Verletzt und geschont

10. April 2019 13:02; Akt: 10.04.2019 18:40 Print

Diese Silberhelden verpassen die WM

von Marcel Allemann - Nationaltrainer Patrick Fischer hat für den ersten WM-Vorbereitungszusammenzug 23 Spieler aufgeboten. Darin fehlen einige prominente Namen.

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Sicher, ruhig, gute Ausstrahlung, eines seiner besten WM-Turniere. Schien zunächst unsere unbestrittene Nummer 1 zu sein, bis er sich verletzte. Als der Zürcher dann wieder fit war, musste er hinter Genoni anstehen, weil dieser überragend spielte. Er trug es mit Fassung, denn Genoni und er sind Freunde, Missgunst gibt es zwischen ihnen nicht. Hat keine einfache Saison hinter sich, das wirkte zunächst auch an der WM nach. Doch als sich Berra verletzte, war er da – und wie! Stark im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich, überragend im Viertelfinal gegen Finnland und phänomenal im Halbfinal gegen Kanada. Liess die Gold-Träume von Connor McDavid und Co. in seiner Fanghand verschwinden. Gegen Österreich im Startspiel noch mit Anlaufschwierigkeiten, aber danach endlich wieder der souveräne Diaz. Beweglich, stark in den Zweikämpfen, gut im Spielaufbau, nie panisch. Und als Captain der Kopf dieses Erfolgsteams. Ein überzeugendes WM-Debüt des Ambri-Captains. Er lässt sich nicht abschütteln, verfügt über viel Spielintelligenz. Grandios wie rasch er sich jeweils dem höheren Level anpassen konnte, auch gegen die Grossen. Einzig im Halbfinal gegen Kanada stiess er zwischendurch an seine Grenzen, dafür war er im Final gegen Schweden wieder ganz stark. Ein mehr als nur gelungenes WM-Debüt, zeigte seine enormen Fähigkeiten auch auf dieser Stufe. Und das nach einer enorm schwierigen Saison in Lausanne. Seine Beweglichkeit ist sein grosses Plus – und wenn er, wie in Dänemark sein Spiel einfach hält, dann erleichtert er sich das Leben. Geriet selten ins Schwimmen. Der Nachzügler stieg aus dem Flugzeug aus und nahm sogleich das Heft in die Hand. Zwar nicht mit Skorerwerten wie noch 2013, aber als ruhiger, souveräner Patron in der Abwehr, der praktisch nie den Zugang zum Gegenspieler verlor und auch das Offensivspiel ankurbelte. Als der Nashville-Captain das Team bereicherte, wuchsen wegen seiner Präsenz alle Verteidiger noch einmal um 5 Zentimeter. Begann die WM mit einem Riesenlapsus gegen Österreich. Fing sich aber sofort und spielte danach enorm stark auf. Immer in Bewegung, versteht es den Puck nach vorne zu tragen und geht auch keinem Zweikampf aus dem Weg. Hat in dieser Saison riesige Fortschritte gemacht,. Er wird unsere nächste Stammkraft in der NHL. Welch ein Debüt im Nationalteam! 6 Skorerpunkte und mit +9 die mit Abstand beste Plus-Minus-Bilanz im Team, unfassbar abgebrüht, dann auch noch knallhart im Zweikampf und ein ungemütlicher Checker. Er war unser bester Verteidiger. Die Mitspieler hatten viel Freude an ihm, die Gegenspieler überhaupt nicht. Gehörte zu den produktivsten Verteidigern im ganzen Turnier, konnte endlich auch im Nationalteam die grossen Akzente setzen. In den ersten Spielen vor dem eigenen Tor zunächst nicht immer ganz stilsicher, aber mit dem gestiegenen Selbstvertrauen wurde auch dies immer besser. Am Ende nahe an der Perfektion und nun ein Kandidat für die NHL? Im letzten Jahr an der WM in Paris der grosse Überflieger, jetzt nur noch ein dankbarer, aber fehleranfälliger Allrounder, der auch im Sturm aushalf, wenn es sein musste. Nachdem er gegen Weissrussland an zwei Gegentoren mitschuldig gewesen war, fand er sich unter der Wolldecke wieder. In der zweiten Turnierhälfte war sein Platz dann auf der Tribüne. Ein aggressiver, enorm quirliger Flügelstürmer mit feinen Händen. Trug viel zur guten Spielkultur im Schweizer Angriff bei. Überragend im Halbfinal gegen Kanada, als er zwei Tore vorbereitete und bei der Abwehrschlacht in der Endphase einer der wenigen war, die den Puck halten und für Entlastung sorgen konnten. Im Penalty-Drama im Final, der einzige Schweizer, der traf. Er ist zu einer Leaderfigur gereift. Ein dankbarer Teamplayer, der sich für nichts zu schade ist und den Körperkontakt sucht. Solche Leute hat man gerne in der eigenen Garderobe und sehr ungern beim Gegner. Läuferisch und was das Tempo anbelangt, stiess er an seiner ersten WM gelegentlich an seine Grenzen. In den letzten Spielen jeweils als 13. Stürmer zur Absicherung auf der Bank, aber ohne Einsatz. Die HCD-Tanzmaus tanzte auch an seiner ersten WM. Und wie: Machte den Gegenspielern mit seinen Tricks phasenweise Knöpfe in die Beine. Geniale Zuspiele, tolle Tore, ein frecher Kerl. Verstand sich mit seinem Churer Kumpel Nino Niederreiter fast blind. Dürfte in Dänemark das Interesse einiger NHL-Scouts auf sich gezogen haben. Hatte nach seiner Ankunft in der Gruppen-Begegnung gegen Schweden zu Beginn Mühe, ins Spiel zu finden, steigerte sich jedoch von Drittel zu Drittel und Spiel zu Spiel. Und als es in der K.-o.-Phase um die Medaillen ging, war er schlichtweg phänomenal. Spielfreude, Technik und Brillanz gepaart mit Ehrgeiz und Wille. Hatte im Final in der Verlängerung den Gold-Puck auf dem Stock, doch der schwedische Keeper hatte die Gold-Parade als Antwort. Ist aus der Nati nicht mehr wegzudenken, ein moderner Center mit enorm viel Speed, dazu unheimlich beweglich. Nicht ganz so konstant wie andere in diesem Erfolgsteam, aber mit dem Ablenker vor dem Tor zum Game-Winner im Halbfinal gegen Kanada. Hat endlich auch im Nationalteam Schwung aufgenommen, der Liga-Goalgetter stellte seine Torgefährlichkeit unter Beweis. Steigerte sich nach zähem Beginn massiv und wurde zum wichtigen Puzzleteilchen in der Offensive.Schoss sowohl im Viertelfinal gegen Finnland wie auch im Halbfinal gegen Kanada jeweils ein Tor. Deshalb fiel es nicht ins Gewicht, dass er beim Backchecking nicht immer auf der Höhe war. Der Nachzügler aus der NHL schlug sofort ein. Nicht nur wegen seiner Torgefährlichkeit (es hätten noch einige Treffer mehr sein können), sondern vor allem durch seine Wucht, seinen Mut, seine Unerschrockenheit, seine Laufbereitschaft und sein Spielverständnis. Es macht so viel Spass, diesem jungen Typen bei der Arbeit zuzuschauen. Eine absolute Leaderfigur, die körperlich gegen jeden Gegner dagegen halten kann, die Bandenkämpfe gewinnt und auch Coolness vor dem Tor zeigt. Macht jede Mannschaft mit seinen Tugenden besser. Wäre er noch einige Stundenkilometer schneller, würde er nicht in der National League spielen, sondern in der National Hockey League. Kann Tore schiessen, Tore vorbereiten, ist ein toller Spielgestalter, den Puck deckt er sensationell ab und im Körperspiel ist er ohnehin allererste Sahne. Insgesamt der kompletteste Spieler dieses Schweizer Wunderteams. Vom wuchtigen Powerflügel ist er zur absoluten Leaderfigur des Nationalteams gereift, der als leidenschaftliches Vorbild voran geht und die anderen ermuntert, es ihm gleich zu tun. Hat an seiner ersten WM zweifellos viel für die Zukunft gelernt, aber konnte seine gute WM-Vorbereitung nicht wirklich bestätigen und nur wenige Akzente setzen. In der zweiten Turnierhälfte dann mehrheitlich Ersatz oder überzählig. Es macht Spass, zu sehen, wie unerschrocken er zu Werke geht und wie sehr der Schnauzträger seine Gegenspieler nervt. Erinnert mit seiner schnörkellosen Spielweise mehr an einen Kanadier, denn an einen Schweizer. Muss allerdings torgefährlicher werden und sich in dieser Hinsicht an Tristan Scherwey orientieren. Der Marathonmann des Teams bestritt in dieser Saison unfassbare 101 Pflichtspiele. Zwischendurch wirkte er ein wenig ausgelaugt und nicht mehr ganz so spritzig. Doch in der Endphase des Turniers presste er nochmals alles aus seinem Körper raus und war als Center unseres Checkerblocks eine Bank. Keiner hat sich seine Ferien so sehr verdient wie er. Bestätigte eindrücklich, dass er den Schritt vom Top-Ligaspieler zum Leistungsträger im Nationalteam vollzogen hat. Kann mit seiner Leidenschaft und seiner Energie das ganze Team mitreissen. Versucht permanent jeden Gegenspieler zu checken und dann schiesst er auch noch wunderbare und wichtige Tore. Wie das wegweisende 1:0 im Halbfinal gegen Kanada. Während der Saison hat man ihn nur in Bern lieb, nun in der ganzen Schweiz. Aus dem Ergänzungsspieler ist ein wichtiges Element im Schweizer Spiel geworden. Kann mittlerweile auch auf diesem Niveau als Center einen Block führen, Tore schiessen und vorbereiten. Man wusste zwar, dass er ein guter Spieler ist, aber eine derart überzeugende WM haben ihm nur die Wenigsten zugetraut. Baute allerdings zuletzt, im Halbfinal und Final, ein wenig ab.

Die Noten der Schweizer an der WM 2018

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Vom Schweizer Silberteam an der letzten WM fehlen drei Spieler, obwohl die Meisterschaftssaison für deren Clubs bereits beendet ist. Zum einen ist dies Joël Vermin, der beim Silbercoup in Kopenhagen zu den Leistungsträgern gehörte. Der Lausanne-Stürmer fällt verletzungsbedingt aus, schon im Playoff war er stark angeschlagen. Sein Ausfall ist für das WM-Team ein herber Verlust.

Im Aufgebot vermisst wird auch der Name von Reto Schäppi, der seit der WM 2014 an jedem grossen Turnier der Nati mit von der Partie war. Mit dem ZSC-Stürmer ist man übereingekommen, ihn in diesem Frühjahr pausieren zu lassen, so dass er einen Neuaufbau tätigen und in der nächsten Saison, im Hinblick auf die Heim-WM, wieder im Vollbesitz seiner Kräfte angreifen kann. Schäppi hatte zuletzt immer wieder mit kleinen Verletzungen zu kämpfen und spielte keine gute Saison.

Senn reist nach Newark

Auch Gilles Senn, der an der WM 2018 in Kopenhagen als dritter Goalie dabei war, steht nicht zur Verfügung. Der scheidende Davos-Goalie wird dieser Tage nach Übersee fliegen, um die NHL-Organisation der New Jersey Devils, die seine Rechte besitzen, kennenzulernen.

Im Aufgebot fehlen aber auch noch zwei weitere potenzielle WM-Kandidaten. Zum einen der starke Servette-Stürmer Tanner Richard, der wie Vermin wegen einer Verletzung passen muss. Auch Pius Suter wird beim ersten WM-Vorbereitungszusammenzug ab dem 14. April sowie an der WM ab dem 10. Mai in der Slowakei nicht dabei sein. Beim ZSC-Stürmer sind es die gleichen Gründe wie bei Schäppi. Auch ihm wird nach einer schwierigen Saison mit etwelchen Blessuren eine Pause und ein Neuaufbau gewährt.

Aufgebot für Trainingscamp in Sotschi mit zwei Länderspielen gegen Russland (18. und 20. April).
Torhüter (3):
Reto Berra (Fribourg), Gauthier Descloux (Genève-Servette), Robert Mayer (Genève-Servette).
Verteidiger (9):Michael Fora (Ambrì-Piotta), Lukas Frick (Lausanne), Patrick Geering (ZSC Lions), Joël Genazzi (Lausanne), Andrea Glauser (SCL Tigers), Samuel Guerra (Ambrì-Piotta), Romain Loeffel (Lugano), Christian Marti (ZSC Lions), Claude-Curdin Paschoud (Davos).
Stürmer (11): Jérôme Bachofner (ZSC Lions), Chris Baltisberger (ZSC Lions), Alessio Bertaggia (Lugano), Christoph Bertschy (Lausanne), Enzo Corvi (Davos), Grégory Hofmann (Lugano), Denis Hollenstein (ZSC Lions), Marco Müller (Ambri-Piotta), Raphael Prassl (ZSC Lions), Noah Rod (Genève-Servette), Samuel Walser (Fribourg).

Eishockey

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 10.04.2019 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Hischier ist dabei

    Dafür dürfen wir uns auf die ersten Nati Spiele von Hischier freuen :)

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  • Pablo am 10.04.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Aktuelles Aufgebot...?

    Toll, und welche Spieler kommen denn jetzt als Ersatz zum Handkuss? Das wäre schon noch interessant, finde ich :) Schliesslich will man ja nicht nur in der Vergangenheit schwelgen sondern nach vorne schauen.

  • Torontonian am 10.04.2019 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer nur das negative sehen

    All die Möchtegern-Experten und Nati-Basher hier, irgendwie lustig und traurig zugleich. Auf dem Eis gestanden ist wohl noch keiner von euch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • maurus meier am 14.04.2019 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hopp hcd

    nach diese harten und verkorxten saison bin ich froh konnte sich der hcd sportlich die liga halten. bin aber der meinung dass weder corvi noch büeli oder sonst einer aus dem team eine saison spielte welche eine nomination ins wm rechtfertigt

  • Typhoeus am 11.04.2019 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profi-Eishockey

    Zeitvertreib für Pay-TV

  • Typhoeus am 11.04.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch dieses Eishockey

    ist nur ein Profisport.

  • Nedo am 10.04.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Eishockey allgemein

    Nur so Also ich für mich habe Respekt vor dem deutschen Eishockey weil ich es als Junior in Praxis kennengelernt habe. Insofern regen mich diese Nationalistischen Diskussionen mega auf.Desshalb ein Hoch und viel Spas auf spannende Spiele weiterhin

    • Judith, Du Nit am 11.04.2019 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nedo

      Deutschland war gut unter zach. Aber zurzeit hätte man wohl weder gegen Frankreich noch Österreich spielerisch eine chance.

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  • Erika Schmid am 10.04.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was anderes

    Lieber jetzt Handball schauen Belgischen:Schweiz.

    • Manu Oplic am 10.04.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erika Schmid

      Es spielt auch Poland:Deutschland

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