Nach starkem Debüt

10. März 2011 13:54; Akt: 10.03.2011 14:02 Print

«Die Schweiz setzt auf Gavranovic»

von Reto Fehr - Mario Gavranovic katapultierte sich in der Champions League ins Scheinwerferlicht. Wird der schweizerisch-kroatische Doppelbürger auch für die Schweiz spielen? Es sieht gut aus.

Mario Gavranovics Tor zum 2:1 gegen Valencia. (Quelle: Sat1)
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Ein Tor, ein Pfostenschuss und ein Lupfer auf die Lattenoberkante: Mario Gavranovic war bei seinem Debüt in der Champions League ein wichtiger Pfeiler Schalkes auf dem Weg zum 3:1 gegen Valencia. Der 21-Jährige knüpfte damit nahtlos an seinen ersten Auftritt im DFB-Pokal an, als er Ende Januar im Viertelfinale das zwischenzeitliche 1:1 gegen Nürnberg erzielte (Endstand 3:2). Seither kamen für den jungen Stürmer drei Einsätze in der Bundesliga hinzu (total 5 in dieser Saison). Auch von der Verletzung Klaas-Jan Huntelaars profitiert der schweizerisch-kroatische Doppelbürger. Der Wechsel zu Schalke wurde erst oft belächelt. Nach einer starken Halbsaison bei Xamax (8 Tore in 17 Meisterschaftsspielen) entschied er sich schnell im Winter 2010 für diesen Schritt und musste lange unten durch.

Jetzt steht Gavranovic (zumindest kurzfristig) im Mittelpunkt. Und wie immer, wenn ein Schweizer Fussballer irgendwo trifft, fragt sich die halbe Nation: Wäre das nicht der ideale Nachfolger von Alex Frei? Der Rekordtorschütze tritt bekanntlich nach dem England-Spiel aus der Nati zurück. Jemand muss diese Lücke füllen. Bei Trainer Ottmar Hitzfeld ist Gavranovic «längst auf dem Radar», wie SFV-Medienchef Marco von Ah auf Anfrage bestätigt. Der Angreifer der U21-Nati (9 Einsätze) traf sich vor Kurzem mit dem Lörracher. «Als wir im Februar auf Malta waren, lud Hitzfeld Gavranovic zum Gespräch ins Hotel der A-Nationalmannschaft ein. Die beiden haben sich rund 30 bis 45 Minuten unterhalten», erklärt von Ah und ergänzt, «Hitzfeld machte ihm klar, dass die Schweiz langfristig auf ihn setzt».

Hitzfeld hat positiven Eindruck

Damit wären wir bei der nächsten Frage, welche sich die Schweizer Fans bei jedem jungen Doppelbürger stellen: Will er denn auch wirklich für die Schweiz spielen? Der im Tessin aufgewachsene Gavranovic hat kroatische Wurzeln. In der Vergangenheit machte die Schweiz mit Mladen Petric oder Ivan Rakitic schlechte Erfahrungen. Beide entschieden sich für Kroatien - und gegen die Schweiz. «Für ihn war beim Gespräch mit Hitzfeld klar, dass er für die Schweiz spielen wird. Wir haben einen guten Eindruck», so von Ah. Doch man weiss nie, was die Zukunft bringt.

Schweiz zahlt kein Geld

Möglich, dass der kroatische Verband noch eine Charme-Offensive starten wird. Und vielleicht wird dann auch Geld angeboten, um den Nationen-Entscheid zu beeinflussen. Davon hält der SFV nichts, wie der technische Direktor und Nachwuchschef Peter Knäbel kürzlich wieder im Interview auf der Verbandsseite betonte: «Der Schweizerische Fussballverband lockt nicht mit finanziellen Argumenten, sondern mit sportlichen Perspektiven», und spielt unter anderem darauf an, dass die Schweiz an den letzten vier grossen Endrundenturnieren immer dabei war - im Gegensatz etwa zu Kroatien.

Der Weg in die Nationalmannschaft ist bei Hitzfeld klar: Die Türe ist immer offen, für jeden. Man kann sich über Leistungen im Klub aufdrängen, so die Maxime des 62-Jährigen. Das Spiel zwischen Schalke und Valencia hat sich der Nati-Trainer angeschaut und mit Felix Magath pflegt er regen Kontakt. Reicht das schon für eine Nominierung für das kapitale Spiel gegen Bulgarien am 26. März? «Das weiss ich nicht», sagt von Ah, «aber wenn Hitzfeld auf Malta mit Gavranovic spricht, dann nicht, weil er ihn in fünf Jahren vielleicht einmal aufbieten möchte.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kroat am 10.03.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kroat, kein Schweizer !

    Was ist los mit euch? Sobald mal ein Mörder in der Schweiz ist, heisst es in der Zeitung der Kroate, Albaner, Serbe.. aber wenn mal ein Kroatischer Spieler gut ist heisst es nicht der Kroate,Albaner,Serbe sondern der Schweizer..ihr seid lächerlich er ist Kroate und bleibt es !!

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  • torc. am 10.03.2011 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    sei klug..

    persönlich glaube ich auch das er sich für kroatien entscheiden wird, da der nationalstolz bei kroaten wie unten erwähnt, und ich dass aus eigener erfahrung weiss, sehr gross ist.. jedoch hoffe ich für ihn das er sich trotzdem für die schweiz entscheidet, weil ihn das wie ich glaube sportlich weiterbringen wird. nicht weil die schweiz besser ist, im gegenteil, in kroatien hätte er eine zu grosse konkurenz.. nebenbei.. mal schauen wie er sich noch entwickelt sogar ich könnte in der bundesliga mal einen guten tag erwischen :P

  • Petrov am 10.03.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Fair Play

    Bei der heutigen Globalisierung und der wirtschaftlichen Wichtigkeit einer Fussball-Nationalmannschaft ist es nur eine Frage der Zeit, bis der finanzielle und sportliche Aspekt Hand in Hand gehen. Siehe Katar: Die kaufen sich bereits jetzt weltweit die grössten Talente zusammen,bieten ihnen die besten Voraussetzungen(Trainer/Plätze) an, und machen sie und deren Eltern noch vor ihrem 18. Geburtstag zu Millionären. Und an der WM2022 werden sie Mitfavorit auf den Titel sein,ohne auch nur einen Katarer in der Mannschaft zu haben... Wo hört eigentlich der Fair Play Gedanke bei der Fifa auf???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Papa am 17.03.2011 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer hinten drin

    Djourou ist Verteidiger in Arsenal und sonst haben die Schweizer keinen Spieler der irgendwie in einem anständigen Klub spielt. Kroatien gehört zu den Top-Mannschaften und misst sich mit Deutschland, Argnetinien, Brasilien, Spanien und so, während die Schweizer sich erstmal mit Costa Rica, Luxemburg befassen müssen.

  • Peter am 12.03.2011 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Objektiv sein hilft weiter

    Wir profitieren, profitieren und profitieren. Wir picken die Rosinen, die wir brauchen. Wir haben 90% aller Secondos (oder gar Migranten, die im Ausland geboren wurden) für die Nati gewinnen können. Wir importieren ja auch die Arbeitskräfte, die Indien oder Deutschland ausbildet, ohne dass wir einen Rappen investieren. Und nun erlauben sich 3-4 Spieler (von 20-30) die Frechheit eine andere Nationalmannschaft zu wählen und wir wollen darum die ganzen Fifa Richtlinien ändern, denn wehe jemand profitiert einmal andersrum von unserer Ausbildung und gibt nichts zurück! Ist doch verrückt, oder?

    • DieWutscheDesBösen am 12.03.2011 16:30 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Was für ein Blödsinn, all diejenigen die sich für die Schweizer Nationalmannschaft entschieden haben, genossen ihre Ausbildung auch in der Schweiz. Es gibt keinen Spieler, der im Ausland ausgebildet wurde und dann von den Schweizern "gestohlen" wurde. Im Gegensatz von Kroatien, Serbien und der Türkei (siehe Deutschland). Das sage ich als Serbe.

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  • Fussballmessias am 11.03.2011 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Durchschnittsfussballer

    lächerlich. hat sich seit Jahren nicht durchsetzen können, war froh überhaupt mit der 1. Mannschaft trainieren zu dürfen. Wird jetzt nach einem Rumpeltor in den Himmel gelobt. Sollte sich erstmal über einen längeren Zeitraum als "Goalgetter" beweisen um Ansprüche für die Nati zu stellen. Eine gute Saison in der "Super League" zu haben, ist wahrlich kein Kunststück. Profifussballer werden allgemein zu sehr hochgelobt, über 75% sind Durchschnittsfussballer und meinen aufgrund der Berichterstattung der Mittelpunkt der Welt zu sein.

  • Jose Miranda am 11.03.2011 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Er soll Namen ändern

    Da komm eben das berühmte ic wieder zum vorschein...! Würde er Mario Müller heissen, würde wahrscheinlich keiner ein Problem haben!

  • David am 11.03.2011 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Identität entsteht durch Zugehörigkeit

    Es wäre Zeit unsere Mitmenschen und Mitschweizer auch im täglichen Leben Brüder und Schwestern zu nennen. Jede zweite Generation mit Migrationshintergrund ist mehr Schweizer als Nicht-Schweizer. Migrationensbewegungen gehören zum Menschen (auch zum Schweizer). Unterschiede verwachsen (mit der Zeit). Doch echte Integration und Assimilation können erst durch ein "Willkommen heissen", eine Akzeptanz des Anderen entstehen. Dieser Schritt liegt an "uns"! Vielleicht sollten wir unseren Nachbarn lieber einmal in die Arme nehmen, als immer nur höhere Zäune und Mauern zu bauen. Denkt mal darüber nach.