«Time-out»

22. Februar 2011 14:37; Akt: 22.02.2011 14:38 Print

Warum Hockey-Trainer gefeuert werden müssen

von K. Zaugg - Das Merkmal der heute endenden Qualifikation: Fünf Trainerentlassungen. Obwohl nicht immer ein besserer Rang resultiert, sind sie fast immer notwendig und richtig.

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Nach der verpatzten Qualifikation zieht der EV Zug am 5. März 2014 die Reissleine: Doug Shedden muss die Innerschweizer verlassen. Die Berner entlassen nach einem miserablen Start in die Saison , der den SCB in der Saison 2012/13 noch zum Meistertitel geführt hat. Der Verwaltungsrat des HC Lugano entscheidet am 2. April 2013 unmittelbar nach Saisonende überraschend, den noch ein Jahr laufenden Vertrag mit aufzulösen. Der erst vor Kurzem als Co-Trainer engagierte Anders Eldebrink wird am 14. März 2013 zum Headcoach befördert. Der bisherige Trainer wird nur noch als Sportchef tätig sein. Was schon lange vermutet und auch öffentlich diskutiert wurde, traf am 20. Februar 2013 ein: Der erst im vergangenen Sommer entlassene Felix Hollenstein löst seinen Nachfolger als Cheftrainer der Kloten Flyers wieder ab. Die Langnauer stellen Trainer am 9. Dezember 2012 frei. Der bisherige Assistent Alex Reinhard (als Headcoach) und der Ausbildungschef Konstantin Kuraschew übernehmen die Mannschaft. HC Ambri-Piotta: Kevin Constantine ist der erste Trainer der Saison 2012/13, der seinen Platz räumen muss (22. Oktober). Ersetzt wird der Kanadier durch seinen Landsmann Serge Pelletier. Saison 2011/2012 HC Lugano: wirft am 22. Oktober 2011 das Handtuch. Das 0:9-Debakel gegen Kloten war zuviel. Interimistisch übernimmt Assistenztrainer Patrick Fischer. den Hut nehmen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernehmen Assistenztrainer Antti Tormänen und Nachwuchscoach Lars Leuenberger. Saison 2010/2011 HC Lugano: Drei Tage vor den Playouts verpflichteten die Tessiner als «Feuerwehr-Kommandanten», der gemeinsam mit den Interimstrainern Mike McNamara und Patrick Fischer den Ligaerhalt so schnell wie möglich sichern sollte. Mit einem 4:0 gegen die Lakers gelang dies problemlos. Dennoch erhielt Ireland für die neue Saison keinen Vertrag. Stattdessen wurde Barry Smith für zwei Jahre verpflichtet. Die Westschweizer trennen sich am 8. Februar 2011 trotz Playoff-Qualifikation von Trainer und Sportchef . Für ihn übernimmt Assistent René Matte ad Interim bis zum Saisonende. Am 1. Februar 2011 wird durch Igor Pawlow ersetzt. Am 28. November 2010 wird entlassen. Mike McNamara übernimmt. Am 20. Oktober 2010 wird entlassen und durch Bengt-Ake Gustafsson ersetzt. HC Ambri-Piotta: Benoit Laporte muss am 18. Oktober 2010 Kevin Constantine weichen. Saison 2009/2010 EHC Biel:. Er wird am 3. April 2010 entlassen und durch Kevin Schläpfer ersetzt. seinen Platz Philippe Bozon überlassen. ab. Konstantin Kuraschew nimmt Platz an der Bande. muss am 1. Dezember 2009 John Slettvoll Platz machen. Am 15. Februar 2010 übernimmt Christian Weber. Saison 2008/2009 wird nach der Qualifikation am 2. April 2009 durch Kevin Schläpfer ersetzt. gefeuert. Hannu Virta übernimmt. wird am 15. Dezember 2008 durch Rostislav Cada ersetzt. entlassen. Dave Chambers übernimmt und am 3. Februar 2009 muss dieser seinen Posten für Raimo Summanen räumen. Saison 2007/2008 EHC Basel: am 13. März 2008 entlassen und durch Benoit Laporte ersetzt. Kent Ruhnke Platz machen. Einen Monat später übernimmt John Slettvoll. durch Morgan Samuelsson ersetzt. Saison 2006/2007 EHC Basel: gefeuert. Mike McParland übernimmt. durch Larry Huras ersetzt. Saison 2005/2006 HC Lugano: am 10. März 2006 seinen Posten Harold Kreis überlassen. gehen und Christian Weber Platz machen. wird am 14. November 2005 durch Henryk Gruth ersetzt. Einen knappen Monat später kommt Juhani Tamminen und im März 2006 Beat Lautenschlager. Saison 2005/2006 HC Ambri-Piotta: Pekka Rautakallio Platz machen. wird am 8. Dezember 2004 durch Mike McParland ersetzt. Saison 2004/2005 SCL Tigers: aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz Dave Chambers überlassen. Zwei Wochen später übernimmt Bruno Aegerter das Zepter. trifft es am 6. November 2004. Er wird durch Alpo Suhonen ersetzt. entlassen und durch Bill Stewart ersetzt. muss am 7. Oktober 2004 Felix Hollenstein und Mirek Hybler Platz machen.

Trainerentlassungen in der NLA seit 2004/2005

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Theoretiker bezeichnen Trainerentlassungen gerne als unnötige Massnahme. Und haben auf den ersten Blick ein einleuchtendes Argument: Nach einer Trainerentlassung verbessern sich die Mannschaften in der Tabelle in der Regel nicht spektakulär nach oben.

Aber etwas anderes ist viel entscheidender: Mannschaften können durch die Trainerentlassung vor dem Zerfall bewahrt, stabilisiert und vor dem Fall nach unten bewahrt werden. Ohne Trainerentlassung (Schläpfer für Ehlers) wäre Biel gleich nach dem Aufstieg wieder in die NLB relegiert worden oder in der zweiten Saison (Schläpfer für Ruhnke) abgestiegen. Ambri und die Lakers wären ohne Trainerentlassung inzwischen so zerrüttet, dass der Abstieg befürchtet werden müsste. Basel ist 2008 abgestiegen, weil der Trainer zu spät gefeuert worden ist. Die SCL Tigers wären nicht in den Playoffs, wenn Christian Weber im Laufe der letzten Saison nicht freiwillig gegangen wäre.

Die Chemie muss stimmen

Emotionen spielen im Eishockey eine entscheidende Rolle. Einer zerrütteten Mannschaft fehlen die Emotionen, fehlt die Dynamik, fehlt die Entschlossenheit. Deshalb muss die Chemie in der Mannschaft stimmen. Der Laborant, der für die richtige Chemie sorgt, ist der Trainer. Oder noch banaler: Mit einem Chef, den die wichtigen Spieler (Alphatiere) nicht mehr sehen können, ist es unmöglich, Erfolg zu haben. Und eine Mannschaft ist nur erfolgreich, wenn Intensität und Qualität des Trainings hoch sind, wenn ein Trainer fähig ist, die Spieler fordern und fördern. Auch das ist nur möglich, wenn die Chemie stimmt. Deshalb werden die Trainer in jeder Liga der Welt gefeuert. In der NHL, in Finnland, in Russland oder in der NLA.

Eine Trainerentlassung kann hingegen nicht in jedem Fall tiefer sitzende Probleme in einem Hockeyunternehmen lösen. Wenn beispielsweise die Alphatiere direkten Zugang zum Management (also zu den Vorgesetzten des Trainers) und dadurch zu viel Macht haben, dann ist der Trainer am Ende des Tages machtlos. Die ZSC Lions und Lugano sind dafür ein Lehrbuchbeispiel. Die ZSC Lions und Lugano sind deshalb auch diese Saison mit einem neuen Trainer nicht besser geworden. Aber Lugano konnte dank der Trainerentlassung wenigstens ein tiefes Niveau stabilisieren. Spieler, die erfolgreich Trainer absägen, gibt es in allen Ligen, auch in der NHL.

Der richtige Trainer ist ausschlaggebend

Erfolg ist im Eishockey nur mit dem richtigen Trainer möglich und der richtige Trainer kann hin und wieder auch eine Krise überwinden. Die Anstellung eines Eishockeytrainers ist einer der schwierigsten Personalentscheide des bezahlten Sportes. Deshalb ist die Zahl der Fehlentscheide verhältnismässig noch und deshalb ist es oft notwendig, einen Fehlentscheid durch Entlassung zu korrigieren. Selbst fachlich hoch qualifizierte Trainer scheitern, wenn sie den Draht zu den Alphatieren nicht finden. Wenn ein Trainer in Langnau oder in Davos funktioniert, so ist keineswegs sicher, dass er auch in Bern oder Zürich oder Lugano Erfolg haben kann. Zudem können Transfers das Wesen und Wirken einer Mannschaft verändern und die Arbeit des Trainers erschweren. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Trainer zu den Spielern passen muss - und nicht umgekehrt. Weil Trainer einfacher auszuwechseln sind als gute Spieler.

Wenn wir also die fünf Trainerentlassungen dieser Qualifikation kurz und knapp analysieren, sehen wir, dass alle notwendig waren. Aber nur zwei haben geholfen. Ambri (Constantine für Laporte) und die Lakers (Pawlow für Weber) haben sich unter dem neuen Trainer nicht nur stabilisiert. Beide Teams sind besser geworden. Die ZSC Lions (Gustafsson für Muller) und Lugano (McNamara für Bozon) haben die falschen Trainerwahl durch Entlassung korrigiert, aber den richtigen Trainer noch nicht gefunden. Lugano konnte wenigstens einen noch tieferen Fall vermeiden. Fribourg (Matt für Pelletier) hat den Trainer wahrscheinlich im falschen Moment gefeuert. Die Zeit von Serge Pelletier ist zwar abgelaufen, es war ein längst erwarteter Trainerwechsel. Aber Pelletier noch vor den Playoffs zu feuern, war nicht zwingend notwendig. In den letzten drei Jahren hat Pelletier nämlich nach mässiger Qualifikation jeweils erstaunlich gute Playoffs gespielt und das wäre vielleicht noch einmal möglich gewesen. Aber eben: Nur vielleicht.