Fehlende Konstanz

16. November 2019 17:33; Akt: 16.11.2019 17:34 Print

Lichtsteiner findet EM-Qualifikation «komisch»

von Eva Tedesco - Ein Punkt in Gibraltar reicht der Nati, um sich zum 4. Mal in Folge für eine Endrunde zu qualifizieren. Trotzdem war für Stephan Lichtsteiner nicht alles Alltag.

Stephan Lichtsteiner, Yann Sommer, Granit Xhaka und Christian Fassnacht vertreten nicht immer die ganz gleiche Meinung.(Video: 20 Minuten)
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Das Spiel in St. Gallen gegen Georgien widerspiegelt irgendwie die aktuelle EM-Qualifikations-Kampagne: Die Mannschaft von Nati-Trainer Vladimir Petkovic lässt phasenweise ihre Klasse aufblitzen, spielt den Gegner schwindlig, baut dann im Spiel ab und bringt sich selber in Bedrängnis. «Wir hätten das Spiel schon früher klar machen können, aber irgendwie war die Aggressivität vor der Box nicht da, sondern das Gefühl, wir machen das Tor irgendwann schon», sagt Stephan Lichtsteiner dazu.

«In der ersten Halbzeit haben wir einen üblen Konter bekommen, bei dem wir Glück hatten, dass wir nicht in Rückstand gerieten und plötzlich war in der zweiten Hälfte ein wenig Angst dabei. Dort haben wir im Moment nicht ganz kapiert, worum es geht.»

Es sei aber auch nicht einfach gewesen, zumal viele Stammspieler fehlten und sich vor dem Spiel auch noch Haris Seferovic (18 Tore), der aktuell treffsicherste Nati-Stürmer, mit Wadenproblemen abmeldete. Yann Sommer, dessen Eingreifen es nach der Pause wohl häufiger benötigte, als er erwartet hätte, liess dies nicht als Ausrede gelten. «Wir haben ein superbreites Kader und viel Qualität», so die Nummer 1 im Schweizer Tor, «wir wussten, dass ein Punkt wichtig war, deshalb mussten wir das Resultat im Kopf behalten. Darum waren wir zum Teil ein wenig blauäugig.»

Die Konstanz blieb auf der Strecke

Dank des ersten Länderspieltors von Debütant Cedric Itten waren es am Ende drei Punkte und die Schweiz steht schon fast als EM-Teilnehmer fest. Ein Punkt in Gibraltar reicht, um sich zum vierten Mal in Folge für eine Endrunde zu qualifizieren. Gegen den Fussballzwerg, die Nummer 196 im Fifa-Ranking, ist ein Sieg «Pflicht», wie es Sommer sagt. «Die Qualifikation ist unser Hauptziel. Wenn möglich als Gruppenerster, und die Chance haben wir nach wie vor», sagt Captain Lichtsteiner. «Es gilt bis zum Schluss konzentriert zu bleiben, auch wenn es Gibraltar ist. Es kann aber immer etwas passieren. Die Qualifikation war wirklich eine komische.»

Komisch ist, dass die Konstanz der Schweizer nach der WM 2018 auf der Strecke blieb. Während sie in der Ausscheidung für Russland lediglich eines von zehn Spielen verloren (das entscheidende in Portugal) und auch Duelle gewannen, wenn sie nicht gut waren, geben sie in der laufenden EM-Quali Partien aus der Hand, in denen sie deutlich überlegen waren oder verlieren wie gegen Dänemark, obwohl sie besser spielten.

Granit Xhaka zum Auftritt mit der Nationalmannschaft und zur laufenden Qualifikation.(Video: 20 Minuten/ete)

Xhaka teilt Lichtsteiners Ansicht nicht

«Ich finde, wir spielen die bessere Qualifikation», sagt hingegen Granit Xhaka. An was macht der 81-fache Internationale das fest? «Das sieht man, und wir Spieler spüren, dass wir fussballerisch gegenüber der WM-Quali besser sind. Es gibt nicht jeden Tag ein 3:0 zu einem 3:3 wie gegen Dänemark. Wenn wir das gewonnen hätten, wären wir souverän durch. Wir haben es in der Tabelle sicher kompliziert gemacht. Aber so eine Quali tut uns gut – auch im mentalen Bereich, dass wir daraus lernen und es in Zukunft besser machen können.»

Die Uhr zeigte schon bald Mitternacht, als Granit Xhaka die Interview-Zone im Kybunpark verliess. Den Kulturbeutel in der Hand, müde aber nach dem Sieg mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Nach 20 Tagen ohne für Arsenal gespielt zu haben, konnte er endlich wieder seiner Leidenschaft auf dem Rasen nachgehen.

Xhaka gegen Georgien gewohnt souverän

Am 27. Oktober bestritt der Basler sein letztes Pflichtspiel für die Gunners. Jener Arbeitstag des Baslers in der Premier League, der in seinem unrühmlichen Abgang endete, nachdem er gegen Crystal Palace von den eigenen Fans ausgepfiffen worden war. Es folgten schwierige Zeiten für Xhaka und er gestand, «es hat mich schon mitgenommen». Bei der Nationalmannschaft strahlte er gegen Georgien wieder das Selbstvertrauen aus, das man von ihm gewohnt ist. Und er spielte auch gewohnt souverän. Seine Statistik: 135 Ballkontakte, 92 Prozent genaue Pässe, 6 wichtige Zuspiele, je zwei Schüsse auf und neben das Tor. Entscheidender war aber, dass er am Ursprung des einzigen Treffers des Abend stand.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marvinking2006_tiktok am 16.11.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Nationalmannschaft

    Zum Glück hat Itten noch alles gerettet

  • Arno Locher am 16.11.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwach

    Sorry aber mit diesen unterirdischen Leistungen hat die Schweiz an der Endrunde keine Chance. Die Hälfte aller Spieler haben im Moment in ihren Clubs keinen Stammplatz!

    einklappen einklappen
  • Reto Paul am 16.11.2019 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lichtsteiner

    Lichtsteiner hat schon recht, es läuft noch nicht optimal. Aber das Potenzial ist vorhanden. Go and look forward!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rhihalden am 17.11.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    War schlecht

    Ich als Fan der Nati bin maßlos enttäuscht, die Spielweise war schlecht und Leute wie Steffen gehören einfach nicht in diese Mannschaft hatte Glück das er nicht von Platz flog, wer so gefrustet ist braucht unser Nati nicht.

  • Tell's Lady am 17.11.2019 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien in Sicht

    Ich freue mich auf die 1/8-Finals mit Mannschaften wie Holland, Deutschland oder England. Dann sind unsere Plauderi schon in den Ferien...

  • Joe Frazier am 17.11.2019 03:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ich glaube es ist 25 Jahre her wie die Nati sich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder für ein großes Turnier qualifizierte. USA 1994! Wir gingen raus auf die Straße lagen uns in den Armen, schrien unsere Freude aus den Lungen, Autos hupten im Korso.... Volksfestähnliche Zustände! Und heute, nach fast sicher 4 aufeinander folgenden Qualifikationen für ein großes Turnier: bei vielen Fans viel Kritik und null Freude. Schade!

  • Ela1 am 16.11.2019 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nix

    Komisch?!Ich fand es eher beschämend wie die spielten.

  • Allschwiler am 16.11.2019 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    EM-Quali doof

    Komisch ist die Qualifikation deswegen und dies gilt für alle Mannschaft, wegen dieser vollkommen unnötigen Nation League. Mag interessant sein für kleine Nationen aber für alle anderen ein totaler Blödsinn.