Skandal

03. August 2019 11:00; Akt: 03.08.2019 16:16 Print

«Dann vernichte ich meinen Mitgliedsausweis»

von David Wiederkehr - Nach seiner rassistischen Aussage muss sich Schalke-Boss Clemens Tönnies vor dem Ehrenrat verantworten. Viele fordern seinen Rücktritt.

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Es lohnt sich, über Clemens Tönnies ein, zwei Dinge zu wissen. Zum Beispiel ist der 63-Jährige nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender und damit der Boss von Bundesligist Schalke 04, sondern auch passionierter Jäger. Und von Beruf Wurstfabrikant. Laut «Spiegel» hat der Milliardär mit umstrittenen Cum-Ex-Funds viel Geld verdient, und sein Unternehmen wurde einst wegen illegaler Absprachen mit einer Busse von 128 Millionen Euro bestraft. Das Geld konnte nicht eingezogen werden: Tönnies hatte die betroffene Tochtergesellschaft rechtzeitig liquidiert.

Ach ja, eines noch: Clemens Tönnies hat fünf Geschwister.

Und das mit den fünf Geschwistern ist einigermassen lustig, schliesslich sind für ihn kinderreiche Familien störend. Jedenfalls in Afrika. Jedenfalls tat er dies vor zwei Tagen in einer Rede kund, die ihn nun in die Bredouille bringt. Am «Tag des Handwerks» in Paderborn sagte er: «Statt neuer Steuern einzuführen, um den Klimawandel zu bremsen, sollte man in Afrika lieber 20 Kraftwerke aufstellen. Dann», dozierte er, «würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenns dunkel ist, Kinder zu produzieren.»

Rückendeckung vom Verein

Später veröffentlichte Schalke 04 eine Medienmitteilung, in der sich Tönnies rechtfertigte, die Aussage sei «falsch, unüberlegt und gedankenlos» gewesen. Zudem bat er «explizit Fans, Mitglieder und Freunde des FC Schalke 04» um Verzeihung. Für den Club war die Angelegenheit damit erledigt. Sportvorstand Jochen Schneider sagte zur «Bild»-Zeitung: «Clemens hat eine unbedachte Aussage getätigt und sich aufrichtig entschuldigt. Für mich ist die Sache abgehakt und gut.»

Trotzdem drohen ihm jetzt intern Konsequenzen: Der Ehrenrat von Schalke 04 hat den Aufsichtsratsvorsitzenden einbestellt und will ihn anhören. Der Ehrenrat, ein Schlichtungsgremium und eine Art moralische Instanz, besteht aus fünf Mitgliedern, zu denen ein Strafrechtsprofessor der Universität Bochum, ein ehemaliger Pfarrer sowie eine Richterin und ein Richter. Laut «Bild» hat der Ehrenrat die Befugnis, den Aufsichtsratsvorsitzenden zu entlassen. Tönnies hat zugestimmt, sich vor ihm zu verantworten.

Und genau um die Frage geht es jetzt beim FC Schalke: Kostet ihn die Aussage den Job? Weite Kreise der Fans fordern dies. Auch prominente. Hans Sarpei etwa, ehemaliger Spieler und bis heute Aktivmitglied des Clubs, schrieb auf Twitter: «Natürlich kann man sich entschuldigen, aber dann sollte man es auch bei denjenigen machen, die man rassistisch in Kolonialmanier beleidigt und nicht bei Dritten.» Sarpei ist in Ghana geboren, aber in Köln aufgewachsen.

Unüberlegte Rede?

Auf Twitter hat Sarpei knapp 500'000 Follower, und nun will er dafür sorgen, dass Tönnies sich nicht einfach davonstehlen kann – schliesslich: Wer bereitet schon eine Rede vor, in der dann «falsch, unüberlegt und gedankenlos» Dinge gesagt werden? Sarpei schrieb Klartext: «Als Mitglied wünsche ich mir, dass der Ehrenrat klar Position bezieht und über Konsequenzen berät. Wenn solche Äusserungen Schalker Werte sind, dann vernichte ich noch heute meinen Mitgliedsausweis.»

Sarpei erhält mit seiner Forderung – neben etwas Gegenwind – sehr viel Zuspruch auf dem sozialen Netzwerk. «Das ist (...) kolonialistischer Rassismus der übelsten Sorte», antwortete einer und appellierte an die übrigen Fans: «Jeder Schalker muss sich wehren!»

Auch die «Schalker Fan-Initiative» schrieb: «Jemand, der unseren Verein repräsentiert, darf solche Gedanken nicht in sich tragen. Der Verein muss jetzt ein Zeichen setzen und Konsequenzen ziehen.» Vor weniger als zwei Jahren war das Fanprojekt für sein Engagement gegen Rassismus vom Deutschen Fussballbund mit dem bedeutenden Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden.

Der «Spiegel» kommentierte: «Clemens Tönnies ist vielleicht kein Rassist, aber solche Äusserungen in einer öffentlichen Rede zu tun, lassen daran zweifeln, dass er nicht wirklich so denkt». Nur passt das nicht zu Schalke, diesem Club, der stolz ist auf seine Vergangenheit als Arbeiterclub, als Verein der Kumpel und Knappen, die aus aller Welt in den Ruhrpott gekommen waren, um im Kohlebau zu schichten.

Die nächste Woche wird zeigen, ob das der Schalker Ehrenrat auch so sieht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wodoomaster am 03.08.2019 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Was soll an dieser Aussage Rassistisch sein? Eine Aussage die nicht falsch ist. Hier wird niemmand beleidigt.

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  • 50+ am 03.08.2019 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fast überall so

    das gilt für die übrige Welt auch, die Wirtschaft will Wachstum, der Planet aber nicht

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  • Expat am 03.08.2019 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer gleich ein Skandal

    Alles ist heute sofort ein Skan dal. Er hat etwas gesagt was heute nicht mehr akzeptiert wird und sich dafür entschuldigt. Es braucht jetzt keine Hetzjagd mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carlos am 03.08.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklungshilfe

    Der grösste Effekt der Entwicklungshilfe in Afrika ist, dass die Bevölkerung in den letzten 50 Jahren von 300 Mio auf 1.3 Mrd angewachsen ist und weiter exponentiell ansteigt. Dies ist in keiner Weise nachhaltig und hat nur dazu geführt, dass mehr Menschen in Afrika leiden als je zuvor. Die Entwicklungshilfe hat völlig versagt und muss grundlegend neu konzipiert werden.

  • Findnicht am 03.08.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder kehre vor seiner eigenen Tür

    Es steht niemanden an, fremde Völker oder Staaten zu bevormunden. Zuerst sollte man die eigenen Probleme lösen.

    • cs am 03.08.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Findnicht

      Doch. Wenn wegen den Missständen Millionen von Menschen zu uns wollen, schon. Vor allem wenn es dort auch nicht besser würde, wenn wir die alle aufnehmen würden. Sondern bei uns schlechter. Und wenn sich dort die Bevölkerung verdoppelt wird es sicher nicht besser, weil sie schon jetzt genug Probleme haben.

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  • Robert am 03.08.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt doch

    Wo er recht hat hat er recht

  • Rudi am 03.08.2019 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Afrika

    Irgendwie hat er schon Recht. Alle Hilfswerke sammeln für die Kinderflut in Afrika! Er hätte es aber anders darstellen können! So ist es schon grenzwärtig!

  • Bayern München am 03.08.2019 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgebauscht

    So falsch liegt er mit seiner Aussage nicht, aber er hätte wissen sollen , dass es auch in Afrika und Deutschland Liebe und Nette Menschen gibt

    • John Livers am 03.08.2019 19:34 Report Diesen Beitrag melden

      Bayern München

      Und wenn es den Lieben und Netten nicht passt darf man die Wahrheit nicht sagen. Schöne Welt!

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