Sepp Blatter

08. Dezember 2010 17:37; Akt: 08.12.2010 20:49 Print

«Da löscht es mir ab»

Nach der WM-Vergabe hat der Fifa-Präsident sechs Tage lang geschwiegen. In einem Interview spricht er nun über die «Arroganz des Abendlandes» und Wegzugspläne der Fifa aus Zürich.

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Augen zu und durch: Sepp Blatter bezeichnet die Engländer in einem Interview als schlechte Verlierer und ärgert sich über die Zürcher Politik. (Bild: Keystone)

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Erstmals seit der Vergabe der WM 2018 und 2022 antwortet Fifa-Präsident Sepp Blatter seinen Kritikern. Es sei «die Arroganz des Abendlandes» zu glauben, Russland und Katar hätten den Zuspruch nicht verdient, sagt Blatter in einem Interview mit der «Weltwoche», das am Donnerstag erscheint.

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Fifa-Präsident Sepp Blatter sagt, es gebe Pläne, den Hauptsitz des Weltfussballverbands von Zürich nach Paris zu verlegen. Würden Sie den Wegzug der Fifa bedauern?
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Expansion als Strategie

Er weist jegliche Korruptionsvorwürfe von sich und redet von einer «systematischen Verunglimpfung» durch die Medien, insbesondere durch die englischen Zeitungen. «Mich überrascht, dass ausgerechnet in England, dem Mutterland des Fairplay-Gedankens, sich einige Leute als schlechte Verlierer erweisen.» Die Angriffe auf seine Person tropften nicht einfach von ihm ab, so Blatter. «Ich schlafe aber noch immer gut, habe mir einen Schutzwall aufgebaut und brauche keine kugelsichere Weste.»

Der Fifa-Präsident betont nochmals, dass die Vergabe der WM-Turniere nach Russland und Katar Ausdruck einer Strategie zur Erschliessung neuer Gebiete gewesen sei. «Was ist falsch daran, wenn wir mit dem Fussball in Regionen aufbrechen, wo diese Sportart ein Potenzial aufweist, das weit über den Sport hinausgeht?», fragt der Fifa-Boss. Es sei seine Philosophie, die Expansion des Fussballs voranzutreiben.

Wut auf Zürcher Kritiker

Weiter äussert sich Blatter zum Stadionprojekt Hardturm. Dass gewisse Politiker den Namen Fifa als imageschädigend sehen und nicht mehr als Schriftzug wollen, obwohl die Fifa 20 Millionen Franken in das Projekt einschiesst, ärgert ihn masslos.«Das löscht es mir ab. Wollen diese Leute, dass wir aus Zürich verschwinden?», so Blatter. Schliesslich sagt er, dass es Bestrebungen gebe, den Fifa-Hauptsitz nach Paris zu verlegen. «Wenn der Fifa-Präsident nicht mehr Schweizer ist, wird auch der Hauptsitz zum Traktandum.» Blatter wünscht sich mehr Unterstützung aus der Schweizer Bevölkerung und Politik.

Blatter gibt im Gespräch mit der «Weltwoche» auch einen Einblick in seine Persönlichkeit: «Ich bin im religiösen Sinn ein sehr gläubiger Mensch. Mein Führungsstil baut auf Vertrauen. Ich vertraue den Leute und bin damit schon schwer auf die Nase gefallen.» So habe ihn einer seiner ehemaligen Generalsekretäre schon ins Gefängnis werfen wollen. Seinem Nachfolger würde er sagen: «Mach dich darauf gefasst, dass du keine Freunde haben wirst.» Sein einziger Freund sei gestorben, das mache ihn noch heute traurig.

Blatter zeigt auch seine philosophische Ader. Auf die Frage, ob es für ihn ein Leben nach der Fifa gebe, antwortet er: «Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod.»

(am)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanspeter Rüegg am 08.12.2010 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Blöde Schwätzer

    Alle diese blöden Schwätzer die die FIFA lächerlich machen, wissen gar nicht wovon sie reden. Ich finde es eine Schande, dass sich Zürcher so über eine Organisation äussern, die Zürich weltweit hohes Ansehen und Präsenz in den Medien garantiert.

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  • Hanspeter Büschi am 09.12.2010 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Organisation

    Nur zu, weg aus der Schweiz. Die Fifa hat es nicht geschafft, als saubere und integere Organisation da zu stehen. Intrigen und Korruption sind die wiederkehrenden Fakten. Eigentlich schade, dass sich hinter einem Spiel soviel Geld, Macht und Korruption versteckt. Vielleicht ein bisschen strafmildernd: Es gibt Länder, in denen die Korruption ein anderer Stellenwert geniesst.

  • Philip B am 09.12.2010 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt!

    Wieso, die WM nach Katar schicken, wo noch für 4 Milliarden CHF Stadien gebaut werden müssen?! Dieses Geld könnte man viel Sinnvoller verwenden. Ausserdem sagt der Sepp ja selber: "Was ist falsch daran, wenn wir mit dem Fussball in Regionen aufbrechen, wo diese Sportart ein Potenzial aufweist, das weit über den Sport hinausgeht?" Ich nehme an mit dem "Potenzial aufweist, das weit über den Sport hinausgeht" meint er das viele Geld, das die FIFA dort verdienen kann. Gut gemacht, in einem anderen Teil der Welt verhungern Menschen. In Katar werden neue Stadien im Wert von 4 Mia. gebaut!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bergli am 11.12.2010 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Saubere und faire WM?

    Es löscht ihm ab - uns hat es schon! Die Fussballwelt ist doch nicht mehr sauber: an er EM verdient die UEFA Millionen, der Steuerzahler berappt den Aufwand. Etwa so, aber mit dem FIFA-Faktor, stelle ich mir die WM vor. Und sind die Spiele fair? Oder manipuliert wie die Vergabe der Spiele?

    • gell am 10.09.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

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  • neutro am 10.12.2010 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die FIFA ist also Korrupt was?!?

    dan lest das mal: Die Schweizer Grossbank kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nachdem die UBS zum zweiten Mal innert zwei Wochen im Madoff-Anlagebetrugsfall auf Schadenersatz von über 2,5 Mrd. US-Dollar eingeklagt wurde, sind drei ehemalige höhere UBS-Mitarbeiter verhaftet worden

    • Ernst August am 12.12.2010 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Kein toller Vergleich

      Korruption ist in keinem Fall gut. In der Wirtschaft kommt es aber wenigstens zu Anklagen und Verurteilungen, wohingegen die FIFA noch nicht einmal Steuern zu bezahlen hat. Ausserdem wurden diverse andere Finanzintermediäre auf viel höhere Summen eingeklagt, bis zu 9 Mrd. USD. Das sind die abgedrifteten US-Anwälte, die dafür verantwortlich sind.

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  • RobiC am 10.12.2010 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Fi (nanzen) fa (kultativ Fussball)

    Was Herr Blatter oder die Fifa tun, hat mit Fussball kaum mehr etwas zu tun. Die Fifa ist ein, wie es in der Abkürzung schon steckt - Finanzkonzern. Fussball spielt dabei die untergeordnete Rolle und ist Schönfärberei. Robi C. aus O. bei B.

  • Müslüm Gürses am 10.12.2010 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warum Paris?

    Nachfolger Platini (Vize-Mafia-Boss)!!! Geh doch nach London, Madrid oder München!

  • Christian Staub am 10.12.2010 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    ...WARUM DENN NICHT ?

    Soll doch der Blatter Sepp endgültig die Nummernschilder abschrauben und mit seinem FIFA-Clübbly zu Berlusconi, oder besser gleich zu Ghadaffi verschwinden. Da dabei der CH keine Steuergelder verloren gehen, sind Sepps Drohungen eh nur lauwarme Luft. Dafür wäre in mehreren Bereichen eine Qualitätts-Steigerung in der CH zu vermerken, ...und wir eine permanente weltweite Negativ-Image-quelle los.