Theater in Kloten

19. April 2012 23:34; Akt: 20.04.2012 14:22 Print

Die Versöhnung der Unversöhnlichen

von Klaus Zaugg - Eine schier unglaubliche Wende im grossen Klotener Dorftheater: Adrian Fetscherin entschuldigt sich in aller Form bei Jürg Bircher. Dieser behält sich rechtliche Schritte vor.

storybild

Adrian Fetscherin (r.) entschuldigt sich bei Jürg Bircher und den Fans. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nur die Beziehung zwischen Richard Burton und Liz Taylor (zweimal verheiratet/geschieden plus Zusammenleben in wilder Ehe) dürfte noch stürmischer verlaufen sein als die Hockey-Geschäftsverbindung zwischen Jürg Bircher, Präsident und Besitzer der Kloten Flyers, und Adrian Fetscherin, der eigentlich Präsident und Besitzer der Kloten Flyers werden wollte.

Zuerst die feierliche «Eheschliessung» am 10. Februar 2012. Die Unterzeichnung und öffentliche Verkündung der Verträge für eine Stabsübergabe per 1. Mai 2012 von Jürg Bircher zu Adrian Fetscherin. Eine sechsstellige Summe wird schon mal als Anzahlung für den Kauf der Aktien geleistet. Nach einem Stufenplan wird Adrian Fetscherin ab 1. Mai 2012 nicht nur Präsident und Manager, sondern nach und nach auch Besitzer der Kloten Flyers werden. Wie ein strahlender Held ist Fetscherin auf der Klotener Hockeybühne erschienen, um die Flyers aus den finanziellen Schwierigkeiten zu retten.

Dann der Krach zu Beginn dieser Woche
: Die fristlose Kündigung dieses Vertrages durch Fetscherin, die Forderung, das Geld zurückzubekommen, die schriftliche Begründung für den Ausstieg und die öffentliche Abrechnung. Fetscherin bezeichnet Bircher am Dienstag per Medienmitteilung als Lügner, verbreitet das Gerücht, auch Birchers Firmengruppe habe Zahlungsschwierigkeiten und kündigt an, doch bei den Flyers einsteigen zu wollen - wenn Bircher weg sei. Am Mittwoch die geradezu legendäre Rechtfertigungs-Medienkonferenz von Bircher und gleich anschliessend die Konter-Veranstaltung von Fetscherin, der noch einmal vor versammelter Journalisten-Schar alle Vorwürfe gegen Bircher voller Eifer wiederholt bekräftigt. Alles fällt in Scherben. Bircher und Fetscherin – Hockey-Feinde fürs Leben. Unversöhnlich bis in alle Ewigkeit.

Per Facebook bei den Fans entschuldigt

Oder doch nicht? Gutes Dorftheater zeichnet sich durch überraschende Wendungen aus. So ist es auch in diesem grandiosen Stück. Noch während die Chronisten am späten Mittwochnachmittag das Geschehen in Texte ummünzen, um der staunenden Leserschaft diesen neusten Akt und das tiefe Zerwürfnis der beiden Hauptdarsteller näherzubringen, versöhnen sich die Streithähne in Birchers Büro in Zürich still und heimlich wieder. Zudem hat sich Adrian Fetscherin per Facebook bei den Fans entschuldigt.

Adrian Fetscherin bestätigt: «Ja, es stimmt. Ich habe noch am Mittwoch nach den Medienkonferenzen ein anderthalbstündiges, klärendes und gutes Gespräch mit Jürg Bircher geführt. Ich habe mich bei ihm für mein Vorgehen entschuldigt. Ich bin für offene und ehrliche Kommunikation und ich bin überzeugt, dass das der Führungsstil ist, den es heute für ein Sportunternehmen braucht. Aber in diesem Fall bin ich zu weit gegangen.» Den ehemaligen TV-Journalisten plagte offenbar das schlechte Gewissen und er hofft nun, dass es eine Lösung gibt, dass er doch noch Präsident und Besitzer der Kloten Flyers werden kann. Dass alles zu einem guten Ende kommt.

Aber möglicherweise hat sich der charismatische Sunnyboy wieder verrechnet. Jürg Bircher bestätigt zwar das ausführliche und konstruktive Gespräch mit Adrian Fetscherin in seinem Büro. Von einem feierlichen Akt der Versöhnung mag er aber nur bedingt reden. Und er ist immer noch verärgert. «Es ist ja gut und schön, wenn man wieder miteinander spricht. Aber es war schon ein eigenartiges Gefühl, am nächsten Tag die Zeitungen aufzuschlagen und noch einmal die ganzen Vorwürfe lesen zu müssen.»

Jürg Bircher: «Der Ball liegt bei ihm»

Das war Jürg Birchers Pech: Adrian Fetscherin konnte die angelaufene «Medienmaschinerie», die er an seiner Medienkonferenz mit allen Informationen über den vermeintlichen Schurken Bircher gefüttert hatte, nicht mehr stoppen: Er hatte die Bühne mit Donnerhall verlassen und dieser Donnerhall grollte am nächsten Tag durch die Medien - obwohl das Gewitter bereits versöhnlichem Sonnenschein gewichen war. Nur wusste das halt niemand.

Aber Jürg Bircher schlägt trotzdem leicht versöhnliche Töne an. «Adrian hat sich bei mir in aller Form entschuldigt. Das ist für mich erst einmal die Hauptsache. Ich behalte mir aber nach wie vor rechtliche Schritte gegen ihn vor. Die Kündigung des Vertrages hat er auch nicht zurückgezogen. Ich habe ihm meine Bereitschaft zu einer Lösung signalisiert. Es ist nun an ihm, einen Vorschlag zu präsentieren. Der Ball liegt bei ihm.»

Welche Lösung das sein könnte - die Kloten Flyers sind in unbekannter Millionenhöhe verschuldet -, können oder wollen Adrian Fetscherin und Jürg Bircher nicht sagen. Ihre Strategie scheint irgendwie eine krude Mischung aus Optimismus, Fatalismus, Hoffnung und monetärem Voodoo zu sein. Ein bisschen resigniert sagt Adrian Fetscherin: «Die Investoren wollen halt keinen einzigen Franken geben, solange Jürg Bircher am Ruder ist.» Und in der ganzen Versöhnung der Unversöhnlichen liegt schon der Keim eines neuen Konfliktes: Adrian Fetscherin hat sich zwar bei Jürg Bircher entschuldigt, aber die erhobenen Vorwürfe nimmt er trotzdem nicht zurück. «Ich stehe zu allem, was ich gesagt habe.» Aber das Vorgehen, der Stil sei falsch gewesen. Das gemahnt an die Versuche, den Bär zu waschen, ohne ihn nass zu machen. Aber im grossen Klotener Dorftheater funktioniert es offenbar.

Was passiert als Nächstes?

Inzwischen ziehen sowieso neue Wolken auf und am Horizont blitzt es schon. Bisher haben die Spieler in aussergewöhnlicher Loyalität zu den Kloten Flyers gehalten. Aber Gewährsleute melden, dass das Vorgehen von Adrian Fetscherin die Spieler verärgert habe. Es wäre sowieso an der Zeit, dass beim nächsten Akt endlich auch ein paar Stars oder doch wenigstens Kultfigur und Trainer-Assistent Felix Hollenstein auf die grosse Theater-Bühne kommt. Die müssen ja jetzt nicht mehr trainieren und spielen. Nun ist es Zeit, um Theater zu spielen. Nur eines scheinen diese grossen Laien-Schauspieler zu vergessen oder zu verdrängen: Wenn die Musik gespielt hat, muss irgendwer das Orchester und die Saalmiete bezahlen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tim Taylor am 20.04.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bircher muss weg

    Jürg Bircher muss abtreten. Und zwar besser heute als morgen! Eine Nachlassstundung ist dann wohl der einzig gangbare Weg. Und auch wenn Fetscherin das Ruder anschliessend übernimmt, ist es immer noch genug schwierig, den Verein zu retten... Klar ist aber, dass mit Bircher an der Spitze keine neuen Investoren gefunden werden. Und die bisherigen (inkl. er selbst) können oder wollen nicht mehr bezahlen. Bircher sagt, es gebe nun doch keinen Spieler-Ausverkauf. So wachsen die Schulden weiter und weiter. Ich frage mich, was diese Verzögerungstaktik bringen soll...

  • Marc Altenburger am 20.04.2012 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Happy End`?

    sowas nenn ich mal PR =) und am Schluss lachen alle un nehmen sich in den Arm

  • Marc am 20.04.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Aktienkapital

    Ich habe mal eine Frage? Was ist mit der Aktienkapitalerhöhung passiert? Zeichnungsfrist: 30.3.2012.....weiss da jemand was, kam da Kohle zusammen? Mag lustig klingen aber ist ernst gemeint :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Kros am 22.04.2012 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Ich denke Herr Bircher hat viel für Kloten gemacht. Aber man darf ihn nur wirklich loben wenn die Sache jetzt zu einem guten Abschluss kommt. Das vorgehen von Fetscherin war unangemessen und übertrieben. Vielleicht geht es ja vorerst noch mit Bircher weiter. Die Verantwortlichen müssen jetzt aber auslöffeln was sie angerichtet haben.

  • Lecavalier am 20.04.2012 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten der Geldgeber

    Ist doch klar, dass keiner die (bestehenden) Schulden übernehmen will, plus dazu noch eine Mannschaft, welche in Kloten nicht finanziert werden kann. Ausser man findet einen Mantegazza oder einen Walter Frey, und dieser Wundermann müsste dann pro Jahr einfach auch mindesten 3 Mio. (wohl eher mehr) abdrücken. Man setzte in Kloten auf bedingungslose Vorwärtsstrategie und wollte Titel um jeden Preis. Jetzt muss der Preis halt bezahlt werden. Die Geldgeber warten jetzt ab, bis sich gewisse Dinge von selbst erledigen. Und werden erst dann einsteigen.

  • Tim Taylor am 20.04.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bircher muss weg

    Jürg Bircher muss abtreten. Und zwar besser heute als morgen! Eine Nachlassstundung ist dann wohl der einzig gangbare Weg. Und auch wenn Fetscherin das Ruder anschliessend übernimmt, ist es immer noch genug schwierig, den Verein zu retten... Klar ist aber, dass mit Bircher an der Spitze keine neuen Investoren gefunden werden. Und die bisherigen (inkl. er selbst) können oder wollen nicht mehr bezahlen. Bircher sagt, es gebe nun doch keinen Spieler-Ausverkauf. So wachsen die Schulden weiter und weiter. Ich frage mich, was diese Verzögerungstaktik bringen soll...

  • Trari Trara am 20.04.2012 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Klug

    Geschickter Schachzug den Meistertitel von den verhassten Zürchern so in den Hintergrund zu drängen. ;-)

  • Charly Kugler am 20.04.2012 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Crosscheck

    Ist eine Schande was gerade mit den legendären Kloten Flyer passiert. Solche Zweikämpfe neben dem Eisfeld schaden dem Verein und verletzen das Team wohl mehr als jeder Check. Ich hoffe schwer das Hans-Ulrich Lehmann wie im Tages Anzeiger berichtet sich für den Club einsetzen wird. Es braucht charismatische Mannschaften wie Ambri, Langnau, Freibourg oder Chloote für eine attraktive NLA. Und was die Flyers in den letzten Jahren mit ihrer Juniorenabteilung für das Schweizer Eishockey getan haben, darf keinesfalls vergessen werden.

    • Chloote für immer am 20.04.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Das musste gesagt werden, TOP Kommentar!

    • K.g. am 20.04.2012 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Da bin ich ganz deiner Meinung. Das könnte wirlich die Lösung sein. Denn Her Hans-Ulrich Lehmann ist ein sehr guter Geschäftsmann. Ich hoffe dass alles noch gut kommt.

    einklappen einklappen