National League A

18. Februar 2011 12:27; Akt: 18.02.2011 12:28 Print

Laufen Biel die Spieler davon?

von Klaus Zaugg - Lötscher und Schneeberger gehen, Peter und Tschantré möglicherweise auch. Biels Trainer und Sportchef Kevin Schläpfer hat alle Hände voll zu tun, um die Lücken zu füllen.

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Kevin Lötscher wechselt zum Kantonsrivalen SCB. (Bild: Keystone)

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Gleichwertigen Ersatz aus der NLA für Kevin Lötscher (zu Bern) und Noah Schneeberger (zu Servette) können sich die Bieler auf dem Transfermarkt nicht leisten. Aber Trainer und Sportchef Kevin Schläpfer gerät deswegen nicht in Panik. Die Frage, ob Biel die Spieler davonlaufen, findet er übertrieben und erklärt gegenüber 20 Minuten Online. «So lange wir noch nicht im neuen Stadion spielen, können wir nicht über eine gewisse Salärgrenze hinausgehen. Wir sind darauf angewiesen, dass wir in der NLB oder in der NLA Spieler finden, die ihr Potenzial noch nicht ausgereizt haben und zu uns kommen, weil sie bei uns Eiszeit und Verantwortung erhalten. Das war bei Kevin Lötscher so, den wir aus Sierre geholt haben und bei Noah Schneeberger, der von Langenthal zu uns gekommen ist. Wenn diese Spieler für bessere Löhne zu einem besseren Team wechseln, wenn sie sich bei uns weiterentwickelt haben, ist es in unserer Situation logisch.»

Mehr denn je sind die Bieler also auf eine ganz besondere Fähigkeit ihres Trainers und Sportchefs angewiesen: Kevin Schläpfer versteht es, aus NLB-Talenten brauchbare NLA-Spieler zu machen - und diese B-Talente auch aufzuspüren. Schläpfer geniesst bereits den Ruf, ein «Talent-Flüsterer» zu sein. Einer, der NLB-Spielern oder oder NLA-Desperados so gut zureden kann, dass sie gut genug oder wieder gut genug für die NLA oder noch besser werden.

Wieser, Lauper und Huguenin kommen

Und so hat Schläpfer als Ersatz für Lötscher und Schneeberger bereits Rock'n'Roller Marc Wieser (Davos), Stürmer Adrien Lauper (Fribourg) und «Spargel-Steinegger» Anthony Huguenin (La Chaux-de-Fonds) verpflichtet. Wieser bringt Emotionen und Energie ins Spiel, Lauper Wasserverdrängungen und vielleicht zehn Tore auf den Aussenbahnen und Huguenin ist talentiert wie Roman Josi. Aber für die NLA fehlen noch mindestens zehn Kilo Musklen.

Die Schlagkraft der Mannschaft kann Schläpfer jedoch nur erhalten, wenn die Stürmer Emanuel Peter und Mathieu Tschantré bleiben. Auch in diesen Fällen ist sein «Flüsterer-Talent» gefragt: Mit gutem Zureden kann er Peter davon abbringen, nächste Saison irgendwohin ins Ausland zu wechseln - Peter hat bereits gute Angebote aus der NLA (unter anderem der SCL Tigers) mit der Begründung ausgeschlagen, er wolle nicht innerhalb der Liga, sondern ins Ausland wechseln. Gelingt es Schläpfer, Peter zum Bleiben zu überreden, dann verlängert auch Tschantré. Mit der launischen Diva Thomas Nüssli und mit dem ewigen Verteidiger-Talent Philippe Seydoux plant Schläpfer hingegen nicht mehr. Da hat alles Zureden und Flüstern nichts geholfen.

Eine Rolex auf dem Wühltisch?

Die letzten Transfers wird Biel so oder so wohl erst nach der Saison machen: Ein Budget wird bereitgehalten, um auf den Transferwühltischen im Sommer nach einer Rolex Ausschau zu halten: Es zeichnet sich ab, dass verschiedene Spieler nach der Saison mehr oder weniger günstig zu haben sind: Vielleicht Roland Gerber, Justin Krueger (SCB), Wesley Snell (Zug), Valentin Wirz, Marc Leuenberger (Fribourg) und je nach weiterem Saisonverlauf könnte es beispielsweise beim SCB, bei den Lakers, Lugano, Servette, Fribourg oder bei den ZSC Lions noch dieses oder jenes Transfer-Sonderangebot geben.

Aber die Bieler haben bis zum Bezug des neuen Stadions (das neue Einnahmemöglichkeiten bietet) das gleich Problem, das die SCL Tigers jahrelang um die Playoffs gebracht hat: Wenn sich junge Spieler in der NLA etabliert haben, wechseln sie zu den grossen Klubs, um sportlich weiter zu kommen und es fehlen die finanziellen Mittel, um einen grossen Transfer zu machen, der die Mannschaft weiter bringt. Wann die Bieler ein neues Stadion haben werden, ist nach wie vor offen. Es ist fraglich, ob der ursprüngliche Zeitplan (Eröffnung im Herbst 2013) eingehalten werden kann.