Vor dem England-Knüller

02. Juni 2011 13:02; Akt: 02.06.2011 13:05 Print

«Aufgeben? Nein, warum auch?»

von Eva Tedesco - Trotz dem Trubel um seine Unterschrift bei Juventus Turin liegt Reto Zieglers Fokus bei der Nati und beim England-Spiel vom Samstag. Der 25-Jährige glaubt an das Unmögliche.

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Verteidiger Reto Ziegler hat vor dem Einrücken zur Nationalmannschaft einen Vertrag bei Juventus Turin unterschrieben. (Keystone/AP)

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Die Fans in Freienbach sind begeistert und können nicht genug davon kriegen, sich mit Reto Ziegler fotografieren zu lassen. «Forza Juve» und «Grande Juve» Zurufe begleiten den Nati-Verteidiger beim Schreiben von Autogrammen. Der Wechsel von Sampdoria zur alten Dame hat den Genfer in neue Dimensionen katapultiert. Jetzt klingt in jeder Bemerkung auch Respekt mit.

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Seit 2003 hat Juve zwar den Scudetto nicht mehr gewonnen und musste nach dem Calcio-Gate eine Saison in der Serie B darben – dem Ruf des Rekordmeisters hat das nichts anhaben können. Juve ist nach wie vor eine hervorragende Adresse im Calcio. In ihrer 114-jährigen Vereinsgeschichte hat die «Vecchia Signora» 27 Meistertitel (2005 und 2006 wurden nachträglich aberkannt), 1996 die Champions League und 1985 den Meistercup gewonnen.

Bald mit Toni, Del Piero und Co. in einem Team

Trainiert wird Ziegler in der kommenden Saison von Andrea Conte, der die Juve-Legende Luigi Delneri ablöst. Neben Andrea Pirlo, dem zweiten Neuzugang bisher, wird der Genfer mit Stars wie Toni, Buffon, Grosso, Del Piero, Iaquinta und Quagliarella zusammenspielen. Bedenken, dass er mit den Superstars nicht mithalten kann, hat Ziegler nicht. Nach dreieinhalb Jahren bei der «Samp» hat er gelernt, sich durchzusetzen. Überhaupt bringt er mit 25 Jahren viel Erfahrung mit. Die Serie A ist bereits die dritte ausländische Liga, in der Ziegler Erfahrungen sammeln konnte und kann. Mit 18 wagte er den Schritt von GC zu Tottenham. Danach kamen die Stationen Wigan und Bundesligist HSV dazu.

Reto Ziegler, die Fans sind offensichtlich begeistert über ihren Wechsel zu Juve. Wie haben die Teamkollegen bei der Nationalmannschaft reagiert?
Sie haben mir natürlich gratuliert und mit einigen haben wir etwas gefachsimpelt. Ich freue mich auf die Herausforderung, aber ich will hier nicht gross über mich und Juve sprechen.

Aber Sie können nun befreiter aufspielen, wenn die Zukunft geklärt ist, oder nicht?
Ich bin glücklich und sicher ruhiger, klar. Aber wissen Sie, wenn ich auf dem Platz stehe bin ich immer konzentriert, da hat sich wenig geändert.

Dafür bei der Nati seit dem Bulgarien-Spiel einiges. Was hat sich aus Ihrer Sicht nach den Rücktritten von Alex Frei und Marco Streller verändert?
Neben dem Rasen hat sich für mich nicht so wahnsinnig viel verändert. Es sind neue Spieler dazugekommen, die man erst kennenlernen muss. Die grösste Veränderung betrifft das System.

Dieses neue 4-2-3-1-System hat Ottmar Hitzfeld schon zu testen begonnen. Was ist anders?
Wir werden gegen England nur mit einem Stürmer spielen. Deshalb gibt es einen Spieler mehr im Mittelfeld, was nicht schlecht ist. Wir werden sehen. Wichtig ist nur, dass wir an den Erfolg glauben. Und da tun uns die Neuen mit ihrer positiven Energie gut.

Die Partie gegen England hat den Charakter eines Cupspiels. Muss man sich da speziell motivieren?
Wenn man für sein Land spielen kann, ist das Motivation genug. Ausserdem habe ich genug Erfahrung mit Sampdoria sammeln können: Im Abstiegskampf gab es für uns nur noch Cupspiele. Die Vorfreude ist aber gross und ich bin sicher, dass wir ein positives Resultat erzielen werden.

Das klingt als hätten Sie die Hoffnung nicht aufgegeben, noch an der EM 2010 teilzunehmen?
Nein! Warum auch? Solange rechnerisch alles möglich ist, werden wir alles tun, um uns zu qualifizieren. Mir ist schon klar, dass wir gegen England als Aussenseiter antreten. Aber wir haben ja nichts zu verlieren. Aber wir können viel gewinnen – sogar sehr viel.