Eishockey & Politik

04. Mai 2012 22:08; Akt: 04.05.2012 22:08 Print

Warum die SVP eine Eishockey-Partei ist

von Klaus Zaugg - Noch ist es für die Kloten Flyers nicht vorbei: «Aber es wird verdammt schwierig», sagt Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann. Wie so oft im Eishockey ruhen alle Hoffnungen auf einem SVP-Mann.

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SVP-Politiker Hans-Ulrich Lehmann (oben links) könnte der Retter der Kloten Flyers werden - er ist nicht der einzige Mann seiner Partei im Hockey-Business. (Bild: Keystone/AP)

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Bis zum 10. Mai will Präsident Jürg Bircher eine Lösung präsentieren. Hans Ulrich-Lehmann soll als Retter einsteigen. Er mahnt jedoch gegenüber 20 Minuten Online zur Vorsicht. «Zuerst müssen die Zahlen per 30.4. auf den Tisch. Sagen wir es so: Die Tür ist noch einen Spalt offen, doch es wird verdammt schwierig.» Auch Liga-Geschäftsführer Ueli Schwarz sitzt wie auf Nadeln und sagt: «Jürg Bircher und Hans-Ulrich Lehmann sind nach wie vor miteinander im Gespräch. So lange verhandelt wird, gibt es eine Hoffnung...» Jürg Bircher spricht von laufenden Gesprächen. Hat er überhaupt eine Alternative, wenn Lehmann nicht einsteigen sollte? «Wir prüfen auch andere Lösungen.»

Für alle Beteiligten bleibt der 10. Mai der Tag der Offenbarung. Bis zu diesem Zeitpunkt wird Lehmann definitiv entscheiden, ob er als Retter einsteigen wird.

Walter Freys Einsatz für den ZSC

Womit wir bei einem interessanten Punkt angelangt sind: Einmal mehr spielt ein SVP-Politiker (Lehmann kandidierte bei den letzten Nationalrats-Wahlen für die SVP) im Eishockey eine Schlüsselrolle. Keine andere politische Partei ist so stark im Eishockey vertreten wie die SVP. Der raue Männersport, der nur beschränkt Ausländer zulässt, passt offensichtlich gut zum Wesen und Wirken dieser Partei.

Ohne Walter Frey (SVP) würde das Eishockey in Zürich eine ähnlich unbedeutende Rolle wie Handball spielen. Er alimentiert den Spielbetrieb der ZSC Lions und die dazugehörende grösste Nachwuchsabteilung des Landes jedes Jahr mit mehreren Millionen Franken. Es gehört zu den vornehmen Pflichten des ZSC-Managements, das Defizit geheim zu halten, das Walter Frey Jahr für Jahr ausgleicht. Freys möglicher Nachfolger als Präsident der ZSC Lions ist der SVP-Politiker und Unternehmer Peter Spuhler.

SVP-Männer hinter mehreren Klubs

In Biel präsidiert SVP-Grossrat Andreas Blank (Wahlslogan: «Für eine blitzblanke bürgerliche Politik») das lokale NLA-Hockeyunternehmen EHC Biel. Die SCL Tigers würden ohne die ehemaligen SVP-Politiker Hans Grunder und Ruedi Zesiger (heute beide BDP) kaum mehr existieren. Grunder sorgte jahrelang für das wirtschaftliche Überleben und seit seinem Abgang managt der ehemalige SVP-Kantonalpräsident und Grossrat Zesiger die SCL Tigers mit Erfolg.

Die Eishockey-Nationalliga wird von Marc Furrer präsidiert, der seine verschiedenen Jobs (u.a. ComCom-Präsident) der SVP-Mitgliedschaft verdankt. SVP-Bundesrat Ueli Maurer outet sich immer wieder als begeisterter Hockey-Fan und pflegt im Rahmen des Spengler Cups jeweils einer Partie neben Trainer Arno Del Curto auf der Spielerbank des HC Davos beizuwohnen.

Das Eishockey braucht Unternehmer

Zufall? Kaum. Simon Schenk, ehemaliger Nationalspieler und Nationaltrainer, später Manager der ZSC Lions und heute noch Geschäftsführer der GCK-Lions (NLB), sass selber für die SVP im Nationalrat. Er sagt es so: «Die SVP ist eine wirtschaftsnahe Partei mit überdurchschnittlich vielen Unternehmern. Es braucht im Sport Unternehmer, die auch mit der Politik vertraut sind.» Bei Sicherheitskonzepten, aber auch beim Bau von neuen Stadien ist der Sport auf die Zusammenarbeit mit Politikern angewiesen. Schenk verdankt seinen Einzug in den Nationalrat auch der im Eishockey erworbenen Popularität und sagt, die Motivation für ein Engagement im Sport sei da und dort auch das Bestreben, Wählerstimmen zu bekommen.

Dass es die SVP ins Hockey zieht, hat wohl auch etwas mit der geographischen Verteilung der Hockey-Unternehmen zu tun: Zwei im Kanton Zürich (ZSC Lions, Kloten Flyers), drei im SVP-Herzland Bernbiet (SCL Tigers, SC Bern, EHC Biel). Zwar sind oder waren auch andere Politiker im Hockey engagiert: Filippo Lombardi (Ständerat CVP) steht Ambri vor und der ehemalige FDP-Nationalrat Tarcisius Caviezel war bis im letzten Herbst Vorsitzender des HC Davos. Aber die Hockey-Präsenz der SVP hat keine andere Partei.

Strikteste Ausländer-Regelung

Eishockey ist letztlich ein Spiel, das gut zur SVP passt. Es ist ein rauer Männersport mit nationaler Ausrichtung: Während in allen Mannschaftsportarten (Fussball, Handball, Unihockey, Volleyball) ausländische Spielerinnen und Spieler oder zumindest Sportlerinnen und Sportler aus dem EU-Raum unbegrenzt eingesetzt werden können, gibt es im Eishockey die europaweit strikteste Ausländer-Regelung: Pro Spiel dürfen in der NLA nur vier und in der NLB nur zwei Ausländer eingesetzt werden.

Die Hockeykultur ist stark eidgenössisch und allenfalls nordeuropäisch-nordamerikanisch geprägt. Die meisten Ausländer stammen aus Nordamerika oder Skandinavien. Kein Vergleich zur Multikulti-Kultur im Fussball mit Spielern aus Afrika, Südamerika und Südosteuropa. Secondos spielen im Eishockey nicht annähernd eine so wichtige Rolle wie im Fussball. Nur zwei Spieler im aktuellen WM-Team von Helsinki sind Secondos: Luca Sbisa ist der Sohn italienischer Einwanderer, Goran Bezinas Eltern stammen aus Koratien, sein Vater war kroatischer Wasserball-Internationaler. Und Biels Clarence Kparghai, der einzige farbige Star der Liga, ist in der Stadt Bern aufgewachsen und spricht akzentfrei Berndeutsch. Bei allen Teams ist der Anteil an Spielern mit einheimischen Vor- und Nachnamen gross.

Ein Stück Heimat

Eishockey ist nach wie vor ein Stück Heimat und nach dem Schwingen und Hornussen im Wesen und Wirken der vaterländischste Sport. Ob Zufall oder nicht: Sogar das Publikum entspricht eher den senkrechten ordnungspolitischen Vorstellungen der SVP: In den letzten Jahren haben sich die Schwierigkeiten mit den Zuschauern fast ganz auf den Fussball konzentriert. Die Finalserie zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern ist soeben ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen.

Was alles nicht heissen muss, dass nicht auch linke Parteien mit dem Eishockey sympathisieren: Die SCL Tigers verdanken letztlich die Rettung nach Hans Grunders Abgang mit 900 000 Franken Steuergeldern und die Sanierung des Stadions (mit 15 Millionen Steuerfranken) sogar einem pragmatischen Linken: SP-Gemeindepräsident und SP-Grossrat Bernhard Antener, in der Berner Kantonalpolitik als «roter Bernhard» gefürchtet, in Langnau der erste SP-Gemeindepräsident der Geschichte.

Wie nah dürfen sich die Klubs und Parteien kommen?

Es gibt letztlich keinen sicheren Hinweis darauf, dass das Hockey-Publikum mehrheitlich SVP wählt. SCB-Manager Marc Lüthi (parteilos) untermauert diese These mit eigenem Erleben. Kein anderer Hockeyklub ausserhalb Nordamerikas lockt so viele Zuschauer an (pro Spiel etwas mehr als 15 000). Der SCB stellte Simon Schenk im letzten Jahrhundert für den Nationalrats-Wahlkampf die Adressenkartei zur Verfügung. «Weil wir der Meinung waren, es könne nur gut sein, wenn ein Eishockeyvertreter im Parlament sitzt.» Heute gibt der SCB seine Adressen nicht mehr heraus. Marc Lüthi sagt, warum das so ist: «Die Reaktionen waren so negativ, dass wir zum Schluss gekommen sind, dass ein Sportunternehmen nicht politisch sein darf.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ursus, ZH am 05.05.2012 04:35 Report Diesen Beitrag melden

    ...und die Fans?

    Gottseidank sind die Fans keine SVP-Wähler!

    einklappen einklappen
  • Niemand am 05.05.2012 01:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ein Grund mehr diese Sportart nicht zu mögen!

  • Martin am 05.05.2012 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    VIELEN DANK !!! Darf man auch mal sagen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tigerli am 05.05.2012 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grunder....

    grunder habe die tigers gut gemanagt??? Dass ich nicht lache... er war der, der die tigers in wirtschaftliche probleme brachte!!! ihm gings nur um seinen namen !!!

  • kuseli am 05.05.2012 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum...

    ach gott, muss das eishockeygeschehen im moment langweilig sein, dass man auf einen solchen stuss kommt... die unterstützung der vereine kommt aus der wirtschaft, daher ist es nur logisch, dass leute aus wirtschaftsparteien auch verschiedene clubs präsidieren und da heutzutage der wirtschaftsfilz eng mit dem politfilz verknüpft ist, in welchem man wichtige geschäftliche beziehungen knüpfen kann, ist wahrscheinlich die parteizugehörigkeit selbsterklärend... dabei geht es ganz bestimmt nicht um ausländerfragen und eishockeyfans sind im schnitt auch nicht rechtsbürgerliche wähler...

  • hockeyfän am 05.05.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Dank an die Sponsoren

    ich bin und wähle sein jahrzehnten links - trotzdem liebe ich eishockey. Sport darf nicht plolitisch sein!

  • Stefi am 05.05.2012 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Seid froh ihr Medien,....

    ... gäb es die SVP nicht, wüsstet ihr nicht was schreiben. Jeden Tag steht irgendetwas über die SVP in den Zeitungen. Unglaublich... Und Patrick hat Recht. Es ist die beste Partei der Schweiz!

  • chrigi am 05.05.2012 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Eintopf

    Es ist schon unglaublich, für was die SVP alles hinhalten muss! In diesem Artikel wir alles wie in einem Eintopf durcheinander gemischt. Die Ausländerregelung hat mi der SVP gar nichts zu tun. In den 70 er und 80er durften nur 2 Ausländer mittun. Es geht darum, unseren Eishocke zu fördern (mit Erfolg). Warum freuen wir uns nicht einfach am tollen Eishockey in der Schweiz? Und: Die Rolle des Herrn Grunder bei Langnau war eine ganz andere, er musste zurücktreten!