«Time out»

03. Oktober 2011 14:14; Akt: 03.10.2011 15:41 Print

Die New York Rangers kommen – na und?

von Klaus Zaugg - Heute misst sich der EV Zug mit den New York Rangers. Der NLA-Leader hat gegen das NHL-Team eine Chance. Es ist alles eine Frage der Einstellung.

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Die bisherigen drei Partien von Schweizer Teams gegen NHL-Mannschaften zeigen das Problem: Der SC Bern erstarrte 2008 in Ehrfurcht und wurde von den New York Rangers 1:8 gedemütigt. Diese Partie ist bis heute eine der schlimmsten, schmählichsten sportlichen Niederlagen der Berner. Coach John van Boxmeer hatte die Partie im Voraus verloren gegeben.

Arno Del Curto liess sich 2009 gegen die Chicago Blackhawks zu einer unrealistischen «Kavallerie-Taktik» provozieren, die Davoser liefen ins Leere und verloren 2:9. Nur die ZSC Lions mit einem durch den Gewinn der Champions Hockey League gestärkten und polierten Selbstvertrauen blieben nur einen Tag nach dem Davos-Debakel cool. Trainer Sean Simpson arbeitete die richtige Taktik aus, keinem fiel das Herz in die Hose, die Zürcher siegten 2:1 und holten den Victoria's Cup. Ja, das waren noch Zeiten im Hallenstadion. Und vielleicht ist seither halt das Ego der ZSC Lions zu glänzig poliert und zu gross. Aber wir wollen nicht vom Thema abkommen.

Auf europäischen Eisfeldern nicht chancenlos

Sportlich haben die aktuellen NLA-Spitzenteams (Davos, Zug, Bern, Kloten Flyers), ja selbst Fribourg und Lugano auf europäischen Eisfeldern gegen jedes NHL-Team eine kleine Chance. Warum glaubt niemand so recht daran? Das Problem ist die masslose Überschätzung der Leistungsstärke der Teams der besten Liga der Welt. Sie beruht auf Legendenbildung.

Der Mythos NHL ist auch im 21. Jahrhundert in der Schweiz ungebrochen. Es gibt keine regelmässigen TV-Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, und das erhöht die Legendenbildung. Nach wie vor kennen die meisten die NHL nur aus dem Internet und Überlieferungen und nicht aus eigener Erfahrung. Ich habe mehr als 200 NHL-Spiele vor Ort gesehen und dort unzählige Gespräche mit Spielern, Trainern und Manager geführt – und dann zeigt sich, dass in der NHL auch «nur» Eishockey gespielt wird.

Mehr Schein als Sein

Die NHL ist in erster Linie einmal eine straff zentralistisch geführte, lärmige PR-Maschine, die perfekt vermarktet wird und mit über drei Milliarden Jahresumsatz zum «Big Business» gehört. Wer zur NHL gehört oder wenigstens als Scout oder Helfer eine NHL-Schirmmütze tragen darf, wird von Sendungsbewusstsein beseelt. Wer zum ersten Mal ein NHL-Spiel live sieht, wird so sehr vom drum herum beeindruckt, dass er beim Eishockey schon gar nicht mehr so kritisch hinschaut wie daheim. So wie ein lautes, grell bemaltes Auto schneller scheint, so erweckt die NHL durch ihr Auftreten Spielstärke. Tatsächlich ist die NHL eine allmächtige Liga. Sie hat im Quadrat mehr kommerzielle Macht und sportpolitischen Einfluss als die gesamte übrige Hockeywelt zusammengenommen.

Durch die kleineren Eisfelder hat sich eine andere Spielkultur entwickelt: Die Partien sind, weil es weniger Platz hat, ganz einfach intensiver, das Eishockey ist im volkstümlichen Sinne härter. Durch die enorme Anzahl Spiele (84 in der Qualifikation) mit einem Saisonstart im Oktober und einem Saisonende (Stanley-Cup-Final) im Juni, und durch die Verteilung der Teams kreuz und quer über einen ganzen Kontinent, ist die NHL ein für Europäer unvorstellbar harter Abnützungskampf. Dazu kommt die harsche nordamerikanische Leistungskultur.

NHL funktioniert gleich wie NLA

Aber Eishockey ist Eishockey. Bei genauerem Hinsehen und Hinhören zeigt sich, dass die Mannschaften aus den gleichen Gründen funktionieren oder eben nicht funktionieren wie bei uns. Die Coaches und Manager begehen ähnliche Torheiten wie bei uns und benützen die gleichen Ausreden. Die Spiele sind vor allem zwischen Dezember und Februar oft von schlechter Qualität. Mehr als die Hälfte der rund 800 NHL-Profi könnte in der Schweiz in einem NLA-Team keine Leaderrolle übernehmen.

Die Schweizer haben schon mehrmals bewiesen, dass sie durchaus mit den NHL-Superstars auf Augenhöhe spielen können: Beim Olympischen Turnier haben wir gegen die besten kanadischen NHL-Profi 2006 in Turin 2:0 gewonnen und 2010 in Vancouver auf den kleinen nordamerikanischen Eisfeld (!) erst im Penaltyschiessen verloren. Im Spiel gegen die kanadische Nationalmannschaft gibt es diese Angst vor der NHL nicht.

Nicht vor Ehrfurcht erstarren

Mit Glück, der richtigen Taktik und einem Jussi Markkanen in Form können die Zuger die Rangers heute Abend fordern, und sie haben sogar eine kleine Siegeschance. Aber eben nur, wenn sie nicht vor Ehrfurcht erstarren und sich nicht davon abbringen lassen, ihr gewohntes Hockey zu spielen. Und die Vorbereitung nicht anders abläuft als vor dem Spitzenkampf gegen den SC Bern. Den haben die Zuger ja 4:0 gewonnen. Die Rangers kommen – na und?

20 Minuten Online berichtet heute Abend ab 20 Uhr live vom Luxus-Testspiel zwischen dem EV Zug und den New York Rangers.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mutsch am 03.10.2011 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schnelligkeit versus Muskelkraft

    genau 8 : 4 na und...... NYR nur auf dem Papier stark !

  • Ueli Niederöst am 03.10.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Recherche?

    Also wer über 200 Live NHL Spiele gesehen hat weiss, dass ganz bestimmt die Qualifikation 82 und nicht 84 Spiele umfasst ... dies einfach mal so nebenbei, wohl kaum ein Schreibfehler (die 4 liegt nicht direkt neben der 2). Auch sonst dient dieser Artikel wohl mehr dem EVZ Fan zur Hoffnung als dem generellen Eishockeyfan um was zu lernen. Was der ZSC erreicht ist für unser Eishockey auf jeden Fall ein Meilenstein und trotzdem nicht mehr als eine Ausnahme - was übrigens jeder auch ohne 200 LIVE Spiele beurteilen kann. Eines ist auf jeden Fall klar: Die NHL kann def. mehr!

  • was soll am 03.10.2011 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    wiesoo..

    wieso ist dann, um jemanden aus dem Artikel zu nehmen, Jussi Markkanen - bekanntlich trotz seiner vielen Unsicherheiten immer eingesetzt - nicht mehr in der NHL tätig? Wenn ja die NHL-Spieler nicht wirklich besser sein sollen als die NLA-Spieler.. wieso spielt ein Andy Wozniewski nicht mehr in der NHL? etwa, weil er zu gut ist? wieso wird Raffaele Diaz wahrscheindlich nicht von Beginn weg bei den Canadiens spielen? Weil er so eingeschlagen hat? wie kommt es, dass ein Spieler wie Randy Robitaille, der in der NHL nicht gerade einer der Besten war, bei den Lions Liga-Topskorer wurde?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mutsch am 03.10.2011 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schnelligkeit versus Muskelkraft

    genau 8 : 4 na und...... NYR nur auf dem Papier stark !

  • was soll am 03.10.2011 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    wiesoo..

    wieso ist dann, um jemanden aus dem Artikel zu nehmen, Jussi Markkanen - bekanntlich trotz seiner vielen Unsicherheiten immer eingesetzt - nicht mehr in der NHL tätig? Wenn ja die NHL-Spieler nicht wirklich besser sein sollen als die NLA-Spieler.. wieso spielt ein Andy Wozniewski nicht mehr in der NHL? etwa, weil er zu gut ist? wieso wird Raffaele Diaz wahrscheindlich nicht von Beginn weg bei den Canadiens spielen? Weil er so eingeschlagen hat? wie kommt es, dass ein Spieler wie Randy Robitaille, der in der NHL nicht gerade einer der Besten war, bei den Lions Liga-Topskorer wurde?

  • Dario Langenegger am 03.10.2011 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Zug

    Super dass Zug gegen die New York Rangers spielen können. Da können sie zeigen was sie drauf haben. Hopp Zug

  • ZSC FAN am 03.10.2011 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Go ZUG!!

    Die Rangers sind ja eher eines der schelchteren NHL Teams. Demzufolge rechne ich den Zugern gute Chancen auf einen Sieg ein. So ist heute also einer der seltenenn Momente in dem ich dem EVZ mal die Daumen drücke.

  • Charles am 03.10.2011 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    NHL "Maschinerie"

    Danke für diesen Artikel. Habe auch schon einige NHL vor Ort gesehen und war alles andere als Beeindruckt. Jetzt weiss ich warum. Es war jeweils im Januar...:-) Ich finde das ganze drum herum dort typisch "Human Resources". Wie kann man sich bloss in solche "Hände" begeben und das freiwillig. Wegen den Millionen die es zu verdienen gibt? Auch nur an einige...ich war nie Fan von dieser Liga. Keine Ehrfurcht meinerseits. Im Gegenteil. So warte auf Angriffe....