HC Davos

30. Dezember 2019 13:15; Akt: 30.12.2019 13:15 Print

Trainer Wohlwend bewegt sich auf dünnem Eis

von Marcel Allemann - Mit der Kritik der eigenen Fans hat HCD-Trainer Christian Wohlwend eine Todsünde begangen. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Eine Analyse.

Wütend nach dem Ausscheiden am Spengler-Cup: HCD-Trainer Christian Wohlwend. (Video: SRF)
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HCD-Präsident Gaudenz Domenig ist ein Genie. Wie es ihm gelang, den Rekordmeister nach der Ära Arno Del Curto und dem Totalabsturz letzte Saison in Windeseile wieder zu stabilisieren, war eine Meisterleistung. Dass er Raeto Raffainer dem Verband ausspannte und ihn zum Sportchef machte, war ein grosser Coup von Domenig.

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Welche Folgen hat der Eklat am Spengler-Cup für den HC Davos?

Die ersten Handgriffe von Raffainer sassen allesamt. Nach der Del-Curto-One-Man-Show wird der HC Davos nun von einem breit abgestützten Coaching-Team mit Cheftrainer Christian Wohlwend an der Spitze geführt. Dazu holte Raffainer mit Mattias Tedenby und Aaron Palushaj zwei spektakuläre neue Ausländer. Dass der HCD nach dem tiefen Fall derart rasch wieder auf die Beine fand und an die nationale Spitze zurückkehren konnte, hat selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen.

Zuerst verpokert und dann auch noch ein Fan-Eklat

Entsprechend euphorisch ging die neue Crew auch ihren ersten Spengler-Cup an. Der erste Titel seit 2011 sollte her. Doch dann wurde das Heimturnier zum Desaster. Angefangen hatte es mit einem Magen-Darm-Virus und einer Verletztenwelle, die plötzlich in der Spielerkabine Einzug hielten. Sie verleiteten Raffainer und Wohlwend nach der 1:4-Startniederlage gegen Trinec dazu, einen gewagten Poker einzugehen, das Spiel gegen das Team Canada (1:5) wegzuschenken, indem sechs Ausländer geschont wurden.

Der Poker ging nicht auf, Davos ist durch eine 1:3-Niederlage im Viertelfinal gegen Turku trotzdem ausgeschieden. Dazu fühlten sich viele Zuschauer, die viel Geld für den vermeintlichen Klassiker Davos – Team Canada bezahlt hatten, verschaukelt. Die Reaktionen waren entsprechend heftig und wenn der HCD durch diese überrascht worden ist, dann war er ziemlich blauäugig.

Wohlwend steht nun unter Beobachtung

Doch als wäre damit nicht bereits genug angerichtet worden, schaffte es der Rekordmeister doch tatsächlich noch eins draufzusetzen. Mit der Attacke nach dem Turnier-Out gegen die eigenen Fans beging Trainer Wohlwend eine Todsünde. Die eigenen Anhänger, in welcher Form auch immer, zu kritisieren, ist für jeden Vereinsangestellten ein absolutes No-Go.

Bei Arsenal hat Granit Xhaka nach seinem Ausraster gegenüber den eigenen Fans keine Zukunft mehr. Ganz so schlimm dürfte es für Wohlwend nicht werden, der HC Davos geniesst weltweit doch etwas weniger Aufmerksamkeit als die Gunners. Doch Wohlwend, vor wenigen Tagen noch der gefeierte Mann als überzeugender Trainer des wiedererstarkten HCD, bewegt sich plötzlich auf dünnem Eis. Er steht unter Beobachtung und einen zweiten solchen Eklat kann er sich nicht leisten.

Raffainer wusste aus der gemeinsamen Arbeit beim Verband, dass Wohlwend ein sehr emotionaler Zeitgenosse ist, der sich zuweilen kaum kontrollieren lässt. Er hat sich trotzdem für Wohlwend entschieden. Zurecht, denn dieser ist die grosse Schweizer Trainer-Hoffnung neben Ambris Luca Cereda. Die letzten Tage haben aber gezeigt, dass Wohlwend noch viel lernen und Raffainer einen Weg finden muss, seinen Trainer an die Leine zu nehmen. Denn es wäre jammerschade, wenn Wohlwend wegen ungeschicktem Verhalten auf Nebenschauplätzen scheitern würde.

Tage der Wahrheit im Januar

Der Herbst war golden, doch der Dezember hat es mit dem HC Davos nicht gut gemeint. Zunächst war da die Sexismus-Debatte um den neuen Vereinssponsor Peter Buser, gefolgt vom Kollateralschaden am Spengler-Cup. Das Image des HCD hat Kratzer bekommen. Und das ausgerechnet während Ligakonkurrent Ambri-Piotta zeitgleich in Davos die Massen begeistert und beste Werbung in eigener Sache macht.

Die letzten Tage haben gezeigt, dass der HC Davos mit seiner neuen Crew noch ein ganz zartes Pflänzchen ist. Als es erstmals in dieser Saison nicht mehr so lief wie gewünscht, war die Reaktion darauf miserabel. Auf die Bündner wartet nun ein harter Januar mit dicht gedrängtem Spielprogramm. Ein Januar, in dem sich zeigen wird, ob der HCD bereits gefestigt ist oder ob ihn die Vorkommnisse am Spengler-Cup in die nächste Krise stürzen werden.

Eishockey

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rogri am 30.12.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fans

    Mit eine B Mannschaft Spielen und hohe Preise verlangen das geht nicht. Der Trainer ist wohl blauäugig wenn Er meint die Fans machen dieses Spiel mit.

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  • Sigi Mund-Freud am 30.12.2019 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    eigenes Seelenheil

    Fans wie sie Wohlwend beschreibt, gibt es noch 50 auf Tausend. 950 brauchen den Erfolg der Mannschaft um ihre eigene moralische Verfassung zu stützen.

  • Speedy am 30.12.2019 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp HCD

    ich bin seit zig Jahren eingefleischter HCD Fan. Stehe immer hinter dem Club ob Sieg oder Niederlage. Bei Höhen und Tiefen. Jedoch ist mir aufgefallen, vorallem im Stadion die Stimmung der Fans ist nicht mehr gross da wie es vor 8 Jahren der fall war. Viele stehen nicht mehr hinter dem club wenn man nicht immer gewinnt. Ich hoffe die Fankultur kommt zurück. Vorallem in der Meisterschaft. Alleine Anfeuern macht nicht soo viel spass als wenn 30 leute das machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Giachem Gidon am 02.01.2020 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Zukunft mit Wolwo

    Ich habe von Anfang an gesagt, dass der HCD mit diesem eingebildeten Selbstdarsteller Wohlwend keine Zukunft hat. Resultat siehe jetzt auch wenn die Tabelle in der NL im Moment etwas anderes zeigt.

  • Alex am 31.12.2019 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Interessiert das überhaupt?

    Ihr bauscht alle etwas auf, was nur dazu führen soll, dass der HCD medial erwähnenswert bleiben soll. ADC ist weg und Wolwend mit seiner Riesenklappe kommt da gerade recht...

  • Davoser am 31.12.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach so

    und das Interview von gestern mit den VR Prösi... Der ist natürlich unschuldig. Wie alle diese Personen, egal ob Domenig oder Rogner. Seit der dort ist gehts bergab. Sollte man nicht mal nach den Hintergründen des Abgangs von Arno fragen?

  • Sebi am 31.12.2019 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolwo

    Wolwo ist nicht gerade der Gescheiteste. Mir tut seine Familie leid.

    • W. Tell am 31.12.2019 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sebi

      ich bin HCD Fan - schon lange. Aber wenn er mal das Messer in die schon offene Wunde steckt, und man ihn als Person und seine Familie so angreift. Wo bleibt da das HCD Herz und Anstand? Am Spengler Cup sind die Tickets querbeet an Eishockey Fans verkauft worden. Zu hohen Preisen, vermutlich hat der grösste, harte und ehrliche Fan draussen zuschauen müssen weil Ticktes zu teuer. Ambri hat definitiv etwas richtig gemacht an diesem SC!

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  • Felix Reist am 31.12.2019 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SC 2019

    Kommerz und Gewinn regiert auch am SC. Richtige Sportsfreunde sind da schon länger nicht mehr zu finden...naja...der Lauf der Zeit. Ach ja, wegen Trainer Wohlwend...das interessiert spätestens am 06.01. schon wieder niemanden mehr...

    • Korrektur Leser am 31.12.2019 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Felix Reist

      Falsch, das interessiert schon heute 1600 Uhr niemanden mehr...aber sonst haben Sie völlig recht!

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