Lions auf Abwegen

13. Februar 2019 15:32; Akt: 13.02.2019 15:32 Print

Zerstört Arno Del Curto beim ZSC sein Denkmal?

von Marcel Allemann - In Zürich geht es derzeit um mehr als die Playoff-Qualifikation. Um viel mehr.

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Noch liegen die ZSC Lions über dem Strich. Noch hat es der Titelverteidiger in den eigenen Händen, die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Noch können die Zürcher sogar Meister werden. Doch die letzten Spiele verliefen für den Zett alarmierend. Wer in der entscheidenden Phase der Qualifikation mit 1:4 bei Schlusslicht Rappi verliert (1. Februar) und sich dann auch noch vor eigenem Anhang gegen Servette mit demselben Resultat (12. Februar) blamiert, hat im Playoff eigentlich nichts verloren.

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Was erreicht Arno Del Curto mit den ZSC Lions?

Am 14. Januar wurde bei den ZSC Lions Serge Aubin als Trainer entlassen. Ohne Not, wurde doch in fünf der sechs ersten Spiele im neuen Jahr gepunktet. Sportchef Sven Leuenberger bemängelte, dass die Handschrift des Kanadiers noch immer nicht zu erkennen sei. Das Leben und die Emotionen der Mannschaft würden fehlen.

Vor Del Curto 7 Punkte Vorsprung auf Lugano

Die Zürcher lagen damals auf Rang 6, nun sind sie auf Position 7. Ihre Reserve auf den Strich betrug damals 3 Zähler, inzwischen sind sie vom neuntklassierten Servette eingeholt worden. Als Aubin gehen musste, hatte der ZSC auf das auf Rang 10 liegende Lugano einen stolzen Vorsprung von 7 Punkten, nun ist es noch ein Zähler und nach Verlustpunkten (Lugano hat ein Spiel weniger) liegen die Zürcher bereits hinter den Tessinern. Die Fakten sprechen bis jetzt nicht für diesen Trainerwechsel.

Als Kulttrainer Arno Del Curto am 14. Januar übernahm, war die Euphorie zunächst grenzenlos. Wie ein Popstar wurde er beim ersten Heimspiel im Hallenstadion empfangen. Es gab unter anderem Willkommens-Spruchbänder, eigens angefertigte Arno-T-Shirts und einen Arno-Werbebanner eines Hauptsponsors. Und zunächst waren auch die Resultate ganz okay. Es gab unter anderem ein 4:1 gegen die SCL Tigers, ein 4:3 nach Verlängerung gegen Zug und ein 3:1 gegen Ambri.

«Es gilt nun, die richtigen Knöpfe zu drücken»

Doch seit die Zürcher am 29. Januar gegen Lausanne in der Schlussminute eine 3:2-Führung herschenkten und noch mit 3:4 nach Verlängerung verloren, ist der Wurm drin. Vier Niederlagen haben sich inzwischen aneinandergereiht. Die Mannschaft wirkt verkrampft und verunsichert. Emotionen sind höchstens in Form von dummen Strafen zu sehen. Und auch spielerisch traten die Lions am Dienstag gegen Servette miserabel auf. Vom hochgepriesenen, powervollen «Arno-Hockey» sehen die Fans derzeit nichts. Ihr Team schiesst auch praktisch keine Tore. Gerade mal zwei waren es in den letzten 180 Minuten!

«Es ist eine mentale Sache», ist sich Arno Del Curto sicher, es gelte nun, die richtigen Knöpfe zu drücken. Er will dabei aufbauend arbeiten. Denn die Köpfe seiner Spieler sind derzeit enorm gefordert. Sie müssen mitten in der Saison ein neues System erlernen und erhalten dabei durch Del Curto und seinen zwei Assistenztrainern Michael Liniger und Mathias Seger permanent Inputs von drei Personen. Gleichzeitig spüren sie im Nacken den Strich, der immer heftiger von hinten drückt, während das Selbstvertrauen durch die Niederlagen immer kleiner wird. Da ist es menschlich, dass den Spielern fast der Kopf explodieren muss und es ist auch eine Erklärung dafür, dass derzeit kaum einer seine Normalform erreicht.

Del Curto überlegt sich nun, einen Schritt zurück zu machen und seine Mannschaft am Wochenende gegen Biel und Bern defensiver auftreten zu lassen, um zumindest Stabilität zurückzugewinnen. «Wir werden es uns anschauen», sagt er. Del Curto sieht diese beiden Partien gegen zwei momentan wesentlich höher eingestufte Teams aber auch als grosse Chance: «Vielleicht spielt man in solchen Spielen freier auf, ähnlich wie Servette bei uns.»

Del Curto spielt nun auch um seinen Ruf

Es steht viel auf dem Spiel. Nicht nur für die ZSC Lions, sondern auch für Del Curto selbst. Der 62-jährige Engadiner ist der grösste Schweizer Trainer aller Zeiten, führte den HC Davos zu sechs Meistertiteln und prägte in dieser Zeit die Karrieren von vielen grossen Spielern. Er ist eine Ikone, die trotz all seiner Erfolge stets authentisch sowie natürlich geblieben und deshalb so beliebt ist.

Beim HC Davos verpasste ADC seinen Abgang um mindestens ein bis zwei Jahre. Das sagt er selbst. Dadurch bekam sein Denkmal einige Kratzer. Doch verpasst Del Curto nun mit diesem hoch dekorierten Team das Playoff, wird in Zürich sein Denkmal zerstört, wird der Bündner danach «nur» noch ein gewöhnlicher Trainer mit einem schönen Leistungsausweis in früheren Jahren sein. Somit geht es derzeit auch um Denkmalschutz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Captain Hindsight am 13.02.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Där Z

    ADC muss niemandem etwas beweisen. Aber was der Z im Moment für sein Budget liefert, das ist schwach.

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  • Andy am 13.02.2019 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zett im Dilema

    Wenn die Spieler offensichtlich nicht mehr wissen was zu tun ist, nützt der beste Trainer nichts.

  • dr Bärner am 13.02.2019 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Rekord!

    Arno wird der erste sein der zwei Klubs in einer Saison in die Playouts gebracht hat..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Benno am 14.02.2019 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Agglo-Neid

    Für jeden anderen Hockey Club der Schweiz kann man fanen, nicht aber für diesen faden ZSC. Als Zürisee-Anwohner schlägt mein Herz deutlich stärker für Rappi und für den EV Zug als für den Z. Warum das so ist, ist schwierig zu sagen, es ist wohl der Neid des Agglo-Bewohners gegenüber der zu gross und zu mächtig gefühlten Stadt Zürich....

    • Hödchgässler am 14.02.2019 21:51 Report Diesen Beitrag melden

      In einem kleinen Kaff wie Zug......

      oder Davos oder Rapperswil-Jona ist halt sonst nicht viel los, da hat der lokale Eishockeyclub einen ganz anderen Stellenwert als in der Grossstadt Zürich. In den kleineren Orten sind einfach ALLE Fans und besuchen die Heimspiele, wenn der Club vorne mitspielt, wohingegen in Zürich primär die echten Hockey-Liebhaber und ZSC Fans ihrem Team die Stange halten.

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  • Groggi am 14.02.2019 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn

    die Spieler. iChat sind ist nicht der Trainer schuld. Aber das nennt man Sport. Ein Heuler.

  • EGAL am 14.02.2019 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlecht gepokert

    Def Zätt hätte lieber von Anfang mit Kossmann weitergemacht aber nein er wird durch 2 Loosers ersetzt, den Rest wissen wir! mag diesen Misserfolg der Chefetage von Herzen gönnen, selber Schuld!

    • Achmed am 14.02.2019 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @EGAL

      Sind eher die Spieler vom Z die losers sind!

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  • Hobbit am 14.02.2019 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwenig Zeit

    Um das Power-Hockey von AdC umsetzen zu können, braucht es eine gesamte Saison-Vorbereitung und kann sicher nicht als Feuerwehr-Übung umgesetzt werden.

  • Hotwith am 14.02.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und jetzt

    ehrlich was anders hätte mich echt überrascht.

    • Engadin am 14.02.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      Sportchef

      Der Sportchef (Leuenberger) kann nur teure Spieler holen, aber keine Mannschaft zusammenstellen.

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