Flyers Forever

21. Mai 2012 19:20; Akt: 23.05.2012 15:54 Print

Kloten-Spieler wollen nicht mehr warten

Die Spieler der Kloten Flyers haben das Abwarten satt. Jetzt gehen sie in die Offensive – und sind bereit, finanzielle Einbussen einzustecken.

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Der SVP-Politiker und Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann (Bild) traf gemeinsam mit Klotens Geschäftsführer Matthias Berner die Mannschaft. Zurück zu den Wurzeln: Die Kloten Flyers richten sich neu aus und heissen fortan wieder EHC Kloten. Zwei Tage nach dem Ausstieg der kanadischen Investoren-Gruppe Avenir Sports Entertainment informiert CEO Matthias Berner über die Zukunft der Kloten Flyers. «Wir machen alles für eine NLA-Zukunft», so Berner. Viel zu jubeln hatte der Kloten-Flyers-Besitzer Bill Gallacher nicht. Nach nur knapp elf Monaten gibt die kanadische Investoren-Gruppe Avenir Sports Entertainment bekannt, sich so schnell wie möglich aus der NLA-Organisation zurückziehen zu wollen. Philippe Gaydoul verkauft seine Anteile an den Flyers an die kanadische Investorengruppe. Gaydoul wird an einer ausserordentlichen Generalversammlung offiziell zum Präsidenten der Kloten Flyers gewählt. Kloten-Präsident Rolf Mosimann hat genug und legt sein Amt nieder. Damit ist klar, dass Gaydoul zum Präsidenten gewählt wird. Im neuen, fünfköpfigen Verwaltungsrat, nehmen mit dem ehemaligen Handballer Pascal Jenny, Daniel Riediker und Michael Kloter drei neue Personen Einsitz. Dazu kommen Rolf A. Mosimann und Mirko Baldi, die nach den Turbulenzen im Winter ihren Rücktritt erklärt hatten, sich nun aber der Wiederwahl stellten. Philippe Gaydoul gibt seinen Rücktritt als Verbandspräsident per 18. September bekannt. Damit endet das umstrittene Doppelmandat in absehbarer Zeit. Die Rettung der Kloten Flyers ist nun definitiv. Der Konkursrichter hat das Verfahren gegen den Eishockeyclub aufgehoben. Die Sanierung sei überzeugend gelungen. Die Aufhebung des Konkursverfahrens gegen die Kloten Flyers muss vertagt werden. Noch fehlen die Bestätigungen, dass alle Bedingungen erfüllt sind. Die Task Force des NLA-Eishockey-Klubs gibt an einer Medienkonferenz bekannt, dass die Schulden um 8,1 Mio Franken reduziert werden konnten. Trotzdem: Felix Hollenstein muss gehen. Adrian Fetscherin scheint das Zünglein an der Waage zu spielen. Was macht er mit seinem Aktienanteil? An einer Pressekonferenz übergibt er seine Aktien. Damit sind die Flyers gerettet. Fetscherin kündigt zudem Strafanklage gegen Ex-Präsident Jürg Bircher an. Kloten bestätigt, dass Roman Wick eine Offerte über acht Jahre und eine «berufliche Perspektive für die Zeit nach seiner Karriere als Spieler» angeboten wurde. Zudem soll der Entscheid fallen, ob Hollenstein tatsächlich Cheftrainer wird. Philippe Gaydoul ernennt Wolfgang Schickli (48) zum neuen CEO. Der Quereinsteiger gilt als «Pitbull» und selbst Trainer Felix Hollenstein ist bei ihm nicht gesetzt. Der unfreiwillige Abgang von Trainer Anders Eldebrink aus finanziellen Gründen wird schriftlich besiegelt. Der Schwede erhält eine Abgangsentschädigung. Klotens Ex-Präsident Jürg Bircher gesteht im Interview mit 20 Minuten Fehler während seiner Amtszeit ein und befürchtet, dass man ihn in der nächsten Saison nicht mehr im Stadion sehen will. Flyers-Retter Peter Bossert ist einen Schritt weiter. Die Ligaversammlung hat den Klotenern die Lizenz für die Saison 2012/13 unter strengen Auflagen erteilt. Kurz vor der «Rettungs-PK» der Knall in Kloten: Nationalstürmer Roman Wick (26), der Schwede Niklas Nordgren (32) und Nationalverteidiger Patrik von Gunten (27) müssen die Kloten Flyers im Zuge der Sparmassnahmen verlassen. Auch Félicien Dubois (28) und Samuel Walser (20) dürften den Klub verlassen. Sie waren mit der 15-prozentigen Lohnkürzung nicht einverstanden. Milliardär und Swiss-Ice-Hockey-Verwaltungsratspräsident Philippe Gaydoul soll die Kloten Flyers retten. Er gehört zu einer Investorengruppe, welche demnächst einen Übernahme-Vertrag unterzeichnen soll. Jürg Bircher stellt sein Aktienpaket den Sanierern der Kloten Flyers zur Verfügung. Ausserdem wird der Konkursaufschub bis zum 2. Juli vom Bülacher Bezirksgerichts bewilligt. Die Sanierer Peter Bossert und Daniel Hunkeler beantragen einen Konkurs-Aufschub bis Ende Juni für den maroden Klub. In einer Woche muss die Task Force ausserdem einen genauen Sanierungsplan abliefern. Jürg Bircher (Bild) und Kurt Hildenbrand treten aus dem Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG zurück. Beide stellen ihre Aktienpakete «unverzüglich und entschädigungslos» zuhanden neuer Investoren zur Verfügung. Die Frist der Liga für die Offenlegung der Zahlen wird den Kloten Flyers bereits ein zweites Mal verlängert. Die neue Deadline ist der 6. Juni. Ein lokaler Unternehmer will mithelfen, die Kloten Flyers zu retten. Hans-Peter Domanig von der Priora Group stellt 500'000 Franken bereit, die in ein Rettungspaket fliessen sollen, wenn sich neun weitere Unternehmen finden lassen, welche dieselbe Summe zahlen. Kurz nach der Gründung einer Task Force durch Ex-Präsident Peter Bossert und der Stadt Kloten präsentiert der aktuelle Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG eine neue Investorengruppe «Kanada/Schweiz». Zusammen mit zwei ehemaligen NHL-Spielern soll die Überschuldung von 6,5 oder 9,2 Millionen Franken - je nach Bewertung - getilgt werden. Eine Task Force wird gegründet, um den Konkurs der Kloten Flyers abzuwenden. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident Peter Bossert übernimmt die Führung. Die Spieler gehen in die Offensive und gründen den Verein «Kloten Flyers Forever». Sie sind zu Eingeständnissen bereit, wollen aber Geld sammeln. Unter anderem mit einem Event am 26. Mai. Liga-Manager Ueli Schwarz sagt unmissverständlich: «Die Kloten Flyers müssen bis zur Ligaversammlung vom 7. Juni nicht nur den Nachweis erbringen, dass das Unternehmen nicht überschuldet ist. Wir verlangen darüber hinaus die Garantie für den Spielbetrieb der nächsten Saison. Sonst ist die Lizenz weg.» Die Spieler der Kloten Flyers fordern per Einschreiben ihre Löhne (April und Mai) sowie die fälligen Prämien ein. Bezahlt der Verein bis zum 31. Mai nicht, können die Profis fristlos kündigen. Der Jahresverlust dürfte sieben Millionen betragen, die Gesamtverschuldung deren 14. Lehmann will sich nicht detailliert äussern, spricht aber von einem «finsteren Loch» und glaubt an die baldige Eröffnung eines Konkursverfahrens. Präsident Jürg Bircher sagt: «Also meiner Meinung nach ist die Verschuldung nicht höher als sieben Millionen.» Und der Jahresverlust? «Hoch, sehr hoch.» Trotzdem hofft er noch auf einen neuen Investoren. Hans-Ulrich Lehmann (oben links) steigt nicht bei den Flyers ein, da die Schulden grösser als befürchtet sind. Bis am 10. Mai wollte Lehmann eigentlich entscheiden, ob er einsteigt oder nicht. Der Termin kann nicht eingehalten werden. Lehmann: «Eine Überprüfung der Zahlen ist bis zum 10. Mai einfach nicht möglich. Ich brauche also noch ein paar Tage mehr Zeit und werde am 15. Mai informieren.» Die Kloten-Fans machen ihrem Frust öffentlich Luft. Rund 200 Anhänger des kriselnden Eishockey-Klubs demonstrieren für ihren Verein - und nicht gegen Präsident Jürg Bircher. Obwohl sich Fetscherin bei Bircher für sein Vorgehen entschuldigt, wird er die Flyers nicht mehr übernehmen. Dafür kommt am 24. April der nächste Tiefschlag: Die April-Löhne sollen nicht mehr bezahlt werden können. Dafür keimt die Hoffnung auf einen anderen Investor: Hans-Ulrich Lehmann. Am 10. Mai soll informiert werden. Fetscherin selbst ist an der PK anwesend, erhält aber Redeverbot. Er weicht für seine eigene PK kurzerhand in ein Altersheim aus. Und glaubt weiter an die Übernahme. Bircher kontert die Vorwürfe (hier im Bild mit Vizepräsident Jan Schibli) an einer PK. «Wir gehen davon aus, dass die Kloten Flyers in der nächsten Saison in der National League A spielen werden. Seit Freitagmittag sei man wegen des Rückzugs von Fetscherin, der per 1. Mai die Geschäftsführung hätte übernehmen sollen, gezwungen, nach Alternativen zu suchen.» Es kommt zum Eklat: Der designierte Kloten-Präsident Adrian Fetscherin (r.) wirft den Bettel bereits wieder hin. Er fühlt sich vom Noch-Boss Jürg Bircher über den Tisch gezogen und fordert Geld zurück. Dieser weist die Vorwürfe - unter anderem sollen mehrere Lohnlisten im Umlauf sein - zurück. Ab dem 1. Mai 2012 wollte Fetscherin als Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates für die Kloten Flyers arbeiten. In einer zweiten Phase soll der 37-jährige Zürcher, derzeit Leiter der Sportredaktion von Teleclub, vom aktuellen Präsidenten Jürg Bircher die Aktienmehrheit und das Präsidium übernehmen. Der neue starke Mann bei den Kloten Flyers heisst Adrian Fetscherin (l.). Präsident Jürg Bircher (r.) kann den krisengeschüttelten und von Finanzproblemen geplagten Klub doch noch in sichere Hände übergeben. Diverse Massnahmen sollen die Zukunft Klotens langfristig sichern.

Das Chaos bei den Kloten Flyers.

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Die Spieler der Kloten Flyers teilen in einer Medienmitteilung mit: «Die Mannschaft ist nach den dargestellten Ereignissen nicht mehr bereit einfach zuzuwarten, bis der Verwaltungsrat eine Lösung präsentiert.» Dies soll nicht bedeuten, dass man nicht weiterhin mit dem Verwaltungsrat zusammenarbeitet, falls sich eine Lösung abzeichnen sollte. Aber die Eishockeyaner wollen in die Offensive gehen und «alles in unserer Macht Stehende unternehmen», damit der Verein auch in der nächsten Saison in der National League A spielt.

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Dazu haben die Spieler den Verein «Flyers Forever Players» gegründet. «Die Mitglieder von Flyers Forever Players sind bereit ihren Teil zur Sanierung beizutragen und auch auf Lohn zu verzichten. Unser Verein ist sich auch bewusst, dass die Lohnstruktur der letzten Jahre nicht weiterhin in Kloten bestehen kann», schreiben die Akteure.

Marsch am 26. Mai

Angewiesen sind sie dabei jedoch weiterhin auf Zugeständnisse von allen beteiligten Partnern wie der Stadt Kloten, dem Verwaltungsrat der Kloten-Flyers AG sowie den Gläubigern. Routinier Marcel Jenni sagt stellvertretend: «Kämpfen für einen Neuanfang! Das sind wir uns und all denjenigen schuldig, die diesen Club lieben und ihr Herzblut vergossen haben. Es ist nie zu spät!»

Geld soll unter anderem auch mit Spenden gesammelt werden. Dazu organisieren die Spieler am Samstag, dem 26. Mai, ab 15 Uhr einen Marsch zum Stadion, wo dann diverse Aktivitäten geplant sind, wie die Spieler auf ihrer neuen Homepage erklären.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Auch wenns nicht ausreichen sollte, ich finds grossartig wie nun alle zusammen stehen - Klotenfans, die Spieler, Trainer, Ehemalige wie Wäger, und super, auch Fans anderer Teams. Das ist ein tolles Zeichen für den Club, mögliche Investoren, und die Schweizer Eishockeylandschaft. Jetzt muss nur noch jemand mit richtig viel Geld mitmachen ... – Marco

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lecavalier am 22.05.2012 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ist zwar ein gutes Zeichen

    , dass sich in Kloten die Spieler auch engagieren. Angesichts der Tatsache, dass nicht nur die Altlasten von über 10 Mio gedeckt werden müssen, sondern es mindestens nochmals soviel braucht, um die neue Saison zu bestreiten - total ca. 20-25 Mio. - ist die Sache halt trotzdem nicht viel mehr als eine herzerwärmende Story. Anders gesagt: Die Spieler müssten etwa 2 Saisons ohne Lohn für Kloten spielen (bei gleichbleibenden Einnahmen) um das Geld Schritt für Schritt aufzubringen. Dass die Kohle dann noch jemand vorschiessen müsste, lassen wir mal weg bei diesem theoretischen Szenario.

  • sven stückmann am 21.05.2012 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    hilfe

    macht diese aktion sinn oder ist es mehr ein letzer hilfeschrei?

    einklappen einklappen
  • Max Eggimann aus der SCB Fangemeinde am 21.05.2012 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Fehlbaren sollen bezahlen...

    Nur einfach Traurig für den Schweizer Eishockey Sport, was sich die Verantwortlichen dieses Vereins in den letzten Jahren geleistet haben! Sollen die Fehlbaren in den Verwaltungs- und Führungsetagen mit ihrem "Privatvermögen" gerade stehen! Dann wird es für alle übrig gebliebenen etwas leichter, den Verein zu Retten...hoffen wir..!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Itz ersch rächt... am 22.05.2012 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    JFZ Jede Fan zellt...

    Vielleicht könnte man ja DRS3 mit JRZ einspannen... Viel Glück all denen Fans, die ihr Geld in ein schwarzes Loch schmeissen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Ambri.... am 22.05.2012 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Keiner lernt daraus....

    Spendenaktionen sind ja gut und recht! Doch was lernt die Liga oder die anderen Teams daraus?? Wohl wiedermal nichts! Wie wärs mit einem Salarycap? Rechtlich zwar nur dann möglich, wenn es ein Gentlemen's Agreement geben würde...

  • bQm Werni am 22.05.2012 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    KLOTEN gehört in die NLA

    Bin seit Jahren Z Fan, aber auch ich finde ein Kloten gehört in die NLA!

  • Garden Club Winterthur am 22.05.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Alli Zeme stah und Flyers rette!

    Hallo zusammen, wir vom Garden Club in Winterthur, organisieren am 9.6.2012 eine Spende "Party" für die Kloten Flyers! Der gesamte Eintritt (10.-) wird gespendet! Getränke ab 5.- ! Jedes Trinkgeld geht auch an die Kloten Flyers!

  • Hockeyfan am 22.05.2012 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überbezahlte Liga

    Die Liga sollte langsam aber sicher auf die Idee kommen die Salary Cap einzuführen.. Kloten-Spieler machen es ja "freiwillig" vor;)