Gedenkfeier

13. Dezember 2019 17:18; Akt: 14.12.2019 09:03 Print

Kuhn-Abschied rührt Magnin zu Tränen

von E. Tedesco - Am Freitag nahmen Verwandte, Politiker und viele Wegbegleiter in einer bewegenden Zeremonie Abschied von der prägendsten Figur des Schweizer Fussballs.

Die Schweiz nahm Abschied von Köbi Kuhn. (Quelle: 20 Minuten / G. Brönnimann)
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«Die Krankheit hat Köbi im Strafraum gefoult. Der Tod hat den Penalty verwandelt. Der Ball liegt leblos im Tor, aber Kuhns Abschiedsspiel ist in vollem Gang», sagte Pfarrer Christoph Sigrist, «jetzt geht die Verlängerung los – im Himmel.»

Rund 1000 Trauergäste lauschten bewegt den Worten des Geistlichen, als er über Jakob Kuhn, den alle liebevoll nur Köbi nannten, sprach. Das Grossmünster in Zürich war bis auf den letzten Platz gefüllt. Freunde, Angehörige, Politiker und die gesamte Schweizer Fussball-Prominenz begleiteten die FCZ-Ikone, ehemaligen Nationaltrainer und Schweizer des Jahres 2007 bei seinem letzten «Spiel». Er war am 26. November nach langer Krankheit verstorben.

Gedenkfeier von Köbi Kuhn

«Ich bin sehr traurig»

Alt Bundesrat Samuel Schmid war gekommen. Auch der ehemalige Fifa-Boss Sepp Blatter und FCB-Legende Karli Odermatt erwiesen Köbi die Ehre. «Ich war noch zwei Tage vor seinem Tod bei ihm am Krankenbett», sagte Odermatt, «und so das Glück, ihn bis am Schluss zu begleiten. Ich bin sehr traurig.» Odermatt war Kuhns grosser Gegenspieler früher: Köbi war FCZ-Captain, Odermatt trug beim FCB die Captainbinde. In der Nationalmannschaft kämpften sie Seite an Seite.

«Ich bin froh, dass er mich noch im Spital sehen wollte und ich mit ihm lachen und reden konnte. Wir haben Italien, Frankreich, Österreich und viele andere geschlagen. Das verbindet und wir sind Freunde geblieben», sagte Odermatt mit Tränen in den Augen.

«Er war ein Glücksgriff»

Nationaltrainer Vladimir Petkovic wurde von einer Delegation mit Nationalmannschaft-Direktor Pierluigi Tami, Adrian Knup und dem ehemaligen Präsidenten Peter Gilliéron begleitet. Die ehemaligen Nationalspieler wie Benjamin Huggel, Marco Streller, Daniel Gygax, Pascal Zuberbühler, Bernt Haas, Bruno Berner, Ricci Cabanas, Alex Frei und viele andere aus dem Schweizer Fussball waren zugegen.

FCZ-Boss Ancillo Canepa mit seiner Frau Heliane, die auch die Feierlichkeiten mitorganisierten, und die aktuelle Mannschaft - Männer wie Frauen - des FCZ war geschlossen in der Kirche. Canepa und Kuhn verbindet nicht nur der FCZ, bei dem der Wiediker 1960 bis 1977 spielte. Canepa war ein Fan, der jedes Spiel am Radio verfolgte. Zum Beispiel 1962 ein Länderspiel am Rücksitz eines alten VW Käfer. Der FCZ-Boss: «Lieber Köbi, du wirsch e grosse Lucke hinterlaa. Mir werded dich nie vergässä.»

Peter Gilliéron («Ich war erst skeptisch, als wir Köbi zum Juniorentrainer im Verband machten. Ich habe mich geirrt – er war ein Glücksgriff»), SP-Regierungsrat Mario Fehr («Er war ein Vorbild als Mensch und ich bin sicher, dass er ein Denkmal oder einen Platz in Zürich erhält – in unserem Herzen hat er es schon.»), FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger («Köbi wir vermissen dich»), Alex Frei und Ludovic Magnin waren neben Canepa die Redner, die sich in bewegenden Worten vom Trainer, vor allem aber vom Mensch Köbi Kuhn verabschiedeten. Vor allem die Rede Magnins war höchst emotional (siehe Video).

Die Treppe zum Altar schmückten zahlreiche Blumenkränze. Einer vom Schweizerischen Fussballverband mit roten und weissen Rosen, «372 Hürlimann-Aktionäre sagen Köbi Adieu», einer vom 50er-Club des FCZ, «Zum Abschied unseres Ehrenmitglieds» liess der FC Wiedikon auf die Schleife schreiben. Der FC Zürich («In ehrendem Gedenken») spendete natürlich auch einen Kranz.

«Als Legende gegangen»

Köbi Kuhn sei sein grosser Förderer gewesen und bei ihm habe er 1997 den ersten Rücktritt seiner Karriere gegeben, erinnerte sich Alex Frei. Der Nati-Rekordtorschütze war Captain unter Kuhn und sprach im Grossmünster für alle ehemaligen Nationalspieler. Frei: «Herr Kuhn, Sie kamen als Legende, sie waren für uns eine Legende und Sie sind als Legende gegangen. Lieber Gott, achte auf Herrn Kuhn wie er auf uns geachtet hat.»

«Herr Kuhn ist sich immer treu geblieben. Er war nahbar für alle», sagte Ludovic Magnin, der einige Anekdoten aus der Zeit bei der Nationalmannschaft erzählte und dabei die Menschen in der Kirche zum Lachen brachte. «Nach einem Spiel, kurz vor Mitternacht, hat mich die Mannschaft zum Trainer geschickt. Ich sollte Fragen, ob wir in den Ausgang gehen dürften. Seine Antwort war Kult: Nein Ludo - aber ich schlafe tief. Sehr tief.» Der damalige Vize der Nati sprach auch Worte, die tief berührten. Der FCZ-Trainer - –und nicht nur er -– kämpfte mit den Tränen. «Es wachte schon immer ein guter Stern über mir, vor drei Wochen ist es einer mehr geworden. Danke für alles, Herr Kuhn.»

Nach 90 Minuten ging die Abdankungsfeier oder Köbis «Abschiedsspiel» wie es Pfarrer Sigrist sagte, mit einer Fuge von Johann Sebastian Bach und der Nationalhymne zu Ende. Und Köbis Eröffnungsspiel begann -– im Himmel.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • morena am 13.12.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frieden

    Merci Köbi du warst einer von den besten..immer freundlich, einfach ein lieber sympathischer Mensch. Ruhe in Frieden mit Alice und Viviane..

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  • Basler1974 am 13.12.2019 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Nicht unumstritten - aber mit Sicherheit eine grosse Persönlichkeit und sehr Sympathisch. Danke

  • kilian k. am 13.12.2019 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Jakob Kuhn wurde immerhin 76 Jahre alt

    Nicht alle erreichen dieses Alter. Das sollte trotz der ganzen Trauer nicht vergessen werden. Unsere kurze persönliche Begegnung am Rande einer Podiumsdiskussion werde ich in angenehmer Erinnerung behalten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 8400 am 16.12.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zur falschen Zeit am falschen Ort

    Ludovic Magnin schäm dich werbung am Kragen.

    • 8400 am 16.12.2019 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
      Giphy Giphy
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  • FCZ forever am 15.12.2019 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RIP

    Ruhe in Frieden Köbi Kuhn!

  • Pippi Kurzstrumpf am 14.12.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Einer der die Schweiz als Trainer und Mensch

    mit Verstand, Respekt und Bescheidenheit repräsentierte. Verloren gegangene Tugenden in der heutigen Zeit.... Ruhe in Frieden

  • Mats Kummer am 14.12.2019 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magnin ohne Stil und Anstand

    Ludovic Magnin mit grosser Werbung auf dem Hemdkragen.... Auch da noch Geld verdienen! Abartig....

    • 8400 am 16.12.2019 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mats Kummer

      stimmt abartig, pervers aber wirklich!!!

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  • C. Gyr am 14.12.2019 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Platz verdient!

    DIESER Mann hat einen Platz verdient! Es kommt oder kam doch noch was Gutes aus Zürich.

    • H. Bösch am 14.12.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @C. Gyr

      Genau. Das sollte sich diese unverschämte Grüne zu Herzen nehmen! Shame on u Katharina Prelicz-Huber!

    • Fabio am 14.12.2019 21:22 Report Diesen Beitrag melden

      Verdient ja...

      Gutes hat nichts mit Herkunft eines Menschen zu tun, sondern mit der inneren Einstellung. Wenn ich an Zürich denke und an einen Menschen der Nächstenliebe nicht nur predigte sondern vorlebte kommt mir Pfarrer Sieber als erstes in den Sinn. Gottlob gibt es auf diesem Planeten noch Menschen die in ihrer bescheidenen Art viel gutes tun und ein Vorbild sein können. Bescheidene Menschen brauchen keine Statuen oder Plätze. Die sind auch so mit sich und ihrem Leben völlig im reinen. Pompöse und überschätzte Selbstdarsteller haben wir in der Weltpolitik schon mehr als genug.

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