Kloten Flyers am Abgrund

19. Mai 2012 15:38; Akt: 19.05.2012 15:41 Print

Die unterschätzte Gefahr des Lizenzentzugs

von Klaus Zaugg - Eine Sanierung der Kloten Flyers genügt nicht. Bis zum 7. Juni braucht es auch eine Garantie für die Finanzierung des Spielbetriebes der nächsten Saison. Sonst ist die Lizenz weg.

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Der SVP-Politiker und Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann (Bild) traf gemeinsam mit Klotens Geschäftsführer Matthias Berner die Mannschaft. Zurück zu den Wurzeln: Die Kloten Flyers richten sich neu aus und heissen fortan wieder EHC Kloten. Zwei Tage nach dem Ausstieg der kanadischen Investoren-Gruppe Avenir Sports Entertainment informiert CEO Matthias Berner über die Zukunft der Kloten Flyers. «Wir machen alles für eine NLA-Zukunft», so Berner. Viel zu jubeln hatte der Kloten-Flyers-Besitzer Bill Gallacher nicht. Nach nur knapp elf Monaten gibt die kanadische Investoren-Gruppe Avenir Sports Entertainment bekannt, sich so schnell wie möglich aus der NLA-Organisation zurückziehen zu wollen. Philippe Gaydoul verkauft seine Anteile an den Flyers an die kanadische Investorengruppe. Gaydoul wird an einer ausserordentlichen Generalversammlung offiziell zum Präsidenten der Kloten Flyers gewählt. Kloten-Präsident Rolf Mosimann hat genug und legt sein Amt nieder. Damit ist klar, dass Gaydoul zum Präsidenten gewählt wird. Im neuen, fünfköpfigen Verwaltungsrat, nehmen mit dem ehemaligen Handballer Pascal Jenny, Daniel Riediker und Michael Kloter drei neue Personen Einsitz. Dazu kommen Rolf A. Mosimann und Mirko Baldi, die nach den Turbulenzen im Winter ihren Rücktritt erklärt hatten, sich nun aber der Wiederwahl stellten. Philippe Gaydoul gibt seinen Rücktritt als Verbandspräsident per 18. September bekannt. Damit endet das umstrittene Doppelmandat in absehbarer Zeit. Die Rettung der Kloten Flyers ist nun definitiv. Der Konkursrichter hat das Verfahren gegen den Eishockeyclub aufgehoben. Die Sanierung sei überzeugend gelungen. Die Aufhebung des Konkursverfahrens gegen die Kloten Flyers muss vertagt werden. Noch fehlen die Bestätigungen, dass alle Bedingungen erfüllt sind. Die Task Force des NLA-Eishockey-Klubs gibt an einer Medienkonferenz bekannt, dass die Schulden um 8,1 Mio Franken reduziert werden konnten. Trotzdem: Felix Hollenstein muss gehen. Adrian Fetscherin scheint das Zünglein an der Waage zu spielen. Was macht er mit seinem Aktienanteil? An einer Pressekonferenz übergibt er seine Aktien. Damit sind die Flyers gerettet. Fetscherin kündigt zudem Strafanklage gegen Ex-Präsident Jürg Bircher an. Kloten bestätigt, dass Roman Wick eine Offerte über acht Jahre und eine «berufliche Perspektive für die Zeit nach seiner Karriere als Spieler» angeboten wurde. Zudem soll der Entscheid fallen, ob Hollenstein tatsächlich Cheftrainer wird. Philippe Gaydoul ernennt Wolfgang Schickli (48) zum neuen CEO. Der Quereinsteiger gilt als «Pitbull» und selbst Trainer Felix Hollenstein ist bei ihm nicht gesetzt. Der unfreiwillige Abgang von Trainer Anders Eldebrink aus finanziellen Gründen wird schriftlich besiegelt. Der Schwede erhält eine Abgangsentschädigung. Klotens Ex-Präsident Jürg Bircher gesteht im Interview mit 20 Minuten Fehler während seiner Amtszeit ein und befürchtet, dass man ihn in der nächsten Saison nicht mehr im Stadion sehen will. Flyers-Retter Peter Bossert ist einen Schritt weiter. Die Ligaversammlung hat den Klotenern die Lizenz für die Saison 2012/13 unter strengen Auflagen erteilt. Kurz vor der «Rettungs-PK» der Knall in Kloten: Nationalstürmer Roman Wick (26), der Schwede Niklas Nordgren (32) und Nationalverteidiger Patrik von Gunten (27) müssen die Kloten Flyers im Zuge der Sparmassnahmen verlassen. Auch Félicien Dubois (28) und Samuel Walser (20) dürften den Klub verlassen. Sie waren mit der 15-prozentigen Lohnkürzung nicht einverstanden. Milliardär und Swiss-Ice-Hockey-Verwaltungsratspräsident Philippe Gaydoul soll die Kloten Flyers retten. Er gehört zu einer Investorengruppe, welche demnächst einen Übernahme-Vertrag unterzeichnen soll. Jürg Bircher stellt sein Aktienpaket den Sanierern der Kloten Flyers zur Verfügung. Ausserdem wird der Konkursaufschub bis zum 2. Juli vom Bülacher Bezirksgerichts bewilligt. Die Sanierer Peter Bossert und Daniel Hunkeler beantragen einen Konkurs-Aufschub bis Ende Juni für den maroden Klub. In einer Woche muss die Task Force ausserdem einen genauen Sanierungsplan abliefern. Jürg Bircher (Bild) und Kurt Hildenbrand treten aus dem Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG zurück. Beide stellen ihre Aktienpakete «unverzüglich und entschädigungslos» zuhanden neuer Investoren zur Verfügung. Die Frist der Liga für die Offenlegung der Zahlen wird den Kloten Flyers bereits ein zweites Mal verlängert. Die neue Deadline ist der 6. Juni. Ein lokaler Unternehmer will mithelfen, die Kloten Flyers zu retten. Hans-Peter Domanig von der Priora Group stellt 500'000 Franken bereit, die in ein Rettungspaket fliessen sollen, wenn sich neun weitere Unternehmen finden lassen, welche dieselbe Summe zahlen. Kurz nach der Gründung einer Task Force durch Ex-Präsident Peter Bossert und der Stadt Kloten präsentiert der aktuelle Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG eine neue Investorengruppe «Kanada/Schweiz». Zusammen mit zwei ehemaligen NHL-Spielern soll die Überschuldung von 6,5 oder 9,2 Millionen Franken - je nach Bewertung - getilgt werden. Eine Task Force wird gegründet, um den Konkurs der Kloten Flyers abzuwenden. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident Peter Bossert übernimmt die Führung. Die Spieler gehen in die Offensive und gründen den Verein «Kloten Flyers Forever». Sie sind zu Eingeständnissen bereit, wollen aber Geld sammeln. Unter anderem mit einem Event am 26. Mai. Liga-Manager Ueli Schwarz sagt unmissverständlich: «Die Kloten Flyers müssen bis zur Ligaversammlung vom 7. Juni nicht nur den Nachweis erbringen, dass das Unternehmen nicht überschuldet ist. Wir verlangen darüber hinaus die Garantie für den Spielbetrieb der nächsten Saison. Sonst ist die Lizenz weg.» Die Spieler der Kloten Flyers fordern per Einschreiben ihre Löhne (April und Mai) sowie die fälligen Prämien ein. Bezahlt der Verein bis zum 31. Mai nicht, können die Profis fristlos kündigen. Der Jahresverlust dürfte sieben Millionen betragen, die Gesamtverschuldung deren 14. Lehmann will sich nicht detailliert äussern, spricht aber von einem «finsteren Loch» und glaubt an die baldige Eröffnung eines Konkursverfahrens. Präsident Jürg Bircher sagt: «Also meiner Meinung nach ist die Verschuldung nicht höher als sieben Millionen.» Und der Jahresverlust? «Hoch, sehr hoch.» Trotzdem hofft er noch auf einen neuen Investoren. Hans-Ulrich Lehmann (oben links) steigt nicht bei den Flyers ein, da die Schulden grösser als befürchtet sind. Bis am 10. Mai wollte Lehmann eigentlich entscheiden, ob er einsteigt oder nicht. Der Termin kann nicht eingehalten werden. Lehmann: «Eine Überprüfung der Zahlen ist bis zum 10. Mai einfach nicht möglich. Ich brauche also noch ein paar Tage mehr Zeit und werde am 15. Mai informieren.» Die Kloten-Fans machen ihrem Frust öffentlich Luft. Rund 200 Anhänger des kriselnden Eishockey-Klubs demonstrieren für ihren Verein - und nicht gegen Präsident Jürg Bircher. Obwohl sich Fetscherin bei Bircher für sein Vorgehen entschuldigt, wird er die Flyers nicht mehr übernehmen. Dafür kommt am 24. April der nächste Tiefschlag: Die April-Löhne sollen nicht mehr bezahlt werden können. Dafür keimt die Hoffnung auf einen anderen Investor: Hans-Ulrich Lehmann. Am 10. Mai soll informiert werden. Fetscherin selbst ist an der PK anwesend, erhält aber Redeverbot. Er weicht für seine eigene PK kurzerhand in ein Altersheim aus. Und glaubt weiter an die Übernahme. Bircher kontert die Vorwürfe (hier im Bild mit Vizepräsident Jan Schibli) an einer PK. «Wir gehen davon aus, dass die Kloten Flyers in der nächsten Saison in der National League A spielen werden. Seit Freitagmittag sei man wegen des Rückzugs von Fetscherin, der per 1. Mai die Geschäftsführung hätte übernehmen sollen, gezwungen, nach Alternativen zu suchen.» Es kommt zum Eklat: Der designierte Kloten-Präsident Adrian Fetscherin (r.) wirft den Bettel bereits wieder hin. Er fühlt sich vom Noch-Boss Jürg Bircher über den Tisch gezogen und fordert Geld zurück. Dieser weist die Vorwürfe - unter anderem sollen mehrere Lohnlisten im Umlauf sein - zurück. Ab dem 1. Mai 2012 wollte Fetscherin als Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates für die Kloten Flyers arbeiten. In einer zweiten Phase soll der 37-jährige Zürcher, derzeit Leiter der Sportredaktion von Teleclub, vom aktuellen Präsidenten Jürg Bircher die Aktienmehrheit und das Präsidium übernehmen. Der neue starke Mann bei den Kloten Flyers heisst Adrian Fetscherin (l.). Präsident Jürg Bircher (r.) kann den krisengeschüttelten und von Finanzproblemen geplagten Klub doch noch in sichere Hände übergeben. Diverse Massnahmen sollen die Zukunft Klotens langfristig sichern.

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Liga-Manager Ueli Schwarz sagt es gegenüber 20 Minuten Online unmissverständlich: «Die Kloten Flyers müssen nicht nur bis zum 7. Juni den Nachweis erbringen, dass das Unternehmen nicht überschuldet ist. Darüber hinaus verlangen wir die Garantie für den Spielbetrieb der nächsten Saison. Sonst ist die Lizenz weg.»

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Das bedeutet: Keine Überschuldung der Kloten Flyers (der EHC Kloten Sport AG) plus der Nachweis der Finanzierung der ganzen nächsten Saison 2012/13. Gemäss Schwarz wird dafür wohl eine Bankgarantie erforderlich sein.

Harte Schnitte bei den Ausgaben gefordert

Alleine für die Löhne müssen pro Monat mehr als 600 000 Franken aufgewendet werden. Ein Phantasie-Budget wird von der Liga nicht mehr akzeptiert. Ueli Schwarz sagt: «Wir kennen inzwischen den Aufwand bei den Kloten Flyers. Ich gehe davon aus, dass es im Falle einer Sanierung auch harte Schnitte bei den Ausgaben braucht.» Will heissen: Löhne runter oder ein paar teure Spieler weg.

Alle Forderungen der Liga müssen bis zur Liga-Versammlung vom 7. und 8. Juni erfüllt sein. Ueli Schwarz sagt: «Wir riskieren auf gar keinen Fall, dass die Kloten Flyers im Laufe der nächsten Saison aussteigen. Deshalb diese strengen Auflagen bei der Lizenz. Wir können nicht länger als bis zum 7. Juni auf eine Lösung warten. Weil wir im Falle eines Falles Zeit brauchen, um eine Meisterschaft ohne die Kloten Flyers zu organisieren.»

Eine Meisterschaft ohne Kloten und ohne einen Aufstieg von Lausanne (also mit elf Teams) würde einen neuen Modus plus Nachverhandlungen beim TV-Vertrag plus eine neue Regelung des Auf/Abstieges erfordern.

Es braucht einen zweistelligen Millionenbetrag

Bis zum 31. Mai müssen die Kloten Flyers die April- und Mai-Löhne (rund 1,5 Millionen Franken) bezahlen. Sonst können die Spieler den Klub verlassen. Für die Bezahlung dieser Löhne, die Sanierung der Kloten Flyers (der EHC Kloten Sport AG) und die Sicherstellung des Spielbetriebes für die Saison 2012/13 dürfte ein zweistelliger Millionenbetrag notwendig sein.

Kann dieses Geld nicht aufgebracht werden oder gerät die EHC Kloten Sport AG in eine Nachlassstundung oder in ein Konkursverfahren, dann ist die Lizenz weg. Die Gefahr dieses Lizenz-Entzuges wird zurzeit von den Kloten Flyers unterschätzt. Die Vertreter der NLA- und NLB-Klubs stehen hinter der harten Linie bei der Lizenz-Erteilung. Sie haben bereits abgelehnt, die Lizenz von den Kloten Flyers (der EHC Kloten Sport AG) auf eine Nachfolgegesellschaft zu übertragen. Dies war die Bedingung für den Einstieg des Unternehmers Hans-Ulrich Lehmann. Weil dies nicht möglich war, ist Lehmann nicht mehr bereit, die Kloten Flyers zu retten (20 Minuten Online berichtete).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Wegmann Bassersdorf am 19.05.2012 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    wie weiter mit den Spielern

    Kloten hat einige wenige gute Spieler. Die sollen sich andern Klubs anschliessen. Der Rest soll wieder normal arbeiten gehen.

    einklappen einklappen
  • Verärgerter Sportfan am 21.05.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sofort Konkurs

    Es gibt nur eine nachhaltige Lösung und die heisst: SOFORT in Konkurs und bei Null wieder anfangen in der 5. Liga. Nur so ist eine nachhaltige Sanierung möglich. Um die Liga wieder auf den Sollbestand zu bringen, steigt der beste B-Ligist der letzten Saison auf, der Absteiger aus der A-Liga bleibt natürlich unten, da der Finanziell etwa gleich weit ist wie Kloten. Um in Zukunft solche Fälle zu Verhindern, sollte der SEHV von jedem Club eine Bankgarantie verlangen die mind. 50% höher ist als das aktuelle Budget. So können nur noch zahlungsfähige Clubs die CH-Meisterschaft bestreiten.

  • Sabrina B. am 20.05.2012 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    Salary Cap

    Wird es nicht endlich Zeit für einen Salary Cap wie in der NHL?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Harry Entler am 22.05.2012 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Suche das Abenteuer

    An alle Liga und SEHV Verantwortlichen. Kloten als bestes Beispiel für den Rest der Liga. Warum können wir reichen Schweizer nicht einmal über 2 Divisionen nachdenken die sich aus NLA und NLB formen lässt. Heisst das die Junioren nicht von Chur auf Bern oder sonst wo hin müssen um auf Liga Level zu spielen. NHL hats vorgemacht, anfänlich mit 6 Teams. Löhne für Spieler könnten so angepasst werden, nicht Mehr als 3 Ausländer Lizenzen, Kosten sparen wegen weniger Aufwänden für Auswartspiele. Denkt mal richtig darüber nach. Übrigens Farmteams 1-4 Liga wäre auch möglich.

  • Verärgerter Sportfan am 21.05.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sofort Konkurs

    Es gibt nur eine nachhaltige Lösung und die heisst: SOFORT in Konkurs und bei Null wieder anfangen in der 5. Liga. Nur so ist eine nachhaltige Sanierung möglich. Um die Liga wieder auf den Sollbestand zu bringen, steigt der beste B-Ligist der letzten Saison auf, der Absteiger aus der A-Liga bleibt natürlich unten, da der Finanziell etwa gleich weit ist wie Kloten. Um in Zukunft solche Fälle zu Verhindern, sollte der SEHV von jedem Club eine Bankgarantie verlangen die mind. 50% höher ist als das aktuelle Budget. So können nur noch zahlungsfähige Clubs die CH-Meisterschaft bestreiten.

  • Theofanis Burkert am 20.05.2012 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Insolventes Kloten

    Warum macht man in Kloten nicht ein Referendum darüber, ob der Verein in der Liga bleiben will oder nicht?

    • roger am 21.05.2012 07:51 Report Diesen Beitrag melden

      Aehm...

      bitte? Seit wann haben dies die Klotener zu bestimmen?

    einklappen einklappen
  • Heinz am 20.05.2012 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    nach den

    Meisterjahren in den 90ern hatte Kloten bereits einmal finanzielle Probleme. Ich dachte eigentlich, man hätte etwas daraus gelernt. Dem ist aber nicht so.

  • Kingflinti am 20.05.2012 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Misswirtschaft

    Fuer mich ist es unverständlich wie so etwas passieren kann, ein Klub wird doch nicht von einem einzelnen geführt, da gibt es doch ein Verwaltungsrat, eine Bank die über die Finanzen im Bilde sein sollten! Das sind doch alles Geschäftsleute, die in ihrem unternehmen, rechtzeitig eine Wende herbeiführen wuerden. Ich kann mir das nur mit einem kollektiven Blindheitsyndrom erklären!