U20-Nati besiegt Russland

03. Januar 2010 09:30; Akt: 03.01.2010 13:21 Print

Sensation: Schweizer Junioren im WM-Halbfinal

Das Schweizer U20-Nationalteam qualifizierte sich an der WM in der kanadischen Provinz Saskatchewan sensationell für die Halbfinals. Die Equipe von Köbi Kölliker gewann in Saskatoon im Viertelfinal gegen das favorisierte Russland 3:2 nach Verlängerung.

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Grosser Jubel bei den Schweizer U20-Junioren.

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Wie bereits 2002 in Tschechien, als die Schweizer letztmals die Runde der besten vier Teams erreicht hatten, trafen sie auf Kanada, das die letzten fünf U20-WM für sich entschieden hat - die Partie fand in der Nacht auf heute (Montag) statt. Damals hatte die SEHV- Auswahl 0:4 verloren und war am Ende Vierte geworden. Die beiden Mannschaften spielten schon in der Vorrunde gegeneinander, wobei die Einheimischen 6:0 siegten.

Gegen Russland erzielte Nino Niederreiter vor 12 278 Zuschauern nach 9:46 Minuten der Overtime den goldenen Treffer für die Schweiz. Der 17-jährige Stürmer der Portland Winterhawks, der im diesjährigen NHL-Draft in der ersten Runde gezogen werden dürfte, hatte sein Team bereits in extremis in die Verlängerung geschossen. Er traf 33 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit zum 2:2, nachdem Kölliker elf Sekunden zuvor Torhüter Benjamin Conz durch einen sechsten Feldspieler ersetzt hatte. «Wir waren am Drücker, hatten in den letzten fünf Minuten zwei, drei sehr gute Chancen. Bei 6 gegen 5 hat es mit einem sehr schönen Schuss noch geklappt», blickte Kölliker zurück. «Es war ein verdienter Lohn. Wir hatten Geduld, hielten den Gameplan bis am Schluss ein. Der Schlüssel war sicher die Disziplin, die Kampfkraft und der Glaube, den die Mannschaft hat.» Wie sah der Gameplan aus? «Es gibt nicht viele Gegenmittel gegen die Russen. Wir wollten ihnen die Räume eng machen, sie aufs 'schlechte Eis' bringen, und das ist uns zum grossen Teil auch gelungen. Je länger wir das Spiel offen halten konnten, desto nervöser wurden sie. Genau das wollten wir.»

Niederreiter bestätigte mit dem Doppelpack seine beneidenswerte Form. Er ist mittlerweile bei acht Skorerpunkten (5 Tore/3 Assists) angelangt - allesamt in den letzten drei Partien erzielt. «Nino ist ein typischer Skorer. Und diese Situationen sind genau gemacht für einen Skorer», sagte Kölliker. Man müsse jedoch die gesamte Mannschaft hervorheben, alle hätten sehr, sehr hart gearbeitet.

Trotz gewichtigen Ausfällen stark

Die Schweizer Equipe ist durch die Ausfälle der Leistungsträger Luca Sbisa und Roman Josi noch näher zusammengerückt. Sbisa verletzte sich in der Partie gegen Kanada an der Bauchmuskulatur und ist für genauere Untersuchungen in die Schweiz zurückgekehrt. Josi brach sich gegen Lettland den Finger; gegen die Slowakei (4:1) sowie im Viertelfinal hätte er aus medizinischer Sicht zwar eingesetzt werden können, doch der SC Bern legte das Veto ein.

Grossen Anteil am Schweizer Sieg gegen die Russen hatte auch Benjamin Conz; der Keeper der SCL Tigers parierte nicht weniger als 50 Schüsse. Zudem liessen die Schweizer während fünf Zweiminuten- Strafen keinen Gegentreffer zu.

Die SEHV-Auswahl schoss nicht nur das letzte Tor der Partie, sondern auch das erste. Michael Loichat sorgte in der 29. Minute für das 1:0. Es war der erste Skorerpunkt für den Zuger Stürmer an diesem Turnier. Diese Führung hielt bis zur 39. Minute, ehe Wladimir Tarasenko und Kirill Petrow das Spiel innerhalb von 16 Sekunden drehten.

Weckruf gegen Lettland

Die Vorrunde hatten die Schweizer nach den Siegen gegen Lettland (7:5) und die Slowakei im 3. Rang abgeschlossen. Die Ausgangslage vor der Partie gegen die Slowaken war klar gewesen - der Sieger steht in den Viertelfinals (und klassiert sich in den Top 6), der Verlierer muss in die Abstiegsrunde. Auch in diesem kapitalen Spiel avancierte Niederreiter zum Schweizer Matchwinner; in der 28. und 48. Minute erzielte er die wegweisenden Tore zum 2:0.

Nachdem die Slowaken durch Richard Panik auf 1:2 (54.) verkürzt hatten, machte Tristan Scherwey in der 57. Minute im Powerplay alles klar. Das von Mauro Jörg ins leere Tor erzielte 4:1 (58.) war nur noch Zugabe. «Wir haben sehr solide gespielt», erklärte Niederreiter nach dem Match gegen die Slowakei.

Gegen Lettland waren die Schweizer nach einer 2:0-Führung 2:3 und 3:4 in Rückstand geraten, ehe sie im letzten Drittel mit vier Toren in Serie die Partie noch wendeten. Für Niederreiter war die Begegnung gegen die Osteuropäer ein Weckruf.


Russland - Schweiz 2:3 (0:0, 2:1, 0:1, 0:1) n.V.
Credit Union Center, Saskatoon (Ka). - 12 278 Zuschauer. - SR Jerabek (Tsch)/Piechaczek (De).
Tore: 29. Loichat (Ryser, Schäppi) 0:1. 39. (38:44) Tarasenko (Kitysin, Orlow) 1:1. 40. (39:00) Petrow (Filatow) 2:1. 60. (59:27) Niederreiter 2:2. 70. (69:46) Niederreiter 2:3.
Strafen: 2x2 Minuten gegen Russland, 5x2 Minuten gegen die Schweiz. - Schüsse: 52:31 (8:5, 27:11, 13:11, 4:4).
Russland: Bobkow; Piwtsakin, Chudinow; Zaytsew, Orlow; Kostromitin, Klementjew; Tarasow; Chochriakow, Petrow, Filatow; Burmistrow, Tarasenko, Kitsyn; Kusnetsow, Dedunow, Timkin; Trunew, Telegin, Gimbatow; Kulemin.
Schweiz: Conz; Fischer, Untersander; Geering, Stoop; Camperchioli, Schlumpf; Loichat, Ryser, Schäppi; Füglister, Niederreiter, Marolf; Scherwey, Weber, Jörg; Gay, Antonietti, McGregor.
Bemerkungen: Schweiz ohne Sbisa und Josi (beide verletzt). Schweiz ab 59:16 bis 59:27 ohne Torhüter. 66. Timeout Russland.

(sda)