Bilanz Spengler-Cup

31. Dezember 2018 15:55; Akt: 31.12.2018 16:14 Print

Rückkehr eines zweiten Schweizer Clubs ist fix

von Marcel Allemann, Davos - Der 92. Spengler-Cup ist Geschichte. Er lebte vom finnischen Überraschungssieger KalPa Kuopio und einem Ärgernis aus Russland.

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KalPa Kuopio zelebriert ihren Sieg am Spengler Cup (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Mit KalPa Kuopio stand nicht nur erstmals ein finnisches Team im Spengler-Cup-Final, sondern konnte diesen auf Anhieb auch noch gewinnen. Die Nordländer, in der heimischen Liga derzeit nur auf Rang 11 klassiert, überzeugten als kompakte, dynamische und läuferisch starke Einheit.

Zudem war von der ersten Minute an zu spüren, welch hohen Stellenwert dieses Traditionsturnier für die Organisation um Besitzer und Trainer Sami Kapanen hat. Dafür wurde sie am Ende belohnt. Auch den 2:1-Sieg nach Penaltyschiessen im dramatischen Final gegen das favorisierte Team Canada, dem es damit verwehrt blieb, den Spengler-Cup ein 16. Mal zu gewinnen und zum alleinigen Rekordsieger aufzusteigen, hat Kuopio keineswegs gestohlen.

Im nächsten Jahr stehen am Spengler-Cup Veränderungen an. Dass 2018 mit Gastgeber HC Davos nur ein Schweizer Vertreter mit von der Partie war, soll ein einmaliger Ausrutscher bleiben. Dadurch, dass sich der HCD trotz seinem tiefen Fall in der Meisterschaft sich in den letzten Tagen sehr gut verkaufen konnte und die Halbfinals erreichte, kam das OK mit einem blauen Auge davon. Denn ohne Schweizer Beteiligung ab diesem Zeitpunkt wäre beim Turnier vorzeitig die Luft etwas draussen gewesen.

SRF wünscht Team aus zweiter Sprachregion

Es ist ein allgemeiner Wunsch, dass 2019 wieder zwei Schweizer Vereine im Teilnehmerfeld stehen. Einerseits von OK-Präsident Marc Gianola, wie er im Gespräch mit «20 Minuten» deutlich betonte. Aber auch von anderen Komponenten. Zum Beispiel wünscht sich die Liga dies, damit sich auch in Zukunft rechtfertigen lässt, dass die Spengler-Cup-Woche ein geschützter Termin bleibt und auch das Schweizer Eishockey in der Altjahreswoche in Davos eine bestmögliche und breite Plattform erhält.

Das zweite Schweizer Team für 2019 ist also so gut wie beschlossen. Doch wer kommt dafür überhaupt in Frage? Zug und Bern wollen nicht. Bei den ZSC Lions würde man eine Anfrage prüfen. Der Wunsch des Schweizer Fernsehens SRF wäre es allerdings, einen Club aus einer anderen Sprachregion dabei zu haben. Also entweder Servette, Lausanne, Fribourg, Biel, Lugano oder Ambri.

Mit Servette und Fribourg gab es hinsichtlich des Spengler-Cups 2018 Verhandlungen, aber es kam zu keinem Abschluss. Lose Gespräche fanden auch schon mit Lausanne statt. Dieses Trio wird sicherlich ein Thema bleiben, aber auch Biel ist durch den Aufschwung als Organisation eine interessante Option geworden.

Ambri in der Pole-Position

Doch die wahrscheinlichste Variante scheint nach aktuellem Stand der Dinge Ambri zu sein. Erstens verbindet den HCD und Ambri eine langjährige Freundschaft. Zweitens träumt Ambri schon länger von einer Spengler-Cup-Teilnahme. Drittens wäre eine Teilnahme von Ambri mittlerweile auch sportlich vertretbar, die Leventiner sind im Aufschwung seit Paolo Duca als Sportchef und Luca Cereda als Trainer im Amt sind. Und das aktuelle Überraschungsteam der Liga wird auch nächste Saison auf die meisten seiner derzeitigen Leistungsträger zählen können, also ist hinsichtlich 2019/2020 nicht mit einem Absturz zu rechnen.

Gianola bestätigte, dass Ambri ein sehr interessanter Kandidat sei. Es ist also absolut realistisch, dass 2019 am Spengler-Cup zur legendären Ambri-Vereinshymne «La Montanara» angestimmt wird.

Provokative russische Lustlosigkeit

Ein leidiges Thema ist am Spengler-Cup auch immer wieder die Einsatzbereitschaft der eingeladenen KHL-Vereine. Seit 2010 (SKA St. Petersburg) hat nie mehr ein KHL-Team den Spengler-Cup gewonnen und seit 2014 (Salawat Ufa) stand auch keines mehr im Final, was angesichts des überragenden Niveaus der KHL-Meisterschaft ein schlechter Scherz ist.

Ein richtiges Ärgernis ist es dann, wenn eine so hochkarätige Mannschaft wie Metallurg Magnitogorsk - so wie am diesjährigen Turnier - richtiggehend lustlos und arrogant auftritt, in drei Spielen gerade mal zwei Tore schiesst und nach einer 1:3-Blamage gegen Nürnberg bereits im Viertelfinal ausscheidet. «Natürlich war dies kein Ruhmesblatt. Offenbar haben sie das Turnier auf die leichte Schulter genommen», kommentiert Gianola die enttäuschende Darbietung. Das Gegenstück zu Metallurg Magnitogorsk war KalPa Kuopio. Mit Seriosität, Arbeitsethik, Leidenschaft und Biss ging es auf den Spengler-Cup-Thron.

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