Spengler-Cup

29. Dezember 2019 12:26; Akt: 29.12.2019 13:36 Print

Heftige Kontroverse um den zockenden HC Davos

von Marcel Allemann - Darf man am Spengler-Cup eine sportlichen Strategie über der Unterhaltung gewichten? Der HCD tut es – das kommt nicht überall gut an.

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Um den HC Davos ist am 93. Spengler-Cup eine heftige Kontroverse entstanden. Die Bündner traten zum letzten Gruppenspiel am Samstagabend gegen das Team Canada freiwillig mit einem Rumpfteam an. Sie schonten ihre Söldner Magnus Nygren, Mattias Tedenby und Aaron Palushaj. Sie verzichteten auf die drei Verstärkungsspieler Harri Pesonen, Casey Wellman und Danny Kristo, die vertraglich bedingt maximal vier Spiele am Turnier bestreiten dürfen. Gerade mal drei komplette Blöcke schickten sie aufs Eis, blieben gegen die Kanadier entsprechend chancenlos und erhielten eine 1:5-Abfuhr.

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«Wir versuchen es mit einem neuen Ansatz»

«Wir antizipierten, dass wir am Sonntagnachmittag bereits wieder gegen Turku spielen müssen und wollen da mit der bestmöglichen Mannschaft antreten. Da wir gegen das Team Canada gewisse Kräfte geschont haben, haben wir eine gute Chance, dieses Spiel zu gewinnen», begründet HCD-Sportchef Raeto Raffainer diese spezielle Massnahme. Es sei unrealistisch gewesen, gegen die starken Kanadier mit vier Toren Unterschied zu gewinnen, noch Gruppensieger zu werden und sich direkt für die Halbfinals zu qualifizieren. Deshalb habe der Spengler-Cup-Modus diese spezielle Strategie erfordert. «Sollten wir es in den Final schaffen, haben wir innert fünf Tagen fünf Spiele», so Raffainer, «Um erfolgreich sein zu können, versuchen wir es deshalb mit einem neuen Ansatz.»

Trainer Christian Wohlwend ergänzt: «Was wir tun, ist eine Reaktion auf den Modus. Wir kommen nicht darum herum, die Kräfte zu verteilen. Denn wir wollen hier nicht zwei gute Spiele machen und dann im Viertelfinal ausscheiden.» Das Ziel des HCD sei es, das Turnier zu gewinnen: «Und deshalb mussten wir strategische Entscheidungen treffen.»

«Das ist eine Verarschung des Publikums»

Diese Zockerei kommt nicht überall gut an. Tamedia traf nach dem einseitigen Spiel gegen das Team Canada vor dem Davoser Eisstadion einen ehemaligen Spieler an, der inzwischen als Unternehmer tätig ist und für sich und seine Kunden mehrere Tickets für die Partie gekauft hat. «Was der HCD da macht, ist eine Verarschung des Publikums, das viel Geld bezahlt, um hier dabei sein zu können. Am Spengler-Cup will ich gutes Eishockey sehen und unterhalten werden, egal wie weit es Davos am Turnier nun schafft.» Als er die Aufstellung des HCD gegen Kanada gesehen habe, wäre er am liebsten wieder nach Hause gegangen. «Für solche Spielereien habe ich null Verständnis», sagt er frustriert.

Wegen der HCD-Strategie, vielleicht auch dem Geist der neuen Crew mit Raffainer und Wohlwend geschuldet, den Erfolg am Turnier über die Show zu setzen, ist eine heftige Kontroverse entstanden, die das Potenzial hat, in eine Polemik auszuarten. Das Gute daran: Für die Viertelfinal-Partie am Sonntagnachmittag zwischen Davos und Turku ist nun zusätzliche Brisanz entstanden. Gewinnt Davos dieses K.-o.-Spiel, hat er eben doch einiges richtig gemacht, erleidet er aber trotz dieser Zockerei Schiffbruch, müssen sich Raffainer und Wohlwend auf unangenehme Fragen gefasst machen. Nicht nur von frustrierten Zuschauern.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hockey Fan am 29.12.2019 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht!

    Zu diesen Eintrittspreisen muss man wie Ambri raus aufs Eis und alles geben! Schliesslich sorgen die Fans auch für gute Stimmung. Sollte auch eine Frage der Ehre sein, gegen das Team Canada gewinnen zu wollen. Es soll die beste Mannschaft das Turnier gewinnen und nicht die Rechenschieber!

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  • Sergey am 29.12.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Schade für den Eishockey Sport und die Zuschauer die im Stadion tollen Sport schauen wollen und dafür viel Geld bezahlen

  • AppleBee am 29.12.2019 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Irgendwie ist es ja schon speziell wenn der Veranstalter von einem Turnier sich über dessen Modus beschwert und dann im Sinne von "Gezwungenheit" auf die B-Mannschaft setzt. Ich hätte als Fan keinerlei Verständnis für dieses Vorgehen und ich kann jeden Einzelnen verstehen, der nach Erklingen der Schlusssirene (Pausensirene) beim Pfeifkonzert mitgemacht hat. Der Gipfel ist aber auch, dass man da im vollen Ernst in Person vom Sportchef hinsteht und findet, dass der Verband Schuld sei- vonwegen Leihspieler-Einsatzverbot. Es ist eine Anreihung von Frechheiten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobias Hiestand am 29.12.2019 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Tschau Spenglercup

    Wenn nicht mal mer der HCD alles gibt für dieses Turnier dann wäre es wirklich an der Zeit dem Spenglercup ade zu sagen und die Meisterschaft durchzuziehen.

    • Condorman am 29.12.2019 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tobias Hiestand

      Nächstes Jahr gibt es den Santär-Cup wer weiss?

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  • Condorman am 29.12.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boden/Realität

    Wohlwend ist eben ein Greenhorn auf der grossen Bühne mit seiner Entscheidung ob es in der Meisterschaft besser geht bezweifle ich doch sehr!!

  • Suter vo Biel am 29.12.2019 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Taktieren will gelernt sein

    Die Herren Wohlwend und Raffainer sollten noch einmal einen ausgiebigen Taktikkurs besuchen. Hier geht es doch um reines Entertainment! Da will der Zuschauer als Hockeyfan gutes Icehockey sehen! Die Taktik zu wählen, mit Kräftesparen gegen ehrgeizigere Gegner gewinnen zu können, ist wohl eher etwas unangebracht und gehört in die Kategorie "Zuschauerbschiss". Schade Jungs. Ich hoffe Ihr kommt damit in der Mesiterschaft etwas weiter... Good luck.

  • urs huttenlocher am 29.12.2019 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arno lässt grüssen

    davos: ihr alle könnt etwas lernen von ambri, meinem spegler-cup favotiten. eishockey ist immer vollgassport...taktieren führt ins aus. arno lässt grüssen.

  • Heinz Stiefel am 29.12.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HCD

    Solange der Zuschauer den vollen Eintrittspreis bezahlt, hat er auch Anrecht auf vollen Einsatz des besten Teams.

    • AppleBee am 29.12.2019 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Stiefel

      Immer und muss auch so gewahrt werden!

    • Giovanni am 29.12.2019 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Stiefel

      die Spieler haben sicher alles gegeben, das nötige Glück hat auch gefehlt. Wo war die nötige Unterstützung der "Fans"?

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