SCB vs. IIHF

31. Dezember 2011 12:38; Akt: 31.12.2011 12:38 Print

Fasel will nicht wie Blatter sein

von Klaus Zaugg - Auch das Eishockey hat einen Fall mit einem ähnlichen Gefahrenpotenzial wie der «Fall Sion»: Der Bundesgerichtsfall «René Fasel gegen Marc Lüthi».

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Eine Suspensionsdrohung gegen den Schweizer Hockeyverband kommt für IIHF-Präsident René Fasel im «Fall SCB» nicht in Frage. (Bild: Keystone)

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Dr. René Fasel präsidiert den internationalen Hockeyverband (IIHF), sitzt in der Exekutive des IOC und hat direkten Zugang zu Wladimir Putin. Welche Macht Präsidenten von internationalen Sportverbänden ausüben können, hat Fifa-Präsident Sepp Blatter soeben demonstriert: Er hat die Schweizer Fussballgeneräle dazu gezwungen, den FC Sion beziehungsweise seinen Erzfeind Christian Constantin mit der wohl absurdesten Strafe der Sportgeschichte zu belegen.

Dr. René Fasel ist ein Mann des Eishockeys. Einer, der harte Auseinandersetzungen nicht scheut. Aber am Ende die Hand zur Versöhnung reicht. Das wird das Eishockey – vielleicht – vor einem «Fall Sion» bewahren.

Wenn schon Sepp Blatter einen aufmüpfigen Schweizer Klubpräsidenten zu deckeln vermag – müsste das nicht die Methode sein, mit der Dr. René Fasel SCB-General Marc Lüthi in die Schranken weisen kann?

Champions-League-Entschädigungen

Der SCB und die IIHF haben ihren Rechtsstreit inzwischen vors Bundesgericht gezogen. In diesem Falle ist es allerdings nicht der Rebell (SCB-General Marc Lüthi), der den Weg vors Bundesgericht beschritten hat. Sondern der Internationale Eishockeyverband (IIHF). Die Obrigkeit also. Es geht um die Entschädigung der Verluste durch die vertragswidrig abgesagte Champions Hockey League. Der IIHF drohen im Falle einer Niederlage zweistellige Millionenverluste.

Der Fall wäre gelöst, wenn Dr. Fasel dem Schweizerischen Eishockeyverband einfach den Ausschluss androhen würde, wenn der SC Bern in diesem Rechtsstreit nicht das Handtuch wirft. So wie es Blatter im Fussball getan hat. «Nein», sagt Dr. Fasel. «Das ist nicht mein Stil. Ich denke, der Fall SCB hat schon eine Parallele zum Fall Sion: Marc Lüthi vertritt das mächtige Bern und mag mich als Freiburger so wenig wie Christian Constantin den Sepp Blatter. Aber ich gehe davon aus, dass wir selbst dann eine konstruktive Lösung im Gespräch finden, wenn eine der beiden Parteien vor Bundesgericht verlieren sollte.»

Also in keinem Fall eine Ausschlussdrohung der Schweiz vom internationalen Hockey (was auch das Aus für den Spengler Cup wäre) nach dem Vorbild des Fifa-Bannes gegen die Schweiz? «Nein, auf keinen Fall.» Fasel kommt die klare und unmissverständliche Absage zwar erst nach mehrmaligem Nachhaken über die Lippen. Aber eines ist klar: Er will unter keinen Umständen ein Machtmensch sein wie Sepp Blatter. Marc Lüthi kann in aller Ruhe Silvester und Neujahr feiern.

«Checks zu verbieten wäre Unsinn»

Die grösste Sorge, die Dr. Fasel umtreibt, ist nicht der Machtkampf mit Marc Lüthi, der schon seit Jahren schwelt. Sondern die Gesundheit der Spieler. Die Problematik der Gehirnerschütterungen. Was kann getan werden, um Gehirnerschütterungen zu vermeiden? «Wir arbeiten intensiv mit der NHL zusammen um dieses Problem zu lösen.» Eine Zeitungsente – ein Blatt hat kürzlich das Märchen in die Welt gesetzt, die IIHF wolle das Checken verbieten – treibt Fasel jetzt noch die Zornesröte ins Gesicht. «Das ist einfach barer Unsinn.»

Der Check gehöre zum Eishockey wie der Sex zur Liebe. «Wir suchen Lösungen auch über das Regelwerk. Wir diskutieren, ob wir beispielsweise den Zweilinienpass wieder einführen wollen.» Er geht auch davon aus, dass konsequente und harsche Bestrafung von Checks gegen den Kopf des Gegenspielers nach und nach zu einem neuen Bewusstsein dieser Gefahr führen wird. «Wenn erst einmal jeder Spieler und jeder Coach weiss, dass ein Check gegen den Kopf lange Sperren nach sich zieht, dann wird nicht mehr ohne Rücksicht auf Verluste der Check gesucht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • McInnis am 31.12.2011 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtslage ist zu Ungunsten des IIHF

    Das Problem ist nur, dass im Fall SCB vs. IIHF die Rechtslage (damit sind auch die Verbandsrichtlinien des IIHF gemeint) eindeutig zugunsten des SCB ist. Weil der IIHF gemäss seinen eigenen Regularien den Streit in Bausch und Bogen verlieren würde, hat er auch nicht das TAS bzw. die Sportgerichtsbarkeit angerufen, sondern ein ziviles Gericht. Also genau das, was man umgekehrt dem FC Sion zum Vorwurf macht. Von Herr Fasel ist somit gar nichts gefordert, ausser zu dem amateurhaften Aufgleisen des fraglichen Wettbewerbs zu stehen und die Entschädigung zu zahlen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • McInnis am 31.12.2011 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtslage ist zu Ungunsten des IIHF

    Das Problem ist nur, dass im Fall SCB vs. IIHF die Rechtslage (damit sind auch die Verbandsrichtlinien des IIHF gemeint) eindeutig zugunsten des SCB ist. Weil der IIHF gemäss seinen eigenen Regularien den Streit in Bausch und Bogen verlieren würde, hat er auch nicht das TAS bzw. die Sportgerichtsbarkeit angerufen, sondern ein ziviles Gericht. Also genau das, was man umgekehrt dem FC Sion zum Vorwurf macht. Von Herr Fasel ist somit gar nichts gefordert, ausser zu dem amateurhaften Aufgleisen des fraglichen Wettbewerbs zu stehen und die Entschädigung zu zahlen.