Fifa gibt nicht nach

19. Dezember 2011 13:54; Akt: 19.12.2011 15:51 Print

«Basel müsste gegen den Verband klagen»

von Klaus Zaugg - Guido Tognoni, Jurist und ehemaliger Kommunikationschef der Fifa, nimmt den «Fall Sion» unter die Lupe. Er erklärt, was zu zusätzlicher Brisanz führen würde.

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Guido Tognoni sagt ganz klar: «Nein, die Basler haben keine Möglichkeit, dem Fifa-Bann zu entrinnen.» (Bild: Keystone)

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Wie geht es im «Fall Sion» weiter? Keiner kann den Fall so gut beurteilen wie Guido Tognoni. Der Jurist war jahrelang Kommunikationschef der Fifa und kennt beide Seiten: Das Innenleben des Weltfussballverbandes und die Welt des Rechts. Er beantwortet die wichtigsten Fragen zum «Fall Sion».

20 Minuten Online: Wie lange kann der Fifa-Bann gegen die Schweiz andauern?

Guido Tognoni: Bis die von der Fifa verlangten Schritte vom Schweizerischen Fussballverband unternommen worden sind. Eine zeitliche Limite gibt es nicht.

Ist es denkbar, dass die Fifa ihre Forderungen zurücknimmt, den Bann aufhebt und die Schweiz begnadigt?
Nein. Die Drohung des Bannes ist von der Fifa mit Pauken und Trompeten verkündet worden und jetzt schauen alle hin. Hinzu kommt, dass Manchester United jetzt eine Chance sieht, doch noch auf Kosten von Basel in der Champions League zu verbleiben. Damit kommt mit England einer der mächtigsten Landesverbände ins Spiel und die Engländer werden Druck machen. Die Fifa kann nicht nachgeben.

Ist es tatsächlich möglich, dass die Fifa denn Bann auch tatsächlich ausspricht und damit die Schweiz von allen internationalen Wettbewerben ausschliesst?
Zwar hat die Fifa gegen ein westeuropäisches Land noch nie einen Bann auch tatsächlich ausgesprochen, aber in diesem Fall kann es passieren.

Gibt es eine Kompromisslösung?
Es gibt einen kleinen Spielraum: Punkteabzug für den FC Sion statt Forfait-Niederlagen. Das würde den Wettbewerb etwas weniger verfälschen und ist eher machbar. Es ist denkbar, dass die Fifa auf diesen Vorschlag eingehen würde.

Hat der FC Basel keinerlei Möglichkeit, den Fifa-Bann zu brechen? Die Basler haben sich ja nichts zu Schulden kommen lassen.
Nein, die Basler haben keine Möglichkeit, dem Fifa-Bann zu entrinnen. Natürlich können die Basler an ein ziviles Gericht gelangen – aber aus terminlichen Gründen ist dieser Schritt aussichtslos. Das zivile Recht ist eben dem Tempo des Sportes nicht gewachsen.

Dann müsste der FC Basel Schadenersatz beim Schweizerischen Fussballverband einfordern. Weil ja der Fussballverband diesen Bann provoziert hat.
Das ist richtig und das erhöht die Brisanz dieses Falles. Tatsächlich müsste der FC Basel gegen den Fussballverband klagen und der käme in grosse Not und könnte allenfalls einen übergesetzlichen Notstand geltend machen.

Wo hat der Fussballverband eigentlich im «Fall Sion» den entscheidenden Fehler gemacht?
Die Nationalliga hätte die betreffenden Spieler des FC Sion auch nach der einstweiligen Verfügung des Bezirksgerichtes Martigny niemals lizenzieren dürfen. Mit ein wenig Zivilcourage hätte man den Entscheid des Richters in Martigny ignorieren können und halt eine Busse bezahlt. Dann wäre das alles so nicht passiert. Liga-Präsident Thomas Grimm hatte das klar erkannt, aber er konnte sich nicht durchsetzen.

Wie gross ist die Gefahr, dass wegen der Prozesslust internationale Sportverbände wie die Fifa ihren Sitz aus der Schweiz verlegen?

Tatsächlich ist es eine Auseinandersetzung zwischen Sportrecht und Zivilrecht und es ist offen, ob sich das Sportrecht weiterhin in einem Schattenbereich halten kann. Trotzdem ist die Gefahr gering, dass deswegen internationale Sportverbände aus der Schweiz oder dem EU-Raum wegziehen. Diesbezügliche Aussagen - etwa von Sepp Blatter - sind nicht ernst zu nehmen.

Geht es auch um das Ego der beiden Walliser Sepp Blatter und Christian Constantin?
Das spielt auch eine Rolle. Christian Constantin ist wohl der einzige Mann in der Fussballwelt, der keine Angst vor Sepp Blatter hat. Weil er auch ein Walliser ist und Sepp Blatter als Person sehr gut einschätzen kann. Im Wallis hat es nur Platz für einen Fussballhelden – und der heisst derzeit Christian Constantin und nicht Sepp Blatter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eduard König am 19.12.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sportrecht, nicht Zivilrecht gelten

    Obige Bemerkungen von Herrn Tognoni sind absolut zutreffen. Der SFV hätte es längst in der Hand gehabt, Big-Points zu setzen, jetzt haben andere die Zügel in der Hand und legen die Marschrichtung vor.

  • Reto am 19.12.2011 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Egoist Constantin

    Christian Constantin sollte sich überlegen, was er dem Schweizer Fussball antut. Nur weil er sich nicht an die Regeln gehalten hat und sich mit Hilfe eines Vorstadtrichter eine Verfügung erreichen konnte, hat er jetzt vermutlich noch das Gefühl er sei im Recht. Von mir aus gesehen ist Herr Constantin ein armseliger Mensch, der Rücksichtslos und Egoistisch ist.

  • Bechburger Gusti am 19.12.2011 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Basel wird spielen

    Es wird enden wie immer, so wie das Hornberger Schiessen gendet hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andi Fluri am 20.12.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schade und nur Peinlich....

    Ich schnalle das ganze Theater nicht. Der FC Sion und damit auch CC, haben doch die Statuten von all den Verbänden gelesen und unterschrieben. Aber jetzt rennt der Clown Constantin (jetzt weiss ich woher die Abkürzung CC kommt), von Gericht zu Gericht. Ich finde es einfach schade, denn die Mannschaft und die Fans von Sion gehören für mich zu den Top 3 der Liga, aber ihr CC auf den Mond geschossen. Falls der Supergau und damit ein Rauswurf vom FCB aus der CL zur Tatsache wird, möchte ich nicht in der Haut von CC stecken.

  • uli folly am 20.12.2011 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht Herr Tognoni.

    Da gibt es aber Anwälte die sagen etwas ganz anderes als Herr Tognoni ( ex Fifa). Da käme eine Lawine auf die Fifa zu,die sollten sich lieber warm anziehen.

  • Adolf Meier am 19.12.2011 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    CC wird wohl seine Gründe haben

    Jetzt mal ehrlich, wenn CC wirklich so im Unrecht wäre, bin ich sicher würde er das Urteil nicht weiterziehen. Dies betrifft die Qualifikation der Spieler, wenn das alles so klar wäre, würde man jetzt nicht vor so einem Problem stehen. Meiner Meinung nach hat die FIFA richtig viel Dreck am Stecken und will sich so durch Erpressung aus der Geschichte heraus mogeln. Und soviel juristische Kenntnisse habe ich, dass ich weiss dass Erpressung strafbar ist. Ganz egal ob im Wallis, in der Schweiz, in Europa oder auch bei der FIFA, beim letzteren bin ich nicht ganz so sicher.

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    • Stefan Spillmann am 19.12.2011 20:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nur ein Verlierer 

      Es würde nur der Fc Basel verlieren da nur er etwas zu verlieren hat. Ob die Nati ein Testspiel macht oder nicht ist doch irrelevant! Einigen Stimmen hier muss ich recht geben falls Basel ausgeschlossen wird wegen dem Walliser Dubel, wird es böse enden für die Liga und den Fc Sion. Man würde Basels Traum vernichten

    • Markus Bader am 19.12.2011 18:41 Report Diesen Beitrag melden

      SFV ist ein Theresliverein

      Einmal mehr ist der Fussballverband nicht in der Lage, sich durchzusetzen. Auch in Sachen Hooligans und Fankrawallen macht er eine jämmerliche Figur. Ebenso bei Xamax. Also zieht das Ding endlich durch und bestraft den FC Sion. Wer sich nicht an die Regeln hält, hat mit Konsequenzen zu rechnen.