Tschagajew verhaftet

26. Januar 2012 17:08; Akt: 26.01.2012 20:38 Print

«Der Abszess ist endlich tot»

Der Präsident des bankrotten Fussballklubs Neuchâtel Xamax wurde in Genf festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt. Der Neuenburger Gemeinderat ist schockiert, aber auch erleichtert.

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verliess Tschagajew das Land. wurde dem Rekurs des Tschetschenen vom Waadtländer Verwaltungsgericht aufschiebende Wirkung gewährt. Bulat Tschagajew wird aus der U-Haft entlassen. Der Tschetschene, der rund vier Monate hinter schwedischen Gardinen verbrachte, kommt dank einem von einer Drittperson unterzeichneten Pfandbrief auf freien Fuss. Ausserdem muss er seinen Pass abgeben. Tschagajew muss immer wieder vor Gericht antraben. Er hofft auf seine Entlassung aus der U-Haft - das Gericht entscheidet aber anders. Mindestens bis Ende Mai soll der Tschetschene hinter Schloss und Riege bleibenl. Bulat Tschagajew muss gegenüber der Neuenburger Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen der ungetreuen Geschäftsführung Stellung nehmen. Tschagajews Anwalt will seinen Mandant gegen Kaution freibekommen. Es wird bekannt, dass Bulat Tschagajew am 26. Januar, dem Tag seiner Verhaftung, in den Hungerstreik getreten ist. (Archivbild) Bulat Tschagajew wird vom Staatsanwalt befragt. Sein Anwalt versucht den Xamax-Präsidenten freizubekommen - ohne Erfolg. Der Xamax-Boss bleibt vorläufig in U-Haft. Xamax-Präsident Bulat Tschagajew wird in Genf in Untersuchungshaft gesetzt. Grund: Ungetreue Geschäftsführung (Medienmitteilung der Genfer Staatsanwaltschaft). Das zuständige Neuenburger Zivilgericht hat wegen Verschuldung den Konkurs über den Traditionsverein verhängt. Die offizielle Vereins-Medienmitteilung des Untergangs. Nach der Rückkehr aus dem Trainingslager aus Dubai teilt Bulat Tschagajew der Mannschaft mit, dass sie den Verein per sofort verlassen können. Neuchâtel Xamax ist aus der Super League verbannt worden. Die Swiss Football League hat dem Neuenburger Verein die Lizenz mit sofortiger Wirkung entzogen. Der Xamax-Boss lässt gleich zum Rückrunden-Auftakt eine Bombe platzen. Mit Stéphane Besle, Haris Seferovic sowie den beiden Söldnern Angel Javier Arizmendi und Vincent Bikana feuert Tschagajew gleich vier Spieler. Die Disziplinarkommission der Swiss Football League zieht Neuchâtel Xamax erneut vier Punkte ab. Der Super-League-Verein hatte es versäumt, die geforderten Bestätigungen für die Überweisung der Oktoberlöhne und die Sozialabgaben für den gleichen Monat einzureichen. Ein Gerichtsvollzieher der Staatsanwaltschaft tauchte im Xamax-Büro auf. Sein Auftrag: Die Vereinsautos zu beschlagnahmen. Es kam jedoch nicht dazu. Wegen wiederholter Verstösse gegen das Lizenzierungsreglement (u.a. Nicht-Einreichen von Bestätigungen zur Begleichung der Sozialversicherungsbeiträge, Verspätete Lohnzahlungen usw.) bestraft die Liga die Neuenburger mit einem Punkteabzug von 4 Zählern. Xamax hat die Transfersumme für Kalu Uche offenbar nie überwiesen. Der spanische Zweitligist Almeria will den FAll vor die Fifa bringen. Bulat Tschagajew wird von den kantonalen Behörden eine Arbeitsbewilligung verweigert. Bulat Tschagajew muss sich vor dem Staatsanwalt unangenehmen Fragen stellen. Die Vorwürfe: Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsführung, versuchter Betrug und Geldwäscherei. Der Neuenburger Staatsanwalt Pierre Aubert bestätigt, dass das Dokument, mit welchem Xamax-Boss Bulat Tschagajew ein Vermögen von 35 Millionen US-Dollar auf einem Konto der Bank of America nachweisen wollte, nicht echt ist. Auch eine zweite «Bankgarantie» scheint gefälscht zu sein. Sylvio Bernasconi bricht erstmals sein Schweigen nach der Klubübergabe im Mai. Er sieht sich nicht verantwortlich für das finanzielle Schlamassel und bietet Tschagajew ein Gespräch an. Da Xamax es trotz einer Fristverlängerung immer noch nicht geschafft hat, einen Nachweis zu erbringen, dass die September-Löhne und die Sozialabgaben bezahlt sind, hat die Liga bei der Disziplinarkomission eine neue Anzeige gegen den Super-Ligisten eingereicht. Es ist bereits das dritte Verfahren gegen die Neuenburger, das in der laufenden Saison eröffnet wird. Nach der Hausdurchsuchung in den Firmenräumlichkeiten des Xamax-Bosses in Genf, wird auch das Privatdomizil von Bulat Tschagajew in Saint-Sulpice (VD) untersucht. Die Staatsanwaltschaften von Genf und Neuenburg, die beide ein Verfahren gegen den Tschetschenen eingeleitet haben, kooperieren bei dieser Aktion. Nach den Hausdurchsuchungen in den Firmen des Tschetschenen hat die Genfer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Xamax-Boss Bulat Tschagajew eröffnet. Dies wegen wegen Geldwäscherei, ungetreuer Geschäftsführung und Fälschung. Auch die Neuenburger Staatsanwaltschaft blieb nicht untätig. Sie liess die Geschäftsräumlichkeiten des ASL-Vereins durchsuchen und hat ebenfalls ein Verfahren eröffnet. Vereinsjurist François Canonica hat daraufhin sein Mandat niedergelegt. Die Genfer Staatsanwaltschaft schaltet sich in der Affäre um das zweifelhafte Dokument der Banc of America und das Vermögen von Bulat Tschagajew ein und lässt die vier Firmen des Tschetschenen in Genf durchsuchen. Dabei werden «als Vorsichtsmassnahme» einige Unterlagen sichergestellt, so Staatsanwalt Jean-Bernard Schmid. Der Anwalt Vincent Solari reicht gemäss «Le Temps» Strafanzeige gegen Bulat Tschagajew ein und zwar wegen «Fälschung und Betrugsversuch in einem Zivilprozess». Der Jurist, der einen Gläubiger Xamax' vertritt, will nach eingehender Recherche beweisen können, dass es sich bei der von Tschagajew vorgelegten Bestätigung der Bank of America über 35 Millionen Dollar um eine Fälschung handelt. Mit dieser hatte der Tschetschene bei der Swiss Football League und vor dem Neuenburger Zivilgericht seine Zahlungsfähigkeit bescheinigt. Vor letzterem schrammte der Verein vor knapp einer Woche haarscharf am Konkurs vorbei. Ein Bericht des Westschweizer Fernsehens belastet den Xamax-Präsidenten. Das Dokument, dass beweise, dass er 35 Millionen bei der Bank of America liegen habe, könnte gefälscht sein. Der Neuenburger Richter Bastien Sandoz hat den Antrag auf ein Konkursverfahren gegen Xamax zurückgewiesen. Damit verbleibt der Verein in der Axpo Super League. Die Dispziplinarkommission der Swiss Football League hat Xamax dafür mit 20 000 Franken gebüsst. Grund dafür ist ein Vergehen gegen die Lizenzbestimmungen. Übereinstimmenden Westschweizer Medienberichten zufolge muss Xamax-Sportchef Christophe Moulin seinen Posten räumen. Dabei hatte er diesen erst im August angetreten. General-Managerin Barbara Perriard gibt bekannt, dass die September-Löhne der Xamax-Angestellten nun endlich überwiesen worden seien. Sie sollten spätestens am Freitag auf den Konten der Betroffenen eintreffen. Xamax wehrt sich wegen der Forderung eines Spielervermittlers über 400 000 Franken vor Gericht gegen den Konkurs. Nach mehreren Stunden wurde die Verhandlung wegen fehlender Dokumente auf Anfang November verschoben. Weil der September-Lohn noch nicht bezahlt wurde, trainierten die Spieler am Morgen vorerst nicht. Sie verhandelten mit der Klubleitung und erreichten, dass das Geld am nächsten Tag ausbezahlt wird. Danach nahmen die Spieler den Trainingsbetrieb doch noch auf. Der Anwalt von Freddy Mveng (r.) hat beim zuständigen Neuenburger Richter einen Antrag auf ein Konkursverfahren gegen den ASL-Verein eingereicht. Dies wegen einer strittigen Entschädigungssumme von 400 000 Franken, die Mveng mit Ex-Präsident Andrej Rudakow im Sommer vereinbart haben soll, als der Spieler von Xamax zu YB transferiert wurde. Vor einem Monat gab der Xamax-Boss an, den Verein «fallen zu lassen», wenn er ein seriöses Übernahmeangebot erhalte. Nun liegen gemäss dem Neuenburger TV-Sender Canal Alpha gleich zwei Offerten auf dem Tisch des Tschetschenen. Wird Tschagajew darauf einsteigen? Bulat Tschagajew lässt die Saisonkarten der Fanklubs «Tigers» und «Fanatix» sperren. Die Gründe sind nicht ganz klar, offenbar sollen die Abonnements nicht bezahlt worden sein. Die Lizenzadministration der Swiss Football League hat bei ihrer Disziplinarkommission eine Anzeige gegen Neuchâtel Xamax eingereicht. Xamax hat die von der SFL geforderten zusätzlichen Informationen, insbesondere jene zur Finanzlage, nach der Übernahme des Klubs durch Bulat Tschagajew nur teilweise abgeliefert. Seit Amtsantritt hat Tschagajew zahlreiche Xamax-Mitarbeiter vor die Türe gestellt. Diese wehren sich nun und verklagen den Tschetschenen auf insgesamt 6,5 Millionen. Es geht um ausstehende Salärzahlungen, Lohnfortzahlungen und Abgangsentschädigungen. Gerichtstermin ist am 20. Oktober. Der ASL-Verein steht offenbar bei 25 Gläubigern mit 3,2 Millionen Franken in der Kreide. Der Verein rechtfertigt sich: Die meisten Gläubiger seien Personen aus dem ehemaligen Staff, mit denen man sich im Rechtsstreit befinde. Die restlichen Schulden von 600 000 Franken will Tschagajew morgen oder übermorgen zurückzahlen. Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow - Präsident von Terek Grosny, wo Tschagajew Vize war - sagt: Tschagajew habe Geld von ihm veruntreut. Ex-Generalsekretär Marc Im Winkel behauptet, die Vereinsführung habe mit einer Auflösung des Teams gedroht, falls es gegen GC verlieren sollte. Die Fans im Stadion machen ihrem Unmut mit Transparenten Luft. Die Stadt Neuenburg gibt bekannt, dass Xamax dem Ultimatum nachgekommen ist und den heute fälligen Betrag überwiesen hat. Ansonsten wäre der Konkurs des Vereins eingeleitet worden. Ob damit die Umzugspläne von Tschagajew vom Tisch sind, ist unklar. Die Klubführung will nach dem Meisterschaftsspiel vom Sonntag darüber informieren. Islam Satujew gibt bekannt, dass Xamax aus Neuenburg wegzieht. Wohin ist nicht bekannt. Zwei Fanklubs rufen unterdessen zum Boykott der Heimspiele bis zur Winterpause auf. Wegen Erfolgslosigkeit wird Joaquin Caparros entlassen, sein Nachfolger steht schon bereit: Vitor Munoz. An der ausserordentlichen Generalversammlung ändert Tschagajew die Statuten des Vereins. Neu muss kein Schweizer mehr im Verwaltungsrat sein. Er lässt sich zum Präsidenten wählen und Islam Satujew zum Vize. Das wird mit Buhrufen quittiert. Monsieur Xamax, Gilbert Facchinetti, lehnte den Job als Vize-Präsident zuvor ab. Tschagajew soll nach der Partie gegen Lausanne (2:2) mit bewaffneten Bodyguards die Spieler bedroht und Trainer Caparros übelst beschimpft haben. Nach seiner Degradierung zum sportlichen Direktor, hat Andrej Rudakow nun seinen Rückzug verkündet. Er wird in Zukunft nichts mehr mit den Neuenburgern zu tun haben. Bulat Tschagajew mistet bei Xamax weiter aus. Der Vertrag mit dem Brasilianer Carlão wird nach nur einem Monat wieder aufgelöst. Tschagajew behauptet, dass Xamax den Cupfinal gegen Sion absichtlich verloren hat. Wegen Korruptionsvorwürfen und ausstehenden Lohnzahlungen verklagt der ehamlige Trainer Sonny Anderson Xamax-Klubbesitzer Bulat Tschagajew. Xamax spielt in Thun 0:0. Der erste Punkt unter Joaquin Caparros ist eingefahren. Die erste Übungseinheit unter dem neuen Chef findet am Mittwochmorgen hinter verschlossenen Türen statt. Die Neuenburger präsentieren mit Joaquin Caparros (früher Bilbao) den neuen Trainer und Nachfolger von François Ciccolini. Neu übernimmt Islam Satujew das Amt des Präsidenten. Präsident Andrei Rudakow wird zum Transferchef degradiert. Nach dem Staff-Rauswurf sagt Präsident Andrei Rudakow kurzfristig das Training ab. Nächster Treffpunkt ist erst am Dienstag, 26. Juli um 16 Uhr. Die angekündigte Pressekonferenz um 10 Uhr, mit der Präsentation des neuen (weiterhin unbekannten) Trainers fand nicht statt. Carlão und Augustin Gilles Binya (l.) müssen laut dem Neuenburger Sender «RTN» vernehmen, dass sie sich nach einem neuen Klub umsehen können. Rudakow sagt nach dem Spiel gegen Basel, dass die Schiedsrichterleistung schlecht war - wie schon gegen Luzern. Er droht: «So kann das nicht weitergehen. Das nächste Mal werden wir reagieren, wie es Sion auch macht.» Der Mehrheitsaktionär entlässt unmittelbar nach der 0:2-Pleite in Basel den gesamten Trainerstaff. Der technische Direktor Sonny Anderson, Coach François Ciccolini und Goalie-Trainer Jean-Luc Ettori sind in Neuenburg per sofort nicht mehr erwünscht. Der 49-jährige Stefano Maccoppi (nicht im Bild) übernimmt als Nachwuchs-Chef. Das Gastspiel von Goalie Galatto dauerte nur 90 Minuten. Nach diversen Patzern des Torhüters beim 0:3 gegen Luzern lösen die Xamax-Besitzer den Vertrag mit Galatto (Bild) auf. Auch Federico Almerares verlässt den Klub. Nach der Auftaktpleite gegen Luzern lässt Tschagajew per Telefon alle Spieler vom Heimweg ins Stadion zurückbeordern. Im Stadion wird in der Pause tschetschenischer Volkstanz per Video gezeigt und ein Plakat in kyrillischer Schrift hängt über den Fans. Am gleichen Tag wirft Nachwuchschef Adrian Ursea das Handtuch. Man trennt sich im gegenseitigen Einvernehmen. Der georgische U21-Internationale Irakli Tschirikaschwili unterschreibt bei den Xamaxien einen Vertrag bis Ende Saison. Weitere Neuzuzüge: Stürmer Carlão (l.), Goalie Rodrigo Galatto (r.) und der Paraguayer Edgar Benitez stossen zum Kader. Xamax holt den Spanier David Navarro (Bild) vom FC Valencia und den kamerunischen Junioren-Internationalen Vincent Bikana. Der Defensivspieler kommt von Getafe und erhält einen 2-Jahres-Vertrag. Sanchez stand in der Saison 2008/09 im Kader des FC Barcelona, war aber kein Stammspieler. Der 8-fache belgische Internationale wird für ein Jahr nach Neuenburg ausgeliehen. Madjid Bougherra von den Glasgow Rangers, der Senegalese El-Hadji Diouf (Vertrag bei Blackburn bis 2012) und Gabriel Heinze (Ex-PSG, -ManU, -Real und -Marseille) sind nur drei von unzähligen Namen, die mit Milliardär Tschagajew in Verbindung gebracht werden. Nach elf Jahren bei Xamax erhält der Mittelfeldspieler per Post Nachricht über seine Freistellung. Er wechselt gratis zu YB. Ruud Gullit wird als Trainer bei Terek Grosny entlassen. Russische Medien vermeldeten, dass der ehemalige holländische Internationale zusammen mit Tschagajew in die Schweiz geflogen sei, wo er Neuenburg übernehmen soll. Die neue Führung will Starspieler. So soll Malis Stürmerstar Frédéric Kanouté 2,5 Millionen Euro jährlich erhalten. Der Deal scheitert. Sonny Anderson sagt: «Ich bin der Chef.» Aus der Verpflichtung von Anderson (r.) als Trainer machte Präsident Rudakow eine Verpflichtung als künftiger Technischer Direktor. Sportchef Paolo Urfer, Geschäftsführer Philippe Salvi, Marketing-Chef Alexandre Rey und sein Assistent Cédric Pellet legen ihr Amt nieder. Der Brasilianer besitzt keine Uefa-Pro-Lizenz und darf keine ASL-Mannschaft trainieren. Einen Tag nach dem verlorenen Cupfinal wird Bernard Challandes entlassen. Sein Nachfolger wird Sonny Anderson (Bild). Xamax liegt gegen Sion 0:2 zurück - laut Westschweizer TV habe er gesagt: «I will kill you all!» Der Romand kommt als Feuerwehrmann - drei Runden vor Saisonschluss und mitten im Abstiegskampf. Nachfolger von Ollé-Nicolle wird nicht Diego Maradona. Dieser heuert in der Wüste an. Eine Heimniederlage gegen Thun wurde dem Franzosen zum Verhängnis. Die Übernahme wird an der ausserordentlichen Generalversammlung des Klubs fast ohne Einwände angenommen. Von rund 300 000 Aktienstimmrechten gab es bloss dreimal ein Njet. 1287 Stimmrechte enthielten sich der Stimme. Tschagajew (l.) wird Besitzer, Andrei Rudakow (r.) Präsident. Der schwerreiche Tschetschene will Diego Armando Maradona als Trainer zu den Neuenburgern lotsen. Der Name Bulat Tschagajew taucht erstmals in Zusammenhang mit Xamax in den Medien auf. Der Milliardär ist ein Vertrauter des heutigen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow.

Neuchâtel Xamax unter Bulat Tschagajew.

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Bilanz deponiert, Spieler und Angestellte von ihren Verpflichtungen befreit, Zahlungsunfähigkeit richterlich festgehalten, Besitzer Bulat Tschagajew festgenommen - die Ereignisse um den Traditionsklub Neuchâtel Xamax überschlugen sich im Halbstunden-Takt.

Der 51-jährige Tschagajew wurde am Donnerstagnachmittag nach einer durch den Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa durchgeführten Einvernehmung in Untersuchungshaft genommen. Dem aus Tschetschenien stammenden Mehrheitsaktionär, der erst im Mai 2011 beim Neuenburger Klub eingestiegen ist, wird ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen. Tschagajew soll am Freitag weiter verhört werden.

Die ebenfalls für Freitag geplante gerichtliche Anhörung des Genfer Spielerberaters Ralph Isenegger vor dem Neuenburger Regionalgericht - Isenegger hatte erneut ein Begehren auf Konkurs eingereicht - wurde hingegen annulliert. Diese Anhörung wurde überflüssig, nachdem die Verantwortlichen von Xamax die Bilanz am Mittag beim Neuenburger Konkursgericht deponiert und sämtliche Angestellten nach Hause geschickt hatten. Gleichzeitig waren auch die verbliebenen Spieler freigestellt worden. Gemäss Medienberichten sollen sich die Schulden von Xamax auf rund acht Millionen Franken belaufen.

Der zuständige Richter Bastien Sandoz erklärte daraufhin die Neuchâtel Xamax AG für zahlungsunfähig. Mit Xamax geht nach Lausanne vor acht Jahren und Servette im Jahr 2005 bereits zum dritten Mal ein Westschweizer Traditionsverein in Konkurs. Die Neuenburger werden im nächsten Sommer in der 2. Liga interregional neu anfangen - vorausgesetzt, dass neue Verantwortliche gefunden werden, die den Verein unter neuem Namen weiterführen wollen. Solche Bestrebungen sind seitens eines Rettungskomitees, welchem mit Gilbert Facchinetti auch der langjährigen Präsident von Xamax angehört, bereits im Gange. Angedacht ist ein Zusammengehen mit dem aktuellen Erstliga-Klub Serrières.

«Der Abszess ist endlich tot»

Edmond Isoz, Direktionsmitglied bei der Swiss Football League (SFL), zeigte sich «durch die schnelle Abfolge der Ereignisse um Neuchâtel Xamax überrascht». Die Liga-Führung hat von der Entwicklung um Xamax Kenntnis genommen und wird diese am Freitag in Bern mit Vertretern der verbliebenen neun Axpo-Super-League-Klubs diskutieren. Dieses Treffen war bereits vor den Ereignissen vom Donnerstag angesetzt gewesen. Edmond Isoz rechnet damit, dass durch die vom Neuenburger Regionalgericht festgestellte Insolvenz das Verfahren für die SFL stark vereinfacht wird. «Doch unser Ziel ist es nicht, ein vereinfachtes Leben zu haben», so Isoz.

«Der Besitzer hat es in nur sechs Monaten geschafft, den Klub zu zerstören», sagte Philippe Gnaegi. Der für den Sport zuständige Neuenburger Regierungsrat fügte an, dass «alle Neuenburger wütend» seien. Grosse Trauer über das Verschwinden des fast 100 Jahre alten Traditionsklubs äusserte auch der Neuenburger Gemeinderat, der sich aber gleichzeitig auch «erleichtert» zeigte, dass «der Abszess endlich tot ist».

Zwei Abfuhren vor Gericht

Bereits am Donnerstagvormittag hatten das Handelsgericht des Kantons Bern und das Regionalgericht Bern-Mittelland die von Neuchâtel Xamax geforderten superprovisorischen und provisorischen Massnahmen gegen den Lizenzentzug verweigert. Beide Gerichte beurteilten die Behauptung der Neuenburger, dass die Disziplinarkommission (DK) der Swiss Football League (SFL) am 18. Januar nicht berechtigt gewesen sei, ihnen die Lizenz zu entziehen, aufgrund der Reglemente des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) und der SFL als nicht naheliegend.

Die Neuenburger wollten mit den beiden Eingaben für ihren Rekurs gegen den Entscheid der DK aufschiebende Wirkung erreichen. Dies hätte ihnen - zumindest vorläufig - ermöglicht, an der am 4./5. Februar wieder beginnenden Meisterschaft der Axpo Super League teilnehmen zu können. Die SFL hat bei beiden Gerichten die Möglichkeit zur schriftlichen Stellungnahme. Noch hängig, mit der Deponierung der Bilanz wahrscheinlich aber hinfällig geworden, ist die Beschwerde von Xamax beim Rekursgericht der Swiss Football League. Dieses will sich am Wochenende zu den Forderungen der Neuenburger äussern.

«Jetzt können wir einen neuen Job suchen»

Während auf der Klub-Homepage noch für den Rückrrundenstart vom 4. Februar 2012 Werbung gemacht wird, berichtete «Le Matin», dass die Angestellten der Geschäftsleitung am Donnerstagmorgen ihre Büros auf der Neuenburger Maladière verlassen hatten. Auch die Spieler sind nicht mehr an den Verein gebunden. Die Geschäftsführung hat ihnen die sofortige Freigabe erteilt.

Teammanager Raoul Savoy ist nicht erstaunt, dass der Verein die Bilanz deponiert hat. «Es ist eine Erleichterung für alle. Dies bedeutet, dass wir jetzt die Freiheit haben, einen neuen Job zu suchen. Damit können wir wieder etwas Ordnung in das Leben bringen», sagte er zu «20 Minutes Online». Savoy will aber nicht ohne finanzielle Entschädigung gehen. «Wir werden weiterhin mit den Waffen kämpfen, die uns nach Schweizerischem Recht zustehen. Wir haben Rechnungen zu bezahlen. Jeder hat gelitten und leidet immer noch unter dieser Situation und ich hoffe, dass sich alles schnell normalisiert.»

(als/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Renald Guggenheim am 27.01.2012 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Rückschlüsse?

    Jetzt so richtig schön draufschlagen....wie einfach ist das, gegen einen vorveruretileten Menschen wie Tschagajev. Ihr habt ihm nie eine Chance gegeben, aber er ist kein Unmensch, er wurde richtiggehend 'verseckelt' durch die Machenschaften des Vorgängers Bernasconi, der ihm einen Schuldenberg von 3,5 Mio. hinterliess. Leider vergass Tschagajev, dass er mit der Übernahme auch die Passiven verwerte muss, er hat Bernasconi einfach geglauibt, dass ales okay war, und ging damit baden. Tschagajev HAT Fehler gemacht, ohen Frage, aber die Rolle Bernasconis ist ebenso faul!

  • Walter Strub am 26.01.2012 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tip Top

    Es hat viel zu lange gedauert. Hoffentlich wird dieser Herr jetzt richtig geröntgt...

  • Beat am 26.01.2012 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    The Show

    ... und Morgen gegen Kaution frei.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Danilo Macagerio am 28.01.2012 02:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine kaution

    @beat.. Wenn er in U-Haft ist, kann er sicht nicht freikaufen ;) für etwas giebt es ja die untersuchungshaft!

  • Roland Eck am 27.01.2012 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Heulen!

    Was sollte das ganze Theater? Dieser Investor beteiligte sich an einem Klub in einer schwerer Situation. Und was Macht er, er versenkt es mit Überheblichkeit und Vorwürfen an alle anderen. Was war sein Ziel? Seine Intention. Wollter der nur etwas Ruhm? Denn es scheint nicht, das er wirklich Geld in den Klub investierte. Aber für einen Tollen Klub wie Xamax ist war das sehr Schade!

  • Bale am 27.01.2012 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was läuft hier falsch?

    @ Beat ... was niemanden erstauen, keiner verstehen und jeden wütend machen würde!

  • Thomas am 27.01.2012 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Hoffe es wird daraus gelernt

  • Renald Guggenheim am 27.01.2012 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Rückschlüsse?

    Jetzt so richtig schön draufschlagen....wie einfach ist das, gegen einen vorveruretileten Menschen wie Tschagajev. Ihr habt ihm nie eine Chance gegeben, aber er ist kein Unmensch, er wurde richtiggehend 'verseckelt' durch die Machenschaften des Vorgängers Bernasconi, der ihm einen Schuldenberg von 3,5 Mio. hinterliess. Leider vergass Tschagajev, dass er mit der Übernahme auch die Passiven verwerte muss, er hat Bernasconi einfach geglauibt, dass ales okay war, und ging damit baden. Tschagajev HAT Fehler gemacht, ohen Frage, aber die Rolle Bernasconis ist ebenso faul!