Massive Budget-Reduktion

11. März 2011 07:25; Akt: 11.03.2011 11:25 Print

Servette droht jetzt mit Lichterlöschen

von Klaus Zaugg - Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Zug hat Servette-General Chris McSorley 20 Minuten Online die Karten auf den Tisch gelegt. Jetzt geht der Existenzkampf in die heisse Phase.

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Ohne definitive Zusage für eine neue Arena wird er die Lichter am 29. März löschen und die Geschichte von Servette als Spitzenteam wird an diesem Tag enden.

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Die sportlichen Playoffs hat Servette gegen die Zuger ehrenvoll verloren. Nun laufen die politischen Playoffs. Sie sind existenziell. Am 28. März wird entschieden, ob das Budget für nächste Saison um drei Millionen reduziert wird und Stars wie Goran Bezina verkauft werden.

Chris McSorley spricht gegenüber 20 Minuten Online Klartext wie nie zuvor, seit er im Sommer 2001 die Mannschaft übernommen hat: «Wir haben am 28. März eine entscheidende Sitzung mit den politischen Vertretern der Stadt. Entweder wir bekommen die definitive Zusage für den Bau einer neuen Arena gleich neben dem bisherigen Stadion. Oder es gibt Servette als Spitzenteam nicht mehr.»

«Dann machen Investitionen in unser Unternehmen keinen Sinn mehr»

Er sagt, was konkret passieren wird: «Wir reduzieren dann unser Budget für nächste Saison um drei Millionen. Das bedeutet, dass wir weitere Spieler verkaufen müssen.» Und was dann? «Wir werden eine Mannschaft haben, um in der NLA überleben zu können und bekommen so eine Saison lang Zeit, um uns nach einem anderen Spielort umzusehen.» Eigentlich käme nur ein Ort in Frage: Lausanne. «Aber so einfach geht das nicht. Es wäre ein schwieriger Prozess.»

Chris McSorley und seine Investoren sind mit der Geduld offensichtlich am Ende: Er rechnet gegenüber 20 Minuten Online vor: «In den letzten Jahren sind zwölf Millionen Franken in unser Unternehmen investiert worden. Genug ist genug: Wenn keine Möglichkeit besteht, in einem neuen Stadion das Hockeygeschäft auf einer soliden Basis zu betreiben, dann machen Investitionen in unser Unternehmen keinen Sinn mehr.»

Jetzt muss sich die Stadt bekennen

Diese Zwangslage hat dazu geführt, dass Servettes Trainer und Manager das 4:5 n.V. gegen Zug (und damit das Ausscheiden) begrüsst: «Dramatischer hätte diese Serie ja nicht verlaufen können. Hätten wir uns trotz allem fürs Halbfinale qualifiziert, wäre die Gefahr gross gewesen, dass die Politiker der Stadt gesagt hätten: Was wollt ihr eigentlich? Es geht euch ja wunderbar.» Noch mehr Druck auf die Politiker könne nicht mehr gemacht werden. «Wir mussten aus wirtschaftlichen Gründen vor dem Viertelfinale Thomas Déruns verkaufen. Ja, das hat uns möglicherweise die Halbfinals gekostet. Er hätte grossen Einfluss auf die Spiele in dieser Serie gehabt. Es war ein schwieriger Entscheid für uns. Aber wir hatten keine Wahl. Wir haben alles getan, was möglich war. Nun ist es an den Politikern der Stadt, sich zu unserem Unternehmen zu bekennen.»

Präsident Hugh Quennec bestätigt zudem gegenüber 20 Minuten Online, dass Servette nach wie vor auf die von den Stadtvätern versprochene und bewilligte erste Subvention 550 000 Franken für die Nachwuchsorganisation («Association Genève Futur Hockey» wartet (20 Minuten Online berichtete):. «Wir hoffen, dass wir auch diese Angelegenheit bis zum 28. März bereinigen können.»

Definitive Zusage unwahrscheinlich

Das Jammern über das Lotterstadion ist nicht neu. Dass Termine gesetzt werden, auch nicht. Die Politiker der Stadt Genf vertrösten Chris McSorley und seine Investoren seit Jahren immer und immer wieder. Die Wahrscheinlichkeit, dass es am 28. März keine definitive Zusage für einen Stadion-Neubau und ein Vertrösten auf einen neuen Termin geben wird, ist gross.

Doch diesmal ist Chris McSorley nicht mehr bereit, sich vertrösten zu lassen. Wohl wissend: Wenn er sich wieder hinhalten lässt, verlieren seine Investoren noch mehr Geld. Das Problem liegt wohl darin, dass sich beide Parteien in diesen politischen Playoffs unterschätzen. Chris McSorley kann sich einfach nicht vorstellen, dass eine Stadt ein Sportunternehmen wie Servette fallen lässt. Er vergisst, dass die Politiker in Genf schon der Untergang des Fussballclubs Servette nicht gross gekümmert hat. Und die Politiker in der Stadt Genf nehmen Chris McSorley und Hugh Quennecs Drohungen, die Lichter zu löschen, nicht ernst: Sie können sich nicht vorstellen, dass McSorley ein Unternehmen aufgibt, in das er zehn Jahre seines Lebens investiert hat und das er so sehr personifiziert. Sie vergessen, dass der Kanadier kein Genfer ist und keine emotionale Bindung zu der Stadt hat. Er ist ein Nordamerikaner. Er ist hier, um Hockey-Business zu machen. Wenn das Umfeld für dieses Business nicht stimmt, dann geht er von einem Tag auf den anderen und löscht nicht einmal mehr das Licht in seinem Büro.

Ausverkauf ab dem 29. März?

Der Entscheid fällt am 28. März. So die Hockey- und Politgötter wollen. Es wird sich also für jeden Sportchef mit Bedarf lohnen, sich am 29. März bei Chris McSorley zu erkundigen, ob der grosse Ausverkauf nun stattfindet. Der Kanadier betrachtet das Ganze letztlich als ein Business. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, und er verspricht: «Ich werde am 29. März telefonisch erreichbar sein ...»

Eigentlich verschwendet Chris McSorley in Genf bloss seine Zeit und seine Energie und sein Geld. Nicht auszudenken, was einer wie er in Zürich oder Lugano oder Fribourg oder Lausanne in unserem Hockey bewegen könnte.