Zwei Klubs in der Krise

15. Dezember 2011 12:53; Akt: 15.12.2011 13:04 Print

Was die Tiger von den Enten lernen können

von K. Zaugg, Anaheim - Anaheim-Topskorer Teemu Selänne zeigt mit 41 Jahren noch immer sein bestes Hockey. Langnau-Neuzuzug Paul DiPietro ist gleich alt. Auch sonst gibt es Parallelen zwischen den Teams.

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Hockey-Oldies: Teemu Selänne (l.) und Paul DiPietro. (Bilder: Keystone/AP)

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Macht es für die SCL Tigers Sinn, Paul DiPietro zu engagieren? Der eingebürgerte Kanadier ist am 8. September 41 geworden und absolviert im Emmental ein Probetraining.

Nun, das Alter ist kein Grund, auf DiPietro zu verzichten. In Anaheim ist der Finne Teemu Selänne - er wurde am 7. Juli 41 - der beste Stürmer. Beim 4:1 gegen Phoenix hat er den Assist zum wegweisenden 2:0 beigesteuert. Er steht nun bei exakt 30 Punkten aus 30 Partien (9 Tore/21 Assists) und hat zudem die beste Plus/Minus-Bilanz im Team.

DiPietro nicht ganz auf Augenhöhe mit Selänne

Paul DiPietro hat zwar in der NLB bei Sierre diesen Punkteschnitt bisher nicht erreicht (24 Spiele/15 Punkte). Während Selänne immer noch einer der schnellsten NHL-Stürmer ist, lebt DiPietro heute mehr von seiner Schlauheit als von seinem Tempo. In Langnau wird er nicht eine Rolle spielen können wie Selänne in Anaheim. Aber das Powerplay vermag er noch immer zu befeuern.

Teemu Selänne schliesst nicht aus, dass er seine Karriere nach dieser Saison fortsetzen wird. Klar ist für ihn lediglich, dass er nur noch in Anaheim spielen wird. In Südkalifornien fühlt er sich mit seiner Familie wohl. Er ist einer der wenigen Finnen, dem im Wesen und Wirken die nordische Schwermut fehlt – eigentlich ein lateinischer Finne. Paul DiPietro mahnt mit seinem sonnigen Gemüt durchaus ein wenig an den finnischen Weltstar. Für ihn ist aber klar, dass er weiterspielen wird: Während Selännes Vertrag, dotiert mit vier Millionen Dollar brutto, im Frühjahr ausläuft, hat Paul DiPietro noch für zwei weitere Jahre einen Kontrakt. Mit etwas mehr als 120 000 Franken netto ist er bei Sierre der bestbezahlte NLB-Spieler.

Anaheim auf dem Weg aus der Krise

Doch zurück zu den Anaheim Ducks: Die Krise scheint überwunden: Mit der besten Saisonleistung ist Phoenix 4:1 besiegt worden, die Playoffs sind immer noch möglich und erstmals hat die Mannschaft unter dem neuen Trainer Bruce Bouderau von der ersten bis zur letzten Minuten überzeugt, das Spiel dominiert und das offensive Spielkonzept des Coaches umgesetzt. Und zum neuen Glück passt, dass der aus New Jersey im Rahmen des Krisen-Spielertauschs geholte Rod Pelley gleich das 1:0 gebucht hat – der erste Treffer für den holzhändigen Defensivstürmer seit dem letzten Januar.

Der zweifache Torschütze Niklas Hagmann (während des NHL-Arbeitskampfes in Davos) hat nach dem Spiel in den so typischen nordamerikanischen Erklärungen in einem Nebensatz den wahrscheinlich wichtigsten Grund für das gute Spiel genannt: einen speziellen Teamanlass. Die Reporterinnen und Reporter haben nicht nachgefragt, was er damit meinte. Und wenn sie es getan hätten, würde darüber nicht geschrieben und gesendet. Weil es sich nicht gehört. Der Teamanlass war nämlich das grandiose Besäufnis in der Nacht vom Sonntag auf den Montat im Rahmen der «Rookies Night» (20 Minuten Online berichtete). Diese wilde Party, bei der nur Torhüter Jonas Hiller nüchtern blieb (weil er konsequent keinen Alkohol trinkt) spielt bei der Wandlung des Teams eine wichtige Rolle. Die lokalen Reporterinnen und Reporter sind sich jedenfalls einig: So bissig, mit so viel «Einer-für-alle-Spirit» habe man die Ducks diese Saison noch nie gesehen.

Eine Party für die SCL Tigers?

Einen wie Teemu Selänne können die SCL Tigers nicht holen. Es reicht nur für den gleichaltrigen Paul DiPietro. Aber eine Party wie die Ducks können auch die krisengeplagten Emmentaler (9 Pleiten in Serie) feiern. An diesem Wochenende ist ja noch Nationalmannschafts-Pause und damit eine prima Gelegenheit noch einmal so richtig zu rocken und zu rollen. Die Ducks sind für ihre Fete im Bus 150 Kilometer weit nach San Diego gefahren und haben dort übernachtet. Solche Diskretionsmassnahmen sind in Langnau nicht nötig, die Party kann auch in der Sattelkammer steigen. Im Emmental weiss man seit Todd Elik, dass eine schöne Feier ein Hockeyteam «elektrisieren» kann. Paul DiPietro ist kein Kind von Traurigkeit und er könnte so seinen Einstand geben. Statt eine «Rookies Night» eine «Oldies Night» zur Krisenlösung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iafrate am 15.12.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Im letzten Jahr doch noch ein König....

    ....wenn's doch so einfach wäre. Immerhin relativiert sich im Sport die "Hui oder Pfui" Sicht der Medien immer recht zügig. Da wird ein Trainer wie John Fust im einen Jahr hochgejubelt, um ein paar Monate später vor einem (hoffentlich temporären) Scherbenhaufen zu stehen. Lässt John Fust anders trainieren? Gibt er andere Motivationssprüche von sich? Nein, es ist schlicht und ergreifend zum Abgang von ein paar wichtigen Spielern gekommen, welche nicht gleichwertig ersetzt werden konnten. Da stossen halt auch mediengemachte Wundermänner an ihre Grenzen....

  • Edward am 17.12.2011 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    Selanne mit Di Pietro zu vergleichen... Das ist DIE Beleidigung des Jahrhunderts! Nur weil sie zufällig gleichaltrig sind... Selanne ist einer der 5 besten Hockeyspieler aller Zeiten!!!

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  • Edward am 17.12.2011 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    Selanne mit Di Pietro zu vergleichen... Das ist DIE Beleidigung des Jahrhunderts! Nur weil sie zufällig gleichaltrig sind... Selanne ist einer der 5 besten Hockeyspieler aller Zeiten!!!

  • Iafrate am 15.12.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Im letzten Jahr doch noch ein König....

    ....wenn's doch so einfach wäre. Immerhin relativiert sich im Sport die "Hui oder Pfui" Sicht der Medien immer recht zügig. Da wird ein Trainer wie John Fust im einen Jahr hochgejubelt, um ein paar Monate später vor einem (hoffentlich temporären) Scherbenhaufen zu stehen. Lässt John Fust anders trainieren? Gibt er andere Motivationssprüche von sich? Nein, es ist schlicht und ergreifend zum Abgang von ein paar wichtigen Spielern gekommen, welche nicht gleichwertig ersetzt werden konnten. Da stossen halt auch mediengemachte Wundermänner an ihre Grenzen....