«Time-out»

16. Februar 2011 16:09; Akt: 16.02.2011 16:28 Print

Winterthurs Rolle als «Hockey-Hollywood»

von Klaus Zaugg - Was bedeutet das «Projekt Winterthur» für unser Hockey? Die Nationalmannschaft wird nicht automatisch besser. Aber es ist ein riesiger Schritt vorwärts für den Sport.

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Die Schweizer Nati wird durch das «Hockey-Hollywood» in Winterthur nicht automatisch besser. (Bild: Keystone)

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Der Sport ist heute ein Teil der Unterhaltungsindustrie geworden. Das ist nicht neu und trotzdem haben nach wie vor nicht alle Sportarten (Sportverbände) aus dieser Einsicht die Konsequenzen gezogen. Um es trivial zu sagen: Die Filmindustrie wäre ohne die Konzentration der Kräfte in Hollywood nicht das geworden, was sie heute ist. Winterthur wird so gesehen zum Hollywood unseres Hockeys: Die Kräfte werden hier ab 2013 konzentriert.

Dadurch wird die Nationalmannschaft nicht automatisch besser. Die «Hockey Academy», an der es sozusagen Eishockey als 10. Schuljahr gibt, ist politisch klug, hat sportlich indes aber keine so grosse Bedeutung. Die Ausbildung der Spieler erfolgt nach wie vor bei den Klubs. Doch wenn es auch nur gelingt, durch die Akademie einen einzigen jungen Spieler pro Jahr besser zu machen, so ist der Zweck schon erfüllt.

Mehr Kraft für den Verband

Es gibt so gesehen keinen schnellen direkten sportlichen Nutzen durch das Projekt Winterthur. Dafür ist die indirekte Wirkung umso grösser. Ein Sportverband mit einer repräsentativen Residenz bekommt mehr Gewicht, mehr politische und damit auch mehr wirtschaftliche Kraft. Und das wiederum macht einen Sport langfristig besser. Kleider machen Leute und Häuser machen durchaus Verbände.

Bisher waren die Lehrgänge für die Nationalteams und die verschiedenen Büros übers ganze Land verstreut. Eine Zusammenfassung in Winterthur ist für unser Hockey ein riesiger Schritt vorwärts. Allerdings darf die räumliche Zusammenfassung nicht mit einer politischen Konzentration vermischt oder verwechselt werden. Für das Funktionieren des Eishockeys ist die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Liga (der NLA und der NLB) vom Verband so wichtig wie Trennung von Religion und Staat im wirklichen Leben. Genau das haben die Klubvertreter der NLA- und NLB-Teams in weiser Voraussicht erkannt. Sie haben das Projekt Winterthur einstimmig bewilligt – aber ebenso entschieden eine voreilige Zustimmung zum politischen Reformprojekt (die Zusammenlegung von Liga und Verband unter einem Superdirektor) verworfen.