Champions Hockey League

03. Dezember 2008 00:05; Akt: 04.12.2008 06:23 Print

ZSC Lions beweisen internationales Format

Die Sensation ist perfekt, die ZSC Lions schaffen den grossen Coup und qualifizieren sich mit einem überzeugenden 5:1 Auswärtssieg gegen Slavia Prag für die Halbfinals in der Champions Hockey League. Dort warten die Espoo Blues aus Finnland.

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Mit einem Doppelschlag innerhalb von 38 Sekunden (47./48.) zum 3:1 erarbeiteten sich die ZSC Lions das sportlich wohl wertvollste Ergebnis einer Schweizer Mannschaft in einem internationalen Wettbewerb. Die Top 4 der Saison 2008/09 bilden mit den russischen Teams Salawat Julajew Ufa und Metallurg Magnitogorsk die finanz-und spielstärksten Mannschaften des Kontinents, dazu kommen die Espoo Blues als Sieger der Gruppe B mit dem SC Bern und eben die Lions. Die Halbfinal-Partien finden am 10. Dezember wegen andersweitiger Belegung des Hallenstadions in Rapperswil-Jona und am 7. Januar 2009 in Finnland statt.


Schnelle Doublette

Ryan Gardner stellte in der nicht einmal halb gefüllten Prager O2-Arena mit dem 2:1 den Spielverlauf völlig auf den Kopf. Der Kanadier mit Schweizer Lizenz nützte bei seinem dritten Tor des Wettbewerbs in der 47. Minute einen katastrophalen Stellungsfehler von Slavia-Goalie Adam Svoboda, der sich viel zu langsam seitlich verschob. Der Führungstreffer der Zürcher lähmte das zuvor klar dominante Heimteam offensichtlich. Denn etwas mehr als eine halbe Minute später schloss Jan Alston eine sehenswerte Kombination in Goalgetter-Manier direkt ab. Die weiteren Treffer durch die Doppeltorschützen Gardner und Alston in den letzten 144 Sekunden waren Zugabe, Slavia hatte sich längst aufgegeben.

«Schuld daran» trug das laut Trainer Sean Simpson stärkste ZSC- Abschnitt der Saison. «Unser Forechecking funktionierte im Schlussdrittel einwandfrei, wir hielten den Druck von unserem Tor fern und erzielten drei Kontertore», freute sich der Kanadier. Simpson wusste in der Stunde des Erfolgs, bei wem er sich primär zu bedanken hatte. «Sulander hielt uns im Mitteldrittel mit seinen Paraden im Spiel. Dank ihm stand es nur 1:1, wir hätten zurückliegen können, nicht nur mit einem Tor...» 34:14 lautete das Schussverhältnis nach 40 Minuten, nur einmal hatte sich Sulander bezwingen lassen müssen.


Starker Sulander

Im vierten Europacup-Einsatz der Saison waren die ZSC Lions erstmals in Führung gegangen. Jean-Guy Trudels Schuss, der vom hinteren Teil des Gehäuses wieder hinausprallte, zwang das deutsche Schiedsrichterduo in der 15. Minute dazu, seinen Entscheid mit Hilfe des TV-Bildschirms zu verifizieren. Das 0:1 nahm Slavia wie ein hart getroffener Boxer hin: Es schüttelte sich einmal kräftig und setzte seine starken Angriffsbemühungen schon wenig später fort.

Das Pech der Prager war, dass zum einen ZSC-Goalie Ari Sulander einen wunderbaren Abend einzog und dazu die Lions vorab im Boxplay einen starken Eindruck hinterliessen. Diese bekundeten ab und zu zwar Glück, meisterten die fünf Unterzahl-Situationen aber meisterlich. Sulander, der wie gewohnt in der Champions League seinem jungen Nachfolger Lukas Flüeler vorgezogen wurde, konnte sich zu keiner Phase der Partie über Arbeitsmangel beklagen.

Der bald 40-jährige Finne stoppte (gewohnt) stoisch und zuverlässig sämtliche Abschlussversuche der permanent anrennenden Tschechen. Seine Klasse bewies «Sulo» gegen Micka (16./30./45.) oder Cervenka (24.) mit teils sensationellen Paraden mehrfach. Am Ende hatte Sulander 51 Paraden auf seinem Konto stehen. Einzig in der 37. Minute musste er hinter sich greifen. Bezeichnenderweise war Petr Jelineks zwischenzeitlicher Ausgleich ein «Ablenker».

Von Jaroslav Bednar, dem angeschlagenen Slavia-Topskorer, der im Hinspiel fünf Mal (vier Mal davon im Penaltyschiessen) getroffen hatte, ging diesmal weniger Gefahr aus. «Heute hätte er Sulander im Penaltyschiessen ohnehin nicht bezwungen», war ZSC-Trainer Simpson überzeugt. Simpsons Aussage blieb die einzige hypothetische Frage des Abends. Jene nach dem Erreichen des Halbfinals hatte seine Mannschaft auf grossartige Weise beantwortet.


Starke Leistung der Espoo Blues

Die ZSC Lions sind für die Halbfinals der Champions League gewarnt: Die Espoo Blues gewannen das letzte, allerdings bedeutungslose Spiel in der Gruppe B auswärts gegen HV71 Jönköping gleich mit 6:0.
Espoo setzte sich in der «Berner» Gruppe damit mit 12 Punkten deutlich durch. HV71 kommt wie Bern auf drei Zähler. Wegen des schlechteren Torverhältnisses in den Direktbegegnungen klassieren sich die Schweden in der Tabelle vor dem SCB.

Auch in den beiden anderen Gruppen hatten die (russischen) Halbfinalisten bereits vor der letzten Runde festgestanden. Während sich Salawat Julajew Ufa mit einem 8:2-Sieg gegen Slovan Braislava für die Halbfinals einschoss, erlitt Metallurg Magnitogorsk in Berlin vor 13 500 Zuschauern eine 1:2-Niederlage.


Champions League, Gruppe D

Slavia Prag - ZSC Lions 1:5 (0:1,1:0,0:4)
OS-Arena. - Zuschauer. - SR Schimm/Schütz (De), Kaspar/Winnekens (Ö/De)
Tore: 15. Trudel (Pittis, Alston/Ausschluss Kolarik) 0:1. 37. Jelinek (Kadlec) 1:1. 47. (46:51) Gardner (Wichser, Monnet) 1:2. 48. (47:29) Alston (Bastl, Seger) 1:3. 58. Gardner (Sejna, Suchy) 1:4. 60. Alston (Trudel) 1:5.
Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Slavia Prag, 5mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions.
Slavia Prag: Svoboda; Kadlec, Vasicek; Novak, Drtina; Kolarik, Zizka; Sloboda; Hruska, Beranek, Vondrka; Bednar, Cervenka, Tomica; Cermak, Jelinek, Kraft; Dolezal, Micka, Ruzicka; Sklenar.
ZSC Lions: Sulander; Blindenbacher, Suchy; Cadonau, Seger; Geering, Schelling; Gardner, Wichser, Sejna; Bühler, Pittis, Trudel; Bastl, Monnet, Alston; Aurelio Lemm, Down, Grauwiler.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Forster, Kamber, Stoffel (alle verletzt) und Krutow (krank). - 57. Pfostenschuss Hruska.

LIVE-TICKER

60. Das Spiel ist aus, die ZSC Lions schaffen den Coup und qualifizieren sich mit einer überzeugenden Darbietung für die Halbfinals in der Champions Hockey League - Chapeau!

60. Tor für die Lions! Auch Alston hält sich heute Abend nicht zurück und triff zum zweiten Mal - 1:5, die Messe ist gelesen.

58. Tor für die Lions! Wieder trifft Gardner und sorgt mit dem 1:4 für die Entscheidung.

58. Die Lions sind wieder komplett, noch knapp drei Minuten...

57. Hektik vor Sulander, der zuerst einen Schuss abwehrt, der anschliessende Nachschuss landet am Aussenpfosten. Glück gehabt ZSC!

56. Strafe gegen die Lions, Blindenbacher mit zu hohem Stock, jetzt gehts nochmal rund vor Sulander.

54. Slavia zeigt sich nach den zwei Gegentreffern innert 40 Sekunden beeindruckt und hat den Faden so ziemlich verloren.

50. Noch müssen die Lions zehn Minuten überstehen, dann steht der Einzug in die Halbfinals fest. Die ZSC-Fans dürfen schon mal träumen.

48. Tor für die Lions! Kaum wieder angepfiffen, bezwingt Alston nach Zuspiel von Bastl Slavia-Hüter Svoboda zum 1:3, das könnte die Vorentscheidung gewesen sein.

47. Tor für die ZSC Lions! Gardner erwischt den für einmal indisponierten Svoboda mit einem Weitschuss und bringt den ZSC wieder in Führung.

43. Kein Zentimeter wird dem Gegner geschenkt, die ZSC Lions kommen durch Pittis zum Abschluss, aber Svoboda im Slavia-Tor ist auf der Höhe und wehrt ab.

41. Das dritte Drittel beginnt. Jetzt gilts ernst, die letzten Kräfte müssen mobilisiert werden.

40. Pausenpfiff in Prag - 1:1 nach 40 Minuten. Die Zürcher mussten sich dem Druck der Tschechen beugen und kassierten kurz vor Drittelsende den Ausgleich. Die Zürcher wehrten sich nach Kräften, aber gegen den Ablenker von Jelinek konnte Sulander nichts ausrichten. Der dritte Abschnitt verspricht viel Spannung und energiegeladene Zuschauer.

38. Slavia will gleich noch einen drauflegen, mit den laufstarken Fans im Rücken greifen sie weiterhin an und erzeugen enormen Druck aufs Zürcher Gehäuse.

37. Tor für Slavia! Der Jubel ist gross bei den tschechischen Fans, Jelinek lenkt den Schuss von Kadlec vor Sulander noch ab, der Ausgleich ist perfekt.

34. Der ZSC ist wieder komplett, dafür kassieren die Tschechen eine 2 Minuten Strafe, Zeit und Gelegenheit für die Zürcher, wieder mal etwas durchzuschnaufen und eventuell noch ein zweites Tor vorzulegen.

32. Erneute Strafe gegen die Lions, Schelling erwischt es diesmal, der Druck der Prager lässt nicht nach, die Zürcher kommen momentan kaum zur Entlastung. Aber Sulander ist nach wie vor unbezwingbar.

29. Bastl provoziert das erste kleine Gerangel, das sich aber schnell wieder in nichts auflöst, keine Strafen, weiter gehts.

27. Die Lions überstehen die Unterzahl schadlos, Lemm wieder zurück auf dem Eis. Der Druck der Gastgeber nimmt aber mit jeder Minute zu, das Team von Simpson wird heute wirklich auf die Probe gestellt.

25. Nun aber wieder Powerplay für Slavia, Lemm wandert für 2 Minuten wegen Stockschlags, was wieder Alarmstufe 1 für den ZSC bedeutet.

22. Strafe gegen Slavia, Tomica reisst Seger um, erneute Überzahl für die Gäste. Die Lions sind bemüht, aber Slavia macht die Räume eng und kommt seinerseits zu einer Chance, Sulander ist aber zur Stelle und rettet mirakulös.

21. Die Spieler sind zurück auf dem Eis, das Mitteldrittel beginnt.

20. Pausenpfiff, das erste Drittel geht an die ZSC Lions und das völlig verdient. Sulander war souverän, die Defensive höchst konzentriert, Trudel der Effizienteste auf dem Eis.

17. Blindenbacher kassiert eine 2 Minuten Strafe, sein Befreiungsschlag landet neben der Bande. Aber die Prager machen nichts aus der Überzahl, konnten sich nicht mal vor Sulander formieren.

15. Tor für die Lions! Die ZSC-Spieler jubeln, Trudel zog den Hammer raus, der Puck landet im hohen Eck. Der Schiri muss zwar noch die Kamera bemühen, der Fall ist aber klar. Die Lions reissen somit die Führung an sich.

13. Gardner provoziert eine Strafe für Kolarik, die Lions dürfen das zweite Mal in Überzahl spielen.

10. Die Tempo ist hoch, die beiden Teams spielen von Beginn weg sehr körperbetont, vor allem die Zürcher, Slavia mit der etwas feineren Klinge am Werk.

9. Slavia Prag macht mächtig Druck in Überzahl, bringen den ZSC in Verlegenheit, aber Sulander steht wie eine Eins im Kasten.

7. Gardner kassiert wegen Zeitspiels die erste Strafe gegen den Z. Jetzt heisst es aufpassen für die Zürcher Defensive.

5. Alston bedient Monnet, dessen Schuss aber noch im letzten Moment abgeblock werden kann. Die Lions verstecken sich nicht, suchen das Glück in der Offensive.

4. Die Lions können sich in Überzahl nicht in Szene setzen, ausser einem Schuss von Seger geht kaum Gefahr von den Zürchern aus.

2. Erste Strafe der Partie, Zizka kassiert nach Foul an Bastl die ersten 2 Minuten.

1. Gleich von Anpfiff weg, gehen die Akteure ein hohes Tempo, Sejna bringt den ersten Schuss aufs Slavia-Tor.

1. Anpfiff zum 1. Drittel, Headschiedsrichter Schimm aus Deutschland gibt den Puck frei.

- Vor dem Anpfiff werden noch die Nationalhymnen abgespielt, dann kanns losgehen.

- Die Akteure kommen auf Eis, zeigen sich den Fans bei der Vorstellung für einmal ohne Helm.

- Bei den Gastgebern wurde der gefürchtete Slavia-Skorer Bednar fitgespritzt, das unterstreicht den Stellenwert des Wettbewerbs.

- Das Spiel in Prag beginnt in Kürze, das Eis in der o2-Arena hat nordamerikanische Dimensionen, ist also kleiner als in der heimischen National League A.

20 Minuten Online berichtet ab 19.30 Uhr live von der Partie Slavia Prag - ZSC Lions.


Champions League, Gruppen A - C

Salawat Julajew Ufa - Slovan Bratislava 8:2 (1:1, 4:1, 3:0)
Ufa Arena. - 8292 Zuschauer. - SR Larking/Sjöberg (Sd), Dahmen/Säbelström (Sd).
Tore: 4. Medwedew (Proschkin, Radulow/Ausschluss Vaic) 1:0. 7. Hujsa (Kulha, Hruska) 1:1. 25. (24:27) Vaic (Lazo, Kropac) 1:2. 25. (24:52) Sidjakin 2:2. 27. Mikeska (Antipow, Kutejkin/Ausschluss Lazo) 3:2. 30. (29:19) Pereschogin (Radulow, Medwedev/Ausschluss Kukumberg) 4:2. 31. (30:50) Sidjakin (Nurtdinow) 5:2. 53. Taratuchin (Twerdowski, Nurtdinow) 6:2. 55. Cermak 7:2. 58. Kutekin (Mikeska/Ausschlüsse Bacek, Devecka) 8:2.

HV71 Jönköping - Espoo Blues 0:6 (0:3, 0:1, 0:2)
Kinnarps Arena. - 5028 Zuschauer. - SR Homola/Sindler (Tsch), Blumel/Pouzar (Tsch).
Tore: 8. Ryhänen (Alanko, Kuoppala/Ausschluss Torp) 0:1. 12. Lostedt (Kurki) 0:2. 16. Ryhänen (Lammassaari, Rönnberg) 0:3. 29. Konttinen (Ryhänen, Ville Lajunen/Ausschlüsse Laine, Melin) 0:4. 44. Jani Lajunen 0:5. 49. Konttinen (Rajamäki/Ausschluss Angell) 0:6.
Strafen: 13mal 2 plus 5 Minuten (Thornberg) plus Spieldauer (Thornberg) gegen HV71 Jönköping, 7mal 2 plus 5 (Lostedt) plus 10 Minuten (Rajamäki) plus Spieldauer (Lostedt) gegen Espoo Blues.

Eisbären Berlin - Metallurg Magnitogorsk 2:1 (1:0, 1:1, 0:0)
O2 World. - 13 500 Zuschauer. - SR Kubus/Orszag (Slk), Gajan/Orolin (Slk).
Tore: 20. (19:13) Roach (Busch) 1:0. 27. Pederson (Baxmann) 2:0. 30. Rolinek (Kudrna, Marek/Ausschluss Weiss) 2:1.
Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Eisbären Berlin, 3mal 2 Minuten gegen Metallurg Magnitogorsk.


Halbfinals:
ZSC Lions - Espoo Blues
Metallurg Magnitogorsk - Salawat Julajew Ufa

Hinspiel am Mittwoch, 10. Dezember in Rapperswil, Rückspiel am Mittwoch, 7. Januar 2009.

Final: 21./28. Januar.


(sda)