NLA

03. Februar 2011 15:22; Akt: 03.02.2011 22:55 Print

Pawlow zeigt Bern den Meister

Der SC Bern bezog gegen den Tabellenletzten Rapperswil-Jona eine blamable 1:2-Niederlage. Im Romand-Derby sicherte sich Genf-Servette gegen Fribourg (3:1) die Teilnahme am Playoff.

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Bern leistete sich gegen das letztklassierte Rapperswil-Jona eine zwar blamable, aber in der Tabelle folgenlose 1:2-Heimniederlage. In der ersten Partie seit der Entlassung von Christian Weber reagierte das «Krisen-Team» wie von der Klubleitung erhofft.

Die Ankunft des russischen Coaches Igor Pawlow hat zumindest eine (temporäre?) Reaktivierung der Rapperswiler Leidenschaft bewirkt. Der achte Trainerwechsel innerhalb von etwas mehr als drei Jahren hat wohl auch innerhalb der Equipe eine Selbstreflexion ausgelöst. In der Startphase trug die höhere Bereitschaft, auch im Slot des allerdings überheblichen Gegners zu leiden, den Lakers eine frühe und entscheidende 2:0-Führung ein.

Loîc Burkhalter (8.) und Lukas Grauwiler (13.) verschafften Rapperswil einen doppelten Vorteil. In der halb leeren Arena der Berner nahm der SCB-Anhang den Fehlstart des Titelhalters schweigend und nahezu gleichgültig zur Kenntnis. Seitens der St. Galler war kein Jubelchor wahrnehmbar; bei seinen eigenen Fans hat der Tabellenletzte den Kredit offenbar endgültig verspielt.

Erst mit reichlicher Verspätung beteiligte sich auch der Meister aktiv am Geschehen im Rink. Ein von Pascal Berger abgefälschter Schlenzer Roches verhalf dem Gastgeber zu minim grösserer Schubkraft. Mehr ausser ein intensives Powerplay in den Schlussminuten mochte der SCB indes nicht bieten. Dass die meisten Playoff-Plätze bereits bezogen sind und keine Efforts mehr nötig sind, war spür- und sichtbar.

In den vergangenen Tagen debattierte die Schweizer Hockey-Gemeinde über den SCB-Transfercoup mit Thomas Déruns. Vor wenigen Tagen hatten die Berner ohne Vorwarnung die Genfer Kultfigur vom Lac Léman weggelotst. Das Nachbeben ist in "Les Vernets" noch zu spüren. Weitaus dezenter verlief nun aber das Debüt des teuren Stürmers. Déruns verschwand bei der ersten Heimniederlage gegen Rapperswil-Jona seit über zwei Jahren ebenso spurlos wie der enttäuschende Rest des Titelhalters von der Eisfläche.

Genfer Befreiungsschlag

Nach turbulenten Tagen und dem Wegtransfer eines Kultspielers (Déruns) gelang dem Genève-Servette HC mit dem 3:1-Heimsieg über Fribourg (nach einem 0:1-Rückstand) und der Playoffqualifikation der Befreiungsschlag.

Geprägt wurde das sechste Romandderby (3:3 Siege) von zwei völlig unterschiedlichen Phasen. Am Anfang erspielte sich Fribourg klare Vorteile. Gottéron ging in der 14. Minute durch den ehemaligen Servettien Mike Knoepfli (der unmittelbar vorher von der Strafbank zurückgekehrt war) in Führung und besass mehrere Möglichkeiten, diese Führung auszubauen. Servette verdiente sich den Sieg aber mit einer starken Leistung in der zweiten Spielhälfte. Die entscheidende Wende nahm das Spiel in der 32. Minute.

In dieser Minute ereignete sich etwas, was selbst in der NHL mit jährlich 1230 Partien in der Qualifikation erst einmal vorgekommen ist: Servette bejubelte nach 31:24 Minuten ein Tor, die Schiedsrichter winkten aber ab und liessen die Partie weiter spielen. 41 Sekunden später lag der Puck im Tor von Servette; Serge Aubin - auch er ein ehemaliger Genfer - erzielte das vermeintliche 2:0. Nach dem Videostudium anerkannten die Referees Eichmann und Rochette aber das Goal von Servette; Aubins Treffer war wertlos und wird statistisch nie erfasst. Statt 2:0 für Gottéron stand es 1:1. Der Treffer - aber befand sich der Puck wirklich hinter der Linie? - wurde Jan Cadieux gutgeschrieben. Für Cadieux war es im 39. Saisonspiel der erste Torerfolg.

Nach dieser glückhaften Fügung befand sich Servette im Hoch, derweil Fribourg haderte. Bloss 122 Sekunden später gelang Richard Park mit einem Schuss aus spitzem Winkel das 2:1. Erst in der Schlussphase konzentrierte sich Fribourg wieder aufs Hockeyspielen; Servette brachte den Vorsprung aber mit unspektakulärem Defensivspiel ziemlich problemlos über die Zeit. Michael Ngoy mit einem Weitschuss (59.) besass noch die beste Ausgleichschance, ehe Morris Trachsler mit einem Schuss ins leere Tor auf 3:1 stellte.

Und so lagen sich am Ende die Genfer Fans unter den 7382 Zuschauern, die vor dem Spiel ihren Unmut über die Genfer Politiker kundgetan hatten, in den Armen. Hugh Quennec, Servettes Präsident, erklärte öffentlich, dass auch ohne Thomas Déruns der Titelgewinn in den Playoffs das Ziel bleibe. Das sind grosse Ziele für ein Team, das diese Saison meist unter Wert spielte und vor dem Spiel (als Quennec vom Titel sprach) bloss auf Platz 8 klassiert war. Quennec: «Aber wenn wir in den Playoffs so gut wie am Spengler Cup spielen, dann ist alles möglich.»

Bern - Rapperswil-Jona Lakers 1:2 (0:2, 1:0, 0:0)
PostFinance-Arena. - 15657 Zuschauer. - SR Peer/Reiber, Müller/Tscherrig
Tore: 8. Burkhalter (Reid) 0:1. 13. Grauwiler (Pöck, Rizzello) 0:2. 33. Pascal Berger (Roche, Dubé) 1:2
Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Bern, 5mal 2 Minuten gegen Rapperswil-Jona.
Bern: Gigon; Roche, Philipp Furrer; Krueger, Kwiatkowski; Beat Gerber, Hänni; Stettler; Vigier, McLean, Déruns; Pascal Berger, Dubé, Rüthemann; Neuenschwander, Froidevaux, Reichert; Gardner, Vermin, Scherwey; Roland Gerber.
Rapperswil-Jona: Manzato; Pöck, Sven Berger; Geyer, Gmür; Maurer, Blatter; Nordgren, Roest, Friedli; Reid, Burkhalter, Neff; Suri, Sirén, Thibaudeau; Truttmann, Grauwiler, Rizzello.
Bemerkungen: SCB ohne Meier, Jobin (beide verletzt), Plüss (krank), Goren, Gamache (beide überzählig), Rapperswil-Jona ohne Riesen (private Gründe), Andreas Furrer, Gailland, Bucher (alle verletzt). Timeouts: 57. Rapperswil-Jona, 59. Bern. 60. (59:51) Nordgren scheitert mit Penalty an Gigon.

Genève-Servette - Fribourg 3:1 (0:1, 2:0, 1:0)
Les Vernets. - 7382 Zuschauer. - SR Eichmann/Rochette, Arm/Küng
Tore: 14. Knoepfli (Collenberg, Jeannin) 0:1. 32. Cadieux 1:1. 34. Park (Flurin Randegger) 2:1. 60. (59:13) Trachsler (Salmelainen) 3:1 (ins leere Tor)
Strafen: 3mal 2 plus 10 Minuten (Pivron) gegen Genève-Servette, 3mal 2 Minuten gegen Fribourg.
PostFinance-Topskorer: Park; Sprunger.
Genève-Servette: Tobias Stephan; Vukovic, Bezina; Pothier, Mercier; Gobbi; Setzinger, Park, Fritsche; Walky, Savary, Salmelainen; Florian Conz, Trachsler, Flurin Randegger; Pivron, Berthon, Cadieux; Barbero.
Fribourg: Huet; Heins, Collenberg; Loeffel, Birbaum; Ngoy, Rytz; Lukas Gerber, Marc Abplanalp; Mowers, Jeannin, Knoepfli; SIm, Aubin, Lauper; Sprunger, Bykow, Benny Plüss; Leblanc, Botter, Lüssy.
Bemerkungen: Genève-Servette ohne Rubin, Rivera, Breitbach, Höhener, Simek und Toms, Fribourg ohne Lachmatow, Hasani (alle verletzt) und Melin (überzähliger Ausländer). - Timeout Fribourg (34.).

National League A

Datum Spiel Resultat
04.02.17  Biel - Genève-Servette 1:3 (0:0,0:2,1:1)
04.02.17  Bern - ZSC 1:2 (0:0,0:0,1:1,0:1) n.V.
04.02.17  Kloten - Langnau 2:3 (1:0,0:2,1:0,0:1) n.V.
04.02.17  Fribourg-Gottéron - Lausanne 1:3 (0:0,0:0,1:3)
04.02.17  Zug - Davos 3:5 (0:2,1:1,2:2)
04.02.17  Ambri-Piotta - Lugano 4:1 (1:0,1:1,2:0)
05.02.17  Davos - Ambri-Piotta 3:2 (1:0,2:2,0:0)
05.02.17  Lugano - Zug 5:3 (2:0,2:1,1:2)
05.02.17  Genève-Servette - Fribourg-Gottéron 6:3 (2:0,1:0,3:3)
05.02.17  Langnau - Kloten 4:3 (2:0,0:2,1:1,0:0) n.P.
R Mannschaft Sp S U+ U- N G : E P
1. Bern 44 26 5 4 9 137 : 102 92
2. ZSC 44 22 9 7 6 144 : 102 91
3. Zug 44 26 3 6 9 141 : 102 90
4. Lausanne 45 22 5 1 17 142 : 123 77
5. Davos 44 19 4 3 18 132 : 119 68
6. Genève-Servette 45 16 4 10 15 118 : 122 66
7. Biel 44 19 2 3 20 130 : 124 64
8. Lugano 46 16 5 4 21 129 : 151 62

9. Langnau 45 15 4 3 23 108 : 128 56
10. Kloten 45 12 3 10 20 127 : 151 52
11. Ambri-Piotta 45 8 8 4 25 108 : 144 44
12. Fribourg-Gottéron 45 10 5 2 28 112 : 160 42

(sda)