Irreguläres Tor

24. Februar 2019 15:41; Akt: 24.02.2019 17:00 Print

Vier Fehlentscheide beim Davoser 2:0-Treffer

von Kristian Kapp - Nicht alltäglich: Beim zweiten Davoser Treffer gegen den ZSC passierten vier Fehler der Refs, davon zwei entscheidende.

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Andres Ambühl trifft gegen Niklas Schlegel zum 2:0 – doch vorher war einiges los. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Davos – ZSC, die Rückkehr Arno Del Curtos zu seiner früheren Wirkunsstätte. Da war Pfeffer drin am Samstagabend in der Vaillant Arena. Der HC Davos verspielte eine zwischenzeitliche 4:1-Führung, die ZSC Lions verschossen beim Stande von 4:4 einen Penalty, die Bündner siegten nach einer wilden Overtime und einem Treffer Luca Hischiers mit 5:4.

Das hochemotionale Spiel, oft einem Playoff-Fight ähnelnd, bot auch für die Referees diverse Herausforderungen, die je nach Sichtweise auch anders hätten beurteilt werden können. Da gab es zum Beispiel den Kampf zwischen Andres Ambühl und Raphael Prassl, als die beiden mit Stöcken und Fäusten aufeinanderschlugen und es für beide durchaus auch härtere Bestrafungen (Ambühl erhielt 2 + 5 Minuten plus Spiedauer, Prassl 2 + 2 Minuten) hätte geben können.

Das Drumherum vor dem 2:0

Und dann gab es dies hier: Das ganze Drumherum vor dem 2:0 Ambühls, das den Treffer doppelt irregulär machte, dieser aber dennoch gegeben wurde. Den Referees unterliefen vor dem Tor gleich vier Fehler:

Es begann mit der Szene hinter dem Davoser Tor, als zunächst HCD-Verteidiger Sven Jung den Zürcher Stürmer Prassl per Beinstellen foult (bei 0:02 im unten folgenden Video) und dann dessen Teamkollege Jérôme Bachofner per Crosscheck in Jungs Rücken (bei 0:09) zur Rache schreitet. Hier hätte das Spiel unterbrochen und Jung und Bachofner für je 2 Minuten auf die Strafbank geschickt werden müssen. Alles, was nun folgt, wäre dann gar nicht mehr passiert.

Doch es gab keine Strafen, alles lief weiter. Zum Beispiel das Privatduell Jung – Bachofner. Bei Bachofners Kinnhaken gegen Jung zeigte der Referee die erste Strafe an (im unten folgenden Video bei 0:02), er sah bei Jungs Revanche-Crosscheck (bei 0:07) zu Recht ebenfalls ein zu ahndendes Vergehen. Spätestens hier hätte das Spiel abgepfiffen und Jung und Bachofner für je 2 Minuten auf die Strafbank geschickt werden müssen.

Doch auch das Spiel lief eben weiter. Zeitgleich lief der Davoser Konter, den Ambühl erfolgreich zum 2:0 abschloss. In der Wiederholung der Hintertorkamera (ab 0:09 im unten folgenden Video) ist hinten rechts zu erkennen, wie HCD-Goalie Anders Lindbäck wegen der gegen Bachofner angezeigten Strafe sein Tor verlässt, während Jung und Bachofner nach ihren Vergehen nebeneinander weiterlaufen.

Das Tor zählte aber. Und nun folgte der nächste Fehler, der allerdings nicht mehr derart gravierend war. Die Referees entschieden nach Diskussion untereinander, mit 4-gegen-4-Feldspielern weiterzumachen, Strafen gegen Jung und Bachofner auszusprechen:

Das ist doppelt falsch, denn: Wäre nur das Vergehen Bachofners angezeigt gewesen, wäre das Tor zwar regulär gewesen (wenn wir kurz die Vergehen Jungs und Bachofners ganz am Anfang ausblenden ), hätte die angezeigte Strafe gegen den Zürcher wegen des Treffers aber wieder gelöscht werden müssen. Waren aber beide Vergehen angezeigt gewesen (und das war der Fall, siehe Fortsetzung), hätte das Tor nicht zählen dürfen. Es kann im Eishockey kein Tor fallen, während gegen beide Teams Strafen angezeigt sind.

Und damit nicht genug, es folgte Fehler Nummer 4, der dann wirklich nur noch eine Randnotiz ist: Auf die Strafbank musste Bachofner und Heldner. Heldner war der zweite Davoser Verteidiger auf dem Eis und wurde mit Jung verwechselt...

Schiedsrichter-Boss: «Fehlentscheid»

Bei den Referees wollte man tags darauf nichts beschönigen. Auf Anfrage von 20 Minuten sagte Schiedsrichter-Chef Andreas Fischer dies: «Wir haben die Bilder auch konsultiert. In dieser ganzen Situation ist für mich nichts nachvollziehbar. Darum handelt es sich hier um einen Fehlentscheid.»

Einen ZSC-Protest gab es wegen einer anderen Situation

Für den ZSC kommt dies zu spät. Doch damit nicht genug der umstrittenen Entscheide. Denn die Lions hatten einen Spielfeldprotest eingelegt, allerdings wegen einer anderen Szene: Beim verschossenen Penalty Fredrik Petterssons glaubten die Zürcher, um einen regulären Treffer betrogen worden zu sein. HCD-Goalie Anders Lindbäck hatte nach seiner Parade in der Tat den Puck mit dem Arm ins Tor gewischt. Allerdings erst, nachdem der Schiedsrichter per Handzeichen den Penalty als verschossen signalisiert hatte. Der Protest dürfte darum aussichtslos sein.

Der kuriose Penalty-(Nicht-)Treffer von Fredrik Pettersson gegen Anders Lindbäck. (Videos: MySports)

Eishockey

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stefan am 24.02.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schirileistung

    Wenn mann das 2:0 in Frage stellt!! Kann man das Ganze Spiel in Frage Stellen!! Schiri Hatte Kein Plan!!!

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  • A_z am 24.02.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Sucht man etwa schon jetzt nach Ausreden fürs verpassen der Playoff Quali? Ist ja nicht so das man 50 Spiele Zeit hätte um genügend Punkte zu sammeln

    einklappen einklappen
  • SC Berner am 24.02.2019 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So what?

    Die Fehlerquote der Schiedsrichter in dieser Liga ist garantiert nicht grösser als diejenige der Spieler. Hört auf mit dem Gejammer und nehmt es wie Hockeyspieler.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bell Tate am 24.02.2019 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte, hätte....

    Fahrradkette! Hätte man das Spiel nicht angepfiffen, dann wäre der ZSC nicht als Verlierer vom Eis gegangen.

  • Migi am 24.02.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ZSC Bonus

    Und die vielen Entscheide pro Z? Z.B. das Siegestor nach dem Foul an Goali Äschlimann in der Verlängerung (EVZ)?

  • Arno delF am 24.02.2019 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ach da schau her

    Nachdem ich genau das gleiche schon gestern Abend geschrieben hatte, musste ich mich übelst von Daffosern bekleidigen lassen. Danke, dass meine Meinung durch objektive Tatsachen bestätigt wird.

  • Pfeiffer am 24.02.2019 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um die PlayOffs

    Liebe Pfeiffer, heute wart Ihr Pfeiffen...!!! Richtigen Mist habt Ihr da gepfiffen oder eben gar nicht. Früher hat man durchgegriffen heutzutage wird zugewartet. Nachdem Einer mit Schaufelbahre weggetragen wird, wird erst am nächsten Spieltag der Verursacher vom Verband gesperrt. Sorry..., aber auch in Sachen Trash-Talk seit Ihr mit Entscheidungen hier in der Schweiz immer noch ein Schiri-Entwicklungsland. Nicht wer das Maul mehr offen hat müsste bestraft werden sondern derjenige der etwas gemacht hat...

  • Fue Fue am 24.02.2019 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zebras

    Da muss man sich nicht fragen wie so unsere Schiris international keine Rolle spielen, zwei Hauptschiris und keiner kennt die Regeln. Berührt ein Spieler bei einer angezeigten Strafe der bestraften Mannschaft wird abgepfiffen und in dieser Szene wurde gegen beide Mannschaften eine Strafe angezeigt heisst sofort abpfiff. Aber unsere Zebras kennen das anscheinend nicht. Ah ja die spielen ja in einer anderen Liga. Schande für die Schiris