Stephan Lichtsteiner

05. September 2019 17:45; Akt: 05.09.2019 23:33 Print

«Die WM hat sicher etwas kaputt gemacht»

von Eva Tedesco - Offiziell ist Stephan Lichtsteiner Captain des Schweizer Nationalteams. Der 35-Jährige pfeift auf einen schönen Abschied – er will an die EM 2020.

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Mit 35 Jahren hat Stephan Lichtsteiner immer noch nicht genug: Das Ziel des Nati-Captains ist die EM 2020. Am 8. Juni 2018 wird Stephan Lichtsteiner vor dem Testspiel gegen Japan von SFV-Präsident Peter Gilliéron für das 100. Länderspiel geehrt. Dem Captain fehlen nun noch 18 Spiele bis zur Rekordmarke von Heinz Hermann. Am 11. Juni 2018 reist der Nati-Captain zu seiner fünften Endrunde mit der SFV-Auswahl. Nicht ganz 100: Am 3. Juni 2018 absolvierte der Nati-Captain in Spanien (1:1) sein 99. Länderspiel. Das 50. Länderspiel ist sechs Jahre her. Lichtsteiner gewann mit der Schweiz in der WM-Quali für Brasilien am 7. September 2012 in Ljubljana gegen Slowenien 2:0. Sein Debüt in der Nati gab Lichtsteiner am 15. November 2006 gegen Brasilien. Die Schweiz verlor in Basel 1:2. Auf Clubebene wechselt Lichtsteiner im Sommer 2019 in die Bundesliga zu Augsburg. Noch lange nicht genug: Am 5. Juni 2018 gab der 34-jährige Innerschweizer offiziell seinen Wechsel zu Arsenal bekannt und wird Mannschaftskollege von Granit Xhaka. «Die letzten zehn Jahre waren eine wichtige Lebenserfahrung, die geknüpften Freundschaften werden nicht abbrechen», sagt Lichtsteiner nach seinem Abschied von Juventus Turin im Mai 2018. Sieben Meistertitel in Serie: Mit Juventus gewann Stephan Lichtsteiner jedes Jahr die Serie A. Erstmals in der Serie A: Vor Juventus spielte Lichsteiner von 2008 bis 2011 bei Lazio Rom und wurde dabei einmal italienischer Pokalsieger. Der Durchbruch: Nach drei Jahren bei Lille in der Ligue 1 wurde Stephan Lichtsteiner auch für die anderen Grossclubs interessant. Auf dem Sprung nach Frankreich: GC-Präsident Walter Brunner verabschiedet Stephan Lichtsteiner 2005 nach vier Jahren bei den Grasshoppers.

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Stephan Lichtsteiner kam am Donnerstag doch noch zu seinem Einsatz. Nur nicht vor grossem Publikum mit der Schweizer Nationalmannschaft, wo er Captain ist, weil nie etwas anderes kommuniziert wurde, sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Augsburg in einem Testspiel gegen den FC Schaffhausen. Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat Lichtsteiner für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Gibraltar einmal mehr wieder nicht aufgeboten.

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Seit der WM 2018 in Russland kam der 105-fache Nationalspieler bloss noch zweimal zum Einsatz: Am 11. September 2018 bei der 0:1-Niederlage im Testspiel in England und am 23. März beim 2:0-Sieg in der EM-Qualifikation in Georgien. Aber Lichtsteiner macht kein Geheimnis daraus, dass er nicht freiwillig zurücktreten wird und das Kapitel Natiionalteam für ihn nicht beendet ist. Aber wie weiter, wenn es zur Patt-Situation zwischen Petkovic und Lichtsteiner kommt?

Stephan Lichtsteiner, es ist gerade Länderspielpause. Geniessen Sie einen freien Nachmittag?
Keinesfalls. Ich bin gerade auf dem Weg ins zweite Training. Freie Tage gibt es vielleicht am Wochenende ab Freitag.

Sie sollten als Schweizer Captain aber woanders sein. Wie verdauen Sie Ihre wiederholte Nicht-Nomination?
Enttäuschungen gehören zum Sport und natürlich war ich enttäuscht, als der Trainer mir mitgeteilt hat, dass ich nicht dabei bin. Wie gesagt, ich habe mir hohe Ziele gesetzt und eines davon ist die EM 2020. Darauf trainiere ich hin. Aber ich verliere keine Energie wegen Entscheidungen, die ich nicht beeinflussen kann. Als Fussballer in meinem Alter geniesst man es noch viel mehr, weil man weiss, dass das Karriereende näher kommt. Ich gebe weiterhin Gas und schaue, dass ich meine Leistung auf dem Platz bringe, zeige dem Trainer, dass ich fit bin und auf höchstem Level spielen kann.

Sie wollen dem Trainer zeigen, dass Sie fit sind, ein Rücktritt kommt für Sie nicht in Frage. Vladimir Petkovic wiederum sagt, ein Nationaltrainer könne keinen Nationalspieler in Pension schicken, bot Sie aber zuletzt nicht mehr auf. Die Situation könnte Sie um einen schönen Abschied bringen. Gibt es keine Lösung?
Ich meine, das mit dem schönen Abschied ist ziemlich kitschig. Und Fussball ist keine kitschige Sache. Nationalmannschaft und Fussball ist gleich Leistung, nach Leistung soll er auch gemessen werden. Ob nun schöner, schlechter oder unwürdiger Abschied –die Besten sollen dabei sein und das entscheidet schlussendlich der Trainer. Ich stehe nach wie vor zu Verfügung. Die EM ist mein grosser Traum und dafür arbeite ich tagtäglich. Im Sommer 2020 werden wir sehen, ob ich es schaffe oder nicht.

Wie beurteilen Sie die Kommunikation mit dem Nationaltrainer?
Die Kommunikation mit dem Trainer ist immer gut gewesen. Er hat mich über seinen Entscheid informiert, und das gilt es zu akzeptieren. Ich habe kein Problem damit.

Wie häufig sprechen Sie miteinander und wie laufen die Gespräche ab? Tauscht man sich aus oder stellt Sie Vladimir Petkovic vor Tatsachen?
Ich weiss, das ist im Moment ein Riesenthema für euch Medien, aber das sind private Dinge, die sollten auch unter mir und dem Coach bleiben.

Aber dass das Image der Nationalmannschaft gelitten hat, sehen auch Sie, oder?
Man muss differenzieren. Die WM hat sicher etwas kaputt gemacht und im Moment ist wieder extrem viel Unruhe in die Gruppe gebracht worden. Auch in dieser Woche, und ich glaube, dass dies unnötig ist. Wenn man das objektiv und fair betrachtet, ist das sicher auch eine Schuld unserer Mannschaft, aber nichtsdestotrotz muss man die Kirche im Dorf lassen und zugeben: Diese Mannschaft feierte in den letzten Jahren grossartige Erfolge, auch wenn das letzte Jahr resultatmässig eines der schlechteren der den letzten acht war. Aber es ist ein Umbruch im Gang und das braucht Zeit. Es sind deshalb Fehler passiert und es werden weiter Fehler passieren. Aber deshalb muss man nicht jeden Stein umdrehen, denn letztlich zählen die Resultate, und die waren in den letzten Jahren wirklich schon sehr, sehr gut für ein Land wie die Schweiz. Und das muss man auch ehrlich sagen und darauf aufbauen.

Haben Sie Kontakt in die Nationalmannschaft, auch wenn Sie nicht dabei sind?
Natürlich. Ich schreibe mit dem einen oder anderen. Ich bin auch der Typ, der sich freut, wenn er den einen oder anderen sieht oder auch privat trifft. Ich hoffe, dass die Nationalmannschaft mit einem guten Spiel mehr Ruhe reinbringt, als noch zu Beginn der Woche. Das wäre positiv für das Team und das hätte es auch verdient.

Wir sprechen die längste Zeit über Unruhe in der Nati. Der Auslöser ist eine unverständliche «Auszeit» von Xherdan Shaqiri. Was sagen Sie dazu?
Schlussendlich ist es der Entscheid von Xherdan Shaqiri. «Shaq» hat sehr viel für das Land gemacht und hat jetzt seine eigenen Sachen, die er regeln muss und dann wieder wie gewohnt Topleistungen für die Nati leisten wird. Das gilt es zu respektieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 05.09.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profi

    Aus diesen Zeilen geht klar hervor was für ein Profi Lichtsteiner ist. Hoffen wir mal dass er im 2020 noch dabei sein wird. Ich möchte es ihm von Herzen gönnen.....aber bis dahin hat die Schweiz noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. Viel Glück und hopp Schwiiiz!

  • Tinu am 05.09.2019 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reifes Interview

    Gute und klare Aussagen. Kein Groll gegen aussen, ehrgeizige Ziele und eine professionelle Einstellung! Solche Typen brauchts. Ob er seine Ziele erreicht oder nicht.. Wünsche ihm viel Glück auf dem Weg. Hopp schwiiiz!!!

  • P.A. am 05.09.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Typ

    Man kann von Stephan Lichtsteiner und seinen Affekthandlungen (erste Gelbe am letzten Samstag, Doppeladler, undundund) halten, was man will. Aber von seiner sachlich differenzierten Kommunikation in Interviews direkt nach dem Spiel oder im soeben gelesenen können sich viele seiner Berufskollegen eine Scheibe abschneiden. Er stellt sich selber nicht in den Mittelpunkt und behält die brisanten Internas für sich. Meinen Respekt hat er.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 34 am 05.09.2019 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • Weg Dafür am 05.09.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pet Entsorgung

    Der muss einfach nur noch weg. Ähhh, ääämmm, ähh. Kann nicht so gut reden wie einige "seiner" Spiler Fussball spilen koennen. Ist schlechteste Träner welche Schweiz je hatte. Vor allem die soziale Kompetenz ist unterirdisch.

  • Insider am 05.09.2019 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikationsprobleme

    Unser Nationaltrainer hat offenbar Kommunikationsprobleme mit dem Kader. Dieses Manko kommt rüber. Bei einer heutigen Niederlage muss über den Weggang von Petkovic diskutiert werden. Es gibt auf den Markt noch genug professionelle Trainer.

  • Fussballfan am 05.09.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profi

    Aus diesen Zeilen geht klar hervor was für ein Profi Lichtsteiner ist. Hoffen wir mal dass er im 2020 noch dabei sein wird. Ich möchte es ihm von Herzen gönnen.....aber bis dahin hat die Schweiz noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. Viel Glück und hopp Schwiiiz!

  • Rudd Wilston am 05.09.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Icce Wicce Guut Spieeil

    Lichtsteiner ,Dzemaili nicht mehr im Team Derdiok was ist mit dem Berahmi ist nicht mehr Gut ? Petkovic entlassen und ein Trainer mit Herzblut Andy Egli zum Beispiel oder Favre !