Playoff-Halbfinale

19. März 2011 17:57; Akt: 20.03.2011 00:12 Print

Flyers und Davos stehen vor Finaleinzug

Der Titelhalter SC Bern verliert in Kloten auch das dritte Spiel der Playoff-Halbfinalserie. Gleiches Schicksal ereilt auch den EV Zug in Davos.

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Die besten Bilder der Playoffhalbfinals sowie des Playoutfinals (19.03.2011).

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Damit sind die Playoffaktien des SC Bern weiter gesunken. Erst Lugano gegen Ambri-Piotta (2006) und der HC Davos gegen den EV Zug (2008) kamen nach 0:3-Rückständen noch weiter, Meister wurde nach einem 0:3-Rückstand noch niemand. Ob Bern zur Wende noch fähig ist, erscheint ausserdem äusserst fraglich.

Nach dem glückhaften Auswärtssieg am Donnerstag verdienten sich die Kloten Flyers den zweiten Heimsieg. Sie ergriffen mit Ausnahme der Startphase die Initiative. Die Partie stand aber bis zuletzt auf Messers Schneide. Kimmo Rintanen besorgte schliesslich die Entscheidung: Der Finne, der schon am Dienstag in Spiel 1 den Gamewinner erzielt hatte, konnte solo von der blauen Linie aus auf das Berner Tor losziehen, Rintanen liess Goalie Marco Bührer keine Abwehrchance.

Selbstkritischer Huras

«Wir haben uns selber geschlagen», lautete hinterher das Fazit von Berns Coach Larry Huras. «Wenn wir vier Gegentore zulassen, können wir in Kloten nicht gewinnen. Es ist einfach nur dumm, kurz vor Schluss beim Stand von 3:3 Kimmo Rintanen an der blauen Linie ungedeckt stehen zu lassen. Uns unterlaufen im Moment viel zu viele Fehler. Gerade unsere besten Spieler müssen weniger Fehler machen.»

Kloten bestrafte die Berner Aussetzer resolut. Dem ersten Klotener Tor ging ein Berner Wechselfehler voraus. Schon beim 2:3 nach Verlängerung in Bern hatte ein fliegender Spielerwechsel zur Unzeit das Klotener Siegtor ermöglicht. Ausserdem kassierte Bern in den ersten 24 Minuten vier kleine Strafen, drei davon unnötig in der Angriffszone. In Überzahl gelang den Flyers in der 21. Minute durch Matthias Bieber die erstmalige Führung. Nicht kritisiert von Huras wurde Berns Goalie Marco Bührer. Aber Bührer verlor das Goalieduell gegen Ronnie Rüeger bislang klar. Auch am Samstag sah er bei mehr als einem Gegentor nicht gut aus.

Berner Optimismus

Klar ist: Bern muss sich gewaltig steigern, wenn die Serie nochmals spannend werden soll. Vier Gegentore (Gegentreffer ins leere Tor nicht mitgezählt) hatte der SCB zuvor mehr als zwei Monate lang nicht mehr kassiert - nicht mehr seit dem 16. Januar und einem 2:6 in Davos. Den Glauben ans eigene Leistungsvermögen hat in der Berner Garderobe noch niemand verloren. «Aber natürlich sind wir alle mal in die Schule gegangen und wissen, dass es nicht gut aussieht, wenn man 0:3 hinten liegt», so Ivo Rüthemann. «Aber ich glaube fest daran, dass wir am Dienstag im eigenen Stadion gewinnen werden. Und in Kloten hatten wir bislang in beiden Spielen auch unseren Chancen. Jetzt müssen wir diese Chancen aber auch packen...»

Der EVZ vor dem Aus

Der HC Davos steht nach dem 6:1-Kantersieg gegen den EV Zug mit eineinhalb Beinen im Playoff-Final. Es scheint ausgeschlossen, dass die müden Innerschweizer gegen die souveränen und frischen Bündner die Wende noch schaffen. Die endgültige Entscheidung fiel in der 43. Minute. Die Zuger waren in der gegnerischen Offensivzone, Beat Forster konnte sich aber aus der Umklammerung durch Thomas Rüfenacht lösen und spielte die Scheibe der Bande entlang zu Marc Wieser. Der ältere der Wieser-Brüder, in dieser Serie meist nur 13. HCD-Stürmer, konnte losziehen und spielte den Puck dann zur Mitte, wo ihn Patrick Fischer zum 4:1 ins eigene Tor ablenkte. Einmal mehr hatten die Bündner damit einen «big point» besser gespielt und verfügten auch über das nötige Quäntchen Glück. Der Rest war ein 17-minütiges Schaulaufen vor einer endlich einmal playoffwürdigen Kulisse in der höchstgelegenen Stadt der Alpen. Ohne restlos aus sich herausgehen zu müssen, konnten die Bündner ihre Ungeschlagenheitsserie so auf 14 Partien verlängern. Während sich der gelbblaue Anhang in den Schlussminuten selber feierte, versuchten einige Zuger (Thomas Rüfenacht, Glen Metropolit, Wes Snell) ihren Frustpegel durch unnötige Fouls abzubauen, womit sie ihre Teamkollegen zu noch mehr Energieaufwand zwangen.

Die Zuger stiegen bemüht und mutig ins Spiel der wohl endgültig letzten Chance, in dem sie nebst Corsin Camichel auch auf Damien Brunner (Verletzungen an der Nase und am Sprunggelenk) verzichten mussten. Sie erspielten sich in den ersten Minuten ein Plus, vergaben aber durch den zuletzt positiv überraschenden Nachwuchsspieler Matthias Rossi (3.), Corsin Casutt (4.) und Thomas Rüfenacht (7.) die Skoreeröffnung. Kurz danach durften aber die zahlreich ins so verschneite wie bitterkalte Prättigau gereisten Innerschweizer Fans jubeln: Patrick Fischer traf im Powerplay nach einem schönen Zuspiel von Josh Holden (8.).

Grossmann mit dem Powerplay-Treffer

Anstatt den Favoriten aber durch Konservieren des Vorsprungs zum Nachdenken zu bringen, gaben die Zuger das Momentum praktisch postwendend zurück. Patrick Oppliger sass eine Strafe ab und Robin Grossmann erwischte Jussi Markkanen mit einem haltbaren Schuss zwischen den «Hosenträgern», bei dem der Finne freie Sicht hatte (10.).

Im Mitteldrittel erhöhte der HCD dann die Kadenz und zwang die nicht mehr spritzigen Zuger so zu Fehlern. Der Führungstreffer verlieh den Mannen von Arno del Curto dann zusätzliches Selbstvertrauen: In Unterzahl - Davos hatte zu viele Spieler auf dem Eis gehabt - lancierte Josef Marha seinen Landsmann Petr Sykora und der Liga-Toptorschütze liess sich nicht lange bitten, reagierte schneller als Zugs Abwehrpatron Rafael Diaz und liess Markkanen mit einem so kraftvollen wie präzisen und ansatzlosen Hocheckschuss keine Abwehrmöglichkeit.

Rapperswil-Jona gelingt erster Sieg

Überhaupt konnte sich Del Curto einmal mehr auf seine osteuropäischen Gastarbeiter verlassen. Marha erhöhte in der 34. Minute aus der Distanz auf 3:1, der Assist kam von Landsmann Jaroslav Bednar, womit sich die Anzahl der «tschechischen» Skorerpunkte auf sechs erhöhte, am Schluss waren es acht.

Rapperswil-Jona feiert den ersten Sieg in den diesjährigen Abstiegsplayoffs. Die Lakers bezwingen Ambri-Piotta zu Hause 2:1 nach Verlängerung.
Die Lakers gingen auch im dritten Spiel in dieser Serie dank eines Powerplay-Tores 1:0 in Führung, diesmal traf in der 10. Minute Michel Riesen. Und erneut gelang Ambri der Ausgleich: In der 44. Minute bediente Inti Pestoni nach einem Fehler von Niklas Nordgren seinen Sturmkollegen Martin Kariya, worauf der Kanadier aus idealer Position mit einem präzisen Schuss traf. Somit kam es wie bereits am vergangenen Donnerstag zur Verlängerung, doch diesmal behielten die Lakers dank eines Tores von Verteidiger Sven Berger nach 6:37 der Overtime das bessere Ende für sich. Damit ging für die St. Galler eine Serie von acht Niederlagen zu Ende.

Kloten - Bern 4:3 (1:1, 1:1, 2:1)
Kolping. - 7624 Zuschauer (ausverkauft). - SR Prugger/Reiber, Abegglen/Kaderli.
Tore: 3. Rüthemann 0:1. 8. Luomala (von Gunten) 1:1. 21. (20:39) Bieber (Du Bois, Santala/Ausschluss Jobin) 2:1. 29. Rüthemann (Martin Plüss) 2:2. 42. Romano Lemm (von Gunten) 3:2. 50. Déruns (Dubé) 3:3. 53. Rintanen (Winkler) 4:3. - Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Kloten, 4mal 2 plus 10 Minuten (Kwiatkowski) gegen Bern.
PostFinance-Topskorer: Santala; Dubé.
Kloten: Rüeger; Du Bois, Blum; Winkler, Sidler; von Gunten, Welti; Samuel Keller, Mettler; Bieber, Santala, Luomala; Stancescu, Liniger, Mark Bell; Bodenmann, Romano Lemm, Rintanen; Kellenberger, Walser, Jacquemet.
Bern: Bührer; Jobin, Kwiatkowski; Philippe Furrer, Roche; Krueger, Beat Gerber; Stettler; Goren, McLean, Reichert; Gardner, Martin Plüss, Rüthemann; Pascal Berger, Dubé, Déruns; Neuenschwander, Froidevaux, Scherwey; Vermin.
Bemerkungen: Kloten ohne Jenni, Hamr, DuPont und Hollenstein, Bern ohne Vigier (alle verletzt) und Gamache (überzähliger Ausländer). - Lattenschuss Roche (19.). - Timeout Bern (59:02).

Davos - Zug 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
Vaillant-Arena. - 7006 Zuschauer (ausverkauft). - SR Rochette/Stricker, Fluri/Müller.
Tore: 8. Fischer (Holden, Metropolit/Ausschluss Steinmann) 0:1. 10. Grossmann (Sykora, Marha/Ausschluss Oppliger) 1:1. 26. Sykora (Marha, Forster/Ausschluss Guggisberg!) 2:1. 34. Marha (Bednar, Jan von Arx) 3:1. 43. Marc Wieser (Forster) 4:1. 50. Taticek (Bürgler, Forster/Ausschlüsse Snell, Metropolit) 5:1. 57. Forster (Reto von Arx, Taticek/Ausschluss Rossi) 6:1. - Strafen: 8mal 2 Minuten gegen Davos, 8mal 2 plus 2mal 10 Minuten (Rüfenacht, Rossi) gegen Zug.
PostFinance-Topskorer: Sykora; Metropolit.
Davos: Genoni; Stoop, Forster; Grossmann, Ramholt; Jan von Arx, Back; Tallarini; Guggisberg, Reto von Arx, Taticek; Sykora, Marha, Bednar; Bürgler, Rizzi, Dino Wieser; Sciaroni, Steinmann, Joggi; Marc Wieser.
Zug: Markkanen; Wozniewski, Fischer; Diaz, Oppliger; Chiesa, Snell; Blaser; Lindemann, Metropolit, Casutt; Schnyder, Holden, Christen; Di Pietro, Sutter, Duri Camichel; Rossi, Rüfenacht, Lüthi.
Bemerkungen: Davos ohne Sejna, Jinman, Guerra (alle überzählig), Zug ohne Corsin Camichel (krank) und Brunner (verletzt). 38. EVZ-Tor nach Videokonsultation wegen hohen Stocks nicht gegeben. 44. Pfostenschuss Di Pietro. 54. Lattenschuss Metropolit. 55. Lattenschuss Diaz.

Rapperswil-Jona Lakers - Ambri-Piotta 2:1 (1:0, 0:0, 0:1, 1:0) n.V.
Diners Club Arena. - 5379 Zuschauer. - SR Kurmann/Massy, Arm/Küng.
Tore: 11. Riesen (Rizzello/Ausschluss Walker) 1:0. 44. Kariya (Pestoni) 1:1. 67. (66:37) Sven Berger (Neff) 2:1. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Rapperswil-Jona, 3mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta.
PostFinance-Topskorer: Roest; Pestoni.
Rapperswil-Jona: Manzato; Pöck, Sven Berger; Geyer, Gmür; Blatter, Andreas Furrer; Ronny Keller; Neff, Roest, Samuel Friedli; Nordgren, Burkhalter, Suri; Riesen, Reid, Richard; Sirén, Grauwiler, Rizzello; Nils Berger.
Ambri-Piotta: Bäumle; Bundi, Denissow; Gautschi, Uinter Guerra; Stirnimann, Schulthess; Casserini; Veilleux, Walker, Hofmann; Duca, Kariya, Pestoni; Raffainer, Mattia Bianchi, Elias Bianchi; Botta, Adrian Brunner, Murovic; Trevor Meier.
Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Gailland, Truttmann, Maurer und Tim Bucher (alle verletzt), Parati (krank) und Ratchuk (überzähliger Ausländer). Ambri-Piotta ohne Demuth, Kobach, Kutlak, Landry und Westrum (alle verletzt). - Timeout Ambri-Piotta (58.).

(sda)