«Lohn-Big-Bang»

10. März 2011 13:03; Akt: 10.03.2011 13:03 Print

Knackt Blindenbacher die Schallmauer?

von Klaus Zaugg - Severin Blindenbacher kehrt nach dem gescheiterten NHL-Abenteuer nach Europa zurück. Der Verteidiger könnte der bestverdienende NLA-Schweizer aller Zeiten werden.

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Severin Blindenbacher könnte bald wieder im ZSC-Dress auflaufen. (Bild: Keystone)

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Die bestverdienenden Schweizer arbeiten in der NHL: Jonas Hiller (4,5 Millionen Dollar pro Saison), Mark Streit (4,1 Millionen) und ab nächster Saison ist auch Luca Sbisa Dollar-Millionör (1,2 Millionen).

In der NLA verdient noch kein Schweizer eine Million Franken. 600 000 Franken Grundlohn brutto pro Saison und ohne Prämien gelten für einen Schweizer in der NLA als Schallmauer, die es zu durchbrechen gilt. Geschafft hat es noch keiner.

Gute Chancen für den «Lohn-Big-Bang» hat nun Severin Blindenbacher. Er war bei den ZSC Lions in der Saison 2008/09 ein charismatischer Verteidigungsminister und produzierte in 47 Spielen 13 Tore und 22 Assists. Die Erinnerung an diese ruhmreiche Saison wird ihm bei den Verhandlungen mit den ZSC Lions helfen.

Diskrektion gehört zum Geschäft

In den letzten beiden Jahren verteidigte Blindenbacher im Ausland. 2009/10 in Schweden (55 Spiele/9 Tore/12 Assists für Färjestad) und diese Saison in der Organisation der Dallas Stars im AHL-Farmteam Texas Stars (26 Spiele/1 Tor/9 Assists). Viel Pech (Autounfall, Gehirnerschütterung) verhinderte den Aufstieg in die NHL. Dort hätte er 900 000 Dollar brutto verdienen können.

Blindenbachers Agent heisst Erich Wüthrich. Der ehemalige Verbandsdirektor und Manager beim HC Davos und den Kloten Flyers ist ein schlauer Fuchs. Er lässt sich auf die Frage von 20 Minuten Online, ob er für seinen Klienten die Schallmauer von 600 000 Franken knacken werde, auf keinerlei Spekulationen ein. Diskretion gehört zum Geschäft.

Verhandlungen dürfen nicht scheitern

Blindenbachers Marktwert ist so oder so hoch. Aber erst die Notlage der ZSC Lions treibt seinen Preis Richtung «600 000er-Schallmauer»: ZSC-Sportchef Edgar Salis kann sich ein Scheitern der Verhandlungen mit Blindenbacher nicht leisten. Eine Gebrauchsanleitung zum Gelddrucken ist diese Zwangslage der Lions allerdings noch nicht: Der Salär lässt sich nur in den Bereich von 600 000 Franken steigern, wenn es einen Markt gibt. Wenn nur die ZSC Lions bieten, gibt es keinen Markt. Unbegrenzte Mittel hat neben den ZSC Lions nur noch Lugano. Aber Lugano braucht Blindenbacher nicht. So gesehen gibt es keinen Markt.

Aber eben: Erich Wüthrich ist ein schlauer Fuchs. Obwohl Preistreiberei seinen Prinzipien widerspricht, sagt er eher absichtsvoll als spontan: «Schweden könnte für Blindenbacher nächste Saison wieder ein Thema werden.» Aha, die Herausforderung des Auslandes. Diesem Reiz können die ZSC Lions nur mit Geld begegnen. ZSC-Manager Peter Zahner redet zwar gern und viel vom Sparen. Aber wenn die ZSC Lions einen Spieler unbedingt wollen, spielt Geld keine Rolle.

Die Rechnung für das Versagen

Anders als dem SCB oder Davos ist es den ZSC Lions immer noch nicht ganz gelungen, die Lohnkosten in ein Verhältnis zur Hierarchie im Team und zu den Leistungen der einzelnen Spieler zu bringen. ZSC-Sportchef Edgar Salis bekommt nun bei den Verhandlungen mit Severin Blindenbacher beziehungsweise dessen Agenten Erich Wüthrich sozusagen die Rechnung für sein Versagen in der laufenden Saison präsentiert.

Die Hockeygötter sorgen für Gerechtigkeit: Schliesslich trägt Salis die Hauptverantwortung für das sportliche Scheitern der ZSC Lions. Er darf die Suppe auslöffeln, die er sich eingebrockt hat. Es gibt für solche Situationen einen bitterbösen Spruch aus dem nordamerikanischen Sportbusiness, der sich nicht wörtlich übersetzen lässt: «Money talks, Bullshit walks».

Chemie bei den Lions stimmt nicht

Ein möglichst hohes Salär von Blindenbacher mehrt auch den Unterhaltungswert: In jedem Team gibt es eine Lohnhierarchie. Eine Mannschaft funktioniert nur, wenn diese Lohnhierarchie stimmt. Ein Grund für den Misserfolg der ZSC Lions in dieser Saison ist der fehlende Zusammenhalt. Die Chemie stimmt nicht. Je höher das Salär für Blindenbacher, desto mehr schwieriger wird das sog. «Teambuilding» für den neuen Trainer der ZSC Lions.

P.S. Wenn es den ZSC Lions gelingt, Severin Blindenbacher unter Vertrag zu nehmen, wird es heissen, das Geld habe keine Rolle gespielt. Vielmehr locke die Herausforderung, bei der Renaissance der ZSC Lions eine wichtige Rolle spielen zu dürfen.