Saibene ausgepfiffen

20. Mai 2012 22:38; Akt: 21.05.2012 11:18 Print

«Das war erniedrigend und hat mich verletzt»

von Simon Städeli - An der Aufstiegsfeier pfeifen St.-Gallen-Fans Trainer Jeff Saibene aus. Einige fordern seinen Rücktritt. Zu allem Übel verletzt sich der Coach auch noch – wegen einer Bierdusche.

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St. Gallen feiert den Aufstieg.

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Das letzte Heimspiel der Saison hätte am Samstagabend zur grossen Aufstiegsfeier für den FC St. Gallen werden sollen. Doch der FC Aarau und ein Pfeifkonzert gegen Trainer Jeff Saibene trübten die Freude. Kurz vor Schluss, in der 95. Minute des Spiels, konnte Aarau den Siegestreffer zum 2:1 erzielen. Danach wurde jeder Spieler vor den 13 140 Zuschauern in der AFG-Arena einzeln für die frühzeitige Pokalübergabe aufgerufen. Einige wurden frenetisch bejubelt, so zum Beispiel die Abgänger Daniel Imhof, Germano Vailati und Philipp Muntwiler. Doch bei Trainer Jeff Saibene ertönte ein lautes Pfeifkonzert im Stadion.

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Zwei Stunden später zeigte sich die Mannschaft vor dem Stadion nochmals den Fans. Es wurde «Nie meh Nati B» gesungen und Spieler Pa Modou stimmte mit «Scheiss Basel» auf die nächste Saison in der Super League ein. Doch als Trainer Saibene das Wort ergriff, pfiffen wieder einige der etwa tausend anwesenden Fans. Das liess der 43-Jährige nicht auf sich sitzen und so wollte er die pfeifenden Fans zur Rede stellen. Mit dem Mikrofon in der Hand lief er von der Bühne. Die Spieler holten ihren Trainer zurück und Verteidiger Simon Roduner betonte, dass das Saisonziel Aufstieg klar erreicht wurde. Nachdem auch noch der Capo (Anführer der Fans) des FCSG sich für Saibene einsetzte, ertönten schliesslich Applaus und Zurufe.

Saibene bei Bierdusche verletzt

Saibene gingen die Pfiffe sehr nah: «Das war erniedrigend und hat mich verletzt», so der Trainer, der die Ostschweizer seit März 2011 trainiert. Er frage sich, wie er das verdient habe. Ihm sei klar, dass nicht alles perfekt gelaufen sei in der Rückrunde: «Unser Ziel Aufstieg haben wir aber souverän geschafft», so Saibene. Die Erwartungshaltung unter den Fans sei enorm, die Ansprüche gross. «Dabei haben wir ein kleines Budget.» Neben dem psychischen Schmerz, den ihm die Pfiffe zufügten, kamen am Abend auch noch körperliche Schmerzen dazu: Bei einer Bierdusche von einem Spieler zog er sich einen Muskelriss zu und darf nun mehrere Wochen keinen Sport betreiben.

Nach den Vorfällen hat Saibene aber auch viele positiven Feedbacks erhalten: «Fans haben sich für das Verhalten der anderen entschuldigt und mir Mut zugesprochen.» Am letzten Spiel, am Mittwoch in Vaduz, würde er sich über eine Reaktion der Fans freuen. «Es braucht in diesem Verein Respekt und Anerkennung, um etwas zu erreichen», so Saibene. An einen Rücktritt denkt er aber nicht.

Neuer Trainer gefordert

In der Rückrunde wurden Jeff Saibene und sein Team bereits mehrmals ausgepfiffen. Der Aufstieg war zwar nie ernsthaft gefährdet, die Anhänger kritisieren aber, dass die Mannschaft zu faul sei und sich mit einer knappen Führung bereits zufrieden gibt. Auch werden Kampfgeist und Leidenschaft vermisst. Jeff Saibene habe nicht genug Durchsetzungskraft und könne das Team nicht optimal führen. Im Forum der Fans wird der Rücktritt gefordert: «Zeigen Sie Charakter, Herr Saibene, und treten Sie freiwillig zurück» heisst es zum Beispiel. Vor allem im Hinblick auf die nächste Saison sehen manche Fans schwarz.

Viele stärken dem Trainer aber auch den Rücken. Die Entrüstung über die Pfiffe von gestern ist gross: Es sei «lächerlich» und «absurd», an einer Aufstiegsfeier den Kopf des Trainers zu fordern. Viele schämen sich für ihre Fankollegen.

Saibene bleibt Trainer

Unterstützung erhält der Trainer auch von der Clubleitung: «Ich bin überzeugt, dass Jeff Saibene eine gute Arbeit leistet und wir setzen voll auf ihn», sagt Dölf Früh, Präsident des Verwaltungsrats. Ein neuer Trainer komme für die neue Saison nicht in Frage. Da würden auch Pfiffe von den Fans nichts daran ändern. «Es ist aber schade, wenn das Publikum gegen den eigenen Trainer oder Spieler pfeift», so Früh.

Jedoch gehöre es zum Job eines Trainers, dies wegzustecken. Er rät Saibene, sich voll auf die Arbeit mit der Mannschaft zu konzentrieren. Eine hohe Erwartungshaltung hält Früh für fördernd, denn nur so könne man auch etwas erreichen. Frühs Ziel für die nächste Saison: «Ohne Zittern den Ligaerhalt schaffen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Basler am 21.05.2012 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder St.Gallen

    Wie kann man den Trainer auspfeiffen, welcher mit der Manschaft aufgestiegen ist? Das es in St.Gallen ist wundert mich nicht, ich sage nur Marco Streller und die Schweizer Nationalmanschaft... traurig traurig

  • Supa Buaschi am 21.05.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry

    Ich gehöre zu den FCSG-ler, die sich für Ihre pfeiffenden Kumpels schämen und entschuldigen. 3 Runden vor Schluss den Aufstieg zu schaffen ist KEINES Pfiffes wert, schon gar nicht auf eine Person persönlich bezogen. Wie schräg ist das denn.... es gibt Leute die einfach nur lästern und motzen können, leider kenn ich da auch im Stadion einige um mich herum.

  • Bruno Köppel am 20.05.2012 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Rüpel

    Ich weiss nicht, ob die sog. Fussballfans den Durchschnitt der Bevölkerung repräsentieren. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass es in der Bevölkerung ebensoviele hirnlose Rüpel gibt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Luke FCSG Fan am 21.05.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Entweder Profi oder sonst Abmarsch...

    Naja Fans drücken sich mit Pfiffen oder Gesängen oder Plakaten oder Applaus aus...im Profifussball muss ein Fussballer damit umgehen können und ein Trainer so oder so...Also Super Leistung wird quittiert durch Applaus und Rückhalt...Schlechte Leistung halt mit Pfiffen...entweder ist man Profi oder ein Weichei.

  • H. Müller am 21.05.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Fans der Schweiz!

    Ein Fan muss nicht fair gegenüber den anderen Mannschaften sein. Ein Fan muss in guten wie in schlechten Zeiten zu seinem Verein stehen, und das ist ausser in St. Gallen nirgends in der Schweiz der Fall. Das St. Galler Publikum respektiert Niederlagen, solange der Kampf und der Wille stimmt, sieht es aber, dass die Mannschaft nicht kämpft, so kann es trotz eines Sieges in der Gurkenliga zu Pfiffen kommen. Hört auf, auf den FCSG-Fans rumzuhacken, denn jeder einzelne weiss, dass dies die treusten und besten Fans der Schweiz sind!

    • wyss roy am 21.05.2012 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      quatsch

      so ein quatsch..beim vorletzten abstieg wurde das stadion zerstörrt und in st.gallen hat es nicht die besten fans. sonst würden sie nicht immer gleich trainer raus rufen.

    • barney s. am 21.05.2012 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      quatsch 2

      Die Fans rufen nicht immer gleich "Trainer raus". Sie rufen erst wenn sie merken, dass die Mannschaft unter ihm nicht weiter kommt, was unter Saibene der Fall war/ist. Und welche andere Mannschaft hat bei 2 Abstiegen in 4 Jahren immer noch mehr als 10'000 Fans im Stadion?? Nicht mal der FC Basel würde das schaffen.

    • bema am 21.05.2012 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      Fragwürdig

      Ha,beste Fans?? Wenn man die eigenen Spieler und Trainer auspfeifft sind das die treusten und besten Fans??

    • Irisches Chröpfli am 21.05.2012 22:14 Report Diesen Beitrag melden

      Andere verstehen St. Gallen nicht

      H. Müller hat völlig recht. Wir St. Galler schauen nicht weg, wenn wir sehen, dass kein Fortschritt vorhanden ist. Wir sind keine Schönschwätzer! Wir sind Fans unsrer Farben und nicht von Vorstand oder Staff! Beim letzten Abstieg wollten wir uns noch von unserem geliebten Espenmoss verabschieden, was mit einem riesigen Aufgebot der Polizei quittiert wurde. Das Stadion wurde sowieso umgebaut. Ausserhalb von St. Gallen wissen sie halt nicht, was wahre Leidenschaft ist. Traurige Gesellschaft!

    • Andrea Eugster am 21.05.2012 22:27 Report Diesen Beitrag melden

      quatsch 2

      @barney s: aha, laut deiner Aussage pfeiffen die SG-fans weil Sie unter Saibene nicht weiter kommen...Hilf mir bitte kurz, aber mit welchem Trainer ist die Mannschaft in dieser Saison aufgestiegn? hmm, genau, mit JEFF SAIBEN!!! Und dass die pfiffe gegen trainer und spieler an der aufstiegsfeier dermassen fehl am platz ist, weiss hoffentlich jeder

    einklappen einklappen
  • André Pfeiffer am 21.05.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    FCSG-Fans sind nicht nur schlecht

    Ja genau, verflucht die St. Galler-Fans jetzt. Ich bin auch kein grosser Fan von Saibene - aber pfeiffen an der Aufstiegsfeier hat mit fehlendem Respekt vor dem geleisteten zu tun. Und die St. Galler-Fans können nur pfeiffen? St. Gallen hatte letzte Saison doppelt so viele Zuschauer im Stadion wie manch anderes Team und die Fankurve ist hinter der Mannschaft gestanden, hat sie unterstützt obwohl der Abstieg kaum mehr abzuwenden war. Es wird viele Mannschaften geben, die sich so einen Rückhalt wünschen, oder wie gross war der Zuschauerschnitt bei GC???

  • st.gallen fan am 21.05.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Baustellen

    Wenn man etwas hinter die Kulissen des FC St.Gallen schaut muss man sich einige Fragen stellen, die fragwürdig sind. 1. 2 Jahresvertrag mit dem Trainer, überstürzte Transfairs etc. Bereits vor dem Abstieg letztes Jahr hat unser Sportchef Transfairs getätigt, die nur Kosten verursachten aber keinen Erfolg brachten. Dies wird weiterhin so weiter gehen. Ich erwarte, dass die Verantwortlichen dieses Mal früher reagieren und Freundschaften zum Wohle des Sports auf die Seite stellen.

    • Zimi am 21.05.2012 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Transfer / Transfair

      Hoffen wir deshalb auf gute TRANSFERS!

    einklappen einklappen
  • Sergio am 21.05.2012 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn St. Gallen pfeift...

    Kaum spielt die Nati nicht mehr in St. Gallen, werden halt eigene ausgepfiffen...