Baldiges Comeback

14. Februar 2011 07:35; Akt: 14.02.2011 10:13 Print

Mark Streit hat einen Traum

von Jürg Federer, New York - Bald kehrt er in den Trainingsalltag seiner Mannschaft zurück. Gegenüber 20 Minuten Online verrät Mark Streit seine Ziele für die Zukunft.

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«Das Jahr, das ich verpasst habe, hänge ich am Ende meiner Karriere wieder an», sagt Mark Streit. Der Nationalverteidiger will schliesslich noch den Stanley Cup gewinnen. 20 Minuten Online traf sich mit dem Starverteidiger in New York.

20 Minuten Online: Mark Streit, wann können Sie wieder NHL-Eishockey spielen?
Mark Streit:
Persönlich fühle ich mich sehr gut, der letzte Kontrollbesuch beim Arzt war vielversprechend. Seit fünf Wochen trainiere ich wieder auf dem Eis und ich glaube deshalb, dass ein Comeback im Monat März möglich wäre. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Mein Arbeitgeber, die New York Islanders, haben bei meinem Comeback ein Wort mitzureden und wir werden einen Kompromiss finden müssen.

Der beste Spieler der New York Islanders sollte doch so schnell wie möglich in den Kader zurückkehren.
Wären wir mit den New York Islanders im Playoffrennen, würde das sicher zutreffen. Wir müssen aber davon ausgehen, dass wir die Playoffs im März nicht mehr erreichen können. Damit beginnt die sportliche Planung der nächsten Saison und da wird es für mich und die New York Islanders noch viel wichtiger sein, dass ich 100 Prozent fit bin.

Bei diesem vorsichtigen Zeitplan müssen wir aus Schweizer Sicht wohl auch eine WM-Absage von Mark Streit erwarten.
Die WM hat in Nordamerika keinen hohen Stellenwert. Mir persönlich bedeutet sie aber sehr viel. Das habe ich dem General Manager auch mitgeteilt und er ist ein kommunikativer Mensch, er hört auf mich. Es wäre weder für mich noch für die Nationalmannschaft gut, wenn ich ohne Wettkampfpraxis zur WM fahren würde. Wenn ich aber noch zehn bis zwölf NHL-Spiele spielen kann, will ich unbedingt zur WM reisen.

Also doch ein Comeback im März?
Es war immer mein Ziel, diese Saison noch Eishockey zu spielen. Ich versuche, den General Manager davon zu überzeugen, dass das für mich ein versöhnlicher Abschluss einer schlimmen Saison wäre. Ich glaube, dass ein Comeback noch in dieser Saison auch Vorteile für die New York Islanders mit sich bringt, denn ich bin der Überzeugung, dass ich besser in die nächste Saison starten werde, wenn ich diese Saison noch Eishockey spiele.

Was fehlt noch für ein Comeback?
Der Körperkontakt und die Slapshots. Ich kann seit fünf Wochen wieder Schlittschuhlaufen, ich kann mit dem Stock arbeiten, ich kann den Puck aus dem Handgelenk schiessen, aber mit dem Körperkontakt, der Intensität des Spiels und den Slapshots von der blauen Linie fehlen mir noch die wichtigsten Elemente.

Was war das Schlimmste an der abgelaufenen Saison?
Dieser Winter war der längste Sommer, den ich jemals erlebt habe. Seit fünf Monaten absolviere ich ein Mammutprogramm, das von Morgens um 7 Uhr bis Nachmittags um 14 Uhr dauert und sehr ermüdend ist. Zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt muss ich am Nachmittag schlafen, um fit zu bleiben. Ich habe aber auch gemerkt, wie sehr ich Eishockey noch liebe. Mir fehlt der Nervenkitzel, die Herausforderung und der Wettkampf.

Beschreiben Sie das Mammutprogramm, das Sie seit fünf Monaten beschäftigt.
Morgens stehe ich vor 7 Uhr auf, um um 7.30 Uhr im Stadion bei der Physiotherapie zu sein. Um 9 Uhr gehe ich für eine Stunde mit dem Powerskatingcoach Bernie Cassell aufs Eis, danach absolviere ich eine Stunde Krafttraining, da ich nach meiner Verletzungspause praktisch die gesamte Muskulatur der Schulter neu aufbauen muss. Zum Abschluss mache ich konventionelles Krafttraining und so gegen 14 Uhr bin ich dann zuhause zum Essen.

Reisen Sie mit der Mannschaft an alle Spiele?
Nein, es macht einfach keinen Sinn, mit dem Flugzeug durch die Weltgeschichte zu fliegen, wenn das Ziel ist, möglichst schnell wieder fit zu sein.

Also können Sie uns nicht sagen, welche Stimmung im Team der New York Islanders herrscht?
Mittlerweile bin ich wieder näher am Geschehen, weil ich vier Mal pro Woche aufs Eis gehe. Aber wie Sie gesehen haben, bin ich alleine im Training. Das ist etwas trostlos.

Wann können Sie wieder mit der Mannschaft trainieren?
In einer Woche wird mein Arzt einen Krafttest mit mir durchführen, wenn ich bestehe, kann ich vielleicht schon bald mit meinem Team aufs Eis.

Was wollen Sie in Ihrer Karriere bei den New York Islanders noch erreichen?
Die Playoffs, ganz klar. Ich habe sie mit den Montreal Candiens erlebt. Als Eishockeyspieler arbeitet man ein Jahr lang hart, um im April fit und gerüstet für die Playoffs zu sein. Und dann will ich natürlich gewinnen, ich will den Stanley Cup in die Höhe stemmen.

Dafür sind auch Investitionen in Ihre Mannschaft notwendig.
Sehen Sie, ich glaube nicht, dass unser Team so schlecht ist, wie es die Tabelle wiedergibt. Wir hatten die ganze Saison Verletzungspech und einige unserer Spieler stecken noch mitten in der Entwicklung. Wir sind ein junges Team mit einer guten Verteidigung, im Sturm brauchen wir noch den einen oder anderen erfahrenen Spieler, da gebe ich Ihnen Recht.

Wie lange geben Sie sich Zeit, Ihr Ziel Stanley Cup zu erreichen?
Ein Jahr mehr als vor einem Jahr (schmunzelt). Die Saison, die ich in diesem Jahr verpasst habe, hänge ich am Ende meine Karriere an. Ich werde im Alter von 33 Jahren von der schlimmsten Verletzung meiner Karriere zurückkehren und ich denke, ich werde noch besser sein als zuvor. Schliesslich habe ich ein Jahr weniger auf meinem Kilometerzähler. Und wenn ich bedenke, dass ich erst seit sechs Jahren in der NHL spiele, mute ich mir schon noch sieben weitere Saisons in dieser physisch harten Liga zu. Detroit-Verteidiger Niklas Lidström spielt auch im Alter von 40 Jahren immer noch auf höchstem Niveau.