nochmals bis auf 4:3 heran. Am Schluss trifft Daugavins noch ins leere Tor und besiegelt den Gewinn des Spengler Cup. Die Servettiens lassen sich feiern: Genf spielt morgen gegen ZSKA Moskau um den Pokal des Spengler Cup. Die Genfer spielen über 55 Minuten stark und konzentriert und lassen die Kanadier mit einer cleveren Taktik verzweifeln. Die Ahornblätter ihrerseits enttäuschen und vermögen nur in den Schlussminuten durch zwei Tore innerhalb von zwei Minuten nochmals Spannung aufkommen. Am Schluss reicht es jedoch nicht. Der Traum vom Spengler-Cup-Sieg endet für den HC Davos im Halbfinal. Das Heimteam muss sich ZSKA Moskau im Penaltyschiessen geschlagen geben. Das Team um die Superstars Fedorov, Radulov und Filppula trifft in der Kurzentscheidung einmal mehr als der HCD und siegt 5:4. Das Spiel ist spannend und kippt von einer zur anderen Seite. Hier erzielt Niklas Danielsson den 2:1-Führungstreffer für die Davoser. Schlussendlich ist der Sieg der Russen nicht unverdient, obwohl der HCD vor allem im letzten Drittel genügend Chancen zum Sieg gehabt hat. Das Team Canada besiegt die Rochester Americans 6:3. Damit stehen die Kanadier im Halbfinal gegen Genf. Hier schiesst Biron Ritchie das 1:0. Goalie Nathan Lieuwen ist machtlos. ZSKA Moskau strauchelte zwar, fiel aber nicht. Die Russen setzten sich nach Verlängerung 3:2 gegen Vitkovice durch. Im Halbfinal treffen die Mannen um Goalie Ratislav Stana am Montag um 15 Uhr auf den HC Davos. Die Davoser starten besser in die Partie als die Konkurrenz des Team Canada. Aber im ersten Drittel heisst die Endstation immer wieder Allen York. Im zweiten Drittel muss sich Allen York dann aber geschlagen geben. Enzo Corvi jubelt mit seinen Kollegen über das 2:0 von Peter Guggisberg. Am Ende lautet das Skore 3:2 für den HCD. Die Kanadier müssen nicht nur während des Spiels einstecken, am Ende gibts noch eine Niederlage oben drauf. Die Davoser behalten in einer hektischen Schlussphase die Nerven und setzen die besseren Treffer. Genf-Servette dreht das Spiel gegen ZSKA Moskau, siegt in der Verlängerung mit 4:3 und steht direkt im Halbfinal. Alexandre Picard (hinten) sorgt mit seinem Tor zum 3:3 für die Verlängerung... ...in der Kaspars Daugavins (m.) zum Sieg einhämmert. Den Davosern gelingt ein Auftakt nach Mass. Gegen Vitkovice siegt der Gastgeber zum Auftakt 5:1. Dank einen Doppelschlag in der 4. Minute ist der HCD schon schnell auf dem richtigen Weg. Leonardo Genoni kann eine Fangquote von 97 Prozent vorweisen. Vor dem Spiel wird Jsoef Marha verabschiedet und geehrt. Der Verteidiger, der 12 Jahre für den HCD spielte, kam extra mit dem Auto aus Tschechien. Moskau gelingt am Nachmittag der Start am Spengler Cup ebenfalls. Gegen Rochester siegen die Russen 4:3. Das amerikanische AHL-Team leistet aber sehr viel Gegenwehr. Bei Moskau steht Sergej Fedorov im Fokus. Mit 44 Jahren kehrt der Star noch einmal aufs Eis zurück. Das Team Canada bezwingt Vitkovice in einer torreichen Abendpartie 5:4. Servette startet mit einem Sieg in den Spengler Cup. Die Genfer gewinnen gegen das AHL-Team Rochester Americans 5:0. Die Nachmittagspartie ist sehr gut besucht. Vor dem Spiel müssen die Zuschauer im Schneefall auf den Einlass ins Stadion warten.

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Matthew Lombardi ist für Servette ein absoluter Glücksfall. Ähnlich wie bei Klotens Peter Mueller steht ausser Frage, dass ein Mann mit seinen Fähigkeiten eigentlich in die NHL gehört, aber gleich wie Mueller fiel er wegen einer Verletzungsgeschichte in vertragslosem Zustand durch das Raster. Bei Mueller sind Hirnerschütterungen die Achillessehne, bei Lombardi war es zuletzt eine schwere Schulterverletzung. «Klar hätte ich lieber einen NHL-Vertrag unterschrieben, aber es ist nicht so, dass mich meine jetzige Situation deswegen frustriert. Im Gegenteil, ich bin glücklich, hier zu sein und diese neue Erfahrung zu machen. Ich habe viel Spass mit meiner Mannschaft», sagt der Center, der für Calgary, Phoenix, Nashville, Toronto und Anaheim insgesamt 576 NHL-Spiele (104 Tore, 174 Assists) bestritt und 2007 mit Kanada Weltmeister wurde.

Während für Klotens Mueller klar ist, dass er nach dieser Saison eine Rückkehr in die NHL anstrebt, lässt sich Lombardi, der für ein Jahr in Genf unterschrieb, alle Optionen offen: «Wir werden sehen, vielleicht ergibt sich drüben etwas, vielleicht auch nicht, dafür aber hier. Ich konzentriere mich auf den Moment und den Rest sehen wir dann Ende Saison.»

«Ich liebe alles Italienische»

Lombardi ist nicht nur ein interessanter Eishockeyspieler, sondern hat auch eine spannende Familiengeschichte. Denn aufgrund seiner Gene ist er eigentlich ein Europäer. Sein Vater ist ein nach Kanada ausgewanderter Italiener und seine Mutter eine nach Kanada ausgewanderte Schottin. «Die italienische Kultur meines Vaters hat mich sehr geprägt, ich liebe alles Italienische, doch leider spreche ich die Sprache nicht», bedauert der Stürmer. Aufgewachsen ist er in Montreal, allerdings im englischsprachigen Teil, weshalb seine Muttersprache auch Englisch ist. «Französisch habe ich dann in der Schule gelernt», erklärt der Multikulti-Eishockeyaner.

Über die Weihnachtstage hat Lombardi aus Montreal Besuch von seiner Familie erhalten, sein Vater, seine Schwester und sein Bruder haben ihn nach Davos begleitet, sein Bruder Chris bestritt am Sonntagmittag sogar die Trainingseinheit der Servettiens mit, denn auf dem Eis waren nur jene Spieler, die tags zuvor beim 4:3-Sieg über ZSKA Moskau nicht zum Einsatz gekommen waren. Chris Lombardi half somit mit, dass das Genfer Training aufgrund des dünnen Personalbestandes nicht allzu trostlos aussah. «Bis er 14 war, hat mein Bruder ebenfalls Eishockey gespielt, doch inzwischen hat er die Schlittschuhe schon lange nicht mehr angehabt», erzählt Matthew Lombardi. Grossen Spass hatten die beiden trotzdem.

Der Stürmer brauchte Anlaufzeit

Lombardi wurde gegen den ZSKA Moskau geschont. Nicht zuletzt, weil er eine sehr intensive Phase hinter sich hat. Wegen seiner Schulterverletzung konnte er die Saisonvorbereitung nicht mitmachen und stieg erst Ende September bei Servette in den Meisterschaftsbetrieb ein. Entsprechend brauchte der Stürmer eine gewisse Anlaufzeit, um in Fahrt zu kommen. «Rund einen Monat benötigte ich schon», sagt er.

Inzwischen ist der Kanadier jedoch mit 13 Toren und 15 Assists aus 32 Spielen auf Rang 7 in der Skorerliste angekommen. Trotzdem befindet sich Spengler-Cup-Überflieger Servette in der Meisterschaft in Nöten und muss hart um die Playoffs kämpfen. «Uns fehlt die Konstanz», hat Lombardi als Hauptproblem ausgemacht. Den Spengler Cup wollen die Westschweizer nutzen, um an diesem Übel zu arbeiten. Am Montag möchten sie sich mit einem dritten Glanzauftritt bei ihrer zweiten Spengler-Cup-Teilnahme erstmals für den Final qualifizieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flyers-fan am 29.12.2013 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Spieler

    Eine Attraktion im CH-Eishockey.... Würde Lombardi gerne in Kloten sehen nächste Saison

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  • Gseewas am 29.12.2013 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nume züri

    und schweizer meister wird der ZSC

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gseewas am 29.12.2013 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nume züri

    und schweizer meister wird der ZSC

    • Timo am 29.12.2013 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nein

      Nein einmal dreht sich nicht alles um Züri. Finde schön dass 20min auch mal was von Servette berichtet.

    • JB am 30.12.2013 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      Ich liebe den Spengler cup. Es kommen auch mal andere Schweizer teams zum zug

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  • Flyers-fan am 29.12.2013 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Spieler

    Eine Attraktion im CH-Eishockey.... Würde Lombardi gerne in Kloten sehen nächste Saison

    • R.K. am 29.12.2013 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bianconeri Panther

      Da er das italienische liebt, wird er, falls kein nhl- türchen aufspringt, ab nächster saison in lugano spielen. Metro wird vielleicht noch eine saison spielen, heikkinen nach zug wechseln. Micflickier, Mclean und luganos schwede haben verträge für nächste saison und mit chiesa kommt ein erfahrener verteidiger und haudegen zu den wurzeln zurück!!!

    • Dani Streit am 29.12.2013 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vergesst es

      Seine Frau liebt Genf :-) entweder NHL oder Genf die nächste Saison :-)

    • Tia T am 30.12.2013 00:19 Report Diesen Beitrag melden

      @ R.K.

      So so..Chiesa's Wurzeln sind also in Lugano Fragen Sie in mal.. in Bianca aufgewachsen und bis 19 in Ambri gespielt.. aber ja..Lugano wird ihm gefehlt haben..

    • R.K. am 30.12.2013 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chiesa

      @Tia T 2002 -2004 hat er bei ambri als elite a-junior gespielt, danach 27 spiele für ambri in der nla. Nachher zu lugano gewechselt, leihweise in chur gespielt. 189 spiele für die bianconeri als stammverteidiger, 2006 meister mit lugano!!! Bei ambri kaum gespielt, keine richtige Ausbildung, da kann man wohl sagen er geht zurück zu den wurzeln!!!

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