31. Dezember 2006 11:38; Akt: 31.12.2006 15:15 Print

HCD mit Kampfgeist zum Spenglercup-Sieg

Der HC Davos hat den Spenglercup 2006 gewonnen. Die Bündner rangen das Team Canada trotz eines zwischenzeitlichen 0:2-Rückstandes mit 3:2 nieder. Den Gamewinner des hochspannenden Spiels erzielte Andres Ambühl nach einem Flop des Canada-Goalies Justin Pogge.

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Andres Ambühl entschied den 80. Spenglercup. Der gebürtige Bündner markierte im Final gegen das Team Canada das 3:2-Siegtor (49.) für den HCD.
Auf dem Weg zum 14. Erfolg beim prestigeträchtigsten Klub-Turnier machte der HC Davos einen frühen 0:2-Rückstand wett. Robin Leblanc, zusammen mit Ambühl und Torhüter Jonas Hiller der beste Davoser, und Ambris Eero Somervuori steuerten die Treffer zum Ausgleich bei.

Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden rückte Kanadas Keeper Justin Pogge unvorteilhaft in den Mittelpunkt. Gegen die Berliner war er wegen einer Stockattacke ausgeschlossen worden, nun leistete sich der 20-jährige Junioren-Weltmeister den Flop des Tages: In der 49. Minute verfehlte er hinter seinem Tor den Puck - Andres Ambühl brauchte die Scheibe nur noch über die Linie zu schieben. Trotz diverser erstklassiger Chancen gelang es den Kanadiern nicht mehr, den Fauxpas ihres ansonsten starken Hüters zu korrigieren.

Die Startphase verlief nicht nach dem Geschmack der 7080 Zuschauer. Stilsicher, aggressiv und mit der Präzision ihrer besten Tage bestimmten die Nordamerikaner den Takt. Mario Scalzo traf mit einem haltbaren Schlenzer über die Schulter Hillers zum 1:0 (6.). Drei Minuten später erhöhte Jason Doig bei angezeigter Strafe gegen Davos auf 2:0. Am Ende eines ungenügenden Drittels hätte sich kein HCD-Vertreter über eine noch deutlichere Differenz beklagen dürfen; zu stark trumpften die Kanadier in jener Phase auf, scheiterten aber immer wieder an Jonas Hiller, dem besten und am meisten forcierten Torhüter des Turniers.

Den Davosern ist hoch anzurechnen, dass sie nach der Samstagabendsession über genug grosse Kraftreserven verfügten, die Wende zu erzwingen. Mit Fortdauer stellten sich die defensiv perfekt organisierten Einheimischen besser auf das Tempo-Hockey der Kanadier ein. Mit dem 3:2 revanchierten sich die Bündner zudem im exakt richtigen Moment für das 3:6 gegen die Selects in der Gruppenspielphase. Pat Quinns Auswahl verlor indes nicht nur das Spiel, sondern auch zwei Profis mit womöglich erheblichen Knieverletzungen. In der 36. Minute prallten Tscheljabinsk-Verteidiger Jason Doig und Fribourgs Stürmer Josh Holden in voller Fahrt zusammen.

Der Sieg bei der Jubiläums-Ausgabe bedeutet auch für Arno Del Curto einen weiteren Höhepunkt seiner eindrücklichen Bilanz im Kurort. Der seit 1996 beim HCD engagierte Engadiner coachte den HCD zum vierten Titel seit 2000.


Spenglercup. Final:

Team Canada - HC Davos 2:3 (2:1, 0:0, 0:2)
Eisstadion. - 7080 Zuschauer (ausverkauft). - SR Reiber, Wirth/Wehrli.
Tore: 5. Scalzo (Pittis) 1:0. 9. Doig (Herperger, Roest/Strafe angezeigt) 2:0. 14. Leblanc (Rizzi) 2:1. 43. Somervuori (Ambühl, Reto von Arx/Ausschluss Bright) 2:2. 49. Ambühl (Ausschlüsse Murovic; Riesen) 2:3.
Strafen: 5mal 2 Minuten gegen das Team Canda, 7mal 2 Minuten gegen Davos.
Team Canada: Pogge; Heins, Harrison; Syvret, Doig; Strudwick, Scalzo; Bright; Kolanos, Jamie Wright, Law; Gardner, Pittis, Maneluk; Tyler Wright, Roest, Herperger; Holden, Reid, Brent.
Davos: Hiller; Naumenko, Jan von Arx; Blatter, Chawanow; Winkler, Crameri; Müller; Riesen, Reto von Arx, Daigle; Petrow, Marha, Ambühl; Somervuori, Taticek, Burkhalter; Leblanc, Rizzi, Baumann; Nittel.
Bemerkungen: HCD ohne Varada (familiäre Gründe), Gianola (verletzt), Guggisberg (intern gesperrt), Richter (geschont). 17. Lattenschuss von Heins. 36. Holden und Doig nach schwerem Zusammenprall mit Knieverletzungen ausgeschieden. 38. Pfostenschuss von Leblanc. Team Canada ab 59:00 ohne Torhüter. 60. (59:19) Timeout von Davos.


Das Spiel im Liveticker:

1. Drittel: Das Team Canada in den Startminuten mit dem ersten Powerplay - der HCD verteidigt aber geschickt. Kurze Zeit später das 1:0 für die Kanadier: Jonas Hiller vergreift sich mit der Fanghand - 1:0 durch Scalzo. Kurze Zeit später der Doppelschlag: 2:0 durch den aufgerückten Verteidiger Doight. Der HCD kommt in der Folge etwas besser ins Spiel, dicke Chancen bleiben aber Mangelware. Wie aus dem heiterem Himmel fällt der Anschlusstreffer: Robin Leblanc trifft mit einem Handgelenkschuss zum 1:2. Der HCD gerät postwendend unter Druck, verhindert nur mit viel Glück (Heins trifft nur die Latte) den erneuten Zweitore-Rückstand. HCD-Goalie Jonas Hiller scheint nach einem unglücklichen Zusammenstoss angeschlagen - eine Beinverletzung?

2. Drittel: HCD-Goalie Jonas Hiller scheint okay zu sein, kann weiterspielen. Der HCD kommt wieder besser ins Spiel. Das Spiel geht Auf und Ab, beide Teams kommen zu Chancen. Der Davoser Torschütze Robin Leblanc trifft kurz vor der Drittelspause nur den Pfosten - der Ausgleich liegt in der Luft. Böse Szene in der 36. Minute: Die beiden Kanadier Doight und Holden crashen ineinander, bleiben verletzt auf dem Eis liegen, müssen vorzeitig in die Kabine. Beide scheinen ziemlich schwer verletzt zu sein, ersten Prognosen zufolge haben beide schwere Knieverletzungen zugezogen. Für nähere Unetrsuchungen werden sie nun ins Spital von Davos transportiert.

3. Drittel: Die letzten 20 Minuten des Spengler Cups 2006 beginnen. Der HCD mit dem ersten Powerplay - und dem Abstauber-Tor für die Bündner durch Somervuori! Die Kanadier kommen ihrerseits zu einer Überzahlsituation, bleiben aber erfolglos. Postwendend kommt der HCD wieder zu einer 5-4-Situation - allerdings nicht lange, Riesen wird nach einer Minute ebenfalls in die Kühlbox geschickt. Es scheint ein wenig, als ob der nächste Treffer das Spiel entscheiden würde. In der 49. Minute schlägts ein: Team-Canada-Goalie Pogge macht einen Ausflug hinters Tor, verfehlt aber den Puck. Ambühl kann abstauben, trifft mit einem Buabatrickli ins leere Tor zum 3:2. Ist das die Vorentscheidung? Das Team Canada drückt nun mit aller Kraft auf den Ausgleich, der HCD verteidigt mit Händen und Füssen - kommt zu Konterchancen. Ein Hitchcock-Finale! Die Schlussphase beginnt, der HCD wehrt sich mit grossem Willen - rettet den Sieg über die Zeit und gewinnt den Spenglercup 2006.


(mat)