«Time-out»

30. Dezember 2011 09:00; Akt: 30.12.2011 10:17 Print

Warum nicht ein Operetten-Coach für die Kanadier?

von Klaus Zaugg - Das Team Canada ist am Spengler Cup kläglich gescheitert. Weil es auf einen «Feriencoach» statt auf einen NLA-Trainer setzte. So kann es nächstes Jahr gleich mit Don Cherry antreten.

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Vielleicht würde Don Cherry (l.) das Team Canada am Spengler Cup wieder auf Touren bringen. (Foto: wikipedia.org/Dave O)

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Don Cherry (76) ist der Popstar des kanadischen Hockeys. Er war 1976 NHL-Trainer des Jahres. Aber so richtig berühmt ist er erst als TV-Kommentator geworden. Der stockkonservative Provokateur schmäht und verachtet alles im Eishockey, was nicht kanadisch-katholisch ist. Der Unterhaltungswert ist ganz einfach grandios. Es ist Zeit, dass die Kanadier mit Don Cherry als Coach zum Spengler Cup kommen. Dann haben wir wenigstens beste Unterhaltung.

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2007 hat Sean Simpson als Cheftrainer die Kanadier zum bisher letzten Mal am Spengler Cup zum Turniersieg geführt. Seither sind die in der Schweiz tätigen kanadischen Trainer nicht mehr gut genug, um bei Team Canada als Cheftrainer an der Bande zu stehen. Die oft operettenhafte Namengläubigkeit und NHL-Hörigkeit provoziert seither das Scheitern der Kanadier. Statt einen kompetenten Cheftrainer aus der NLA nominieren sie für den Cheftrainerposten beim Spengler Cup einen grossen Namen aus der NHL. Coaches, denen die besonderen Gesetze dieses Turniers so fremd sind wie der Koran dem Alpöhi. Pat Quinn, Craig McTavish, Mark Messier (der überhaupt keine Coaching-Erfahrung hatte) und nun der arbeitslosen Marc Crawford. Das Coaching von Team Canada als «Ferienjob».

Die eigenen Qualitäten vergessen

Die Kanadier sind auch deshalb im Eishockey so erfolgreich, weil sie bei der Zusammenstellung, Vorbereitung und Coaching einer Mannschaft auf jedes Detail achten. Nichts wird dem Zufall überlassen. Doch ausgerechnet beim Spengler Cup vergessen sie die eigenen Qualitäten.

In der NLA arbeiten so fähige kanadische Coaches wie Chris McSorley, Doug Shedden, Bob Hartley und Larry Huras. Aber bei Team Canada spielen sie alle keine oder nur eine untergeordnete Rolle: Lediglich Doug Shedden ist als Assistent von Marc Crawford aufgeboten worden. Die Folgen: Gegen den HC Davos haben die Kanadier 1:8 verloren und sind nun im Viertelfinale an Wolfsburg gescheitert (2:3 nach Penaltys). Die Partie ist auch an der Bande verloren gegangen.

Natürlich ist Kritik hinterher billige Polemik. Hinterher konnte jeder Soldat erklären, warum Napoleon in Russland gescheitert ist. Trotzdem: Nur ein Cheftrainer mit null Kenntnis unserer Liga konnte ausgerechnet Jean-Pierre Vigier im Penaltyschiessen einsetzen – und für die Nomination der Penalty-Schützen ist am Ende des Tages immer der Chef verantwortlich. Der kampfstarke SCB-Kanadier hat so hölzerne Hände, dass er für eines ganz sicher völlig untauglich ist: fürs Penaltyschiessen.

Kein Scheitern mit Shedden?

Mit ihren «Feriencoaches» haben die Kanadier nun zum zweiten Mal in drei Jahren das Finale verpasst und das Turnier seit 2007 nicht mehr gewonnen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wären sie mit Doug Shedden als Cheftrainer nicht gescheitert. Der loyale, hierarchiehörige Zuger Headcoach war unter dem ach so berühmten ehemaligen NHL-Cheftrainer und Stanley-Cup-Sieger Marc Crawford nur eine Karikatur seiner selbst. Stolze, charismatische Alphatiere wie Shedden zu Assistenten zu degradieren ist eine der schlimmsten führungstechnischen Sünden.

Wenn die Kanadier davon überzeugt sind, dass «Feriencoaches» für den Spengler Cup genügen, dann sollen sie wenigstens einen echten Operetten-Coach bringen. Einen, der uns richtig unterhält. Ich fordere für 2012 Don Cherry als Cheftrainer von Team Canada. Mit Mike McParland als Assistent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Insider am 30.12.2011 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Turnier ist ein Plauschturnier 

    Auch wenn es die Journalisten und HCD Fans gerne anders sehen würden, der Spenglercup ist und bleibt ein Plauschturnier. Deshalb kommen die Kanadier seit Jahren mit ihren aus der NLA & B stammenden Spielern, Frauen & Kindern nach Davos um "de Plausch z'ha". Das dabei noch Hockey gespielt wird, ist für die Eishockeyverrückten Kanadier eher nebensächlich. Das sie aber trotzdem das Turnier in den letzten 15 Jahren mehrheitlich gewonnen haben, zeigt in etwa das Niveau. Kein Team (ausser Davos) kommt in Bestbesetzung und keiner der Kanadier würde es in ein WM od.Olympia Kader schaffen

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  • W. Schmid am 30.12.2011 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Canada

    Stimmt genau was Sie schreiben. Das Niveau der anderen Mannschaften ist auch gestiegen. Es braucht immer die besten Leute um zu gewinnen. Auch an der Bande.

  • Gekars am 30.12.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    übertriebene Darstellung

    Zu Spenglercup: Die ach so hohe internationale Bedeutung wird massloss übertrieben. Mit Ausnahme absoluter Insider bekommen es nur die Fans der teilnehmenden Teams mit. Auch die TV-Übertragung in Kanada wird überschätzt. Es ist ein fast kostenloses TV-Recht, welches als Lückenfüller am Vormittag gebraucht wird. An keinem einzigen Stammtisch in Kanada wird darüber diskutiert. Derzeit schaut man dort nur U20-WM und NHL. Übrigens: weshalb nehmen 5 Klubmannschaften und 1 Nationalteam teil? Entweder 6 Klubteams oder 6 Nationalteams, aber kein Gemisch. So etwas gibt's nur am Grümpis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz Müller am 30.12.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Spengler Cup kein Plauschturnier

    Ich sehe mir als Hockeyfan immer noch lieber ein Spiel (heute Abend) zwischen einer KHL Mannschaft und einem DEL Team an, anstatt ein durchschnittliches National League Spiel.

  • nervensäge am 30.12.2011 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Zaugg nun hören sie doch mal mit

    der Besserwisserei auf! Marc Crawford als nomination zu kritisieren ist ja wohl eine riesen Frechheit, der Mann hat den Standley Cup gewonnen, wissen sie wie schwer es ist den zu gewinnen? Es ist der Spenglercup, und der interessiert in Kanada nicht wirklich viele Leute! Ausser dem HCD, SF und Hr. Zaugg sehen alle ein, dass das ein Plauschturnier ist! Ausserdem ist Kanada nicht mal mit den besten Kanadier die in der Schwiz spielen angetretten, wo waren z.B Tamballini, Holden usw?

  • Gekars am 30.12.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    übertriebene Darstellung

    Zu Spenglercup: Die ach so hohe internationale Bedeutung wird massloss übertrieben. Mit Ausnahme absoluter Insider bekommen es nur die Fans der teilnehmenden Teams mit. Auch die TV-Übertragung in Kanada wird überschätzt. Es ist ein fast kostenloses TV-Recht, welches als Lückenfüller am Vormittag gebraucht wird. An keinem einzigen Stammtisch in Kanada wird darüber diskutiert. Derzeit schaut man dort nur U20-WM und NHL. Übrigens: weshalb nehmen 5 Klubmannschaften und 1 Nationalteam teil? Entweder 6 Klubteams oder 6 Nationalteams, aber kein Gemisch. So etwas gibt's nur am Grümpis.

  • Spengler Cup Kucker am 30.12.2011 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Who cares...

    Ist doch egal ob Kanada gewinnt, bin ich denn Kanadier? Wenn die Kanadier beschliessen eine Nullnummer als Coach zu senden ist das doch deren Problem und niemndes anderen sonst. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Spielt einfach Hockey und habt Spass...

  • Fritz Künzle am 30.12.2011 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es kann nur einer

    Ich bin für Klaus Zaugg an der Bande.