«Time out»

23. Dezember 2011 15:08; Akt: 23.12.2011 20:17 Print

Verändert sich unsere Hockeywelt?

von Klaus Zaugg - Die Schweiz soll ein KHL-Team erhalten. Was ist von dieser Sache zu halten? Wir sollten uns hüten, die «Helvetics» zu unterschätzen.

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Das Logo des möglichen Schweizer KHL-Teams. (Bild: www.helveticshockey.ch)

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Es ist das abenteuerlichste Projekt unserer Hockey-Geschichte. Aber es ist eine Story, die das 21. Jahrhundert und seine Globalisierung schreiben.
Die Märkte sind schon global. Der Sport hat es bis heute noch geschafft, seine heimischen Märkte zu schützen und sich eigene Gesetze zu schaffen.

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Keine Frage: Unsere Hockeygeneräle werden alles unternehmen, um ein KHL-Team zu verhindern. Ein solcher «Big Player» im eigenen Markt würde die NLA-Manager überfordern. Wer mag denn noch für Langnau spielen, wenn er dies in der KHL tun kann und die Welt ihm zu Füssen liegt? Lieber ein Held in Moskau als ein mittelmässiger Spieler im Emmental.

Würden die ZSC Lions oder der SCB ein solches Projekt anschieben, dann wäre es chancenlos und nicht der Rede wert. Eine telefonisch ausgesprochene Ausschlussdrohung würde es stoppen: Beide Klubs sind ja darauf angewiesen, in der NLA spielen zu können.

Schwieriges Unterfangen

Unternehmer Markus Bösiger und seine Investoren haben in der Sportwelt gar nichts zu verlieren. Aber bei einem aufregenden Abenteuer alles zu gewinnen. Christian Constantin lebt vor, dass es möglich und gar nicht so unpopulär ist, sich gegen Sportfunktionäre und Sportgerichte aufzulehnen und eigene Wege zu gehen.

Es ist klar: Wenn es tatsächlich gelingen sollte, in der Schweiz ein KHL-Team zu installieren, dann wird die Eishockey-Welt nie mehr sein, wie sie einmal war. Denn dann werden gleiche Projekte in anderen wichtigen europäischen Eishockey-Märkten lanciert. Es sind Märkte, die schon jetzt das Eishockey eher schlecht als recht nähren. Weil Eishockey, anders als Fussball, nicht an die Honigtöpfe der TV-Gelder herankommen kann. Alle länderübergreifenden Klubwettbewerbe sind bis heute in Westeuropa kläglich gescheitert – zuletzt die vom Eishockeyweltverband IIHF lancierte Hockey Champions League und der Victoria's Cup. Selbst die NHL hat ihre Europa-Pläne aufgebeben. Das 1995 in Zürich eröffnete NHL-Büro mit Europadirektor Guido Tognoni ist längst wieder geschlossen worden.

Die KHL ist für die westeuropäischen Hockeymärkte eine viel grössere Gefahr als die NHL: Ein Spielbetrieb in Westeuropa ist viel eher möglich als für die NHL und hinter der KHL stecken weit abenteuerlustigere Investoren als hinter der NHL.

Der Vorbote WHL

Die Hockeygeschichte kennt erfolgreiche Angriffe auf die bestehende Ordnung: Die World Hockey Association (WHL) forderte beispielsweise zwischen 1972 und 1979 zeitweise mit 16 Teams die NHL heraus. 1979 war die Liga finanziell am Ende und vier der sechs übrig gebliebenen Teams (Edmonton, Quebec, Hartford, Winnipeg) wurden in die NHL aufgenommen. Aber die WHL hatte Entwicklungen angestossen (unter anderem die Integration von europäischen Spielern und eine Salärinflation), die nicht mehr aufzuhalten waren und die NHL für immer verändert haben.

Und nun also das Projekt eines KHL-Teams in der Schweiz. Es wird in dieser Sache keine Kompromisse geben. Der Internationale Eishockeyverband wird die KHL-Expansionspläne in die Schweiz ebenso bekämpfen wie unser Eishockeyverband. Es wird juristische Auseinandersetzungen absetzen, wie wir sie aus dem Fussball mit Christian Constantin kennen. Denn: Setzt sich Markus Bösiger durch, wird unsere immer noch beschauliche Hockey-Welt aus den Fugen geraten. Es gibt also nur zwei Varianten: Die Eishockey-Welt für immer verändern – oder scheitern. Spektakulär scheitern.

Als Christoph Kolumbus am 3. August 1492 seine Reise nach dem Westen begann, glaubte niemand an einen Erfolg. Doch er kam nach Amerika und veränderte die Welt für alle Zeiten. Markus Bösiger und seine Crew stehen ungefähr dort, wo Christoph Kolumbus im August 1492. Wenn sie in der KHL ankommen, wird die Eishockeywelt nie mehr so sein, wie sie heute ist. Die Frage ist, ob Markus Bösiger so zäh sein wird, wie es Christoph Kolumbus war.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bäse am 23.12.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mounties?

    Alles was recht ist, in einer Globalisierten Welt ist der Name Helvetics passé. Die gibts ja gar nicht mehr

    einklappen einklappen
  • franz hurtimann am 23.12.2011 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    super

    ich finde es eine super sache, warum nicht mal was neues probieren...

  • Rudolf Sommer am 23.12.2011 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Immer der gleiche Klaus!

    Klaus, ich habe Dich vor ca. 30 Jahren kennergelernt! Du hast damals für das Langenthaler Tagblatt geschrieben! Du hast immer nur Vermutungen geschrieben! Mal war auch ein guter Matchbericht dabei! Der Rest war aber immer Vermutungen (Gerüchte)! Du machst es immer noch genau so! Frag mal die WIR-Bank über M.Bösiger!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Winterthurer am 26.12.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Hohes Niveau

    Wie man gerade auf SF2 sieht ist das Niveau dieser Liga sehr hoch, wenn ein mittelklassiger Verein aus der KHL die Flyers so auseinander nimmt. Hopp KHL und hopp Helvetics!!!

  • Urs Schweizer am 24.12.2011 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Helvetics!

    Eine Super-Idee. Endlich wieder mal ein Visionär. Hoffentlich hat er auch genug finanzielle Mittel dazu. Der arrogante, kleinkarierte SEHV soll sich da raushalten!

  • Heinz Schär am 24.12.2011 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Hintergründe sportlicher Natur?

    Die Frage des ganzen Unerfangens wird der Hintergrund dazu sein - rein sportlich wird es nicht sein - uns somit besteht nach den allgemeinen Turbulenzen rund um das Nationale Sportzentrum schon im Voraus ein fahler geschmack"

  • Xenio Tschoumitschew am 24.12.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    tausende von Helden

    "Lieber ein Held in Moskau als ein mittelmässiger Spieler im Emmental", das heisst also der Wodka wäre eine Art Asterix-Zaubertrank, der aus einem Playout-Viertlinienspieler einen KHL-Star macht. Phänomenal!

  • Erich Tanner am 24.12.2011 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Impulse

    Eine Änderung - wie auch immer - könnte dem Schweizer Eishockey nur gut tun. Es gibt doch nichts öderes, als 6 Monate lang ca. 50 Spiele, in denen es praktisch um nichts geht, bevor im März die Meisterschaft mit den Play-Off erst langsam beginnt.