Stanley-Cup-Final

10. Juni 2011 10:49; Akt: 10.06.2011 11:34 Print

Wie Céline Dion gegen Metallica

von Jürg Federer, USA - Die Vancouver Canucks spielen Eishockey, wie Céline Dion singt: schön und brav. Dumm nur: Wenn die Boston Bruins rocken wie Metallica, ist davon nichts mehr zu hören.

storybild

Tim Thomas brachte die Vancouver Canucks in Spiel 3 und 4 immer wieder zum Verzweifeln. (Bild: AFP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Vorzeichen vor dem Stanley-Cup-Final 2011 waren klar. Vancouver gewann in 82 Qualifikationspartien der NHL 117 Punkte, Boston «nur» 104. Die Canucks vertrauten sowohl im Sturm als auch im Tor auf Spieler der absoluten Luxusklasse und weiss mit Daniel und Henrik Sedin sowie mit Roberto Luongo drei Spieler in seinem Kader, die mehr als fünf Millionen Dollar pro Jahr kosten. Die Bruins hatten mit Zdeno Chara gerade mal einen Luxusspieler dieser Preisklasse im Team. Vancouver hat als Gewinner der «Presidents Trophy» für das beste Team der Qualifikation den Heimvorteil im Stanley-Cup-Final, Boston muss auswärts gewinnen, um den Stanley Cup in die Höhe zu stemmen.

Umfrage
Wer gewinnt den Stanley Cup?
66 %
34 %
Insgesamt 1293 Teilnehmer

Drei Playoffrunden lang lief alles nach Plan. Die Ausnahmekönner der Vancouver Canucks haben alle Wertungen der NHL-Statistik dominiert, Daniel Sedin war Topskorer, Henrik Sedin der beste Assistgeber, Roberto Luongo der beste Torhüter. Aber jetzt, wo es im Stanley-Cup-Final um alles oder nichts geht, sind die Canucks aus der Bestenliste verschwunden. Bester Torschütze ist David Krejci von Boston, Topskorer ist ebenfalls Krejci von Boston, bester Plus/Minus-Spieler ist Zdeno Chara von Boston und Tim Thomas führt in allen Torhüterstatistiken, Siege, Gegentore, Fangquote und Shutouts – auch er spielt für Boston.

Henrik Sedin ist alleine auf weiter Flur verblieben, als einziger Vancouver-Spieler wird er noch als der NHL-Spieler mit den meisten Assists in den diesjährigen Playoffs aufgeführt. Freundlich lächelt Sedin in seinem Passbild auf der Startseite der NHL-Statistik im Internet, während neben ihm sieben grimmige Bruins in die Kamera starren.

Ein Spiel ohne Provokationen

Das freundliche Lächeln von Henrik Sedin erklärt, weshalb die Vancouver Canucks nach vier Partien im Stanley-Cup-Final nicht mehr Favorit auf den Gewinn der Meisterschaft sind. Das NHL-Team aus British Columbia hat das Selbstbewusstsein, allein mit Talent jede Eishockeymannschaft der Welt besiegen zu können. Alain Vigneault, Headcoach der Vancouver Canucks, bestätigt: «Wir sind eine Mannschaft, die nur vom Puckeinwurf bis zum Schiedsrichterpfiff spielt. Was danach geschieht, ist nicht unser Spielplatz.»

Will heissen, dass Vancouver keine Mätzchen spielt, nicht provoziert, nicht einschüchtert und sich auch nicht einschüchtern lässt. Wenn Vigneault verkündet, dass sein Team auf dem Spielplatz der Provokationen keinen Spieler aufstellt, dann ist das, als liesse der amerikanische Präsident verlauten, dass der Krieg gegen den Terrorismus an Weihnachten, an Ostern und an Pfingsten sowie am amerikanischen Unabhängigkeitstag unterbrochen wird.

Rausgeputzte Superstars gegen bärtige Krieger

Die Vancouver Canucks haben im Stanley-Cup-Final bisher versucht, eine Schlacht zu gewinnen, ohne in den Krieg zu ziehen. Betrachtet man die Spielerbank der Canucks, so sieht man fein rausgeputzte Superstars, mit rasierten Gesichtern und liebevollen Blicken. Die Keslers, Salos und Sedins sehen aus, als würden sie gleich eine Wohltätigkeitsveranstaltung besuchen. Einige Meter weiter drüben sitzen auf der Spielerbank von Boston 20 aufopfernd kämpfende Krieger mit Playoffbärten, so wild, als wären sie gerade aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zurückgekehrt.

Die Vancouver Canucks haben zwar das Talent, jede Eishockeymannschaft dieser Welt zu besiegen, aber die Boston Bruins haben den Willen, jedes stärkere Team dennoch zu biegen. Man kann die beiden Eishockeymannschaften auch musikalisch vergleichen. Vancouver spielt so brav, wie die kanadische Sängerin Céline Dion ihre Balladen singt. Aber davon hört niemand einen Ton, solange mit den Boston Bruins auf derselben Bühne die amerikanische Heavy-Metal-Gruppe Metallica spielt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 10.06.2011 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Artikel

    Vielen Dank Herr Federer! Ich liebe Ihre Beiträge von Tag zu Tag mehr! Hoffentlich folgen noch weitere!

  • Sven am 10.06.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    der Stanley Cup

    soll endlich wieder nach Kanada! GO Canucks!

  • Hans Muster am 10.06.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Boston "Stanley-Cup-Winner" Bruins

    Ich hoffe auf die Bruins:)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Weber am 11.06.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Grüsse aus Vancouver

    Spannend! Ich bin auch der Meinung, dass der Autor nicht wirklich Nahe am Geschehen sitzt. Die Energie, Härte, Geschwindigkeit und Präzision der Canucks - ist bisher von keiner Mannschaft erreicht worden, auch von den Bruins nicht. Die Spiele 3 und 4 in dieser Final-Serie, gingen deswegen verloren, aus sicht der Canucks, weil sie nicht mehr ihr Spiel spielten, sondern den Gegner spielen liessen. Aber jetzt im 5. haben wir gesehen, wer der Herr im Rink ist! Go Canucks GO!

    • Zdeno Chara am 14.06.2011 16:57 Report Diesen Beitrag melden

      Canucks suck

      Womit eigentlich genau die Meinung des Autors wiedergegeben wäre oder nicht Herr Weber?

    einklappen einklappen
  • Marc Tobler am 10.06.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Tim Thomas FEAR THE STACHE!!! :)

    ohne tim thomas wäre boston schon in der ersten playoffrunde ausgeschieden. Das ist leider so. Thomas wird wohl auch zum MVP gewählt. Er spielt diese Saison in einer anderen Liga. Bosten kann nur durch Kampf bestehen. Und Vancouver sind auf die Twins angewiesen. Mal schauen wer von Beiden heute zuschlagen wird. Nächste Jahr werden die Pens wieder ganz vorne sein, wenn Crosby und Malkin wieder voll einsatzfähig sind :)

  • Franz Blake am 10.06.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Hmm?!

    Mir scheint als hätte der Autor noch kein Spiel der Canucks in diesen Playoffs gesehen. Namen wie Torres, Bieksa, Lapierre, Rome, Kesler... scheinen Ihm unbekannt. Aber ja wenn er die Canucks auf die Sedin-Linie limitiert stimmts. Egal, spiel Thomas weiterhin so stark wirds schwierig für Vancouver.

    • Chris am 11.06.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      gefällt mir

      Aber wenigstens beschränkt er das Team nicht nur auf Ryan Kesler wie es die Amis tun...

    einklappen einklappen
  • Ruedi am 10.06.2011 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja...

    Das ist jetzt aber schon ziemlich überspitzt, so zahm sind die Canucks auch wieder nicht...und die Bruins können nicht anders als kratzen, beissen, schlagen. Sie haben nicht das spielerische Talent Vancouvers und "nur" Tim Thomas.

  • Mike am 10.06.2011 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Artikel

    Vielen Dank Herr Federer! Ich liebe Ihre Beiträge von Tag zu Tag mehr! Hoffentlich folgen noch weitere!