Unrentabel

11. Dezember 2011 11:11; Akt: 11.12.2011 11:12 Print

Kloten sucht die «amerikanische Lösung»

von Klaus Zaugg - Die Kloten Flyers stehen zum Verkauf. Was in Amerika längst Alltag ist, sorgt in der Schweiz immer noch für zu viel Aufregung.

storybild

Die Kloten Flyers warten auf einen neuen Besitzer. (Bild: Keystone)

Fehler gesehen?

Die Kloten Flyers sind eines der besten Hockeyunternehmen im Land. Leider rentieren sie nicht. Theoretisch ist die finanzielle Lage schon seit gut drei Jahren so, dass die Bilanz deponiert werden müsste. Aber das ist im Hockeygeschäft sowieso eher die Regel und nicht eine Ausnahme. Die Kloten Flyers haben eine effiziente, schlanke Administration, eine funktionierende, konkurrenzfähige Mannschaft und die beiden Coaches Anders Eldebrink und Felix Hollenstein gehören zu den fähigsten in der Liga.

Die Kloten Flyers spielen seit Jahren spektakuläres und erfolgreiches Hockey. Im letzten Frühjahr scheiterten sie erst im Finale am HC Davos. Die Nachwuchsorganisation gehört zu den besten in Europa und produziert so viele talentierte junge Spieler, dass es vorkommen kann, dass einer zur Konkurrenz wechseln muss, um überhaupt in der NLA zum Zuge zu kommen. Wie Damien Brunner, der aktuelle NLA-Topskorer des EV Zug.

Schwarze Zahlen verunmöglicht

Warum steht ein so bäumiges Sportunternemen zum Verkauf? «It's the economy, stupid.» Die Kloten Flyers mahnen an die staatlichen Musterbauernhöfe, die nie rentieren: Alles wird richtig gemacht, aber ein Ertrag ist nicht zu erwirtschaften. Nicht mit zehn Titeln in zehn Jahren. Nur wenn ein Eishockeyunternehmen den uneingeschränkten Zugriff auf die Werbe- und Gastronomierechte hat und damit die Zuschauer bewirtschaften kann, ist es möglich, schwarze Zahlen zu schreiben. Das ist nur beim SC Bern der Fall.

Deshalb sind die meisten Hockeyunternehmen darauf angewiesen, dass Männer (oder Frauen) mit abgeschlossener Vermögensbildung Jahr für Jahr das Defizit ausgleichen. In Kloten müsste eigentlich die öffentliche Hand pro Jahr mindestens eine halbe Million direkt ins Hockeygeschäft einschiessen: Die Jugendarbeit der Nachwuchsabteilung ist mehr als so viel Geld wert. Aber das ist politisch nicht machbar.

Der Einstieg ins Hockeygeschäft ist immer emotional und nie rational. Weil das Sportbusiness eine Bühne (Medienpräsenz) bietet, die es sonst nicht gibt, steigen immer wieder ansonsten rational denkende und handelnde Männer (und manchmal auch Frauen) ins Sportgeschäft ein. Die Amerikaner sagen sogar, dass Männer im Grunde nur beim Sex und beim Sportbusiness etwas fühlen und echte Emotionen entwickeln. Die Unberechenbarkeit des Sportes mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen provoziert tatsächlich einen enormen emotionalen Kick. Ob das auch für die Schweiz im Allgemeinen und die Besitzer der Kloten Flyers im Besondern gilt, ist wissenschaftlich nie untersucht worden.

Nun ist Präsident Peter Bircher zum gleichen Schluss gekommen wie schon sein Vorgänger Peter Bossert: Er will oder kann sich die Kloten Flyers nicht mehr leisten. Also steht das Unternehmen zum Verkauf.

Das Geschäft rentiert nicht

Der Verkauf von Sportunternehmen ist in Amerika so alltäglich, dass kaum mehr mediale Aufregung entsteht und schon gar nicht Untergangsstimmung aufkommt. Auch die beiden südkalifornischen Hockeyfirmen, die Los Angeles Kings und die Anaheim Ducks, haben schon mehrfach den Besitzer gewechselt. Aus den gleichen Gründen wie die Kloten Flyers: Das Geschäft rentiert nicht. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney hat die die Ducks 2005 für rund 70 Millionen Dollar dem Milliardär Henry Samueli verkauft. Die Los Angeles Kings hatten verschiedene private Besitzer und gehören heute der Anschutz-Gruppe, einem Unterhaltungs- und Immobilienkonzern. Auch in Nordamerika rentiert das Hockeygeschäft nur dann, wenn der Besitzer des Hockeyteams zugleich Besitzer der Arena ist und damit Zugriff auf alle Einnahmen hat.

Privatpersonen sollten nur ins Sportbusiness einsteigen, wenn sie solvent sind. In Nordamerika gilt der Grundsatz, dass sich nur Milliardäre ins Hockeybusiness einlassen sollten. Also Männer oder Frauen, die über tausend Millionen verfügen. Die Ducks haben bei gut 100 Millionen Umsatz pro Saison ihrem Besitzer schon mal 20 Millionen Verlust beschert. In der NLA geht es mit weniger Geld. Der Jahresumsatz liegt zwischen 10 und 20 Millionen und die Verluste dürften sich bei den Kloten Flyers zwischen einer und zwei Millionen bewegen. Also kann sich auch ein Multimillionär die Kloten Flyers leisten. Oder eine Gruppe von Millionären.

Abschreckung für Investoren

Während in Amerika Investoren im Sportbusiness mit höchstem Respekt behandelt werden und sich sozialer Anerkennung und Bewunderung sicher sein können, gibt es bei uns für jene, die Geld und Zeit und Energie ins Sportgeschäft investieren (wie Jürg Bircher) in der Regel in den Medien mehr Kritik als Anerkennung. Das ist unfair und schadet letztlich dem Sportbusiness. Investoren werden kopfscheu gemacht.

Was dürfen wir in Kloten erwarten? Eigentlich sollte es kein Problem sein, im Grossraum Zürich ein paar wohlbestallte Männer (oder Frauen) zu finden, die bereit sind, das Musterunternehmen Kloten Flyers zu alimentieren. Schliesslich ist der Grossraum Zürich eine der Urzellen des Finanzkapitalismus und heute noch eine der reichsten Gegenden auf der Erde. Wer geschickt verhandelt, bekommt die Kloten Flyers für einen symbolischen Franken. Dafür müssen allerdings die Schulden (es dürften gut und gerne fünf Millionen sein) übernommen und bezahlt werden.

Aber einfach wird es nicht. Nach viel Aufregung und Gerüchten und Spekulationen werden die Kloten Flyers zwar neue Besitzer finden. Aber die Frage ist, ob die Kloten Flyers weiterhin ein Spitzenteam sein werden oder zum Ausbildungsklub werden, der ganz auf eigenen Nachwuchs setzt, keine Stars mehr löhnt und kein Titelanwärter mehr sein kann. Für die Konkurrenz lohnt es sich auf jeden Fall, sich schon mal nach dem Preis dieses oder jenen Spielers zu erkundigen. Ein Frühjahrs-Ausverkauf ist nicht auszuschliessen. Der SCB ist auf überteuerte Einkäufe von Spielern aus laufenden Verträgen spezialisiert.

Umbruch als Chance

Aber selbst dann, wenn dieser oder jene teure Spieler aus einem laufenden Vertrag wegtransferiert werden sollte, ist die Existenz der Kloten Flyers nicht in Gefahr. Es ist bloss das übliche Verfahren in Zeiten des Besitzerwechsels. Schon 2006 verkaufte der damalige Besitzer Peter Bossert den Stürmer Patrik Bärtschi aus einem laufenden Vertrag heraus für unverschämt viel Geld dem SC Bern. Der Transfer erschütterte die Kloten Flyers scheinbar in den Grundfesten. Doch bald erwies sich dieser Verkauf als gutes Geschäft: Die Leistungsfähigkeit der Mannschaft wurde letztlich nicht tangiert und Bärtschi hat weder beim SCB noch bei den ZSC Lions sein bestes Hockey gespielt. Dabei war er einst Topskorer der U 20-WM.

Das Ziel muss eine «amerikanische Lösung» sein: Ein Besitzerwechsel/Verkauf mit Stil. Ohne gegenseitige Beschuldigungen, ohne Karacho und ohne viel Pulverdampf in den Medien. Aber mit einem ehrenvollen Abgang für Präsident Jürg Bircher. Er hat die Kloten Flyers zu einem Spitzenteam gemacht.