NLA-Playoffs

15. März 2011 12:55; Akt: 15.03.2011 22:25 Print

Kloten, Davos und Ambri gewinnen

Der Meister trifft auf Wiederstand. Die Kloten Flyers besiegen den SCB dank höherem Tempo und mehr Engagement. Davos benötigte gegen Zug die Hilfe von Zugs Trainer Doug Shedden.

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Kloten mit Auftakt nach Mass

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Der Halbfinalauftakt verläuft ganz nach dem Gusto der Kloten Flyers. Kloten erweist sich als klar stärkeres Team und siegt gegen den SC Bern verdientermassen 4:1.
In der matchentscheidende Szene spielte Berns Goalie Marco Bührer die Hauptrolle. Benjamin Winkler schoss aus der neutralen Zone den Puck in die Berner Zone, und Bührer brachte den Puck nicht unter Kontrolle. Mark Bell brauchte daraufhin nur noch die freiliegende Scheibe am vor dem Gehäuse knieenden Bührer vorbei ins Tor zu schiessen. Das 4:1 erzielte Victor Stancescu 50 Sekunden vor Schluss mit einem Schuss ins leere Tor.

Äusserst rassig verlief die Partie in den ersten beiden Abschnitten, in denen auch Simon Bodenmann seine grossen Auftritte hatte. Nach acht Minuten gelang dem 23-Jährigen mit einer brillanten Sololeistung das Führungstor. Und in der 32. Minute eroberte Bodenmann zuerst einen Abpraller und schoss wenig später zum 2:0 ein. Aber nicht nur wegen seiner beiden Goals entpuppte sich Bodenmann als herausragender Spieler auf dem Eis: Er düpierte die Berner Abwehr ein ums andere Mal. In der 37. Minute kurvte er wie ein Slalomspezialist um Kippstangen an den Berner Verteidigern vorbei. Er vergab das 3:0 aber ebenso wie wenig später Victor Stancescu.

Weil Kloten nach dem 2:0 die vorzeitige Siegsicherung verpasste, fand Bern kurz nochmals ins Spiel zurück. Martin Plüss verkürzte drei Minuten vor der zweiten Pause auf 1:2. Während der knapp fünf Spielminuten bis zum dritten Gegentreffer vermochten sich die Hauptstädter aber keine Ausgleichschance zu erspielen.

Die fatale Bankstrafe gegen Doug Shedden

Der HC Davos hat die animierte erste Halbfinal-Partie gegen Zug 3:1 gewonnen. Mitentscheidend war eine Strafe gegen Zugs Coach Doug Shedden, der sein Temperament einmal mehr nicht zügeln konnte.

Die matchentscheidende Szene ereignete sich in der sechsten Minute des Schlussabschnitts: HCD-Leitwolf Reto von Arx wurde von Zugs Corsin Casutt leicht aus dem Tritt gebracht und holte dann in bester «Filippo-Inzaghi-Manier» die Strafe heraus, in dem er den Flug akzentuierte. Doug Shedden liess sich das nicht bieten und machte seinem Unmut derart stark Luft, dass Ref Danny Kurmann eine zusätzliche Bankstrafe gegen Zug aussprach. Der HCD, zur doppelten Überzahl gekommen wie die Jungfrau zum Kind, liess sich nicht zweimal bitten und Beat Forster traf nach 34 Sekunden mit einem Hocheckschuss nach Vorlage von Reto von Arx.

Da Zugs restliche vehemente, aber manchmal ungestüme Angriffsbemühungen nichts mehr fruchteten und Petr Sykora den HCD-Matchpuck vergab, blieb bis in die Schlusssekunden alles möglich. Elf Sekunden vor Matchende erlöste dann Petr Taticek die HCD-Fans.

Nach Spielende interessierte vor allem eines: Wieso hat Shedden die Strafe bekommen? Kurmann dazu: «Er hatte bereits im ersten Drittel, bei der ersten Strafe gegen Zug, reklamiert. Ich habe ihm dann gesagt, er solle das unterlassen und später noch einmal. Nach der Strafe gegen Casutt hat er weitergemacht und ich musste ihm die Strafe geben.» Kurmann hatte Shedden bereits bei seinem letzten Zug-Match im Januar in Lugano eine Spieldauer-Strafe gegeben. Nach der Partie führten die beiden im Kabinengang noch einmal eine emotionale Diskussion und Shedden hatte wohl Glück, dass Kurmann sein letztes Votum nicht mehr hörte.

Beim Zuger Führungstor durch Fabian Lüthi (23.) reklamierten die Davoser ein wenig. Der Jungstürmer stand im Torraum, als er die Vorlage von Andy Wozniewski versenkte, allerdings war er von einem Gegner hineingestossen worden. Nur 159 Sekunden später glich der HCD aus. Peter Sejna zog solo los, nachdem Björn Christen einen zu riskanten Querpass von Patrick Oppliger nicht hatte kontrollieren können und verlud auch Jussi Markkanen sicher.

Der Slowake traf per Backhand und es schien, als wollten es ihm die Zuger gleichtun. Innert kürzester Zeit versuchten es Christen und Damien Brunner mit der gleichen Masche (35./36.), Leonardo Genoni glänzte aber zweimal mit starken Paraden. Ansonsten hatte Davos in der zweiten Hälfte des Mitteldrittels nach einer klaren Tempoverschärfung ein deutliches Plus, mangelndes Zielwasser und Markkanen verhinderten aber eine Führung.

Wer erwartet hätte, die beiden Teams würden zu Beginn der Serie ihre Feindseligkeiten aus der Qualifikation wieder aufnehmen, sah sich getäuscht. Arno del Curto und Doug Shedden, die sich auch persönlich Nebenkriegsschauplätze geliefert hatten, stellten ihre Teams sehr gut ein. Als Folge sahen die nur gerade 4785 Fans von Anfang an eine intensive, schnelle, phasenweise auch harte Partie, die aber nie unfair geführt wurde. Im Startdrittel kontrollierten die Abwehrreihen das Geschehen mehrheitlich, Dino Wieser, Sykora und Sandro Rizzi bei Davos sowie Josh Holden bei Zug vergaben die besten der wenigen Möglichkeiten.

Final Break für Ambri-Piotta

Ambri-Piotta ist zum Auftakt der 2. Runde der Abstiegsplayoffs ein Break gelungen. Die Tessiner siegten bei den Rapperswil-Jona Lakers 2:1 und führen in der Best-of-7-Serie 1:0.

Ambri wendete dank zwei Powerplay-Toren ein 0:1 in ein 2:1. Paolo Duca schoss 38 Sekunden vor der zweiten Pause das 1:1, nachdem Inti Pestoni zuvor nur den Pfosten getroffen hatte. Es war der erste Treffer für den Captain der Gäste seit dem 21. Januar. Das Game-Winning-Goal gelang Julian Walker in der 50. Minute nach einem Querpass von Reto Stirnimann. Der Sieg von Ambri ging aufgrund der grösseren Spielanteile in den ersten zwei Dritteln in Ordnung.

Die Lakers waren in den ersten 40 Minuten wie ein Auswärtsteam aufgetreten, brachten in dieser Zeitspanne bloss elf Schüsse auf das Tor der Tessiner zu Stande. Wenigstens zeigten sie sich im Powerplay effizient, benötigten sie doch während der ersten Strafe gegen Ambri bloss 43 Sekunden, um durch Marco Maurer (28.) 1:0 in Führung zu gehen. Der Verteidiger erzielte mit einem Weitschuss seinen fünften Treffer in dieser Saison.

Im letzten Drittel (19:6 Schüsse) begannen dann auch die Lakers, Eishockey zu spielen. Doch ausgerechnet in der besten Phase kassierte Claudio Neff eine dumme Strafe, was Ambri, das in den ersten beiden Powerplays geschwächelt hatte, eiskalt ausnutzte. Damit müssen die Lakers weiterhin auf den ersten Sieg in den diesjährigen Abstiegsplayoffs warten, nachdem sie gegen Lugano 0:4 verloren hatten. Ambri dagegen kam zum ersten Sieg nach vier Niederlagen in Serie gegen Biel.

Kloten - Bern 4:1 (1:0, 1:1, 2:0)
Kolping. - 6878 Zuschauer. - SR Rochette/Stricker, Fluri/Müller
Tore: 8. Bodenmann (Blum, Rintanen) 1:0. 32. Rintanen (Bodenmann, Romano Lemm) 2:0. 38. Martin Plüss (Rüthemann, Gardner) 2:1. 42. Mark Bell (Winkler) 3:1. 60. (59:10) Stancescu (Mark Bell) 4:1 (ins leere Tor)
Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Kloten, 7mal 2 Minuten gegen Bern
PostFinance-Topskorer: Santala; Dubé.
Kloten: Rüeger; Du Bois, Blum; Winkler, Sidler; Welti, von Gunten; Mettler, Samuel Keller; Bieber, Luomala, Santala; Stancescu, Liniger, Mark Bell; Rintanen, Romano Lemm, Bodenmann; Kellenberger, Walser, Jacquemet.
Bern: Bührer; Roche, Philippe Furrer; Jobin, Kwiatkowski; Krueger, Gerber; Hänni; Gamache, Gardner, Pascal Berger; Rüthemann, Martin Plüss, Vermin; Déruns, Dubé, Goren; Reichert, Froidevaux, Neuenschwander; Scherwey.
Bemerkungen: Kloten ohne Jenni, Hamr, DuPont und Hollenstein, Bern ohne Vigier (alle verletzt).

Davos - Zug 3:1 (0:0, 1:1, 2:0)
Vaillant-Arena. - 4785 Zuschauer. - SR Kurmann/Massy, Arm/Küng
Tore: 23. Lüthi (Wozniewski) 0:1. 26. Sejna 1:1. 47. Forster (Reto von Arx/Ausschlüsse Casutt, Lüthi (sass Bankstrafe gegen Doug Shedden ab) 2:1. 60. (59:49) Taticek (Bednar, Reto von Arx) 3:1 (ins leere Tor)
Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Davos, 4mal 2 Minuten gegen Zug
PostFinance-Topskorer: Sykora; Metropolit.
Davos: Genoni; Stoop, Forster; Ramholt, Grossmann; Jan von Arx, Back; Untersander; Guggisberg, Reto von Arx, Sejna; Sykora, Taticek, Bednar; Bürgler, Rizzi, Dino Wieser; Sciaroni, Steinmann, Joggi.
Zug: Markkanen; Wozneiwski, Fischer; Diaz, Oppliger; Chiesa, Snell; Blaser; Christen, Metropolit, Casutt; Brunner, Holden, Schnyder; Lindemann, Sutter, Rüfenacht; Di Pietro, Duri Camichel, Lüthi; Rossi.
Bemerkungen: Davos ohne Tallarini, Guerra, Marha, Jinman (alle überzählig); Zug ohne Corsin Camichel (krank). 20. Lattenschuss Lüthi. 59. Timeout Zug. Zug zwischen 58:53 und 59:49 ohne Goalie.

Rapperswil-Jona Lakers - Ambri-Piotta 1:2 (0:0, 1:1, 0:1)
Diners Club Arena. - 3521 Zuschauer. - SR Prugger/Reiber, Abegglen/Kaderli
Tore: 28. Maurer (Nordgren/Ausschluss Adrian Brunner) 1:0. 40. Duca (Pestoni, Denissow/Ausschluss Andreas Furrer) 1:1. 50. Walker (Stirnimann, Gautschi/Ausschluss Neff) 1:2
Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Rapperswil-Jona, 2mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta
PostFinance-Topskorer: Roest; Pestoni.
Rapperswil-Jona: Manzato; Maurer, Pöck; Geyer, Gmür; Blatter, Andreas Furrer; Nordgren, Roest, Suri; Riesen, Burkhalter, Samuel Friedli; Reid, Sirén, Rizzello; Neff, Grauwiler, Thibaudeau; Nils Berger.
Ambri-Piotta: Bäumle; Casserini, Denissow; Gautschi, Uinter Guerra; Stirnimann, Schulthess; Marghitola; Veilleux, Walker, Hofmann; Duca, Kariya, Pestoni; Raffainer, Mattia Bianchi, Elias Bianchi; Botta, Adrian Brunner, Murovic; Trevor Meier.
Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Tim Bucher, Gailland, Truttmann (alle verletzt) und Ratchuk (überzähliger Ausländer). Ambri-Piotta ohne Bundi, Westrum, Landry, Kobach, Demuth und Kutlak (alle verletzt). - Timeout Ambri-Piotta (29.). - 40. Pfostenschuss Pestoni. - Rapperswil-Jona von 59:27 bis Schluss ohne Torhüter.

(sda)