Nach Transfer

28. Januar 2011 19:18; Akt: 29.01.2011 09:42 Print

Simek kann WM-Teilnehmer werden

von Jürg Federer, USA - Juraj Simek ist Chris McSorleys neuste Transferperle. Hätte der Flügelstürmer einen kanadischen Pass, würde er wohl in der NHL und nicht für den HC Genf-Servette spielen.

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(*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. Mit 59 Spielen in der Regular Season letzte Saison die absolute Nr. 1 der «Enten». Dies ist auch 2010/2011 so. Derzeit laboriert der Schweizer Nati-Goalie allerdings an Gleichgewichtsstörungen herum. Er fällt auf unbestimmte Zeit aus. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Wurde vergangene Saison nach 8 Spielen zu den Junioren zurückgeschickt. Auch dieses Jahr begann er bei den «Grossen», wurde aber schnell in die AHL abgeschoben. Bereits im November wurde der Verteidiger wieder ins NHL-Team zurückgerufen. Am 23.11. erhielt er die Bewilligung, vom Hotel in eine eigene Wohnung zu ziehen. Das ist in der NHL gleichbedeutend mit einem Stammplatz. (*1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. 11 NHL-Spiele (8 Regular Season/3 Playoffs) hat der Neuenburger bis Ende Saison 2009/2010 bestritten. Weber erhielt in den Testspielen der «Habs» zur aktuellen Spielzeit viel Vertrauen, trotzdem wurde er in die AHL abgeschoben. Im November erhielt er aber eine zweite Chance. Diese hat Weber gepackt. (*1974), Torhüter, Edmonton Oilers. Der Emmentaler wurde ins AHL-Team Oklahoma City Barons abgeschoben, wurde Mitte November von den Oilers aber wieder ins NHL-Team zurückgeholt. Am 25.11. kam er gegen Colorado zu seinem NHL-Comeback, nach nur zwei Spielen musste er am 1.12. aber wieder zurück ins Farmteam. Am 26.2. erhält er erneut den Marschbefehl fürs NHL-Team, da sich Oilers-Goalie Nikolai Khabibulin im Training am Auge verletzt hatte. Allerdings nimmt Gerber nur vorübergehend die Rolle des Ersatztorhüters ein. (*1977), Verteidiger, New York Islanders. Der Berner ist ein gestandener Mann in der NHL. Mit 49 Punkten war er vergangene Saison sogar drittbester Skorer seines Teams - und das als Verteidiger. Nun hat sich Streit aber im Trainingscamp an der Schulter verletzt und fällt deshalb wohl ein halbes Jahr aus. (*1985), rechter Flügel, Ottawa Senators. Der Klotener wurde nach seiner tollen Leistung an den Olympischen Spielen in Vancouver (5 Tore in 5 Spielen) unter Vertrag genommen. Er ist allerdings eher als Investition für die Zukunft zu betrachten. Wick wird eher im Farmteam wertvolle Erfahrungen sammeln. Vorerst wurde er in die AHL zu den Binghamton Senators geschickt. Am 24. Februar 2011 wird er erstmals in die NHL beordert. Am 25. kommt er zu seiner ersten NHL-Partie gegen die Buffalo Sabres. Nach zwei Spielen musste er wieder in die AHL, kam aber ab dem 17. März zu einer zweiten Chance. Nach vier weiteren NHL-Spielen musste der Schweizer am 25. März erneut zurück ins Farmteam. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Erstrunden-Draft hat während dem Trainingscamp einen Dreijahresvertrag erhalten und konnte die Saison in der NHL beginnen. Nach guten Leistungen in den ersten Spielen hat «El Niño» seine Ansprüche auf einen NHL-Stammplatz unterstrichen. Nach neun Spielen wurde er jedoch zu den Junioren nach Portland abgeschoben. (*1983), Verteidiger, Dallas Stars. Für Blindenbacher gilt Ähnliches wie für Roman Wick. Der Zürcher hat sich zuletzt in Schweden einen Namen gemacht und versucht nun die NHL zu erobern. Doch auch er musste die Saison in der AHL beginnen. Am 23.11. erhielt er den «Marschbefehl» für die NHL. Ohne eine Minute Eiszeit wurde er am 1. Dezember zurück ins Farmteam geschickt. Am 14. Februar 2011 bricht er das Abenteuer Nordamerika ab. (*1990), Verteidiger, Nashville Predators. Der Berner hat auf eigenen Wunsch eine zusätzliche Saison in der Schweiz verbracht und sich in dieser Zeit in der NLA zu einem sicheren Wert etabliert. Wegen einer Handgelenk-Verletzung beginnt er aber die Saison beim Farmteam Milwaukee Admirals. Trotz solider Leistungen in der AHL wartet Josi noch auf sein NHL-Debüt. (*1990), rechter Flügel, Florida Panthers. Die Einladung ins Trainingscamp war für ihn schon ein Erfolgserlebnis. Für die NHL reichts dieses Jahr aber noch nicht. Er wird die Saison bei den OHL-Junioren der Oshawa Generals bestreiten. (*1989), Torhüter, Montreal Canadiens. Die NHL ist für den jungen Schweizer Keeper noch zu weit entfernt. Mayer will sich deshalb als Nummer 1 im Tor des AHL-Farmteams Hamilton Bulldogs etablieren. Immerhin hat er in einem Testspiel gegen Ottawa sein NHL-Debüt erlebt. (*1991), Verteidiger, Edmonton Oilers. Die Einladung ins Trainingscamp der Oilers war eine Überraschung und eine Belohnung für die guten Leistungen im «Rookie Camp». Schlumpf wurde am 20.9.2010 nach wenigen Tagen im Camp zu seinem Junioren-Team Shawinigan geschickt, mit dem er die Saison in der Juniorenliga QMJHL bestreiten wird. (*1987), rechter Flügel, Boston Bruins. Der schweizerisch-slowakische Doppelbürger hat auch im vierten Versuch den Sprung ins NHL-Stammkader bei Tampa Bay nicht geschafft und wartet weiterhin auf seinen ersten Einsatz in der härtesten Liga der Welt. Er spielte in der AHL für die Norfolk Admirals, bevor er am 10. Dezember zu den Boston Bruins getradet wurde und anschliessend in der AHL für Prividence spielte. Im Januar 2011 entschloss sich Simek für eine Rückkehr in die Schweiz und unterzeichnete einen Vertrag bei Servette.

Die Schweizer in der NHL.

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Fehler gesehen?

Chris McSorley ist der akribischste Manager im Schweizer Eishockey. Minutiös analysiert er die Leistungen seiner Spieler und auch der Gegner. Wann immer der Manager, Coach und Miteigentümer des HC Genf-Servette einen Spieler ziehen lässt, muss sich die Konkurrenz fragen, weshalb McSorley diesen Athleten nicht mehr in seinem Kader haben will. Serge Aubin zum Beispiel, hat in vier Saisons für den HC Genf-Servette konstant mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel erzielt. Nach der Spielzeit 2008/09 liess ihn McSorley dennoch ziehen – nach 45 Punkten in nur 40 Spielen. Der HC Fribourg-Gottéron liess sich von Aubins Statistiken blenden und engagierte den Kanadier. Seither läuft er in Fribourg nur noch mit, er erzielte im Durchschnitt nie mehr einen Punkt pro Spiel.

Die Konkurrenz verlässt sich nicht auf McSorleys Sinn für Eishockeyspieler und baut auf eigene Gutachten. Trotz Aubins Untergang in Fribourg hat der SC Bern auf die kommende Saison hin Servettes Martin Höhener verpflichtet, Robin Breitbach wechselt zu den ZSC Lions. Wetten, dass McSorley auch in diesen Fällen genau weiss, weshalb er nicht mehr auf seine zwei Verteidiger baut?

Lobbyarbeit für Transferperlen

Geadelt ist hingegen jeder Spieler, um den sich McSorley intensiv bemüht. Nationaltorhüter Tobias Stephan hat er in jahrelanger Lobbyarbeit bei den Dallas Stars für den HC Genf-Servette weichgekocht. Nachdem sich Stephan für eine Rückkehr in die NLA entschieden hatte, musste dieser nicht einmal eine Nacht über seinen Entscheid schlafen. Er wusste, dass er in Genf die besten Arbeitsbedingungen vorfinden würde und unterschrieb mit McSorley einen Vertrag, obwohl er seit Juniorenzeiten mit den Kloten Flyers verbunden war. Seither ist Stephan der sichere Rückhalt und Playoffinalist des HC Genf-Servette.

Oder Dan Fritsche, einst Zukunftshoffnung der Columbus Bluejackets und seit dem Engagement von John Fritsche in Ambrì Eishockey-Lizenzschweizer. Der Amerikaner hat trotz Verbindungen zu Ambri-Piotta in Genf unterschrieben, weil McSorley Fritsches Transfer seit 2004 vorbereitet hat. In einer Zeit, da die Columbus Bluejackets nicht einmal in Albträumen daran dachten, Fritsche jemals in die Schweiz ziehen zu lassen, hat McSorley Columbus' Chefscout Bob Strumm zum Spengler Cup in Davos geführt, er hat ihm das Nachtessen bezahlt und den Hohn ertragen, mit Strumm über das damals unmögliche Schweizer Engagement eines der grössten Nachwuchstalente von Columbus zu diskutieren. Sechs Jahre später erntet McSorley die Früchte seiner Saat und kann mit Dan Fritsche auf einen verlässlichen Skorer mit Schweizer Lizenz zählen (30 Punkte in 32 Spielen).

Simek ist nicht hervorragend aber gut

Diese Beispiele zeigen uns, dass McSorley auch bei der Verpflichtung von Juraj Simek aus der Organisation der Boston Bruins genau weiss, was er tut. Simek ist ein kräftiger Flügelstürmer, eine Dampfwalze mit Wasserverdrängung und einem Riecher für Tore. Nach drei Jahren bei den Vancouver Canucks und den Tampa Bay Lightning wollte er es nicht wahr haben, dass sich keine Türe in die NHL für ihn öffnet, also unterzeichnete er trotz lukrativer Angebote aus Europa ein weiteres Jahr in der NHL. Wann immer er mit den Grossen im Training teilnehmen durfte, wurde er mit Lob überhäuft und dem Hinweis, er müsse noch härter an sich arbeiten, zurück in die Minor Leagues geschickt.

Simeks Problem in Nordamerika war sein fehlendes Profil. Es gibt in der NHL sehr wohl Stürmer, mit denen Simek den Leistungsvergleich aufnehmen kann. Trent Hunter von den New York Islanders zum Beispiel, Aaron Voros von den Anaheim Ducks oder Travis Moen von den Montreal Canadiens. Sie alle sind Athleten, Ergänzungsspieler in ihrem Team, die keine herausragenden Stärken zeigen aber auch keine auffallende Schwächen offenbaren. Solche Spieler gibt es in der NHL wie Sand in der Wüste, ein Juraj Simek kann mit hundert anderen Eishockeyspielern Nordamerikas ersetzt werden.

Simek wie Déruns?

Wenn ein NHL-General Manager also in den hinteren Sturmreihen seines Teams das Luxusproblem hat, von hunderten Stürmern einen auswählen zu müssen, dann setzt er in weiser Voraussicht auf einen Nordamerikaner. Schlägt die Verpflichtung eines kanadischen oder amerikanischen Rollenspielers nämlich fehl, hat der Athlet versagt. Würde der Manager auf einen Exoten setzen, einen Slowaken mit Schweizer Ausbildung wie Simek, hätte im Falle eines Scheiterns der Manager versagt. Europäer mit den Qualitäten eines “Mädchens für Alles” gibt es in der NHL deshalb nur sehr wenige und kein Schweizer trägt dieses Markenzeichen auf seiner Brust. Mark Streit ist in New York der beste Verteidiger, Jonas Hiller sogar einer der besten Torhüter der Liga, Luca Sbisa ist die Zukunftshoffnung von Anaheims Defensivverteidigern und Yannick Weber ist einer der wenigen offensiven Rechtsschützen in der Abwehr Montreals. Alle haben sie herausragende Qualitäten, während Simeks Markenzeichen das des verlässlichen Rollenspielers ist.

Mit dieser Güte passt Simek zu McSorleys Genf-Servette wie das Huhn zum Ei. Mit einem klaren Auftrag im Hinterkopf und der Einfachheit, das Genfer Eishockey zu spielen, kann Simek unerahnte Höhen erreichen und im besten Fall die Antwort auf Servettes Thomas Déruns werden. Einsätze an einer WM oder Olympischen Spielen waren für Simek bisher undenkbar, doch unter McSorleys Führung kann er sich sogar zum Stammspieler auf internationaler Bühne entwickeln. Das ist von den zu Bern und Zürich transferierten Verteidigern Martin Höhener und Robin Breitbach in Zukunft nicht mehr zu erwarten. Chris McSorley weiss, im Fall von Höhener, beim Verzicht auf Breitbach und auch bei der Verpflichtung von Juraj Simek, genau was er tut.