«Time-Out»

14. Dezember 2011 07:52; Akt: 14.12.2011 10:25 Print

Eine seltsame Entscheidung

von Klaus Zaugg - Der SC Bern hat den Vertrag mit Trainer Antti Törmänen (41) bereits bis Ende nächster Saison verlängert. SCB-General Marc Lüthi hat aus der Vergangenheit nichts gelernt.

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Antti Törmänen in Aktion. (Bild: Keystone/AP)

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Der SCB ist im Selbstverständnis eines der führenden Hockeyunternehmen Europas - aber im Wesen und Wirken des Managements halt immer noch ein Provinzclub. Ein Sportunternehmen wie der SCB muss sich immer den Titel zum Ziel setzen. Wie Bayern München oder Real Madrid oder Barcelona. Meister werden ist nicht jedes Jahr möglich. Scheitern gehört zum Sport. Aber es ist unverzeihlich, wenn der Titel nicht zum Ziel gesetzt wird. «Think big», sagen die Amerikaner. Meister werden beginnt im Kopf.

Was aber tut SCB-Manager Marc Lüthi? Er verlängert den Vertrag mit seinem Nottrainer Antti Törmänen, der ohne Playofferfolge noch keinerlei Leistungsausweis hat, vorzeitig um ein Jahr. Noch schlimmer: Der Vertrag gilt nur dann auch für nächste Saison, wenn der SCB im Frühjahr die Halbfinals erreicht. Beim SCB sind Anstellung, Entlassung und Vertragsverlängerung des Trainers Chefsache. Marc Lüthi feuert und heuert Trainer auch schon mal über den Kopf seines tüchtigen Sportchefs hinweg.

Bescheidene Zielsetzung

Provinzieller geht es nicht mehr: Der SCB liegt in der Qualifikation auf Platz 1 und die Liga ist so ausgeglichen, dass die Zielsetzung Meistertitel realistisch ist. Wenn der SCB das Playoffinale 2012 nicht erreicht, dann ist der Trainer mit ziemlicher Sicherheit gescheitert. Aber der SCB ist mit seinem Trainer schon zufrieden, wenn er bloss bis ins Halbfinale kommt. Ja, der Trainer wird sogar mit einer Vertragsverlängerung um ein Jahr belohnt, wenn er mit der Halbfinalqualifikation das minimalste aller Minimalziele erreicht.

Die Vertragsdauer bzw. automatische Vertragsverlängerung von einem Minimalziel abhängig zu machen, ist im Falle des SC Bern grober Unfug. Für die Beurteilung der Arbeit des Trainers muss es ja auch eine Rolle spielen, wie der SCB allenfalls diese Halbfinals erreicht und wie die Mannschaft im Halbfinale allenfalls scheitert. Und was ist dann, wenn der SCB in den spektakulärsten Viertelfinals aller Zeiten mit viel Pech (beispielsweise Torhüter verletzt) scheitert? Müsste dann Spektakelmacher Antti Törmänen trotzdem gehen? Und müsste denn bei der exzellenten SCB-Nachwuchsabteilung nicht auch beurteilt werden, wie der Trainer in der Extrembelastung Playoffs mit den jungen Spielern umzugehen versteht?

Vertrauen in den Trainer nicht sehr tief

Das Verknüpfen der Vertragsverlängerung an ein so tief angesetztes Ziel wie Halbfinalqualifikation entlarvt tiefstes provinzielles Misstrauen, das der tüchtige Antti Törmänen so nicht verdient hat: Der Trainer ist offenbar gut und recht und Marc Lüthi lobt ihn bei jeder Gelegenheit. Aber so ganz traut der SCB-General dem Finnen doch nicht über den Weg und baut deshalb die Klausel ein, dass der Vertrag für nächste Saison nur bei einer Halbfinalqualifikation gilt. Dabei ist der Trainer der wichtigste Angestellte der sportlichen Abteilung. Entweder man hat Vertrauen oder man hat keines.

Der SCB könnte es sich leisten, nach der Saison über eine Vertragsverlängerung des Trainers zu entscheiden.
Die Unsitte der vorzeitigen Vertragsverlängerungen mit den Trainern hat den SCB schon über eine Million gekostet. Als der SCB noch ein erfolgsorientiertes Hockeyunternehmen war, wurden die Trainerverträge mit Bill Gilligan (drei Titel in vier Jahren) jeweils nach der Saison verlängert.

Abschaffung des Leistungsprinzips

Wohlverstanden: In der Buchhaltung nur bis Halbfinals kalkulieren ist richtig. Aber sportlich bloss das Halbfinale zum Ziel zu setzen kommt bei den Mitteln, die der SCB in seine Sportabteilung investiert, der Abschaffung des Leistungsprinzips gleich. Wer solche Minimalziele setzt, muss sich nicht wundern, wenn er nur Minimalziele erreicht. Und damit kein Irrtum aufkommt: Antti Törmänen kann durchaus auch nächste Saison der richtige SCB-Trainer sein. Es geht hier um die seltsame Form der Vertragsverlängerung.

Der SCB gibt Geld aus, um den berühmten kanadischen Sportpsychologen Dr. Saul Miller einzufliegen. Dr. Miller sollte sich beim SCB künftig nicht nur mit den Spielern und den Coaches beschäftigen. Sondern ganz intensiv auch mit Marc Lüthi.