U-20-Nati

03. Januar 2019 00:51; Akt: 07.01.2019 10:13 Print

Die «logische» Sensation gegen Schweden

von Kristian Kapp - Das Schweizer U-20-Eishockeyteam wirft den angeschlagenen Favoriten verdient aus der WM.

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Dieses 2:0 gegen Schweden der Schweiz im Viertelfinal ist die erste grosse Sensation der U-20-WM 2019. Die Skandinavier waren in den letzten Jahren nebst Kanada die dominierende Nation auf der höchsten Nachwuchs-Stufe.

Was den Erfolg der Schweiz in Victoria auf Vancouver Island aber besonders wertvoll macht: Er kam auf «logische» Art und Weise zustande. Ja, Luca Hollenstein spielte im Schweizer Tor eine tadellose Partie (41 Paraden), bestätigte eindrücklich, warum er seinen Konkurrenten Akira Schmid im Verlauf der Saison als Nummer 1 verdrängt hat. Aber die Schweiz siegte nicht einfach, weil ihr Goalie auf dem Kopf gestanden wäre und dem Gegner den Sieg geklaut hätte.

Das 1:0 der Schweiz von GCK-Stürmer Yannick Brüschweiler.

Dieses 2:0, es wurde redlich verdient von einer Mannschaft mit Mut, viel Hartnäckigkeit, einer offensiven Ausrichtung und vor allem einem Chancenplus. Das ist auf U-20-Stufe eine absolute Rarität, es kommt öfter vor, dass die Schweiz den grossen Nationen von A bis Z unterlegen ist und auf irgendwelche Wunder hoffen muss, um ein positives Resultat einzufahren. Aber nicht dieser Jahrgang, nicht diese Mannschaft von Nationaltrainer Christian Wohlwend.

Ebenso bemerkenswert: Es war nicht der Coach des Aussenseiters, der seine besten Kräfte eher forcierte. Während Wohlwend zwar auch vor allem drei seiner vier Sturmreihen klar häufiger aufs Eis schickte, waren bei seinem Gegenüber fast schon Tendenzen zu «Steinzeit»- und Holzhammer-Methoden erkennbar: Schwedens Headcoach Tomas Montén forcierte vor allem seine zwei besten Linien.

Schon in den Gruppenspielen mit ähnlichen Tugenden

Die Schweizer hatten bereits in den Gruppenspielen nebst dem 4:0-Pflichtsieg gegen Aussenseiter Dänemark auch bei den drei Niederlagen gegen die «Grossen» Tschechien (1:2 nach Verlängerung), Kanada (2:3) und trotz am Ende klarem 4:7 auch gegen Russland ihre Tugenden mehr als nur angedeutet und alle Teams phasenweise in Bedrängnis gebracht.

In keinem anderen Spiel galt dies aber derart wie in diesem Viertelfinal gegen Schweden. Es darf nicht unerwähnt bleiben und war sicherlich auch ein Grund für den Spielverlauf: Das schwedische Team kämpfte in den letzten Tagen mit einer lästigen Magen-Darm-Grippe, trat zuletzt ersatzgeschwächt auf. Und auch wenn gegen die Schweiz nun alle Spieler als «fit» gemeldet wurden, war es nicht zu übersehen, dass die Schweden nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren.

Schwedens Goalie Samuel Ersson und zwei seiner vielen Top-Paraden.

Es soll ihre Leistung nicht schmälern, doch auch darum gelang es der Schweiz erstaunlich gut, den Gegner aus der Gefahrenzone fernzuhalten. Sie musste nur wenige heikle Druckphasen über sich ergehen lassen, konnte sich immer wieder befreien. Und mehr als das: Zum auffälligsten Spieler der Partie mutierte in den ersten 40 Minuten je länger je mehr Samuel Ersson im schwedischen Tor.

Der in der zweithöchsten schwedischen Liga bei Västeras spielende Goalie, der in der NHL von den Philadelphia Flyers gedraftet wurde, sah beim 1:0 von Yannick Brüschweiler vielleicht nicht ganz schuldfrei aus – auch wenn der GCK-Stürmer bei seinem Schuss geschickt den Schwedischen Verteidiger vor ihm als «Sichtblockade» für Ersson nutzte. Daneben hielt dieser seine Farben aber mehrfach spektakulär im Spiel, verhinderte eine frühere Entscheidung. Bei Luca Wyss' Stocher-Tor in der 34. Minute war er dann aber auch machtlos.

Bemerkenswerte Randstory dieses Schweizer Sieges: Torschütze Wyss bestritt gegen Schweden sein allererstes Spiel des Turniers, wurde nun aber gleich zum Co-Matchwinner

Das Schweizer 2:0 nach einem «Stocher-Tor» von Luca Wyss.

Die Schweizer vergaben zuvor aber Chancen aus allen Lagen, in allen Situationen: bei numerischem Gleichstand, in Überzahl, aber auch in Unterzahl. Valentin Nussbaumer allein hätte zum schwedischen Albtraum mutieren können. Der Jurassier und Ex-Bieler, der in der kanadischen Juniorenliga bei Shawinigan spielt, vergab zweimal solo vor Ersson.

Wie Nussbaumer danach seinen Stock auf der Spielerbank malträtierte und beinahe einen Teambetreuer sowie den verdutzten Teamkollegen Akira Schmid k.o. schlug, wurde noch während des Spiels zum Internethit ...

Valentin Nussbaumers Wut nach der vergebenen Chance zum 3:0.

Doch der Ärger war umsonst. Denn die Schweiz spielte auch im Schlussdrittel souverän. Schweden war zwar bemüht und kam zu einigen Druckphasen, doch auch da konnte sich Wohlwends Team immer wieder lösen, verfiel nie der Versuchung, die 2:0-Führung zu verwalten. Selbst als in den letzten zwei Minuten Schweden ohne Goalie, mit sechs Feldspielern verzweifelt die Wende suchten, verloren die Schweizer die Übersicht nie.

Der Anfang vom Ende des «Fluchs»?

Sie feierten am Ende einen verdienten 2:0-Sieg und damit einen Erfolg gegen eine Nation, die auf Erwachsenenstufe in der jüngeren Vergangenheit in allen möglichen Sportarten der Schweiz bittere Niederlagen zugefügt hatte. Es war zwar «nur» auf Juniorenstufe, aber dennoch vielleicht der Anfang vom Ende des «Schweden-Fluchs»

Schweden - Schweiz 0:2 (0:1, 0:1, 0:0)
Victoria. – 5946 Zuschauer. – SR Anderson/Heikkinen (USA/FIN), Hynek/Nikulainen (CZE/FIN).–Tore: 16. Brüschweiler (Burger) 0:1. 34. Wyss (Sandro Schmid, Verboon) 0:2. – Strafen: 6-mal 2 Minuten plus Spieldauer (Bemström) gegen Schweden, 5-mal 2 plus 10 Minuten (Verboon) gegen die Schweiz.
Schweiz: Hollenstein; Gross, Le Coultre; Aebischer, Berni; Burger, Moser; Müller, Kuraschew, Eggenberger; Brüschweiler, Sigrist, Nussbaumer; Verboon, Sandro Schmid, Wyss; Leuenberger, Tanner, Lehmann; Gerber.
Bemerkungen: Schweiz ohne Geisser (verletzt), Barandun (nicht eingesetzt), Zaetta (überzähliger Goalie) und Akira Schmid (Ersatztorhüter).

Eishockey

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leonard am 03.01.2019 02:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich...

    Endlich ist der Schweden-Fluch gebrochen. Wenn auch "nur" in der U20.

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  • Titel Holen! am 03.01.2019 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swiss League Farmteams

    Da sieht mal, wenn auch nicht von allen goutiert, dass die Arbeit bei den GCK Lions, Ticino Rockets und der EVZ Academy doch was bringt! Danke dafür!

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  • Fritz am 03.01.2019 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Da kommt was grosses nach ...

    Gratulation, was für ein Match! Grandiose Leistung der Schweizer U20. Die Mannschaft war absolut ebenbürtig mit den Schweden, läuferisch und kämpferisch gar besser, stock- und schusstechnisch nah dran. Den Unterschied machte die Einstellung, unglaublich wie hartnäckig und intenmsiv die gegnerischen Stürmer attackiert und immer mit zwei, manchmal sogar mit drei oder vier Mann gestört wurden. Sw konnte sich so nie entfalten und auch in mehreren Überzahlsituationen nicht skoren. Dazu diese Wand von einem Goalie, 41 saves, ruhig und sicher. Canada muss sich km 1/2 Final warm anziehen ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sydor am 04.01.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlwends U20-Nati

    Gratulation! Ein Finaleinzug scheint in dieser Form möglich! Enttäuschend für mich, bei aller berechtigter Euphorie um dieseMannschaft, bleibt Nussbaumer. Schade, er wird einen potentiellen 1. Rundendraft kaum realisieren können...

    • Fighting Sioux am 04.01.2019 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sydor

      Mein alter Freund. Ich finde, dass sich Nussbaumer im verlaufe des Turniers gesteigert hat. Normalerweise haben es 18 jährige schwer an der U20 WM. Nur absolute Top Prospects (ca. Top 5) können an der U20 bereits richtig Akzente setzen. Aber ich denke eher, dass Nussbaumer in der 2. oder 3. Runde gedraftet wird.

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  • Hockeyfan am 03.01.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächstes Jahr

    Sehr wichtig ist, dass beide Goalies und die meisten Verteidiger nächstes Jahr noch dabei sein können. Vorne wird leider nur Verboom, Gerber, Nussbaumer und Schmid noch dabei sein können. Immerhin können 3 der 4 Centre spielen was sicherlich auch zur stabilität beitragen wird.

  • Tamino am 03.01.2019 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt gut

    Super, jetzt mit Elan vorwärts, in den Final.

  • No Fussball am 03.01.2019 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Schweiz

    Die Schweizer Eishockey Nationalmannschaften ( U20/ erste Mannschaft) schaffen das wovon die Fussballer nur Träumen können , sie Gewinnen dei wichtigen spiele und alles ohne Doppeladler Allüren. Sensationell und erst noch mit Schweizer Trainer, ev. sollte sich die verantwortlichen Leute beim Fussball mal ein Beispiel nehme.

    • Duc7 am 04.01.2019 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      Hopp Schweiz

      Christian Wohlwend ist ein kanadisch-schweizerischer Doppelbürger.

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  • paolo am 03.01.2019 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufstellung

    oh wie das lesen der aufstellung runter flutscht kein doppeladler und doch erfolg???

    • Hugo am 03.01.2019 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Plapper

      Was hat das jetzt damit zu tun? Müssen Sie dieses Thema auch dann aufbauschen, wenn es gar keines ist?

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