Reto Ziegler

23. März 2011 23:50; Akt: 23.03.2011 23:53 Print

«Auch die Bulgaren müssen gewinnen»

von S. Compagno und E. Tedesco - Mit seinem Klub Sampdoria steckt Reto Ziegler im Tief. In der Nati ist er unverzichtbar. Im Interview spricht der Linksaussen über Druck, Bulgarien und Kubilay Türkyilmaz.

storybild

Reto Ziegler erwartet gegen Bulgarien ein schwieriges Spiel. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Reto Ziegler, was für ein Spiel erwarten Sie am Samstag in Sofia?
Reto Ziegler:
Ich erwarte ein schwieriges und sehr kampfbetontes Spiel. Nicht nur wir, sondern auch die Bulgaren müssen unbedingt gewinnen. Wir wollen Risiken eingehen und offensive Akzente setzen, wir werden aber sicher keinen «Achtung, fertig, los»-Fussball spielen, sondern uns intelligent verhalten. Auswärts zu gewinnen ist nie einfach. Aber wir werden sicher Druck machen und offensiv auf den Platz gehen.

Umfrage
SInd Sie vom Schweizer Abschneiden in Bulgarien enttäuscht?
88 %
12 %
Insgesamt 223 Teilnehmer

Stichwort Druck: Der Druck auf der Nati ist gross. Schon ein Unentschieden ist zu wenig.
Das gehört dazu. Als Fussball-Profis spüren wir jedes Wochenende Druck. Und ich bin sicher, dass Druck auch dabei hilft, bessere Leistungen abzurufen.

Noch bessere Leistungen als im Test gegen Malta, wo die Nati ohne Druck 0:0 spielte?
Die Leistung in Malta war sicher nicht gut. Aber es war nur ein Test. In den letzten paar Spielen mit der Nati hatten wir immer zwei, drei Chancen. Wichtig ist, dass wir diese auch nutzen.

Zum Bulgarien-Spiel: Sie könnten es auf Ihrer Seite mit Georgi Peev von Amkar Perm in Russland zu tun bekommen. Kennen Sie Ihren Gegenspieler?
Der Name sagt mir nichts, wir haben die Bulgaren bisher noch nicht analysiert. Aber ich habe ja noch einige Tage Zeit, um ihn kennenzulernen.

Wie wichtig ist es für Sie, Ihren Gegenspieler gut zu kennen?
Es hilft. Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, ob er Rechts- oder Linksfüsser ist. Aber hier in der Nati werden wir immer sehr gut über die Gegner informiert.

Mit Sampdoria Genua befinden Sie sich in einer Negativspirale. Beeinträchtigt das Ihr Selbstvertrauen?
Natürlich ist es unangenehm, wenn es im Klub schlecht läuft. Aber persönlich habe ich die Leistung immer gebracht. Ich bin bei Sampdoria der Spieler mit den meisten Einsatzminuten. Das ist doch auch schon etwas.

Kubilay Türkyilmaz hat kürzlich in seiner Kolumne im «Blick» geschrieben, dass die grosse Anzahl der Schweizer, die in der Serie A einen Stammplatz haben, nicht für die Qualität des italienischen Fussballs spreche. Wie sehen Sie das?
Kubi war ein sehr grosser Spieler und ich war immer ein Fan von ihm. Ich möchte keine Polemik entfachen, aber hier liegt Kubi falsch. Die Serie A ist immer noch eine der besten Ligen der Welt.

Sie haben ja auch schon in England und Deutschland gespielt. Sie können doch vergleichen!
Es ist ein anderer Fussball. In England ist das Spiel sicher schneller. Aber man sieht viel mehr Fehlpässe und auch taktische Unzulänglichkeiten. In Italien wird extrem auf Taktik geachtet: Wenn du dort einen Fehlpass spielst und dann auch noch schlecht stehst, dann bist du im nächsten Spiel nur Zuschauer. Es ist sicher eine Meisterschaft für technisch wie taktisch geschulte und intelligente Spieler. Das wirkt von aussen vielleicht etwas weniger attraktiv – und hier kann ich Kubi verstehen – aber auf dem Platz ist es dennoch hart.

Dafür wird in Italien weniger gerannt als in Deutschland und England.
Auch wir laufen viel und vor allem intelligenter als beispielsweise in England.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus? Es heisst, im Sommer verabschieden Sie sich in Richtung Lazio Rom?
Ich möchte nicht über meine Zukunft sprechen. Ich bin jetzt in der Nati, meine Konzentration gilt dem Bulgarien-Spiel.