Vertrag aufgelöst

10. Dezember 2019 15:36; Akt: 11.12.2019 09:27 Print

SCB-Goalie Schlegel «flüchtet» ins Tessin

von Reto Kirchhofer - Torhüter Niklas Schlegel wollte die Herausforderung SCB annehmen. Nun steckt der Zürcher mental in einem Loch, weshalb er sich für den sofortigen Wechsel nach Lugano entschieden hat.

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Niklas Schlegel verlässt den SC Bern per sofort. (Bild: Keystone)

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Der SC Bern und seine Goalies: Diese Verbindung steht seit je für Aussergewöhnliches.

Wir müssen nicht gleich bei Adam und Eva beginnen. Es reicht der Blick in die Fünfzigerjahre, als ein schmächtiger Jungspund namens René Kiener mit 17 Jahren gegen das mächtige Arosa erstmals im Tor stand. Später trug er die 0 am Rücken und ein «Mäskeli» auf dem Kopf, welches eher an einen schlechten Horrorfilm erinnerte, als es ein guter Schutz vor Schüssen war. Dann gab es Renato Tosio, der 636 Spiele in Folge bestritt. Es gab Marco Bührer, der 15 Saisons blieb. Leonardo Genoni spielte während drei Saisons ausserordentlich gut. Aussergewöhnlich war aber vielmehr, dass er in jedem Jahr von einem neuen Goaliecoach betreut wurde.

Im jüngsten Kapitel dieser Geschichte zwischen dem SCB und seinen Goalies geht es um Worte von gestern, die heute nichts mehr wert sind. So betonten die Berner Verantwortlichen, ein ausländischer Torhüter sei kein Thema – bis der Finne Tomi Karhunen unterschrieb. Und im letzten «SonntagsBlick» sagte Niklas Schlegel, er wolle sich durchbeissen «und in Bern die Nummer 1 sein. Würde ich es nicht versuchen, liefe was falsch.» Zwei Tage später lief er davon, respektive löste seinen Vertrag beim Meister auf und unterschrieb bis Frühling 2021 in Lugano.

Ohne Ruhe, ohne Vertrauen

Somit endet das Engagement jenes Spielers abrupt, dem die Berner zugetraut hatten, ihre Tradition grosser Goalies fortzusetzen. Schlegel kriegte seine Chancen. Er bestritt 16 Qualifikationsspiele, erhielt 47 Tore. Zusehends verlor er, was ihn ansonsten auszeichnet: die Ruhe. Und ihm kam abhanden, was für Torhüter essenziell ist: das Selbstvertrauen. Schlegel konnte mit dem Druck nicht umgehen, er tauschte sich mit Vorvorgänger Bührer aus. Nun entschied er sich für den Neuanfang im Tessin. Womöglich sah Schlegel keine Perspektive mehr, im Berner Umfeld zu performen. Das Vertrauen von Trainer Kari Jalonen hatte er verloren. Der Finne steht nicht im Verdacht, gegenüber den feinfühligen Goalies besonders feinfühlig zu sein. Sportchef Alex Chatelain sagt: «Es ist die beste Lösung für alle Beteiligten.»

Wohl mit fünf Ausländern

Für Lugano trifft das zu. Den Tessinern fehlte neben Sandro Zurkirchen ein valabler National-League-Keeper. Aus diesem Grund hat Sportchef Hnat Domenichelli den Transfer initiiert.

Aber ist es die bestmögliche Lösung für Bern? Immerhin bietet der Meister einem Playoff-Konkurrenten Hand. Handkehrum fällt mit dem Transfer ein zuletzt überzähliger Spieler von der Lohnliste. Zudem hätte es kaum Sinn ergeben, jemanden zum Bleiben zu zwingen, der beim Coach zweite oder dritte Wahl ist.

Nach Schlegels Abgang ist klar, dass Karhunen und Pascal Caminada bis Ende Saison das Goalieduo bilden werden. Danach kommt Philip Wüthrich aus Langenthal. Der Youngster soll sich künftig mit einem ausländischen Goalie abwechseln. Karhunen kann sich also empfehlen. Zudem planen die Berner mit vier ausländischen Stürmern. Sie dürften die kommende Spielzeit demnach mit fünf Ausländern in Angriff nehmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Forza Lugano am 10.12.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Goalie

    Bei Lugano ist nicht der Torwart das Problem. Die Defensive ist überaltert und schwimmt bei jedem schnell vorgetragenen Angriffen des Gegners. Leider wird seid jahren nur offensiv Personal investiert und das ist nun das Resultat

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  • roger lerf am 10.12.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schnell geschieden

    Eine kurze Ehe! Sicher die beste Entscheidung für beide Parteien.

  • Bert am 10.12.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehs nicht recht...

    Immer wieder sind ausländische Goalies ein Thema. Dachte immer, wir hätten da ein Luxusproblem und da wären viele talentierte CH- Torhüter. Sind die noch nicht soweit?Gabs nur sehr wenige? Oder fällt gleich eine ganze Generation weg?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wegea am 18.12.2019 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SCB Goalis

    Man darf die Goali-Legende Jürg Jäggi nicht vergessen.

  • Leo Hunziker am 12.12.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Andere hatten sich durchgebissen...

    Sehr enttäuschend, dass Schlegel schon beim ersten geringsten Widerstand hinschmeisst. In der heutigen Zeit geht zudem schnell vergessen, dass auch Tosio und Bührer zu Beginn ihrer SCB-Zeit z.T. sehr umstritten waren. Ich glaube, ein gewisser Chronist erfand deswegen sogar den Begriff "Lottergoalie". Mal schauen, ob Schlegel in Lugano sein Glück findet. Irgendwie bezweifle ich das allerdings...

  • Bernerfussballfan am 11.12.2019 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlegel

    Habe gar nicht gewusst das in Bern Krieg ist. Aber wenn Schlegel ins Tessin flüchten musste, wird es wohl so sein. Hoffe nur das er alle Waffen mitgenommen hat.

  • SCB Fan am 11.12.2019 00:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Erfolg

    SCB Fan Wünsche Niklas Schlegel viel Glück und Erfolg in Lugano! Hoffentlich wird er in Lugano nicht so viel im Stich gelassen von der Verteidigung wie in Bern.

    • hockeytown am 11.12.2019 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SCB Fan

      es ist noch lustig! seit man beim scb auf der torhüter position reagiert hat läuft der karren langsam an!! die verteidigung ist und war ok, aber mit zwei backup torwarts in die saison zu gehen war naiv vom scb.

    • Dan am 11.12.2019 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SCB Fan

      Komisch, dass es nach dem Torhüterwechsel umgehend aufwärts geht. Notabene mit der selben Verteidigung...

    • scbfan2 am 11.12.2019 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      vertrauensfrage

      es war nicht der Goalie und nicht die Verteidigung schuld... das vertrauen ineinander war nicht vorhanden... und mit dem Wechsel wurde angezeigt, das nun etwas gehen muss sonst hätte es grössere Konsequenzen gegeben... von dem her beste Option für alle...

    • Dan am 11.12.2019 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @scbfan2

      Wenn es nicht am Giali lag, wieso verlässt er dann den SCB fluchtartig. Den zweiten Fliegenfänger hätte auch er ausgestochen...

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  • ZSC Fan Forever am 10.12.2019 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry, aber gar keine gute Entscheidung

    Ein Wechsel hätte ich auf jeden Fall auch gemacht. Und auch so schnell als möglich. Aber sicher nicht zu Lugano. Nicht weil es Lugano als solches ist, sondern weil diese ja sowas von "im Seich" sind, dass der Druck in Bern noch Pipifatz war. In Lugano wirds nun noch dramatischer sein. Sorry Niklas. aber da biste echt nicht gut beraten worden. Du wärest besser zu nem kleineren Club wie Langnau, Biel, Ambri oder Rappi gewechselt. Aber nicht zu Lugano.