Spengler Cup

28. Dezember 2011 17:04; Akt: 28.12.2011 23:02 Print

Die ultimative Klatsche für das Team Canada

Vom 2:1 zum 8:1: Das Team Canada wird vom HC Davos im letzten Drittel regelrecht in alle Einzelteile zerlegt. Die Bündner holen sich den Gruppensieg.

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Der HC Davos gewinnt zum 15. Mal in der Vereinsgeschichte den Spengler Cup. Das Team von Arno Del Curto besiegt im Final den KHL-Vertreter Dinamo Riga knapp mit 3:2. Dinamo-Trainer Pekka Rautakallio konnte die Final-Pleite trotz grossem Einsatz an der Bande nicht verhindern. Seine Mannschaft konnte nur zeitweise ihre Leistung abrufen. Dinamo Riga qualifiziert sich nach dem HCD als zweite Mannschaft für den Final. GA Wolfsburg konnte lange Zeit mithalten. Nicht nur das: Über weite Strecken waren sie sogar die bessere Mannschaft. Am Schluss schaute dennoch ein 4:1-Sieg für die Letten heraus. Finale O-ho! Dank einem 4:2-Sieg gegen die Widersacher aus Vitkovice steht der HCD am Spengler Cup im Finale. Allerdings lieferten die Tschechen dem Gastgeber einen harten Fight. Und überdies zeigte sich HCD-Coach Arno Del Curto oft unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Wolfsburg schafft die Überraschung und wirft das Team Canada aus dem Turnier. Mit 3:2 nach Penaltys müssen sich die Favoriten gegen den Underdog aus Deutschlang geschlagen geben. Domenico Pittis kann es kaum fassen. Am Freitag spielt Wolfsburg gegen Dinamo Riga um den Finaleinzug am Spengler Cup. Den anderen Halbfinal bestreiten der HC Davos und Vitkovice. Anders Eldebrink muss zusehen, wie seine Spieler während 60 Minuten nicht auf Touren kommen. Für Torhüter Ronnie Rüeger war es ein Turnier zum Vergessen. Die Tschechen vom HC Vitkovice stehen dagegen als dritter Halbfinalist fest. Wer hätte das gedacht? Gleich mit 8:1 fertigt Gastgeber Davos das Team Canada ab. Massgeblich mitverantwortlich für das Davoser Torfestival: Petr Sykora mit drei Toren. Nach dem zweiten Drittel stand es 2:1 für Davos - hernach brachen die Kanadier ein. Gruppensieg! Dinamo Riga bleibt auch gegen die Grizzly Adams Wolfsburg ungeschlagen. Mangelnden Kampfgeist oder Siegeswillen müssen sich die Wolfsburger aber gewiss nicht vorwerfen lassen. Endstation Maris Jucers: Lange bissen sich die Deutschen die Zähne an Rigas Hintermann aus. Leonardo Genoni (m.) sichert seiner Mannschaft mit einer grandiosen Parade kurz vor Schluss den Sieg. Seine Teamkollegen bedanken sich bei ihrem Schlussmann. Die HCD-Fans haben Grund zu feiern. Nach dem 2:1 über Vitkovice kann der HCD morgen um den Gruppensieg spielen. Reto von Arx (r.) und seine Mannschaft hat die Aufgabe gegen die punktelosen Tschechen souverän gemeistert. Nun geht es morgen gegen das Team Kanada. Die Flyers können wieder lachen! Das überzeugende 6:0 gegen Wolfsburg ist gleichzeitig der erste Sieg am Spengler Cup. Wolfburgs Keeper Daniar Dshunussow kann die Scheibe im letzten Moment sichern. Matchwinner ist Roman Wick (m.). Der Stürmer trifft doppelt, sein zweites Tor zum 6:0 ist besonders sehenswert. Das Team Canada feiert gegen Vitkovice einen klaren 7:1-Sieg. Die Kanadier haben gut lachen. Die Tschechen wussten oft nicht, was sie machen sollen. Die Kloten Flyers kassieren beim 2:9 gegen Dinamo Riga fast ein «Stängeli». Riga-Trainer Pekka Rautakallio scheint trotz des klaren Resultats nicht alles zu passen. Die Klotener kamen gegen die Letten meistens einen Schritt zu spät.

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Eindrücklicher hätte die Revanche für die 0:4-Niederlage im Halbfinal vor einem Jahr aus der Optik von Davos nicht verlaufen können. Seit dem ersten Auftritt der «Selects» beim Spengler-Cup endete kaum je eine Partie mit einem grösseren Debakel. Der Schweizer Rekordmeister demontierte den elffachen Turniersieger im letzten Abschnitt regelrecht.

Mit ihrer spielerischen Machtdemonstration haben sich die Bündner nun einen zusätzlichen Ruhetag erspielt. In der vorletzten Runde ist nun die Reprise des letzten Playoff-Finals möglich. Besiegen die Flyers im Viertelfinal-Tableau Vitkovice, treffen die Zürcher auf den HCD - es wäre ein Highlight eines perfekten Turnierplans.

Earls brillante Dribblings

Robbie Earl ist üblicherweise in Salzburg in der erfolgreichen Hockey-Filiale eines weltweit operierenden Getränke-Multis engagiert. In der «Bullen-Herde» skort der US-Stürmer der regelmässig. Nun demonstrierte er seine Offensiv-Qualitäten auch dem Schweizer Publikum. Das kursweisende dritte Tor der Bündner (Sejna/43.) und das 8:1 (Brendl/58.) bereitete er mit unwiderstehlichen Dribblings brillant vor, das 4:1 schoss er selber; er betrieb quasi zur Primetime Werbung in eigener NLA-Sache.

Spätestens nach der 4:1-Führung inszenierten die Gastgeber im Schlussdrittel praktisch ungehindert einen eigentlichen Kürlauf. Petr Sykora veredelte seine Performance mit seinem dritten Tor, ehe Sejna im zweiten erfolgreichen Powerplay des Abends, Bürgler mit seinem ersten Turniertor und Rapperswils Leihgabe Brendl die Nordamerikaner im Minutentakt weiter demütigten.

Die Dominanz der Davoser entzückte sogar den Drummer der deutschen Kultband Rammstein. Er verfolgte die Show auf Einladung von Coach Del Curto neben Assistent Remo Gross auf der Spielerbank. Besser hätten die HCD-Professionals und ihr Rock-Musik-Anhänger «ADC» den prominenten Gast nicht unterhalten können.

Berras grosse Paraden

Schon vor der finalen «Art on Ice» hatte der HCD den Rhythmus des einseitigen Turnier-Klassikers bestimmt. Die Bündner überforderten die Kanadier mit Speed und Ideenreichtum. Und im Tor der Davoser stand einer, der in den ersten beiden Dritteln nahezu alle Fehler der Defensive bereinigte: Reto Berra, die Torhüterleihgabe des EHC Biel, brillierte an seiner früheren Ausbildungsstätte mit unzähligen «Saves». «Berra spielt schon die gesamte Saison konstant gut und ist für uns enorm wichtig», attestierte ihm sein Klub-Coach Kevin Schläpfer. Ihn überraschte der starke Auftritt des 24-jährigen Zürchers offenbar nicht.

Am anderen Ende des Rinks erfüllte Sykora mit seiner Triplette seinen Job wieder einmal zu 100 Prozent. Am Tag nach Taticeks Doublette gegen Vitkovice trat erneut einer der Tschechen-Fraktion nachhaltig in Erscheinung. Der «Sniper» sprintete 120 Sekunden vor der ersten Pause in Unterzahl zum 1:0. In der 34. erhöhte der HCD-Topskorer auf 2:0. Sein Glück war allerdings, dass der AHL-Keeper Jake Allen seinen Schuss falsch eingeschätzt hatte.

Weitere Chancen verpasst

Die Bündner verpassten es sogar, die nordamerikanische NLA-Auswahl noch früher entscheidend zu distanzieren. Taticek (37.) und Sciaroni, er gleich doppelt, schlugen die Offerten allzu fahrlässig aus. Arno Del Curto schüttelte ob dieser Ineffizienz im ersten Drittel mehrfach nur mit dem Kopf. Ihm missfällt die ungenügende Zielstrebigkeit seiner Spieler nach eigenen Angaben seit Wochen: «Das gefällt mir gar nicht.» Spätestens nach den letzten 20 Minuten dürfte er seine Einschätzung vom Vortag für mindestens 48 Stunden revidiert haben.

Team Canada - HC Davos 1:8 (0:1, 1:1, 0:6)
Vaillant-Arena. - 6500 Zuschauer. - SR Hebert (Ka)/Massy, Arm/Küng.
Tore: 19. Sykora (Ausschluss Sciaroni!) 0:1. 34. Sykora (Forster) 0:2. 40. (39:35) Pelletier (Ritchie) 1:2. 43. Sejna (Earl/Ausschluss Heins) 1:3. 47. Earl (Forster, Brendl) 1:4. 51. Sykora (Taticek) 1:5. 53. Sejna (Ausschluss Kwiatkowski) 1:6. 56. Bürgler (Steinmann, Niinimaa) 1:7. 58. Brendl (Earl) 1:8.
Strafen: je 5mal 2 Minuten.
Team Canada: Allen; Walser, Kwiatkowski; Murphy, Heins; Hendry, Parent; Roest, Reid, Fata; Kurtis McLean, Pittis, Beaudoin; Vigier, Metropolit, Brett McLean; Perrault, Ritchie, Pelletier.
Davos: Berra; Joggi, Forster; Ramholt, Grossmann; Jan von Arx, Niinimaa; Untersander, Back; Sykora, Reto von Arx, Taticek; Guggisberg, Earl, Brendl; Sciaroni, Rizzi, Sejna; Bürgler, Steinmann, Sieber.
Bemerkungen: HCD ohne Stoop, Guerra, Wieser (alle verletzt). 19. Pfostenschuss von Metropolit. 47. Timeout von Team Canada.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ein Sportler am 29.12.2011 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    alles relativ...

    zum Glück waren das nicht die echten Superstars aus Kanada.......

  • Tommy am 28.12.2011 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    gerade mal 1 Tor wurde durch einen Schweizer erziehlt beim HCD. Was könnte das uns sagen?

    einklappen einklappen
  • marvin seifert am 28.12.2011 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp

    ole HC DAVOS!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • ein Sportler am 29.12.2011 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    alles relativ...

    zum Glück waren das nicht die echten Superstars aus Kanada.......

  • Standley-Cup Champion 2012 #Toronto M.L. am 29.12.2011 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschätzt von Davos

    Das einzige was ich sage ist, dass die Davoser nicht besser gespielt, haben / besser sind, Team Canada hat sie einfach nur unterschätzt. Und am 31. Dezember 2011 wissen wir, wer den Spengler-Cup gewinnen wird. Ich sage nur #Team Canada#

    • Pascal Eberhard am 29.12.2011 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      Unschlagbar!

      Wer den Gegner einfach nur unterschätzt, der verliert nicht so haushoch! Davos war nun mal besser, und die Kanadier haben schon lange vor dem Schlusspfiff aufgegeben - sowas tut kein Profi!

    einklappen einklappen
  • Joe84 am 29.12.2011 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Teamleistung par excellence!

    @Tommy: Zum Glück gehts im Hockey ja nur ums Toreschiessen...

  • Peter Meister am 29.12.2011 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    um was gehts überhaupt?

    Vergesst mal nicht, dass es an diesem Turnier um überhaupt nichts geht. Die Kanadier sind dort mit der ganzen Family in den Ferien, denen ist doch total egal ob die jetzt verlieren oder nicht....

  • McInnis am 29.12.2011 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Es bleibt flau...

    Etwas zu viel "Plausch" dieses Jahr in Davos, jetzt auch bei den Kanadiern. Diese verlieren zwar auch nicht absichtlich, aber ganz so ernst, wie man immer meint, nehmen sie es auch nicht. In erster Linie wollen sie nicht verletzt werden und sich nicht zu sehr auslaugen, denn sie werden an ihren Leistungen in den Klubs gemessen. Auch hat der Spenglercup in Übersee nicht die Aufmerksamkeit, welche ihm hierzulande immer angedichted wird. Insgesamt ein grosser Kontrast zu den vor (gespielter?) Begeisterung schier überbeissenden Leutschenbach-Crew, welche die flaue Veranstaltung schönschwätzt.