«Bad Guy» Ray Emery

07. Februar 2011 23:40; Akt: 07.02.2011 23:49 Print

Neuer Konkurrent für Jonas Hiller

von Jürg Federer, USA - Die Anaheim Ducks verpflichten Ray Emery, den Ex-Teamkollegen von Martin Gerber. Der frühere «Bad Guy» Ottawas kann, muss aber nicht zum Konkurrenten von Hiller werden.

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Ray Emery will Jonas Hiller den Platz im Tor der Anaheim Ducks strittig machen. (Bild: Keystone)

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Der Kanadier Ray Emery sorgte in der Saison 2007 für die Ottawa Senators auf dem Eis für Aufsehen. Während der Qualifikation setzte er sich gegen den Schweizer Martin Gerber durch und wurde ab den Playoffs als klare Nummer 1 der Senators gehandelt. Mit dem Team aus der kanadischen Hauptstadt erreichte Emery den Stanley-Cup-Final und verlor gegen die Anaheim Ducks. Nun hat Emery beim damaligen Finalgegner einen Einjahresvertrag unterzeichnet. Wird er von keiner Mannschaft vom «Waiver» verpflichtet, kann er bereits am Dienstag Teamkollege von Luca Sbisa und Jonas Hiller werden.

Emery auf den Spuren von Mike Tyson

In Ottawa, und auch andernorts, sorgte Emery in der Vergangenheit oft neben dem Eis für mehr Unterhaltung als im Spiel. Bei den Senators fehlte er mehrere Wochen, weil er sich bei einer Schlägerei in einer Bar die Hand verletzt hatte. Sinngemäss ziert der Boxer Mike Tyson die meisten von Emerys Torhütermasken. Eine weitere «Anekdote» aus dem Leben des «Bad Guys»: Nachdem ein Rentner im Feierabendverkehr dem damaligen Ottawa-Keeper den Vortritt genommen hatte, platzierte er seinen Wagen vor dessen Fahrzeug, stieg aus und drohte dem über 70-jährigen Mann, ihn zu erschiessen. Darauf wurde Emery wegen Mordesdrohung angeklagt, er konnte sich aber aussergerichtlich mit dem Rentner einigen. Mehrmals verpasste Emery - trotz einem Fuhrpark von schnellen Autos - das Teamflugzeug zu Auswärtsreisen und wurde von seinem Team gebüsst sowie gesperrt. In Russland, wo Emery ironischerweise vom ehemaligen Teamkollegen Martin Gerber im Tor von Atlant Mytschtschi abgelöst wurde, hatte der Keeper nach einer Auswechslung während dem Spiel den russischen Materialwart tätlich angegriffen, weil ihm dieser eine Mütze des Teams aufsetzen wollte.

Nach Emerys Rückkehr aus dem Osten wurde er von den Philadelphia Flyers verpflichtet und seither hat er seine guten Sitten an den Tag gelegt. Vor einem Jahr musste der Torhüter die NHL-Saison aber frühzeitig beenden, weil er unter einer Hüftluxation litt, der gleichen Verletzung, die schon die Schweizer Victor Stancescu oder Patrik Bärtschi monatelang ausser Gefecht gesetzt hatte. Seit Herbst steht Emery wieder auf dem Eis.

Ein Paradiesvogel im Disney Land

Nun haben die Anaheim Ducks den heute 28-Jährigen als «Free Agent» verpflichtet und wird der Kanadier von keinem anderen NHL-Team vom «Waiver» genommen, haben sie dem Lebemann einen Dienst erwiesen. Emery, der die NHL als Paradiesvogel aufgescheucht hat, passt sehr gut in den Lebensraum von Südkalifornien, wo Disney Land einen Steinwurf vom Honda Center der Anaheim Ducks entfernt ist.

Vorerst muss Emery aber in die kalte und karge Region von Western New York ziehen, also ganz nahe von Ottawa, Emerys einstiger Städte seiner persönlichen Entgleisungen. Sofern sich der Torhüter in Syracuse in der AHL bei den Crunch sowohl sportlich als auch persönlich bewährt, kann er den Anaheim Ducks zu mehr Kadertiefe auf der Torhüterposition verhelfen. Jonas Hillers bisheriger Backup-Goalie Curtis McElhinney hat von zehn Spielen diese Saison nur vier gewonnen. Das führte dazu, dass der Schweizer Jonas Hiller bisher bereits 47 Mal eingesetzt wurde, nur Montreals Carey Price arbeitet noch mehr als Hiller.

Stargoalies stehen immer unter Druck

In Zeiten des Salary Cap kann Emery mittels guten Leistungen langfristig zu einem Konkurrenten für Jonas Hiller werden. Der Schweizer Nationaltorhüter verdient bei den Anaheim Ducks jährlich 4,5 Millionen US-Dollar und steht damit in der Pflicht, jeden Abend für seinen Preis Eishockey zu spielen. Emery steht dem entgegen «nur» mit einem Salär von 500 000 US-Dollar zu Buche. Hiller muss also ein mehrfaches besser spielen als sein neuer Backup, um sich nicht wie Martin Gerber vor vier Jahren in Ottawa, in einer Konkurrenzsituation mit Emery wiederzufinden. Der letzte Stargoalie, der seinen NHL-Job wegen eines unerwartet starken Backup-Goalies verloren hat, ist Cristobal Huet. Er verdient heute noch 5,625 Millionen US-Dollar bei den Chicago Blackhawks. Den Stanley Cup hat im letzten Frühling aber sein Backup-Goalie Antti Niemi gewonnen, Huet spielt seit dem Herbst in der Schweiz für Fribourg-Gottéron.

Hiller noch nicht fit

Bereits vor der Verpflichtung von Ray Emery haben die Anaheim Ducks ihren Nachwuchsgoalie Timo Pielmeier, der seit dem vergangenen Samstag den kranken Jonas Hiller im Kader ersetzt hat (20 Minuten Online berichtete), zurück in die Minor Leagues geschickt. Jonas Hiller hat am Montag erneut nicht am Training der Ducks teilgenommen sondern zum wiederholten Male das Ärzteteam der NHL-Mannschaft aufgesucht. Er fühlt sich nach seiner Benommenheit von letzter Woche etwas besser aber noch nicht gut und die Ärzte finden keine Erklärung für seine Müdigkeit und seine Benommenheit. Die Anaheim Ducks hoffen, dass Hiller bis am Mittwoch, wenn das Team in Vancouver zum nächsten NHL-Spiel antreten wird, wieder fit sein wird.