FC Basel

17. Juni 2019 18:20; Akt: 18.06.2019 06:10 Print

«Das sind Symptome einer Führungskrise»

von Christian Zürcher - Der FC Basel hat zuletzt dürftig kommuniziert. Kommunikationsberater Andreas Bantel spricht über die Tücken des Fussballgeschäfts.

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Basels Präsident Bernhard Burgener schaut Sportchef Marco Streller an. Streller hat vergangene Woche den Rücktritt eingereicht, weil Trainer Marcel Koller entgegen seinem Willen bleiben darf. Darauf versuchte Präsident Burgener mit einem Interview im «Blick» die Wogen zu glätten. (Bild: Keystone)

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Wie beurteilen Sie die vergangenen Tage in Sachen Kommunikation beim FC Basel?
Der FC Basel zeigt das Bild eines in der Ecke stehenden Clubs, der nach vorne flüchten will. Bloss: In der Ecke gibt es kein solches Vorne. In einer solchen Situation als Präsident ein Interviewzu geben, würde ich zurückhaltend als mutig bezeichnen.

Weshalb?
Jede Antwort ist potenziell die falsche. Besonders heikel ist es, offensichtlich missglückte Führungsentscheide öffentlich rechtfertigen zu wollen. Hier hat das Vorgehen eine Kontroverse ausgelöst, ein Entscheid musste scheinbar gar rückgängig gemacht werden. Das hat dann erwartungsgemäss die Clubleitung gespalten. Bei allem Respekt: Das sind Symptome einer Führungskrise.

Was hätten Sie geraten?
Als Kommunikationsberater ist man hier der falsche Mann. Wenn die Führung nicht stimmt, ist die Kommunikation eine Mission Impossible. Hier stellen sich Fragen wie: Kann ich dahinter stehen? Bin ich Teil der Lösung oder Teil des Problems? Schliesslich auch: Sollte ich gehen?

Angenommen, Sie bleiben. Was wären Ihre Optionen?
Ich kenne die Internas nicht. Allgemein gesprochen: Man muss der Sache auf den Grund gehen, unangenehme Frage stellen und die dazugehörigen Antworten nicht scheuen. Nach aussen ist Schweigen die einzige Option. Klar ist: Ein präsidiales Interview hat in einer solchen Situation keinen erkennbaren Nutzen.

Es scheint als habe der FC Basel die Fans und die Wucht der Emotionen unterschätzt.
Ich habe den Eindruck, dass der Präsident, ein erfolgreicher Geschäftsmann notabene, den grossen Unterschied zwischen Fussball und der klassischen Geschäftswelt unterschätzte. Hier trennen sich Welten. Kommunikation im Sport ist etwas vom Schwierigsten, was es überhaupt gibt. Die Wirtschaft soll Leute ernähren, der Fussball soll sie unterhalten. Die Fans investieren für ihren Club ihr eigenes Geld, sie verstehen sich als die wahren Eigentümer. Das heisst auch, dass sie etwas dafür erwarten. Und für die Kommunikation besonders wichtig: Der Fussball ist brutal transparent. Da wird das Scheitern, da werden Niederlagen vor der ganzen Sippe in Sekundenschnelle und ohne Halbheiten offengelegt. Mit dieser Transparenz und den daraus entstehenden Emotionen umgehen zu können, ist die grosse Kunst.

Gewöhnliche Unternehmenskommunikation ist eher um das Gegenteil bemüht, um Intransparenz und Verschleierung.
Dieser Versuchung unterliegen leider viele Unternehmen. Der Fussball funktioniert anders. Ein Beispiel: Wirtschaftlichen Misserfolg zu verschleiern, ist eben viel einfacher als eine fussballerische Pleite. An einem 0:3 gibt es nicht zu deuteln, ein Rückgang der Ebitda-Marge um 1,3 Prozent lässt sich da viel leichter verwedeln.

Dann kommt diese Art von Kommunikation im Sport an ihre Grenzen?
Wer im Sport mit Instrumenten der Wirtschaftskommunikation hantiert, wird die Fans verärgern und schliesslich scheitern. Fans verstehen sich als die wahren Eigentümer, auch wenn sie keine Aktien besitzen. Anteilmässig investieren sie oft vergleichbare Beträge ihres Einkommens wie die Aktionäre. Dies zu respektieren, gehört ins Zentrum jeder Clubkommunikation.

In anderen Worten: Der FC Basel versteht seine Fans nicht?
Möglicherweise, da bin ich zu wenig nahe dran. Auf jeden Fall offenbarte der FC Basel in den letzten Wochen eine Krise in der Führung, die er nun lösen wird.

Macht Misserfolg besonders empfänglich für schlechte Kommunikation?
Niederlagen oder gar Abstiege sind für Fans eigentliche Nahtoderlebnisse. Hier zu kommunizieren, ist extrem heikel. Verschiedene Schweizer Vereine haben hier Verbesserungspotenzial. Es fehlt ihnen an Empathie, manchmal ergeben sich auch Fehler aus Überlegenheitsgefühlen und mangelndem Respekt.

Eine weitere Eigenschaft des Fussballgeschäfts sind Intrigen und Informationslecks – der FCB hat es eindrücklich demonstriert. Wie geht ein Kommunikationsberater damit um?
Fussballclubs sind weniger hierarchisch geführt als Wirtschaftsunternehmen, sie sind fast schon eine Art Sippschaft, die keine klassische Hierarchie kennt. Mehr Leute haben Zugang zu Informationen – da entstehen immer Intrigen und Leaks. Sie zu vermeiden, ist daher unrealistisch. Daher braucht ein Präsident oder ein Sportchef zwangsläufig eine dicke Haut. Ich rate ihnen, dass sie diese Phasen und eine Schädigung der eigenen Reputation kurzfristig aushalten. Hier gilt: Wer die Hitze nicht erträgt, hat in der Küche nichts verloren.

Fussball

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven B am 17.06.2019 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Auf den Punkt gebracht.

    Herr Bantel bringt es auf den Punkt, mehr muss man dazu nicht sagen. Wäre schön wenn das Management vom FC Basel diesen Bericht auch lesen würde, aber das darf stark bezweifelt werden...

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  • Basilisk am 17.06.2019 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Burgener, treten Sie zurück!

    Ich mag Sie nicht, Herr Burgener. Treten Sie doch einfach zurück. Die fehlende Affinität zum Fussball haben Sie ja mehrfach bewiesen!

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  • dplu am 17.06.2019 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau...

    Dem ist inhaltlich nichts hinzuzufügen ....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner Stadler am 19.06.2019 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Burgener muss weg!

    Seit Burgener President ist geht es geht es bergab mit dem FCBeee

    • TomTom am 19.06.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      Burgener muss bleiben!

      Weil es bergab geht muss er bleiben.

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  • nico basler am 18.06.2019 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht anders.

    Keinen direkten Draht, keine nachhaltigen Infos, keine Ahnung über Club-Internas aber plapper, plapper. Professionelle Kommunikationsberatung geht anders.

  • Petroka am 18.06.2019 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Fans verstehen sich als die wahren Eigentümer

    Der Präsident versteht mehr von Hollywood als von Fussball. Und wär etwas von Fussball verstehen müsste war ein FLOP. Frage, wie kann ein Trainer bei einem solchen Umfeld ruhig arbeiten? Es gibt viele Beispiele in der Fussballwelt, Führungskrise = Absturz (z.B. Hamburger SV)

  • Joe Frazier (ohne Bild) am 18.06.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Burgener treten Sie zurück

    Ich sag es nicht ungern, aber die ganze Spitze muss weg. Herr Burgener verkaufen Sie Ihre Anteile wieder - egal wem. Jeder wird den FCB besser führen als Sie. Obwohl FCZ Fan vermisse ich die tollen CL Auftritte des grossen FCB schmerzlich.

  • Merida am 18.06.2019 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Burgener ist absolut gescheitert. Geh endlich!

    Burgener soll endlich gehen. Der tut so als wäre er unschuldig, dabei ist er der Hauptschuldige an der finanziellen und vor allem sportlichen Misere. Wer den Sparkurs einschlgäägt und was von Titel oder CL labbert, der kann sie nicht mehr alle haben. Kann gar nicht aufgehen. Privatwirtschaft und professionelle Vereine zu führen war schon immer ein Unterschied und viele scheiterten, auch Burgener ist gescheitert. Es kann doch nicht sein dass so einer einen Verein finanziell und sportlich in so kurzer Zeit kaputt machen kann, darf. Bitte Heusler und Heitz, bitte übernehmt den Verein wieder, biiitte.