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19. Februar 2011 16:21; Akt: 19.02.2011 16:59 Print

Yannick Webers Aufstieg

von Jürg Federer, USA - Yannick Weber ist der verlässlichste Verteidiger der Montreal Canadiens. Wer hätte das zu Saisonbeginn gedacht?

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Yannick Weber ist momentan nicht zu stoppen.

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Über 27 Minuten hat Montreal-Headcoach Jacques Martin den Berner Verteidiger Yannick Weber am Donnerstag im Auswärtsspiel gegen die Edmonton Oilers eingesetzt. Das sind sieben Minuten mehr als sein bisheriger Rekord von gut 20 Minuten in den Spielen gegen Atlanta vom 2. Januar 2011 und gegen die New York Rangers vom 5. Februar 2011. Dabei hat Weber zum Saisonbeginn im Oktober noch keine Rolle in der Teamplanung der Canadiens gespielt, er musste die Saison bei den Hamilton Bulldogs in der AHL beginnen. Seit seinem Call-up in die NHL vom 18. November hat Weber bei den Montreal Canadiens die Gunst der Stunde genutzt.

Es bedurfte dem Ausfall von Starverteidiger Andrei Markov (Saisonende), bis Weber überhaupt mit den Grossen trainieren durfte. In zwei Spielen wurde er als Stürmer eingesetzt, nach einer teaminternen Disziplinarmassnahme gegen Jungverteidiger P.K. Subban durfte er sein Können als Verteidiger unter Beweis stellen. In seinem ersten Spiel in der Abwehr Montreals gelang ihm ein Assistpunkt, zwei Tage später stand er bereits bei drei Treffern seines Teams auf dem Eis. Kurz darauf erlaubten ihm die Montreal Canadiens, eine Wohnung in der Stadt am Lorenzstrom zu beziehen. Das definitive Zeichen, dass Montreal auf den Schweizer baut (20 Minuten Online berichtete). Zu Jahresbeginn fiel Montreal-Verteidiger Josh Gorges für den Rest der Saison aus, Weber stieg in der Verteidigerhierarchie der Canadiens um eine weitere Position auf.

Die beste Bilanz aller Feldspieler

Seither ist Weber der verlässlichste Verteidiger Montreals. Er erzielt zwar nicht so viele Skorerpunkte wie Roman Hamrlik (Weber 10 Punkte, Hamrlik 26), doch Webers Kernkompetenz ist das Verteidigen und nicht das Stürmen. Er fällt nicht so auf wie Jungverteidiger P.K. Subban, der auf dem Eis die Gegner provoziert und neben dem Eis die PR-Abteilung der Organisation mit teils unkontrollierten Provokationen auf Trab hält. Doch Weber sitzt auch nicht annähernd so oft auf der Strafbank wie Subban (Weber 10 Strafminuten, Subban 86). Weber (17:30 Eiszeit), spielt auch nicht so viel James Wisniewski (22:50), doch er steht auch bei deutlich weniger Gegentoren auf dem Eis als der Marathonmann der Montreal Canadiens. Im Monat Januar führte er das gesamte Team mit einer persönlichen Plus/Minus-Bilanz von +5 an. Trotz sechs Niederlagen in elf Spielen.

Trotz Niederlage im positiven Bereich

Im Monat Februar sind in Montreal noch die Verteidiger Hal Gill, Jaroslav Spacek und James Wisniewski ausgefallen. Das Team verhalf sich in der Not mit dem Transfer von Paul Mara von den Anaheim Ducks. Das Geschäft entlastet in Anaheim den Schweizer Verteidiger Luca Sbisa, der nach dem Zuzug von Francois Beauchemin aus Toronto kurzzeitig eine Position in der Verteidigerhierarchie eingebüsst hat. Doch der Zuzug von Mara setzt Yannick Weber in Montreal nicht mehr unter Druck. Weber ist nicht nur einer der verbleibenden sechs Verteidiger im Kader von Montreal, sondern er ist der verlässlichste Abwehrspieler des gesamten Teams. So auch am Donnerstag, als er von Headcoach Jacques Martin über 27 Minuten eingesetzt wurde. Weber war dabei der einzige Montreal-Verteidiger, der die Partie zu Ende gespielt hat, und das Eis trotz 1:4-Niederlage mit einer ausgeglichenen Bilanz verliess. Sein ehemaliger Hamilton-Teamkollege, P.K. Subban, stand bei drei der vier Gegentreffer auf dem Eis.

Wegen seiner spärlichen NHL-Einsätze in den ersten zwei Jahren seines Dreijahresvertrages mit Montreal gilt Weber, wie P.K. Subban, noch als NHL-Rookie. Doch während P.K. Subban in 54 Spielen eine persönliche Bilanz von -6 ausweist, steht Yannick Weber nach 30 Partien mit +5 zu Buche. Nach dem Ausfall von Jaroslav Spacek ist das der beste Wert aller Verteidiger der Montreal Canadiens. Und im Vergleich mit allen Rookie-Verteidigern der NHL steht Yannick Weber in der Plus/Minus-Wertung auf dem 8. Rang aller 56 Jungverteidiger der Liga. Teamkollege und Verteidigerkonkurrent P.K. Subban belegt in dieser Wertung den 54. Rang.