Falcons vs Funktionäre

30. März 2011 10:23; Akt: 30.03.2011 10:50 Print

Wie aus Naivität und Arroganz ein Skandal wird

von Klaus Zaugg - Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Hockeys wird einem Club der Aufstieg in die NLB verweigert. Wegen eines Formfehlers. Huttwil legt Rekurs ein.

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Huttwil Falcons: Meistertitel ja, Aufstieg nein. (Bild: sport-guide.ch)

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Die Fakten: Die Huttwil Falcons haben die Amateurmeisterschaft gewonnen und sind damit sportlich zum Aufstieg in die NLB berechtigt.

Fristgerecht reichen die Huttwil Falcons per Ende Februar das NLB-Aufstiegsgesuch beim Lizenz-Ausschuss der Liga ein. Mit einer Schlaumeierei allerdings: Bereits 2009 und 2010 hatten die Huttwiler das Gesuch mit allen Unterlagen eingereicht. Gemäss Präsident Heinz Krähenbühl kostete die Erarbeitung aller Unterlagen jeweils gut und gerne 3000 Franken. Also verzichtet er diesmal auf diese Unterlagen und gibt nur das Aufstiegsgesuch ein. Mit dem Vermerk, die vollständigen Unterlagen würden im Falle eines sportlichen Aufstieges nachgereicht.

Antrag auf Fristverlängerung

Per Brief, datiert mit 17. März, kommt der Bescheid vom Lizenzausschuss: Die Unterlagen seien per 23. März einzureichen. Heinz Krähenbühl bekommt den Brief am 21. März und stellt sogleich am 22. März ein Gesuch um Fristerstreckung für die Einreichung der Unterlagen um vier Wochen.

Am Montag, 28. März die Antwort des Lizenzausschusses: Antrag auf Fristverlängerung abgelehnt, Aufstiegsgesuch damit auch abgelehnt. Mit dem Hinweis, es gebe keine Rekursmöglichkeit.

Belanglose Ausrede

Den Huttwil Falcons wird also nicht aufgrund fehlender Infrastruktur oder Finanzen der sportlich erarbeitete Aufstieg verweigert. Sondern aufgrund eines Formfehlers. Enttäuschung, Entsetzen und Wut beim Aufsteiger.

Obwohl Liga-Manager Werner Augsburger behauptet, es gebe keine Rekursmöglichkeit, reichen die Huttwil Falcons nun Rekurs ein. Dies bestätigt Präsident Heinz Krähenbühl gegenüber 20 Minuten Online. Und damit wird es hoch interessant.

Erstens ist der Entscheid des Lizenz-Ausschusses, die Erstreckung zu verweigern gemäss Reglement rekurrierbar. Vom Rechtsgrundsatz her gibt es sowieso in solchen Verfahren keine unrekurrierbaren Entscheide. Ein hochrangiger Hockeyjurist hat gegenüber 20 Minuten Online nach Studium des Falles erklärt, dass ein Rekurs möglich ist und durchaus Chancen hat. Die Rekursinstanz besteht aus Verbands-Boss Philippe Gaydoul, Liga-Präsident Marc Furrer und Liga-Manager Werner Augsburger.

Zweitens hat sich die Lizenzkommission mit dem Vorgehen möglicherweise dem Vorwurf des «überspitzten Formalismus» ausgesetzt und wohl auch gegen Treu und Glauben verstossen: Es wäre die Pflicht gewesen, die Huttwiler sofort und nicht erst am 17. März auf das Versäumnis aufmerksam zu machen und die fehlenden Unterlagen einzufordern. Falcon-Präsident Heinz Krähenbühl konnte im guten Glauben davon ausgehen, dass sein Vorgehen akzeptiert wird. Liga-Manager Werner Augsburger – er gehört nicht dem Lizenz-Ausschuss an - rechtfertigt sich gegenüber 20 Minuten Online: «Der Lizenzausschuss besteht aus drei Personen und hatte 25 Gesuche auf dem Tisch. Es war uns wegen Arbeitsbelastung nicht möglich, früher zu reagieren.» Eine Ausrede, die juristisch keine Bedeutung hat.

Gesunder Menschenverstand zählt bei Formalitäten nicht

Und nun noch ein paar Zeilen Polemik: Die Huttwiler haben sportlich alles richtig gemacht. Aber die Wichtigkeit der Formalitäten hat Präsident Heinz Krähenbühl unterschätzt. Wer als selbstsicherer Neuling kommt und die Grossen frech herausfordert, muss doppelt und dreifach auf Formalitäten achten.

Dass der Aufstiegsfeier also nun ein juristischer Kater folgt, haben sich die Huttwiler selber zuzuschreiben. Sie zahlen im schlimmsten Sinne des Wortes Lehrgeld. Die Absicht, das Geld für ein vollständiges Gesuch erst bei einem Aufstieg auszugeben, ist vernünftig. Aber gesunder Menschenverstand zählt bei Formalitäten nicht. Schon gar nicht bei einem pfiffigen Liga-Frischling. Diese Naivität hat erst die Voraussetzungen für den Skandal geschaffen.

Ligamanager sollte Klubs dienen

Es geht hier eigentlich um ganz etwas anderes: Wenn der Aufstieg sportlich erreicht wird, wenn von so vielen Leuten so viel Herzblut ins Eishockey investiert wird, wenn gute Infrastrukturen vorhanden sind und plausible Finanzierungsmodelle vorliegen, dann ist es die Pflicht eines Liga-Gremiums, ein entsprechendes Gesuch seriös zu prüfen. Und sich nicht in juristische Wagenburgen zu verkriechen. Es geht schliesslich um Sport.

Die Arroganz der Liga-Apparatschiks, dieses listige Beharren auf juristisch möglicherweise nicht einmal haltbarem Formalismus, mahnt an das Gebaren der Politbüros im ehemaligen Ostblock. Ja, dieses Verhalten ist skandalös. Aus der Naivität der Huttwiler und der Arroganz der Funktionäre ist ein Skandal geworden. Ligamanager Werner Augsburger und seine Freunde erwecken in dieser Angelegenheit den Eindruck, Funktionäre zu sein, die vergessen haben, dass sie eigentlich dafür angestellt sind, den Klubs zu dienen. Und nicht umgekehrt. Ende der Polemik.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Schär am 14.06.2011 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schliessung Kunsteisbahn Huttwil

    Das M. Bösiger - trotz Formfehler - die 1. Mannschaft auslöst ist sportlich gesehen schon ein fragwürdiges Unternehmen. Dass jedoch die Eisbahn geschlossen wird und somit die Schulen, Eiskunstlauf und diverse andere Clubs welche seit Jahren in Huttwil Eis gemietet hatten auch davon betroffen sind kann ich nicht nachvollziehen. Möchte mal wissen wie sich M. Bösiger verhalten würde, wenn nach abgeschlossener Saisonvorbereitung alle Rennstrecken geschlossen würden. Ich gehe davon aus, dass M. Bösiger - im Sinne des Sportes - die Eishalle für den Winterbetrieb wieder öffnen wird.

  • Baumi16 am 30.03.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Das ist eine riesen Sauerei! Aber so kennen wir den Verband mit Mafia ähnlichen strukturen! Hoffentlich schaffen es die Falcons sich gegen diese "Machenschaften" des Verbandes durchzusetzen. Sportlich haben sie es verdient, alles andere ist regelbar.

  • Sven Faxe am 30.03.2011 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Klaus Zaugg

    Gut geschriebener Artikel

Die neusten Leser-Kommentare

  • André C. Weber am 15.06.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Warum spricht niemand vom Nachwuchs?

    Viele Beiträge wer denn nun recht hat und wer nicht. Ich meine es ging primär um einen Machtkampf. Huttwil inkl. Geschäftsführer wussten, dass der Aufstieg nur mit den Unterlagen möglich ist (gleicher Prozess wie im VJ) aber Herr Bösiger wollte trotz eingeschriebenen Mahnungen nicht!? Seine Reaktion: nebst seinem Spielzeug 1. Liga Team lässt er doch tatsächlich alle Kinder in den Nachwuchsteams und das Frauenteam (spielt übrigens in der NLB!) im Regen stehen. Dazu werden noch Vereinbarungen mit langjährigen Geschäftspartnern bzw. Eismietern nicht eingehalten. Warum spricht niemand davon?

  • Heinz Schär am 14.06.2011 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schliessung Kunsteisbahn Huttwil

    Das M. Bösiger - trotz Formfehler - die 1. Mannschaft auslöst ist sportlich gesehen schon ein fragwürdiges Unternehmen. Dass jedoch die Eisbahn geschlossen wird und somit die Schulen, Eiskunstlauf und diverse andere Clubs welche seit Jahren in Huttwil Eis gemietet hatten auch davon betroffen sind kann ich nicht nachvollziehen. Möchte mal wissen wie sich M. Bösiger verhalten würde, wenn nach abgeschlossener Saisonvorbereitung alle Rennstrecken geschlossen würden. Ich gehe davon aus, dass M. Bösiger - im Sinne des Sportes - die Eishalle für den Winterbetrieb wieder öffnen wird.

  • JohnDeere am 14.06.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Natürlich hätten die Falcons den Aufstieg sportlich verdient. Es ist aber nun mal ganz einfach so, dass zwischen der 1. Liga und der NLB ein gewisser Graben besteht, in der NLB spielen auch immer wie mehr Profi's. Nach dem Drama um Morges oder auch Neuchatel tun sich die Clubs gut daran, nicht jedes Team in die Liga aufzunehmen. Ist doch völlig berechtigt! Da betrachte ich die Ligaquali NLB/NLA als viel grösseren Skandal, da es sportlich unfair ist.

    • Hanspeter Ruch am 11.09.2011 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      Schande für den Verband

      Es ist eine Riesenschande !!!! des Verbandes, dass man einem Team das sich sportlich qualifiziert hat, keine Chance zur Nachreichung der Unterlagen gewährt. Dieses Pünzlitum gibt es wohl nur hier ! Es ist aber auch Schade, dass man dem Verband nicht die lange Nase zeigt und einfach 1 Jahr später aufsteigt, dieses Team hatte doch Potential und nach einem Jahr wäre der Ärger verrauchnet gewesen. Der Kanton Bern verliert somit eine schlagkräftige Konkurrenz, wenn auch auf engem Raum. Vielleicht schafft man doch noch mal die emotionale Hürde.....und ist gescheiter als der Verband.

    einklappen einklappen
  • Dani am 14.06.2011 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Selberschuld

    Die NLB ist längst keine Plauschliga mehr. Die Vereine schreiben hier im Gegensatz zur vielen NLA-Clubs schwarze Zahlen, die Zuschauerzahlen sind beachtlich, eine Liga mit vielen Derbys und interessanten Spielern. Die NLB hat aus ihren Fehlern. Das untransparente Verhalten der Falcons zeigt nur auf, dass sie etwas zu Verbergen haben. Zum Glück hält sich der Verband an die Reglemente und drückt nicht wieder ein Auge zu wie bei Neuenburg oder Morges.

  • toni am 14.06.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    ja sicher...

    es gab auch in der NLA schon Meister die Ihr Team beinahe auflösen mussten (z.B. scb)